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Kinderland (Januar 1904) (1904)

Access restriction

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Bibliographic data

fullscreen: Kinderland (Januar 1904) (1904)

Periodical

Persistent identifier:
025299433
Title:
Kinderland
Subtitle:
Blätter für ethische Jugenderziehung
Document type:
Periodical
Place of publication:
Berlin
Language:
German
Collection:
Pädagogische Zeitschriften
ZDB-Nummer:
2126434-X
Fußnote/Bemerkung:
Beil. zu: Ethische Kultur
Access restriction:
Siehe Bände

Periodical volume

Persistent identifier:
025299433_0004
Title:
Kinderland (Januar 1904)
Shelfmark:
02 A 760 ; RF 620 - 631
Document type:
Periodical volume
Publication year:
1904
Language:
German
Collection:
Pädagogische Zeitschriften
Access restriction:
Open Access

Periodical issue

Title:
Heft 1
Document type:
Periodical
Structure type:
Periodical issue
Collection:
Pädagogische Zeitschriften
Access restriction:
Open Access

Article

Title:
Für die Gesangsstunde
Author:
Foerster, Friedrich Wilhelm
Document type:
Periodical
Structure type:
Article
Language:
German
Collection:
Pädagogische Zeitschriften
Link zum Katalog:
BBF0533955
Access restriction:
Open Access

Contents

Table of contents

  • Kinderland
  • Kinderland (Januar 1904) (1904)
  • Heft 1 (1)
  • Kinderland
  • Für die Gesangsstunde
  • Werdet gute Bausteine!
  • Lesefrüchte
  • Heft 2 (2)
  • Heft 3 (3)
  • Heft 4 (4)
  • Heft 5 (5)
  • Heft 6 (6)
  • Heft 7 (7)
  • Heft 8 (8)
  • Heft 9 (9)
  • Heft 10 (10)
  • Heft 11 (11)
  • Heft 12 (12)

Full text

Tontreffen. 
Wie ſchwer iſt es es oft, den richtigen Ton zu treffen! 
Mancher hat einfach nicht das nötige Gehör mitbekommen 
und ſchlägt immer wieder fehl. Immerhin kann man vieles 
durch Uebung und Aufmerkſamkeit lernen. Aber alles dies, 
felbſt das unfehlbarſte Tontreffen iſt doch erſt der Anfang 
in der Ausbildung der Stimme. Weit wichtiger und leider 
noch viel ſchwieriger iſt es, den richtigen Ton im Verkehr 
mit Menſchen zu treffen im rechten Augenblid immer 
den rechten Klang, der beruhigt, ſtatt zu empören, der einen 
Fehler ſo zu ſagen weiß, daß es nicht verlegend und ver=- 
ſto>end wirkt, der Behauptungen, die andere nicht teilen, 
beſcheiden und fragend ausſpricht, oder wenigjtens ohne 
hochmütige Sicherheit, ja, da brauchen wir alle am 
dringendſten einen Unterricht in der Ausbildung der Stimme! 
Denn unglaublich viel Gelingen und Mißlingen hängt im 
Leben nur von dem richtigen Tontreffen ab. Leider kann 
hier der Unterricht nicht viel machen? man muß ſich jelbſt 
unterrichten, indem man ſich ſtets recht gründlich in die 
andern hineinverſezt; dann wird das Herz ſchon den richtigen 
Ton bilden! Fx. W. Foerjter. 
 
