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Kinderland (Januar 1904) (1904)

Access restriction

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Bibliographic data

fullscreen: Kinderland (Januar 1904) (1904)

Periodical

Persistent identifier:
025299433
Title:
Kinderland
Subtitle:
Blätter für ethische Jugenderziehung
Document type:
Periodical
Place of publication:
Berlin
Language:
German
Collection:
Pädagogische Zeitschriften
ZDB-Nummer:
2126434-X
Fußnote/Bemerkung:
Beil. zu: Ethische Kultur
Access restriction:
Siehe Bände

Periodical volume

Persistent identifier:
025299433_0004
Title:
Kinderland (Januar 1904)
Shelfmark:
02 A 760 ; RF 620 - 631
Document type:
Periodical volume
Publication year:
1904
Language:
German
Collection:
Pädagogische Zeitschriften
Access restriction:
Open Access

Periodical issue

Title:
Heft 10
Document type:
Periodical
Structure type:
Periodical issue
Collection:
Pädagogische Zeitschriften
Access restriction:
Open Access

Article

Title:
Was soll ich werden?
Author:
@D., D.
Document type:
Periodical
Structure type:
Article
Language:
German
Collection:
Pädagogische Zeitschriften
Link zum Katalog:
BBF0534307
Access restriction:
Open Access

Contents

Table of contents

  • Kinderland
  • Kinderland (Januar 1904) (1904)
  • Heft 1 (1)
  • Heft 2 (2)
  • Heft 3 (3)
  • Heft 4 (4)
  • Heft 5 (5)
  • Heft 6 (6)
  • Heft 7 (7)
  • Heft 8 (8)
  • Heft 9 (9)
  • Heft 10 (10)
  • Was soll ich werden?
  • Akana
  • Vom helfen
  • Lesefrüchte
  • Heft 11 (11)
  • Heft 12 (12)

