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Kinderland (Januar 1904) (1904)

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Bibliographic data

fullscreen: Kinderland (Januar 1904) (1904)

Periodical

Persistent identifier:
025299433
Title:
Kinderland
Subtitle:
Blätter für ethische Jugenderziehung
Document type:
Periodical
Place of publication:
Berlin
Language:
German
Collection:
Pädagogische Zeitschriften
ZDB-Nummer:
2126434-X
Fußnote/Bemerkung:
Beil. zu: Ethische Kultur
Access restriction:
Siehe Bände

Periodical volume

Persistent identifier:
025299433_0004
Title:
Kinderland (Januar 1904)
Shelfmark:
02 A 760 ; RF 620 - 631
Document type:
Periodical volume
Publication year:
1904
Language:
German
Collection:
Pädagogische Zeitschriften
Access restriction:
Open Access

Periodical issue

Title:
Heft 11
Document type:
Periodical
Structure type:
Periodical issue
Collection:
Pädagogische Zeitschriften
Access restriction:
Open Access

Article

Title:
Sonntagskinder
Author:
Hasse, Else
Document type:
Periodical
Structure type:
Article
Language:
German
Collection:
Pädagogische Zeitschriften
Link zum Katalog:
BBF0534343
Access restriction:
Open Access

Contents

Table of contents

  • Kinderland
  • Kinderland (Januar 1904) (1904)
  • Heft 1 (1)
  • Heft 2 (2)
  • Heft 3 (3)
  • Heft 4 (4)
  • Heft 5 (5)
  • Heft 6 (6)
  • Heft 7 (7)
  • Heft 8 (8)
  • Heft 9 (9)
  • Heft 10 (10)
  • Heft 11 (11)
  • Sonntagskinder
  • Puppentheater
  • Die Thesenssage
  • Ein Wort an die Jugend
  • Empfehlenswerte Kinder- und Elternbücher
  • Heft 12 (12)

Full text

 
 
 
November 1904, € 
Y.. 
iW -- 
Ntonatsbeilage zu „Ethiſche Kultur.“ 
Herausgegeben von Dr. R. Penzig. 
  
DR 2 Ff efähe 
 
 
 
Inhalt:. 
Sonntagsfkinder. Von Elſe Haſſe. 
Puppentheater. Von Maric Luije Becker. 
Die Thejeusfage. Von Lilli Jannaſch. 
Ein Wort an die Jugend. O,. Kernſtoc>. 
SmpfehlenSwerte Kinder= und Elternbücher. 
 
SonmnlagsKinöder. 
Von Elſe Hatjſe. 
Ihr habt alle jchon gefühlt, daß zwiſchen Sonnabend 
und Sonntag ein rechter Unterſchied iſt. Der Sonnabend 
ſiec>t noc< voller Arbeit; die Männer machen zwar eher 
Feierabend, aber dafür arbeiten die Frauen und manchmal 
auch Väter und Brüder zu Hauſe dejio mehr. Da wird 
gejcheuert, gepußt, cefegt, gewaſchen = und dann fommt 
abends ſo eine wundervolle Stille; die Fabriken ruhn und 
man fühlt, es naht etwas Heiliges heran. Die Jsraeliten 
feierten ſchon den vorhergehenden Abend: ſie zündeten Licht an, 
faſteten und beteten: der Tag des Herrn nahte ſich. 
Und nun der Sonntag. Schon ſolch ein ſchöner Name? 
Sonnentag! Wir können ihn uns aud eigentlich nicht ohne 
Sonne denken, wir ſind ganz traurig und enttäuſcht, wenn 
es regnet, Aber wenn der Sonntagmorgen licht herauf- 
dämmert: wie ſchön iſt das! Die Hähne auf dem Lande 
frähen heller, lauter -- e8 iſt ja alles ſo ſtill. Die Stille 
jenft ſich auch auf die große Stadt hernieder und dämpft 
das Getöſe in den Straßen -- dann hört man die Kirchen- 
glocken läuten. Auf Feldern und Wieſen flimmert das 
Licht: es rinnt an tauigen Gräſern herunter, es wiegt ſich 
in Blumenkelchen, es küßt die ganze ſtille Erde, die nun 
einmal ruht und Zeit hat, die liebe Sonne dankbar zu 
grüßen und ihr mit Glänzen und Freuen Dankopfer darzu- 
bringen. Der Sonntag ſchafft uns andre, heiligere Gedanken, 
wenn die Alltagsgedanken am. Sonnabend mit dem Shmußz 
und Staub hinaus8gefegt worden ſind -- die Herzen werden 
helle, fret von Sorgen und heben ſich in die Höhe. Water 
und Mutter laſſen ein Weilchen ihre Sorgen ruhn, das 
Kind vergißt auf ein Weilchen ſeine Schularbeit und alles 
freut ſich des Lebens, wie die Vögel in der Luft und die 
Blumen auf dem Felde. 
Ihr habt gewiß oft geheimnisvoll von Sonntagskindern 
reden hören. Diejenigen, welche an einem Sonntag auf 
dieſe Welt kamen, die betrachtet man als bevorzugte Weſen 
und ſie ſollen mehr ſehen und hören können als Andre. 
| Das können ſie nun freilich nicht ohne weiteres, ſie 
müſſen es erſt lernen, und ſie lernen e8 auch nur dann, 
wenn ſie ſich vornehmen: ich will mir feinere Augen und 
Ohren machen für das, was um mich herum iſt; ich will 
 
