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Kinderland (Januar 1904) (1904)

Access restriction

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Bibliographic data

fullscreen: Kinderland (Januar 1904) (1904)

Periodical

Persistent identifier:
025299433
Title:
Kinderland
Subtitle:
Blätter für ethische Jugenderziehung
Document type:
Periodical
Place of publication:
Berlin
Language:
German
Collection:
Pädagogische Zeitschriften
ZDB-Nummer:
2126434-X
Fußnote/Bemerkung:
Beil. zu: Ethische Kultur
Access restriction:
Siehe Bände

Periodical volume

Persistent identifier:
025299433_0004
Title:
Kinderland (Januar 1904)
Shelfmark:
02 A 760 ; RF 620 - 631
Document type:
Periodical volume
Publication year:
1904
Language:
German
Collection:
Pädagogische Zeitschriften
Access restriction:
Open Access

Periodical issue

Title:
Heft 1
Document type:
Periodical
Structure type:
Periodical issue
Collection:
Pädagogische Zeitschriften
Access restriction:
Open Access

Article

Title:
Kinderland
Author:
Penzig, Rudolf
Document type:
Periodical
Structure type:
Article
Language:
German
Collection:
Pädagogische Zeitschriften
Link zum Katalog:
BBF0533953
Access restriction:
Open Access

Contents

Table of contents

  • Kinderland
  • Kinderland (Januar 1904) (1904)
  • Heft 1 (1)
  • Kinderland
  • Für die Gesangsstunde
  • Werdet gute Bausteine!
  • Lesefrüchte
  • Heft 2 (2)
  • Heft 3 (3)
  • Heft 4 (4)
  • Heft 5 (5)
  • Heft 6 (6)
  • Heft 7 (7)
  • Heft 8 (8)
  • Heft 9 (9)
  • Heft 10 (10)
  • Heft 11 (11)
  • Heft 12 (12)

Full text

jollen und 
dürfen wir ſie ausrüſten für den Lebensweg, ihre Schwäche |c<üßen mit unſerer Kraft, ihre Unreife mit 
- unferer Erfahrung = aber das Land müſſen ſie ſelber finden. - Und wenn nun Menſchenalter um Menſchenalter- die 
Jugend immer wieder voranrüct, wenn nun auch nach Jahrhunderten und Jahrtauſenden immer wieder die Alt- 
gewordenen zweifelnd innehalten und, jelbſt an der Erreichung ihres Zieles verzweifelnd, ihre Jugendkraſt als Ver 8acrum 
weiter ſenden =- meint ihr nicht, daß dann troß aller Jrrwege und Zickzack und Spirallinien die Menſchheit als 
Ganzes nicht doh den Gefilden der Seligen näher gefommen ſein wird? 
Wir glauben es zuverſichtlih. Aber noch eins ſei gejagt. | | 
Zu dieſem Kinderlande führt nur eine große Straße; es gibt keine Shleichwege und heimliche Fußpfade, wo 
Du hinter dem Rüden des großen Heeres, Du mit Deinen Kindern, hineinſchlüpfen könnteſt. Alle oder keiner! 
Deine Kinder ſollen e8 gut haben, Deine Kinder ſollen die beſte Grziehung erhalten, Deine Kinder ſollen Muſter 
und Jdealbilder menſchlicher Vollkommenheit werden -- und die andern? 
In welcher Welt werden denn Deine Kinder leben? 
Schmuz, Irrtum und Gemeinheit? 
Darfſt Du ſie dahinten laſſen in Elend 
Werden nicht alle dieſe erbärm= 
u für 
lichen, geiſtig Zurücgebliebenen, ſittlich Verkommenen, dieſe Tiermenſchen einmal die Genoſſen, Gefährten, Mitarbeiter und 
Mitmenſchen Deiner Kinder ſein? Das 1iſt die Umwelt, 
willjt? 
JFüßetreten ſein! 
andern unter die Füße treten, mit Herrſchſucht und Hohn und 
haben und weniger Menſch ſein, als die ſie knechteten. 
Ah, wie bald werden ihre Engelfittiche ausgerupft, 
Oder ſie werden -- darf man es den günſtigſten Fall nennen, oder iſt es nicht der ſchluinmſte? =- die 
Menſc<henverachtung die edlen Züge ihres Antlitzes verunſtaltet 
in die Du Deine ſorglich gehüteten Muſterkinder hineinſtellen 
ihre reinen Kleider beſhmutßt, ihre zarte Feinheit unter die 
Nein, es qibt kein Kinderland, kein Paradies mit einem „Gingang nur für Herrſchaften!" Gemeinſam ſich an 
ven Händen haltend, in herzlichem LiebesSreigen, die Lo>en befränzt mit gemeinſam gepflücten Blüten, alle gleich rein 
und weiß und gleich leuchtend das Angeſicht von inniger Mitfreude und menſchlicher Würde wird die jüngſte Generation 
ihren Einzug halten in die Heimat, die ihnen bereitet war von Anbeginn der Welt. 
Und wie, wenn e8 ſich gar nicht um ein nebelhaftes Giland handelte? 
„Hier ſtehe feſt und ſiehe hier Dich um! 
Und ein anderer Großer in Welt- und Gottesweisheit mag uns das Schlußſprüchleimn 
- 
ſchon wandelten in den Grenzen ſeines Reiches? 
nicht ſtumm!" ruft uns Goethe zu. 
ſagen, Angelus Sileſius: 
Wenn unſere Füße, uns ſelbſt unbewußt, 
Dem Tüchtigen iſt dieſe Welt 
„Halt' an! Wo läufſt Du hin? Der Himmel iſt in Dir, 
Suchſt Du ihn anderswo, ſehlji Du ihn für und für. | 
Du prichſt, Du wirſt wohl Gott noch ſehen und jein Licht -- 
O Narr, Du ſiehſt ihn nie, ſiehſt Du ihn hente nicht!“ 
JFür die Geſangsſtunöde.*) 
Das alte Klavier. 
In einem Raſthauſe auf dem Schwarzwald ſtand ein 
altes Klavier. Alle Sonntage ſpielte darauf der Schul 
lehrer den Bauern, wenn ſie aus den Tälern zum Tanze 
herauffamen. Und abends, wenn die Touriſten dort zu- 
ſammenſaßen, dann wurde mächtig auf das arme alte 
Klavier eingehauen, es mußte Studentenlieder begleiten und 
unermüdlich jeder Stunmung folgen =- bis endlich die 
Wirtin kam und das Licht auslöſchte.. Dann ſtand - es 
allein in dem rauchigen Zimmer und wartete, bis der erſte 
Student am Morgen wieder begann: „Der Mai iſt gekommen.“ 
Wer wollte ſich wundern, daß es bei ſolcher Behand=- 
lung längſt ſeinen Klang verloren hatte und nur mit dünnen 
und gepreßten Tönen den Sängern folgen konnte? 
Da kam eines Abends ein großer Künſtler in das 
Raſthaus, gerade als die Sonne ihr letztes Gold in den 
Rhein verſenkte und dann hinter den Vogeſen hinabglitt. 
Er trat an's Fenſter und Überſchaute noch einmal die Herr- 
lichkeit. Dann ſetzte er ſich an das Klavier und ſchlug 
einige Töne an. E38 antwortete leiſe und verſchämt, ſo wie 
ein Kind, das" von einem großen Herrn angeredet wird. 
Aber ihm war zu voll um's Herz, um ſich damit zu be- 
gnügen. Er griff mächtig in die Saiten; es war als wenn 
er ſie zugleich ſtreicheln und bis in's Innerſte erſchüttern 
wollte. Da war es mit einem Mal, als erwache das alte 
Klavier. Die Gäſte am Tiſche horchten auf, wunderbare 
Klangfülle begann in die dämmernde Landſchaft hinau8- 
zuſtrömen. E83 ſchien, als wolle das Klavier plößlich alles 
vom Herzen ſingen, was es jahrelang unter Tanzmelodieen 
und Gaſſenhauern hatte verſchweigen müſſen. Es war den 
Gäſten, als wenn alle Saiten in ihren eigenen Herzen mit=- 
tönen müßten bis zum Zerſpringen. Rings ein atemloſes 
Lauſchen. Noch ein jauchzender Aufſchrei aller Tongewalten 
---“ dann brach der Künſtler plößlich ab. 
*) Beiſpiele zur ethiſchen Verwertung und Belebung des 
Muſikunterrichtes. 
 