Full text

feine: Möglichfeit, daß einer alles; was er braucht, ſich allein . 
anfertigen könnte. Wenn: aber ſo viele für Dich arbeiten, 
baſt Du denn da nicht die Pflicht, 
tun? Käme es Dir denn nicht vor, als wäreſt -Du aus- 
geſtoßen, wenn die andern dich nicht brauchen könnten 2“ 
„Das iſt gerade wie neulich vor der Reiſe, Mutti, wo 
wir ſo viel zu tun hatten. 
aufgetragen und er fing an zu weinen.“ 
„Ganz ebenſo iſi es, mein lieber Junge! Wie wir in 
der Familie für einander 
in Grunde mit dem ganzen Volke, wenn es auch, 
flächlich betrachtet, nicht fo erſcheint.“ 
„Hu! TI1t das eine große Familie!“ 
„Jächt wahr? Und doch gehören wir einer noch viel 
größeren an. -- Weißt Du noc<, was wir neulich vor- 
geleten haben 2“ 
„Ach, das war fein, 
Gürteltier und =“ 
„Genug! Weißt Du nicht auch, wer das geſchrieben hat?“ 
„Ja, ein Gngländer, wie heißt er gleich?“ 
„Kipling. Und nun bedenke! Was dieſer Engländer 
gemacht hat, das verichafft uns Freude und Erholung. 
Wir haben auc< für das Buch Geld auSsgegeben, Geld, das 
Vater für ſeine Arbeit bekommen hat, alſo ein bischen 
Urbeit, ncht wahr? Und auf fehr verwickelten Wegen kommt 
„diefes unſer Stückchen Arbeit auch bis zu dieſem Engländer. 
Man kann alſo fagen, er hat für uns gearbeitet und wir 
für. ihn. =- Nun ſieh Dir mein Bücherbrett an, da ſiehen 
neven den deutſchen Büchern ſolche in engliſcher, franzöſiſcher, 
alieniſcher Sprache, andere ſind aus dem Ruſſiſchen, Nor- 
wegiſchen, Spaniſchen überſezt. Und jetzt dies Tablett und 
ieſe Theekanne. I< glaube, Du weißt, woher die ſind.“ 
„Das Tablett iſt japaniſch und die Theekanne iſt aus 
China, die Theeblätter auch. Aljfo haben die Japaner und 
die Chineſen auch für uns gearbeitet.“ 
„Und . vor mehreren Jahren ſind viele Japaner hier 
hergefommen, um auf unjferen Schulen und Univerſitäten 
zit lernen. Unjere Künſiler erzählen wieder, daß ſie manches 
von den Japanern gelernt haben. Du lieh alſo, ein Volk 
fann dem andern ſehr nüglich ſein, wie ein Familienglied 
Dem andern.“ 
„Manchmal ſchaden ſich aber die Bölkfer, 3. 
ſie Krieg führen.“ 
„Gewiß, das kommt leider vor. Sie haven eben noch 
nicht alle eingeſjehn, wie nüßlich fie einander ſein können. 
-=-- Aber wir find ſehr weit abgekommen von dem, was 
wir uns überlegen wollten, bis nach Japan! Da müſſen 
wir jehn, daß wir wieder nach Hauſe kommen.“ 
„Erſt muß ich aber noch raſch was ſagen, Mutti: D 
Römer und die Griechen nützen uns auch, dabei ſind Fn 
garnicht mehr da.“ 
„Das freut mich ſehr, mein Liebling, daß Dir das 
einfällt. 
ober- 
| Mutti! Vom Glefantenkind und 
vom 
B. wenn 
nicht mehr da ſind. 
wundervollen Sternhimmel betrachteten ?“ 
„AH ja, Du meinſt von den Sternen, die garnicht 
Ja, das 
iſt gerade ſo. mit den berühmten. Völkern, und auch mit den - 
mehr da ſind, und wir ſehen doch ihre Strahlen. 
berühmten Menſchen, nicht wahr ? -- Wenn man berühmt 
werden will, muß man auch einen Beruf haben und recht 
tüchtig arbeiten.“ -- 
„Nun ſind wir 'ja glü&lich von “Japan über die ent- 
„fernteſten Sterne zurückgekehrt! = Siehſt Du, -mein Kind, 
wir wollten uns 
werden ſollſt. Das haben wir. freilich noch nicht heraus 
. gebracht, 
wirſt, ehe Du Dich entſchließeſt-- Weißt Du.noch.. was. es iſt?“ 
auh für ſie etwas zu : 
Da hatteſt Du Grnſt nichts 
ſorgen und arbeiten, ſo iſt es auch - 
Ja, die Griechen und die Römer und die Leute, | 
die die ſchönen Geſchichten und die wahren Gedanken in der 
Bibel aufgeſchrieben haben, die nüßen uns, obgleich ſie längſt | 
E3 iſt ſo, wie mit dei Sternen; weißt | 
Du. noch, was Hans Dir neulich erzählte, als wir den : 
zuſammen überlegen, was Du einmal 
aber -doch, was .Du. einmal: zu bedenken haben - 
338 
 
