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Kinderland (Januar 1911) (1911)

Access restriction

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Bibliographic data

fullscreen: Kinderland (Januar 1911) (1911)

Periodical

Persistent identifier:
025299433
Title:
Kinderland
Subtitle:
Blätter für ethische Jugenderziehung
Document type:
Periodical
Place of publication:
Berlin
Language:
German
Collection:
Pädagogische Zeitschriften
ZDB-Nummer:
2126434-X
Fußnote/Bemerkung:
Beil. zu: Ethische Kultur
Access restriction:
Siehe Bände

Periodical volume

Persistent identifier:
025299433_0011
Title:
Kinderland (Januar 1911)
Shelfmark:
02 A 760 ; RF 620 - 631
Document type:
Periodical volume
Publication year:
1911
Language:
German
Collection:
Pädagogische Zeitschriften
Access restriction:
Open Access

Periodical issue

Title:
Heft 6
Document type:
Periodical
Structure type:
Periodical issue
Collection:
Pädagogische Zeitschriften
Access restriction:
Open Access

Article

Title:
Der erste Schultag
Author:
Lorenzen, Ernst
Document type:
Periodical
Structure type:
Article
Language:
German
Collection:
Pädagogische Zeitschriften
Link zum Katalog:
BBF0499465
Access restriction:
Open Access

Contents

Table of contents

  • Kinderland
  • Kinderland (Januar 1911) (1911)
  • Heft 1 (1)
  • Heft 2 (2)
  • Heft 3 (3)
  • Heft 4 (4)
  • Heft 5 (5)
  • Heft 6 (6)
  • Sommernacht
  • Der erste Schultag
  • Der Totengräber
  • Der Erdgucker
  • Die "Kinderliga des Mitleids"
  • Zwischen den Dornen und am Wege
  • Lesefrüchte
  • Heft 7 (7)
  • Heft 8 (8)
  • Heft 9 (9)
  • Heft 10 (10)
  • Heft 11 (11)
  • Heft 12 (12)