Als alle Gäſte ſchlafen gegangen waren, da ſtand das 
alte Klavier noch lange zitternd in ſeinem Winkel. Die 
Wirtin ſagte am Morgen, es habe die ganze Nacht leiſe 
geflungen. 
Der Künſtler aber war ſchon vor Sonnenauſgang 
weitergegangen. Das Klavier gab wieder ſeine dürren 
ſeelenloſen Töne von ſih. „Was iſt das für ein alter ver= 
ſtimmter Kaſten!“ ſagten die Leute und hieben lieblos auf 
die Taſten ein. 
Wißt ihr wohl, das alte Klavier -- ja das alte Klavier 
-- dem geht es wie vielen Menſchen in dieſem Leben. Sie 
wurden immer von Stümpern mißhandelt und roh an=- 
geſchlagen -- ſie fanden nie den großen Künſtler der Liebe, 
der ihr verborgenes Leben zu wecken wußte, und wenn 
einmal einer fam, ſo war er vor Sonnenaufgang ſchon 
wieder fort. Nicht nur bei den Klavieren -- nein, noch 
vielmehr bei den Menſchen kommt ſo unendlich viel darauf 
an, wer e38 iſt, der ſpielt und wie er ſpielt, ob er alle die 
"vielen Saiten recht anzuſchlagen weiß voll Kraft und doch 
voll Zartheit . . . . Ja, da liegt das Geheimnis. 
Die zweite Stimme. 
So, das war nun heute unſer erſter Verſuch, zwei- 
ſtimmig zu ſingen. E38 iſt nicht ſo leicht, nicht wahr? 
Worin liegt eigentlich das Schwere dabei? Daß man nicht 
in die Stimme des andern verfällt, nicht wahr? Es iſt 
ein beſtändiger Kampf zwiſchen der erſten und zweiten 
Stimme, wer die größere Feſtigkeit in ſeiner Stimme hat 
oder wer ſich von andern herauslocken läßt. Es iſt auch 
gar zu verführeriſch, wenn uns die andere Melodie jo dicht 
am Ohre klingt. Man muß einfach nicht hinhören auf 
den andern, ſondern nur an ſeine eigenen Noten denten, 
natürlich ſich auch recht oft üben in ſeiner Melodie, dann 
bleibt man ſchon feſt, auch im Chorgeſang. 
Wißt Ihr wohl, daß es einem auch im Leben oſt 
gut ſein kann, wenn man ſeine Stimme zu halten verſteht, 
mag der andere ſingen wie er will? Wenn euer Bruder 
euch in aufgeregtem oder hochmütigem Ton anfährt -- 
dann iſt es auch ungeheuer ſchwer, nicht in ſeine Stinme
	        

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