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Kinderland (Januar 1911) (1911)

Access restriction

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Bibliographic data

fullscreen: Kinderland (Januar 1911) (1911)

Periodical

Persistent identifier:
025299433
Title:
Kinderland
Subtitle:
Blätter für ethische Jugenderziehung
Document type:
Periodical
Place of publication:
Berlin
Language:
German
Collection:
Pädagogische Zeitschriften
ZDB-Nummer:
2126434-X
Fußnote/Bemerkung:
Beil. zu: Ethische Kultur
Access restriction:
Siehe Bände

Periodical volume

Persistent identifier:
025299433_0011
Title:
Kinderland (Januar 1911)
Shelfmark:
02 A 760 ; RF 620 - 631
Document type:
Periodical volume
Publication year:
1911
Language:
German
Collection:
Pädagogische Zeitschriften
Access restriction:
Open Access

Periodical issue

Title:
Heft 2
Document type:
Periodical
Structure type:
Periodical issue
Collection:
Pädagogische Zeitschriften
Access restriction:
Open Access

Article

Title:
Das steinerne Kind
Author:
Franke, Ilse
Document type:
Periodical
Structure type:
Article
Language:
German
Collection:
Pädagogische Zeitschriften
Link zum Katalog:
BBF0499431
Access restriction:
Open Access

Contents

Table of contents

  • Kinderland
  • Kinderland (Januar 1911) (1911)
  • Heft 1 (1)
  • Heft 2 (2)
  • Frühlingssehnsucht
  • Das steinerne Kind
  • Der Nebel
  • Empfehlenswerte Eltern- und Kinder-Bücher
  • Heft 3 (3)
  • Heft 4 (4)
  • Heft 5 (5)
  • Heft 6 (6)
  • Heft 7 (7)
  • Heft 8 (8)
  • Heft 9 (9)
  • Heft 10 (10)
  • Heft 11 (11)
  • Heft 12 (12)