Full text

Das8 Wachſen in unſern Wortſchag hinein, es geſchah ſo 
langſam. Und do<, mit welcher Sprahkraft ward hier 
geſchaffen! Und wie rang das Kind um ſeinen Ausdruck! 
Gibt es denn ſonſt Sprachkünſiler, die ſo produktiv geſtalten 
wie das Kind? 
Und ſein Geſichtskreis wuchs über das Elternheim hin- - 
aus. E3 war auf der Straße, ſog ſie in ſich hinein, alle 
Bilder vom Verkehr, ſah den Poliziſten und ſein Taſchen- 
buch, die Elektriſche, das Auto, den Aſchenwagen und die 
Sprizmaſchine. Es ging zum Kaufmann, lernte all die 
Schäße kennen, die da in unzähligen Schiebladen verſtaut 
waren. 
ugel und die wunderbar flinken Hände. E83 guckte in die 
Schmiede, ſah, wie der Hammer die merkwürdigſten Dinge 
aus dem roten Eiſen formte. Und alles, alles packte es in 
ſeine Geiſte8fächer, fürſorglich, als ahne es, daß es fürs 
Leben einſammele. 
Und dann begleitete e8 Vater und Mutter auf ihren 
Spaziergängen weit hinaus ins Freie, wo der Himmel auf 
grünen Feldern ruht. Jmmer weiter ward der heimatliche 
Rahmen. 
Das Wort ward ihm Ausdrucksmittel ſeiner Erlebniſſe. 
Immer neues brachte es tagtäglich nach Hauſe und wurde 
nicht müde, mit glühenden Backen davon zu erzählen, Dinge, 
an denen wir Er-= und Entwachſenen oftmal3 ſo gar nichts 
fanden. 
Doch bald genügte ihm das darſtellende Wort nicht 
mehr. Jm Sand des nahen Spielplatzes ſprach die formende 
Hand: wunderbare Häuſer, Gärten, Tiere entſtanden. Auch 
der Griffel „malte“ in den ungelenken Fingern auf der 
Schiefertafel. Ja, der ganze Körper ſprach mimiſch und 
rhythmiſch in den Kinderreigen und uralte Reime tönten 
von ſeinen Lippen. 
Und drinnen im Stübchen, da wurden beim Regen=- 
wetter ſeine Spielſachen : Wichsſchachteln, Streichholzdoſen, 
Bauklöge, Bohnen, Puppen wieder eine Welt, in die es 
jein ganze38 Leben hinein goß: die göttliche Zauberin Phan- 
taſie ſchuf alles daraus, was das Kind nur wollte: Tiere, 
Menſchen, Brücken, Denkmäler, Eiſenbahnen. 
Und er ſoll noch gar nichts können, ſo ein Sechsjähriger ? 
Da3 heißt denn doch alle Kräfte, die im Kinde ruhen und 
niht nur in der Anlage, gefliſſentlich vergeſſen. Das 
Kind redet ja dur; Mund und Hand, den ganzen Körper, 
ſteht da vor uns mit den verſchiedenſten Ausdrucksmöglich- 
feiten, eine kleine Perſönlichkeit, Ihr Großen meßt es 
allerdings an euch, verſezt euch nicht auf den Standpunkt 
des Kindes, den des Werdenden. JIhr denkt beim Können 
lediglich an Sdqhultenntnüſſe, Leſen, Schreiben, Rechnen. Das3 
alles kann der Junge freilich nicht. 
Dazu iſt dann ja die Schule auch noc<h vorhanden. 
Die Frage bleibt allerdings, obs denn wirklich mit der Ueber- 
mittelung dieſer Fertigkeiten ſchon ſolche Eile hat, ob es 
richtig iſt, ſchon nach achttägigem Schulbeſuch mit dem 
ſeligen Igel und ſeinem „i“ und dem Zahlbegriff der „Gin3“ 
anzufangen. Wir Reformleute meinen, man ſolle mit dem 
eigentlichen Schuluntericht erſt dann beginnen, wenn die 
Vorbedingungen dazu im erſtarkten kindlichen Geiſte gegeben 
ſind. Denn darüber, daß es tatſächlich oft eine Quälerei 
für Schüler, Lehrer und Eltern iſt, wenn im erſten Schul- 
jahr die Fibel und der Zahlkreis von 1 bis 20 „bewältigt“ 
ſein müſſen, beſteht faum ein Zweifel, Woran liegt's? 
Allein daran, daß dieſe Unterricht8gegenſtände durc<h nichts 
mit dem Geiſtesleben des Kindes verbunden ſind, daß ſie 
ſich nicht an ſeine natürliche Entwickelung organiſch an=- 
ſchließen, ſondern ganz und gar zunächſt Selbſtizweckz ver 
folgen. 
Da8, was das Kind in der Mutterſchule trieb, das 
wollen wir planmäßig in der Schule fortſegzen. Wollen 
mit ihm hinaus auf die Straße, wollen Menſchenleben 
veobachten, wollen es nachher in den Mittelpunkt unſerer 
E3 ſtand beim Schuſter, bewunderte ſeine Glas- 
22 
 
