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Kinderland (Januar 1904) (1904)

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Bibliographic data

fullscreen: Kinderland (Januar 1904) (1904)

Periodical

Persistent identifier:
025299433
Title:
Kinderland
Subtitle:
Blätter für ethische Jugenderziehung
Document type:
Periodical
Place of publication:
Berlin
Language:
German
Collection:
Pädagogische Zeitschriften
ZDB-Nummer:
2126434-X
Fußnote/Bemerkung:
Beil. zu: Ethische Kultur
Access restriction:
Siehe Bände

Periodical volume

Persistent identifier:
025299433_0004
Title:
Kinderland (Januar 1904)
Shelfmark:
02 A 760 ; RF 620 - 631
Document type:
Periodical volume
Publication year:
1904
Language:
German
Collection:
Pädagogische Zeitschriften
Access restriction:
Open Access

Periodical issue

Title:
Heft 6
Document type:
Periodical
Structure type:
Periodical issue
Collection:
Pädagogische Zeitschriften
Access restriction:
Open Access

Article

Title:
Kinderantworten im Moralunterricht
Author:
Hasse, Else
Document type:
Periodical
Structure type:
Article
Language:
German
Collection:
Pädagogische Zeitschriften
Link zum Katalog:
BBF0534099
Access restriction:
Open Access

Contents

Table of contents

  • Kinderland
  • Kinderland (Januar 1904) (1904)
  • Heft 1 (1)
  • Heft 2 (2)
  • Heft 3 (3)
  • Heft 4 (4)
  • Heft 5 (5)
  • Heft 6 (6)
  • Kinderantworten im Moralunterricht
  • Die Geschichte von den elf Städten
  • Lesefrüchte
  • Heft 7 (7)
  • Heft 8 (8)
  • Heft 9 (9)
  • Heft 10 (10)
  • Heft 11 (11)
  • Heft 12 (12)

Full text

 
 
 
Juni 1904. 
Monatsbeilage zu „Ethiſche Kultur.“ 
Herausgegeben von Dr. R. Peyzig. 
  
 
|| 
Inhalt: 
Kinderantworten im Moralunterricht. I. Von Elſe Haſſe. 
Die Geſchichte von den elf Städten. Von Emma IJ. Arnold. 
Empfehlenswerte Kinder= und Eltiernbücher. 
Lefefrüchte. 
 
Kinderankwortkten im Moralunterricht. 
Lon Elie Hajie, 
L 
Es darf als eine allgemeine Regel gelten, daß die Be- 
jehaffenheit einer Aniwort nach Form und Inhalt von der 
Frageſtellung abhängt. Ein Meiſter der Fragekunſt, der 
feinen Stoff in der Hand hält wie eine ſchöne geſchloſſene 
Knoſpe, die ſich erſt durch das Frage= und Antworiſpiel 
zur Blüte entfalten kann, wird den Schüler zu ſiärkerer 
Selbſttätigkeit anregen als ein Lehrer, der ſich nur dozierend 
verhält, der keine Probleme aufſtellt, ſondern nur Tatſachen 
konſtatiert. Jmmerhin iſt es aber nicht allein das Fragen 
und Aufzeigen von ungelöſten Rätſeln und Schwierigkeiten, 
es iſt m<t allein die geſchickte und genaue Anpaſſung des 
Lehrſtoffes an die kindliche Auffaſſungskraft, was den Schüler 
rege und denfluſtig macht; es iſt auch der Stoff ſelbſt, von 
dem eine Wirkung auf die LebenSsgeiſter der Kinder ausgeht. 
Nun ſollte man von vornherein meinen, daß dem Kinde, 
welches dom; mehr oder weniger in den Tag hineinlebt, 
nichis ferner läge, als das Nachdenken über ſittliche Pro= 
bleme. Allein dieſe Anſicht erweiſt ſich als ein melanc<ho- 
liſches Vorurteil, ſobald man die Kinder bei ſolcherlei Rätſel- 
raten, beim Suchen nach den Urſachen und Wirkungen des 
guten und böſen Handelns, beim Beurteilen von Geſinnungen, 
beim Auffinden von Beweggründen und Hilfskräften für das 
Wohlverhalten beobachtet hat. Da zeigt es ſich, daß das 
Kindesalter, etwa vom 10. bis zum 17. Jahre, ſich nicht 
allein durch die friſcheſte Empfänglichkeit auSzeichnet, ſondern 
auch daß das Kind in dieſer Zeit vorzugsweiſe ein mo»- 
raliſches Weſen iſt, d. bh. eines, das beinahe nur mit den 
UrteilSformen „gut und böſe“ Ordnung in das Chaos des 
Lebens bringen möchte. Dem kleineren Kinde iſt der Unter- 
ſchied von ſchön und häßlich leichter begreiflich; der Er= 
wachſene wertet und mißt die Dinge mehr an ſeinen Maß- 
ſtäben von richtig und falſch, nüßlich und ſchädlich, wahr 
und unwahr; das heranreifende Kind aber weiß und fühlt 
mit großer Lebendigkeit, was gut und böſe, gerecht und 
ungerecht, jiark und ſchwach im Sinne der Seelenkraft iſt, 
und es kommt im Moralunterricht heraus, wie das Kind 
im Verhältnis zu Eltern und Lehrern, im Spiel und Ver=- 
kehr mit Geſchwiſtern und Kameraden und im Umgang mit 
der eigenen Seele beinahe nur moraliſche Urteile fällt. 
 