Full text

O, wie kalt es war. Und es wurde immer kälter. 
Der kleine Johann fing an zu zittern und war ganz ſieif 
und blau vor Froſt. | . 
Ex wollte hineingehen ins Schloß, zu Vater und Mutter. 
Da brannten im Kamin die Buchenſcheite, und e8 war hübſch 
mollig und ro9 nach Bratäpfeln, und er brauchte nicht jo 
zu frieren. | 
Da fiel ihm ein, daß ſeine Mutter einmal geſagt hatte, 
ein Kind dürfe nichts verſchenken ohne den Willen ſeiner 
Eltern, und er hatte Angſt, daß er Schelte bekäme, weil er 
ſeinen neuen Mantel ohne zu fragen weggeſc<henlt hatte. 
Lange ging der kleine Johann um das Brunnenbecen 
herum und wußte nicht, was er tun ſollte. Er mochte dem 
Kinde den geſchenkten Mantel auch nicht wieder fortnehmen, 
denn er kannte einen Ver3, der hieß: 
„Ginmal, einmal iſt vergeben, 
Darf man niemals wiedernehmen. 
Setzt ſich auf die ſchwarze Kuh, 
| Reitet flugs der Hölle zu.“ . 
Nein, in die Hölle wollte er dod) nicht kommen! 
. Da fiel ihm mit eins etwas ein. Ex konnte dem Kinde 
den Mantel ja bloß geliehen haben, damit es ſeine kalten 
Glieder ein bißchen durhwärmte, und dann konnte er ihn 
ſelber wieder anziehen. So war ihnen beiden geholfen. 
Und der kleine Johann ging dicht heran an das ſteinerne 
Kind und ſagte: 
„Ah, bitte, du, gib mir meinen Mantel wieder, ſonſt 
wird Mutter böſe. Du biſt nun gewiß j<on ganz warm, 
und ich friere ſo, ſiehſt Du.“ 
Und er nahm dem Kinde den Mantel wieder ab und 
zog ihn ſich an. 
„Jh will dem Weihnacht8manne ſagen, daß er dir 
einen Mantel ſchenkt; der hat ſo viele in ſeinem Sac, für 
alle artigen Kinder, und ich habe bloß dieſen einen.“ 
Das ſteinerne Kind aber war no< genau ſo kalt wie 
vorher, ſagte auch nicht ein Wort, ſondern blies ruhig weiter 
auf ſeiner Muſchel, als ginge es die ganze Sache nichts an, 
Der kleine Johann war ganz traurig geworden, er 
wußte ſelbſt nicht warum. Sein Kopf und ſein Hals taten 
ihm weh, und ſeine Füße wollten garnicht wieder warm 
werden, obgleich er warme Gamaſchen und Pelzſtiefeln an 
hatte. Die Freude am Schnee war ihm vergangen, und 
zum Spielen hatte er auch keine Luſt mehr. Er war müde 
geworden und wollte am liebſten ſchlafen, troßdem es noch 
lange hin war bis zu ſeiner Zubettgehzeit. 
Er ging in das Schloß zurü>, aber er ſprang nicht 
mehr, er ſchlich ganz langſam. In der Kinderſtube jette er 
ſich ſtill auf eine Fußbank in einer Ee, bis ſeine Mutter 
kam. Die erſchrak gewaltig, als ſie ſeine trüben Augen und 
ſeine blaſſen Wangen ſah und ſeine eiskalten Hände fühlte. 
Sie brachte ihn ins Bett, gab ihm heißen Kamillentee zu 
trinken und legte ihm eine Wärmflaſche an die Füße. =- 
Der kleine Johann wurde recht krank. Er lag im 
Fieber und erkannte niemand, nicht einmal ſeine Mutter, 
die nicht von ſeinem Betichen wankte und wich und nicht 
begreifen konnte, warum er plötzlich ſo krank geworden war, 
Naſſe Füße hatte er nicht bekommen, ſeine Strümpfe, die 
über der Stuhllehne hingen, waren ganz iro>en geweſen. 
Aber ſein Mantel hatte ſi< inwendig ſo feucht angefühlt, 
das war doch ſonderbar, und die Mutter konnte es ſich nicht 
erklären. 
. Sie hegte und pflegte den kleinen Johann, wie eben 
nur eine Mutter ihr krankes Kind pflegt. Er ließ es ſich 
ganz ſtill gefallen und merkte e8 nicht, wenn ſie ihm eiskalte 
Umſchläge auf ſeinen glühenden Kopf legte. Er war ſehr 
geduldig. | 
Aber plözlich ſchrie der kleine Johann laut auf. Da 
ſtand das ſteinerne Kind vor ſeinem Bett, hatte ſeine Muſchel 
mit Schnee gefüllt und ſah ihn an, 
 