„weit: von. hier. 
„Alſo erſten5, daß ich ſoviel verdiene, wie ich brauches 
und zweitens muß es etwas ſeit, was für die andern 
nüßlich iſt. Iſt nicht eigentlich alles nüßlich, was man tut, 
wenn man es recht ordentlich tut?“ 
*“ „Doch mehr oder weniger, mein Kind. Aber im Großen 
und Ganzen haſt Du recht. Man kann in den meiſten 
Berufen nüßzen, wenn man tüchtig und ordentlich ſeine 
Arbeit tut z man kann in jedem Beruf ſchaden, wenn man 
ſeine Pflicht unordentlich und unluſtig tut. Daher muß 
man ſich ſehr gut überlegen, ob man zu der Arbeit, die 
man übernehmen will, befähigt iſt. Ein ander Mal wollen 
wir uns über verſchiedene Arten von Acbeit unterhalten. 
Aber ſicher ſiehſt Du jetzt ſchon ein, daß es recht qut iſt, 
Du vaſt noch viel eit, Dir das alles zu überlegen. Nicht 
wahr? - D. 
Akana. 
Eine japaniſche Legende. 
Nac< dem Jtalieniſchen erzählt von H. Steyner. 
Warum küſſen ſich die Menſchen? fragte der philoſo- 
phierende Kater Hidigeigei. Warum führen die Menſchen 
Krieg? fragte der friedliebende Zar, als er die Truppen 
ſegnete und dachte dabei mit Niegziche: „I< ſc<one Euch 
nicht, ich liebe Euch von Grund aus, meine Brüder im 
Kriege! Was liegt am Lang-Leben? Welcher Krieger will 
geſchont ſein!“ 
Wozu iſt man allmächtiger Selbſtherrſcher und will den 
Frieden, wenn man nicht ſagen kann: „es ſei Frieden!“ 
Muß der große ruſſiſche Rieſe den armen japaniſchen 
Zwerg erdrücken? 
Zarathuſtra ſagt aucht „Der Kries und der Mut 
haben mehr große Dinge getan, als die Nächſtenliebe.“ 
Ei, ſo möchte er doch das arme ruſſiſche Volk aus ſeinem 
vielhundertjährigen Schlafe rütteln, auf daß es ſich ſeiner 
ſelbſt bewußt würde! 
Und das arme Japan mit ſeiner jungen europäiſchen 
Ziviliſation, ſeinen kleinen hübſchen Frauen, ſeinen großen, 
märchenhaften Blumen, muß es an dieſem grauſamen Kriege 
zu Grunde gehen? Die Legende, die 1< dem Leſer wieder- 
geben möchte, kommt mir faſt wie ein Totenlied vor. 
-- -- -- == -- -- Japaniſche Soldaten ziehen in den 
Krieg und nehmen Abſchicd von ihren Lieben, die traurig 
und zagenden Herzens zurückbleiben. Der Zug, der jie und 
ihr ungewiſſes Schie>ſal davon trägt, iſt gedrängt voll. 
Tauſende von weißen Papierfähnchen, auf denen die Sonne 
mit glutroten Strahlen gemalt iſt, werden von den Kriegern 
aus den Wagenfenſtern geſchwenkt. Friſche, mutige Stimmen 
grüßen die Zurüdbleibenden und rufen: „Wenn wir 
ſiegen, werden wir uns wiederſehen zur: Zeit der weißen 
Chryſanthemen, dem Verſprechen von Akana.“ Das joll 
heißen, im nächſten Herbſt. Wenn der Japaner etwas 
verſpricht im Namen -von Akana, ſo meint er damit, daß 
er fein Verſprechen ſelbſt auf Koſten jeines Lebens halten 
werden. Eine- rührende Legende fnüpft fich an dieſes Feſt: 
„Das Verjprechen von Akana.“ 
Akana Soyemon war ein Samurai (d. h. Krieger) 
von Szumo- aus der Stadt „Von den acht aufſieigenden 
Wolken“ einer der älteſten und poetiſchſten Namen der 
Provinz Szumo. Seit 5 Jahren hatte Akana die Heimat 
verlaſſen und lebte mit ſeinem Adoptivbruder und ſeiner 
Mutter in Kato, in der Provinz Hamira. 
Es war vor vielen hundert Jahren, da jagte an einem 
ſ<hönen Frühlingsmorgen Akana zu Hafebe Samon: „Ich 
will gehen und die Stadt meiner Heimat wiederſehen. 
Lebewohl!“ 
- Hafebe erwiderte: „Dein Szumo iſt viele, viele Meilen 
E3 wird Dir nicht leicht. ſein, die Stunde 
und. den Tag. Deiner Rückkehr zu beſtimmen. Wenn die 
„Mutter und..ich es wüßten, würden wir gliütklich fein, und
	        

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