'vom Elternhaus wollen wir reden. 
- erzählen, ſingen. 
* Schuljahr. 
' und ſchneller zu erreichen ſein, und nach drei= oder vier- 
„zugleich, wenn ich euch anhören ſoll. 
Beſprechungen rücken. Von Vater und Mutter, ihrem Tun, 
- Wollen malen, formen, 
Und Leſen, Schreiben, Rechnen nur vor- 
bereiten und nur dann, wenn e38 ſich ungezwungen aus 
unſern Sachen ergibt. Freude wollen wir, ſpielendes Lernen. 
Das ſind keine Utopien, keine Sentimentalitäten, her- 
vorgegangen aus dem „Jahrhundert des Kinde38“, ſind 
Dinge, die die Hamburger Lehrerſchaft jetzt zielbewußt ver- 
wirklicht, und Berlin will folgen. Auch bei uns mehren 
ſich tagtäglich die Stimmen, die einen naturgemäßen Unter- 
richt fordern. | 
Keine Angſt, ihr Eltern, eure Kinder werden Schreiben, 
Leſen, Rechnen lernen, wenn auch. nicht gleich im erſten 
In den folgenden Jahren wird alles leichter 
jährigem Schulbeſuch werden eure Kinder genau ſo weit -- 
vielleicht viel weiter -- ſein, wie nach dem heutigen Betrieb. 
Und wir Lehrer können un3 ſagen, daß wir eurer Mutter- 
ſchule unſere Sto>werke aufbauten, und daß wir den Kindern 
da3 Lernen nicht zur Laſt machten. -- =- -- 
Und wieder ſchweift mein Bli> über meine Schar. 
Fünfzig Kinder, fünfzig Ginzelweſen -- kann da von indi- 
viduellcr Erziehung geſprochen werden? Und doch muß ſie 
verſucht werden, ſoweit es menſchenmöglich iſt. 
Und wer ſeid ihr, ihr Kinder? Wer iſt er, der Große, 
der Goethe, Bismarc> unſerer Tage? Unter meiner Schar? 
I<h kenne euch nicht, muß alle pflegen mit gleicher 
Liebe, muß ſäen und jäten, hoffenden Herzens auf künftige 
hundertfältige Frucht, -- 
Der Sotenrichter. 
Von Charlotte Dittmann. 
„Schnauz' mich nicht ſo an!“ 
„Dann ſtoß du nicht an den Tiſch, wenn ich ſchreibe!“ 
„Ic muß meine Sachen wegräumen, ich kann nichts 
dafür. Hätteſt du nachmittags gearbeitet, ſtatt zu der 
Einladung zu gehen, dann wärſt du jett fertig.“ 
„Sooo! Dafür biſt du neulich im Theater geweſen!“ 
„Du hältſt dich genug ſchadlos. Wer hat. denn naH 
Mamas Geſellſchaft den Kuchenkorb ausgegejſen?“ 
Darauf antwortete ein Puff. Schwapp, eine Ohrfeige 
vom Gegner, und das Handgemenge war eröffnet. 
„Aber Kinder! Augenbli>lich auseinander, ſag' ich!“ 
Die Mutter war eingetreten und ſchaute traurig auf die 
Ringkämpfer. „Wie ſoll denn das noch werden," ſagte ſie, 
„e8 vergeht kein Tag, an dem ihr nicht tut, als wolltet ihr 
einander umbringen. Aber ohne das Undere exiſtieren könnt 
ihr auch nicht, Wenn ihr einander alſo doch gut ſeid, warum 
zeigt ihr dann nicht ein bischen guten Willen euch) zu ver= 
tragen?“ 
„I< laß' mir nichts gefallen!“ 
„Und wer mich knufft, der kriegt eben eins ab.“ 
„Wenn ich auch jünger bin, ich laß mich nicht duc>en.“ 
„Und i<9 laß mir von einem, der jünger iſt, nichts 
befehlen, Mutichen.“ 
„Ja, aber ich bin ebenſo frei und ebenſoviel wie du, 
und wenn du wütend werden darft, dann darf ichs auch!“ 
„Kinder, Kinder! -- -- Redet wenigſtens nicht beide 
„Frei“ nennt ihr 
euch alſo, wenn ihr euch geſtattet, wütend zu werden! Wißt 
ihr, daß ihr gerade dann ganz unfrei ſeid, ganz von eurem 
böſen Geiſt geknechtet, daß ihr einem ordentlich leid tun 
könnt? Kommt mal her, ich will euch etwas erzählen.“ 
Sie ſegzte ſich mit den Kindern aufs Sofa und zog mit 
jedem Arm eins an ſich heran. 
„AH Muttchen, fang du bloß nicht auch die Geſchichte 
an, dic wir in der Schule immer wieder kriegen: von der 
böſen Luſt und der Sünde, die von Kain ſtammt. Ah, wie 
oft werden wir die abgefragt.“
	        

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