Werdet gufe Bauſteine! 
Habt ihr ſchon mal gemauert, Kinder? VWVerjucht es 
mal, wenn dazu eine Gelegenheit ſich bietet. Vielleicht ſeid 
ihr in den Ferien auf dem Lande und dürft bei einer halb 
zerfallenen Gartenmauer ſpielen; dann könnt ihr euch ein 
wenig im Mauern üben, indem ihr Steine zuſammenjucht, 
einen nach dem andern in die Mauerlücke einordnet und 
durch Kalk, Lehm oder hinein geſtopftes Gras und Moos 
mit der feſten Mauer verbindet. Bei dieſer Tätigkeit könnt 
ihr nicht allein einige Geſchi>lichkeit im Mauern gewinnen, 
ſondern, wenn ihr nachdenkt, auch nocy eine wertvolle 
Lehre fürs ganze Leben. 
Alſo denkt nach; ich will euch dabei helfen und auf 
die Lehre hinführen. Fragen will ich euch etwas, und ihr 
habt zu antworten. Alſ9: läßt ſich wohl der Menſc< mit 
einem Mauerſteine vergleichen? =- Warum nicht? Denn 
wie man aus Mauerſteinen eine Mauer und aus Mauern 
ein Gebäude, ein Wohnhaus oder einen prächtigen Tempel 
zuſammenſegen kann, fo läßt ſich auch aus einzelnen 
Menſchen eine Art Bau errichten. 
Und was für einen Bau ich meine? Denkt zum Beli= 
ſpiel an eure Schulklaſſe, wenn der Lehrer eintritt, und 
wenn dann jeder von euch kerzengrade, ſtill und brav auf 
ſeinem Plage ſität, ſo daß ihr mit euren Mitſchülern wie 
Mauerſteine ausſehet, wohlgeordnet und feſt zu einem ein- 
zigen Ganzen zuſammengebaut. Oder denkt an eine Familie, 
wo Vater, Mutter und Kinder, die Großeltern und viel= 
leicht noch eine Tante oder ein anderer Menj< aus der 
Verwandtſchaft ſo recht liebevoll, treu und einig zuſammens=- 
leben; Wt ſolch eine Familie nicht einem Gebäude aus 
Mauerſteinen ähnlich? Und ferner denkt an den Staat der 
Spartaner oder Lacedaemoniexr, von dem ihr wohl in 
einem geſchichtlichen Buche ſchon etwas geleſen habt: Die 
Spartaner waren ein Zweig des griechiſchen Vollsſtammes. 
Sie waren eine Zeit lang ausgezeichnet durc< ihr feſtes 
Zuſammenhalten und ihre ſtrenge Ordnung. Im Kriege 
ftand ihr Heer, wenn die Feinde dagegen anſtürmten, gleich 
einer unerſ<hütterlichen Mauer, weil jeder ſpartaniſche Soldat 
auf ſeine Stelle paßte und ſich mit dem Ganzen innig ver= 
bunden fühlte. 
Die Spartaner kämpften gegen verſchiedene Feinde und 
einmal gegen einen anderen Zweig des griechiſchen Volkes, 
gegen den Nachbarſtaat der Athener. Das war nun eigents= 
lich ſchade; denn Zweige ein und desſelben . Volkes ſollten 
wie Brüder zuſammenhalten, ſich gegenſeitig nicht beneiden 
und übervorteilen, ſondern fördern. Da aber alle Völker 
 