alle Menſchen und Dinge recht lieb haben, dann vieleicht 
ſehe ich etwas Wunderbares. 
Und wirklich, die Wunder der Welt enthüllen ſich ionen 
dann. Ein Alltagskind 3. B., das ireibt n< herum 1m 
Schmuß der Straße, lärmt und balgr ſich mit Anderen 3 
ein Sonntagskind, mitten im Spielen und 3;Fröhlich'ein, 
ſchaut wohl hinauf zum blauen Himmelsdom und abends 
nach dem Sternenhimmel und es wird ihm ganz eigen 
anders zu Sinn und es muß mehr Frieden halten als dic 
Kameraden. Ein Allragsfind rennt achtlos über blumige 
Wieſen, zerſtampft die Blüren und rauſt ne aus; ein 
Sonntagskind aber ſchaut hinein m die Blumenangechrer, 
von denen jedes ſo anders und [9 hold ausiteht und cs 
liebt dieſe ſtillen Geſchöpfe, die Sterne, Glo>en, Hürchen, 
Dolden, Tellerchen und Riſpen, es weiß, daß ne leben und 
zart ſind und es ihnen gewiß wehe 1ut, wenn man "e 
zertritt und ausrauft =- fo geht es behuttam durch die 
Wieſe und wenn es Blumen gepflückt, ſtellt es nne dabei: 
in Waſſer und pflegt ie. | 
Nun denkt Jhr wohl: ja io ein bevorzugres Sonnrags= 
kind: das iſt am Ende gar mit heimlichen Engels"lügelchen 
„*' 
geboren worden =- da iſt es eben ein Liebling von Himm; 
und Grde! 
Wenn ich Euch nun aber fage, daß Ihr alle Sonntags= 
kinder werden könnt, wenn Ihr eben das lärmende Allrags- 
weſen ablegt und ein bißchen Feinheit und Snille in Eure 
Herzen einlaßt?! n 
Wir nennen große Dichter und Maler und Mutiker 
und überhaupt große, gute Menichen gerne Sonntagskinder 
Sie ſind auch nicht Alle an Sonntagen geboren, bewahre 
Aber fie haben eben ſonntägliche Herzen bekommen, 
ſie voll Liebe in die Welt hinausſchauten und weil ne 
ſoviel Wunderbares fanden. Beethoven fand 10 herris 
Harmonien und hat in feinem andachtsvollen großen Herze: 
af daraus gemacht, daß wir ummer einc: 
rei 
t= 
ſo wunderbare Mu! m er el 
Sonntag erleben, wann und wo wir auch jeine Muſik Hs 3? 
mögen. Und die Dichter haben aus dem Leben, das Dl 
doch Alle mitleben, ſo tiefe, wahre, jchöne Gedanten Heraus 
geholt, daß, wenn wir ihre Worte leſen oder hören, umre 
eigenen Gedanken wie aus einem tiefen Zauberſjchlafe au? 
fahren und ſagen : „Ja ſo iſt's! Ihr ſagt uns, was 1v 
ſchon dunfel gefühlt haben. Ihr habt bloß hellere, lieb 
vollere Augen und ſeht mehr als wir Anderen!“ 
Und ſo iſt es auch mit den Malern. Die haben En<h 
eigne Augen, wenn es nämlich ſo richtige Sonntagsktinder- 
Maler ſind. Die küſſen mit ihren Augen alle Schönheit 
wach, die rings um uns herum heimlich blüht und die wir 
„- 
bloß mit unſern blöden Augen nicht ſehen -- 19 wie der 
. 
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