Wo immer wir uns urrteilend verhalten, da verhalten 
wir uns auch geſialtend. An den Antworten im Moral- 
unterricht iſt dewmiiich zu merken, daß auſgeweckte Kinder 
eifrig beſtrebi ſind, die raſch fließenden Wellen des ittlichen 
Erlebens mit ihren Händen zu kryſtallener Kugel zu formen 
und dann feſizuhalten, was weit über den Tag und den 
findlichen Horizont Hinaus Gültiakeit behalten kann. Was 
eine unverrückbare ftliche Norm vt, das kann man am 
erſten aus einem Kindermunde hören. 
Klarer als der Erwachſene, der oft ſophitiich und un= 
aufrichtig iſt und zuviel fremden und eignen abſtiraften Ge= 
danfenvorrat mit ſh herumiträgt, erfennt das Kind mit 
feiner unverbildeien ſitlchen Feinfühligkeit, wo n< die Wege 
von gut und böſe ſcheiden und es pflanzt mit einer kleinen 
feſten Hand die Grenzpfähle ein. Wo es dem Lehrer ganz 
vertraut, da kennt es fein Verbergen und Veichönigen, da 
enthüllt es rüchalrlos den Himmel oder auch die Hölle 
feines kleinen Herzens und plaudert offen und ehrlich alle 
Motive aus, von denen es in einem jungen Leben ge= 
drängt und vorwäris geſchoben und in die Irre geführt 
wird. Charakreriſiiſch und wundervoll offenherzig iſt 1cc<hon 
das wiſſende Lächeln, wenn von den Kinderfehlern die Rede 
iſt, und das Lachen, in dem ſich Staunen, Verlegenheit und 
Luſt an der Wahrheit kfundgibr, wenn das Kind "ch völlig 
durchſchaut ſieht. 
Obwohl das Kind beinahe ausſchließlich von egoiſtiſchen 
Trieben geleitet wird, obwohl das „Macht geht vor Recht,“ 
Gewalttat, Liſt, Bosheit, Eigenwillen, das Erſchleichen und 
Erlügen von Vorteilen, die heimliche Durchſezung von ſelbſt= 
ſüchtigen Wünſchen, die Auflehnung wider alles Opfern und 
und Hingeben, das Gernegroßſeimnwollen und der falſche 
Stolz, der Wille zux Macht und das Herrenbewußtſein -- 
obwohl alle dieſe dunklen Gewalten, Triebe und Künſte mit 
dem kindlichen Herzen und dem ſittlichen Gefühl des Kindes 
ſchon ihr Spiel ireiben, fo begreift das Kind doch beinahe un= 
mittelbar auch das Gegenteil von alledem und die Lehren 
Chriſti finden manchmal ſchneller den Weg zu ſeiner Ueber- 
zeugung als beim Erwachſenen. Ohne daß das Kind weiß, 
was Erlöſung iſt, findet es doch inſtinktiv eine Erlöſung 
von Gehäſſigkeit, Unfrieden, Machtrauſc< und Begehrlichfeit 
in dem Evangelium vom Mitleid und von der Opferwilligkeit. 
Ohne daß das Kind ſchon bewußt den Zwieſpalt, den 
Dualismus erlebi hätte, ohne daß bei ihm das Gewiſſen 
ſchon einmal jüngſtes Gericht gehalten hätte, fühlt es doch 
mit einem dantbaren und andächtigen Herzen die Lichtflut 
und den reinen Klang, der aus den Lehren des Bergprediger3 
zu uns herüberweht, des Bergpredigers8, der die Kindlein zu 
fich kommen ließ und das tiefe Wort ſprach, welches durch
	        

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