„Tu mir nicht8", wimmerte der kleine Johann. „JV 
durfte dir den Mantel ja nicht ſchenken, ſonſt wäre Mutter 
böſe geworden. I< konnte ihn dir bloß ein bißchen leihen, 
damit du dich durc<wärmteſt.“ 
Da8 Kind aber ſchüttelte ſeinen lo>igen Kopf und ſah 
ihn ſehr freundlih an. „I< will deinen Mantel nicht, 
Johann. Ic bringe dir Schnee für deinen glühenden Kopf. 
Du haſt mich gewärmt, al8 mir kalt war, nun will ich dich 
fühlen, wo dir heiß iſt. Siehſt du, ich kann auch dankbar 
ſein, wenn ich auch nur von Stein bin und kein Herz habe.“ 
„Ach, wie tut der Schnee auf dem Kopfe ſo gut“, jagte 
der kleine Johann, und ſeine Mutter freute ſich, daß die 
kalten Umſchläge, die ſie ihm unermüdlich machte, ihm jo 
wohltaten. Aber ſie begriff gar nicht, was für ein Kind das 
war, mit dem der kleine Johann immer ſpra<. So ſehr 
ſie ſich auch umſah, ſie konnte kein Kind erblicken. 
Gegen Abend, als die Sonne untergehen wollte und die 
Mutter vor Erſchöpfung ein wenig eingeſchlafen war, kam 
das ſteinerne Kind wieder und ſagte zum kleinen Johann: 
„Willſt du mit mir gehen auf die blaue Wieſe und 
mit den weißen Kindern ſpielen 2“ 
„Draußen iſt ja alles voll Schnee“, ſagte der kleine 
Johann und klapperte mit den Zähnen. 
„Auf der Wieſe, die ich meine, iſt niemals Schne. 
Da blühen das ganze Jahr die ſilbernen Sternblumen“, jagte 
das ſteinerne Kind. „Komm, Johann, da iſt es viel ſchöner, 
da iſt immer Frühliag.“ 
Da ſtand der leine Johann auf und ging mit dem 
Kind. Da3 nahm Ihn bei der Hand, und ſeine Finger waren 
roſig und warm. E8 legte ſeine Muſchel an den Mund 
und fing an zu blaſen. Da klang ein wunderlieblicher Ton, 
und plößlich ſtand vor ihnen ein ſchneeweißes Kalb, das 
hatte ein ſilbernes Horn mitten auf der Stirn. Das leuchtete 
nicht nur wie der Mond, ſondern e8 war der Mond wirklich 
und wahrhaftig. 
„Sitz auf“, ſprach das ſteinerne Kind, und das Mond- - 
kalb fauerte ſich nieder in den Schnee und nahm die Kinder 
auf ſeinen Rücken, und dann ging der Flug hoch, hoch in die 
Lüfte, bis die Erde nur noch wie ein krabbelnder Ameiſen=- 
haufen unter ihnen lag. 
Endlich landeten ſie auf einer großen, großen blauen 
Wieſe, und die Blumen, die dort wuchſen und blühten, 
waren aus blankem Silber und ſchimmerten ſo, daß man 
ſie nog auf der Erde erkennen konnte, Es waren nämlich 
die Sterne, die uns des Nachts leuchten. | 
Da wußte der kleine Johann, daß ſie im Himmel waren, 
oder vielmehr auf der großen, blauen GotteSwieſe, von der 
au8 man zu den goldenen Himmelstoren gelangt. 
„Sieh“, ſagte das ſteinerne Kind, „da ſpielen die weißen 
Kinder, die die Menſchen Engel nennen. Sieh, wie luſtig 
ſie ſind, und wie ſie lachen und ſingen. Da wollen wir 
nachher auch ſpielen. Aber erſt will ich dir einen Kuß. geben.“ 
Und das ſteinerne Kind gab dem kleinen Johann einen 
Kuß, und ſeine Lippen waren warm und weich. 
„Fühl mich an“, ſprach es, „ich bin nun nicht mehr 
kalt und ſteinern, denn du haſt mir deinen Mantel gegeben. 
Ja, noch viel, viel mehr: du haſt mir dein Leben gegeben.“ 
„Habe ich denn nun kein Leben mehr?“ fragte der 
kleine Johann, der ſich ſo ſonderbar leicht und frei fühlte 
und noc<h nicht gemerkt hatte, daß ihm weiße Flügel ge- 
wachſen waren, wie alle die andren Kinder auf der blauen 
Wieſe ſie hatten. 
„Dein irdiſches Leben haſt du nicht mehr," jagte das 
Kind, „aber das ewige Leben hehältſt du.“ 
„Aber was wird meine Mutter ſagen, wenn ſie auſ- 
wacht und mein Bettchen leer findet?" fragte der kleine Johann. 
„Leer iſt dein Bettchen nicht“, ſagte das Kind. „Du 
liegſt no< drin. Aber du biſt gerade ſo kalt und ſteinern 
wie ich es war. Undb wenn deine Mutter dich ſieht, wird 
ſie weinen. Schau her.“
	        

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Die Heimstätte - 15.1938. 1938.
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