der Erde eigentlich Zweige ein und desjelben großen. 
Stammes, nämlich der Menſchheit ſind, ſo jollten all* die 
verſchiedenen Völker, wenn ſie auch ihre guten Eigentüm= 
lichkeiten feſthalten dürfen, doch in gewiſſer Hinſicht als 
Geſchwiſter einer einzigen Familie ſich betrachten. Denn 
mögen ſie auch mancherlei Sprachen, eigenartige Trachten 
und Gebräuche, verſchiedene Staatslenker und Staatsgejetze 
haben, ſo gibt es doch gute Sitten und Anſichten über Gut 
und Böſe, worin ſämtliche gebildete Völker unſeres Erden- 
balles übereinſtimmen. Dieſe ſittliche Uebereinitimmung 
verbindet alle Teile der Menſchheit zu einer einzigen Ge= 
meinſchaft, gleichſam zu einem rieſigen Gebäude, das aus 
verſchiedenen Abteilungen beſteht. Man nennt dies Gebäude 
die menſchliche Geſellſchaft, und jeder einzelne Menſch iſt 
berufen, ein Bauſtein der menſchlichen Geſellſchaft zu fein. 
E38 gibt nun, wie ihr in jeder Straße beobachten könnt, 
ſc<lechte, unzweckmäßig und unordentlich gebaute Häuſer, 
welche ungeſund, häßlich und vielleicht wegen ihrer Baiu- 
fälligkeit gar gefährlich ſind. Andererſeits findet man auch 
gute, ſchöne, geſunde und dauerhafte Häuſer. Und jo gibt 
es auch Verfaſſungen der menſchlichen Geſelljchaft, die 
ſchlecht oder gut ſind =- ſo daß die Glieder der Geſellchaſt, 
die Einzelmenſchen, eniweder ein gutes oder ein ſchlimmes 
Leben führen. 
Ob ein Haus gut oder ſchlecht iſt, das hängt vom 
Bauplane ab, und zugleich von der Beſchaffenheit und Un- 
ordnung der Bauſteine. Soll das Haus dauerhaft ſein, jo 
müſſen die Steine Haltbarkeit, gutes Gefüge und eine feſte 
Verbindung unter einander haben. Und ſoll das daus 
zwedmäßig und ſchön ſein, ſo muß ein kluger und geſchmad= 
voller Plan die Steine angeordnet haben. Aehnliche Ver= 
hältniſſe finden ſich in der menſchlichen Geſellſchaft. Nur 
dann kann ſie Beſtand haben, wenn die Menſchen, aus 
denen ſie zuſammengeſezzt iſt, ſich innig mit einander ver- 
bunden fühlen zu einer ſittlichen und geiſtigen Gemeinſchaft. 
Und die menſchliche Geſellſchaft kann nur dann zweckmäßig 
fein, ſo daß ſich in ihr gut wohnen .läßt, wenn die 
Menſchen, aus denen ſie ſich zuſammenſetzt, in einer ver= 
nünftigen Ordnung zuſammengefügt ſind -- wie die Glieder 
eines geſunden Körpers. 
Damit nun die Bauſteine gut zu einander paſſen und- 
feſt zuſammenhalten können, müſſen ſie eine beſtimmte.,. 
ordentliche Form haben. Von Natur ſind die Steine ja 
ziemlich formlos, müſſen alſo, um zum Bauen geeignet zu. 
ſein, behauen, geformt und an die rechte Stelle gejett. 
werden. Aehnlich iſt es mit den Menſchen. Sollen ſie 
brauchbare Bauſteine für den geſellſchaftlichen Bau, den 
erhabenen Tempel der Menſchheit, werden, jo muß man 
ihnen eine beſtimmte Bildung, ein geiſtiges und ſittliches- 
Gepräge geben. Das tun die Menſchen, welche in jich 
den Beruf des Erziehers hegen. Beſonders Eltern, Lehrer 
und Schriftſteller tun es, indem fie durc< Belehrung, Lob- 
oder Tadel, durch gute oder abſchre>ende Beiſpiele, durch. 
rechte Pflege und Führung die Kinder auf den Weg der 
Tüchtigkeit, Gerechtigkeit, Wahrhaftigkeit und Menſchenliebe 
führen. Doch es genügt nicht, gute Erzieher zu haben;z. 
man muß ſich auc<h willig von ihnen erziehen lajj en. 
- Willft Du, daß wir mit hinein 
In das Haus Dich bauen, 
Laß es Dir gefallen, Stein, 
Daß wir Dich behauen. Bruno Wille. 
| Zeſefrüchte. 
„Man ſollte Kindern wie den Soldaten Urlaubszeiten geben,. 
und kann man ſich einmal darauf verlaſſen, daß der Gehorjam 
auf Erfordern ain unbedingter iſt, dann ſollte man der kleinen 
Kreatur ſehr früh zeitweiſe zur Uebung den Befehl über ſich. 
ſelbſt anvertrauen, ſollte ſie auf das ungeſattelte Pferd ihres eignen 
Willens ſegen, damit ſie es durch eigne Kraft bändige . . .. 
(Ruskin, Praeterita).
	        

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