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Arbeiter-Jugend - 1.1909 (1)

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Bibliographic data

fullscreen: Arbeiter-Jugend - 1.1909 (1)

Periodical

Persistent identifier:
027052486
Title:
Arbeiter-Jugend
Subtitle:
Monatsschrift der Sozialistischen Arbeiterjugend Deutschlands
Document type:
Periodical
Publisher:
Arbeiterjugendverl.
Place of publication:
Berlin
Language:
German
Collection:
Pädagogische Zeitschriften
ZDB-Nummer:
2176472-4
Access restriction:
Siehe Bände

Periodical volume

Persistent identifier:
027052486_0001
Title:
Arbeiter-Jugend - 1.1909
Shelfmark:
02 A 30 ; RF 641 - 647
Document type:
Periodical volume
Publication year:
1909
Collection:
Pädagogische Zeitschriften
Access restriction:
Open Access

Periodical issue

Title:
Heft 23
Document type:
Periodical
Structure type:
Periodical issue
Collection:
Pädagogische Zeitschriften
Access restriction:
Open Access

Article

Title:
Lehrjahre
Document type:
Periodical
Structure type:
Article
Language:
German
Collection:
Pädagogische Zeitschriften
Link zum Katalog:
BBF0563019
Access restriction:
Open Access

Contents

Table of contents

  • Arbeiter-Jugend
  • Arbeiter-Jugend - 1.1909 (1)
  • Heft 1 (1)
  • Heft 2 (2)
  • Heft 3 (3)
  • Heft 4 (4)
  • Heft 5 (5)
  • Heft 6 (6)
  • Heft 7 (7)
  • Heft 8 (8)
  • Heft 9 (9)
  • Heft 10 (10)
  • Heft 11 (11)
  • Heft 12 (12)
  • Heft 13 (13)
  • Heft 14 (14)
  • Heft 15 (15)
  • Heft 16 (16)
  • Heft 17 (17)
  • Heft 18 (18)
  • Heft 19 (19)
  • Heft 20 (20)
  • Heft 21 (21)
  • Heft 22 (22)
  • Heft 23 (23)
  • Lehrjahre
  • Wie ich ein Schreiner wurde
  • Was ist Sozialismus?
  • Der junge Schiller
  • Die Aufgaben unserer Jugend
  • Die politischen Parteien
  • Aus der Jugendbewegung
  • Vom Kriegsschauplatz
  • Fremdwörter
  • Vier Tage
  • Ahnenlied
  • Zuerst Mama und dann Papa
  • Fritz Katzfuß
  • Heft 24 (24)

Full text

 
Erſcheint alle 14 Tage. 
Preis der Einzel - Nummer 10 Pfennig. 
Abonnement vierteljährlich 50 Pfennig. 
Eingetragen in die Poſt-Zeitungsliſte. 
Nr. 23 
BESCH Z il 
Cehrjahre. 
< chrjahre zind feine Freudenjahre; dieſe WeiSheit befommeit 
» die Lehrlinge nur zu oft zu hören. WeShalb aber jollen 
“ eigentlich die Lehrjahre feine Freudenjahre jein? Kann 
es für einen jungen Arbeiter etwas Schöneres geben, als daß 
er in ſeine Berufstätigkeit eingeführt wird, daß er jeden Tag 
Fortſchritte darin macht, daß er ſieht, ex wird in jeinem Beruſt 
vin tüchtiger Arbeiter? 
Treudenjahre jein. 
Wo das uicht der Fall iſt, da liegt die Schuld im der Regel 
daran, daß der Lehrmeiſter den Lehrling angenommen hat, um 
möglichſt viel Nuüßen von ihm zu ziehen und nicht, um ihn au8- 
zubildat. DaS iſt ein I<hlimmer Weißſtand, der durc< bejondere 
Schußbeſtimmungen für die Lehrlinge verhindert werden 1oU. 
Und die Beaunten, die ſich davon zu überzeugen haben, ob dice 
Arbeiteri<hußbeſtimmungen bei der Arbeit beachtet werden, 
namlich die Jogenanntein Gewerbeauffichtsbeanmten, "ollen auch 
al? die Verhältniſſe der Lehrlinge achten. Daher finden wir in 
dein Berichten der Gewerbeauffiht8beamten mancho lehrreiche 
VPatteilung über die Lehrjahre der heranwachſenden Arbeiter- 
juaend. . ' 
BerhältniSmäaßig häufig kommt noc< immer die Lehr- 
lingSzüdctercei vor. Hiergegen richtet ſich 8 128 der Ge= 
werbeordnung. Dieſer Paragraph bezieht ſich auf den Fall, daß 
der Lehrherr eine große Zahl von Lehrlingen hält, die nicht in 
dem richtigen Verhältnis zu dem Umfang oder der Art ſeines 
Guverbebetrieb38 ſteht und daß dadurch eine gründliche Aus- 
bildung der Lehrlinge unmöglich gemacht wird. In einem jolchen 
galle fann dem Lehrhern von der Behörde vorgeſchrigben werden, 
einen Teil der Lehrlinge zu entlaſſen und auc<h m Zukunft nicht 
mchr als eine beſtimmte Zahl von Lehrlingen einzuſtellen. Auf 
Grund dieſer Beſtimmung mußte zum Beiſpiel im Regicrungs- 
bezixf HildeSheinr gegen einen Scloſſermeiſter eingeſchritten 
werden, der 5 Lehrlinge, aber keinen Geſellen beſchäftigte. Ju 
Anhalt wurden in einer Fabrif für Apparatebau neben 17 Ge- 
ellen nicht weniger als 29 Lehrlinge, in einer Schloſſerei mit 
Moiorbetrieb neben 2 Geſellen 12 Lehrlinge und in einer 
Majikfapelle neben 2 Geſellen gar 18 Lehrlinge ange- 
troffen. 
Bei einer jo großen Zahl von Lehrlingen kann jelbſtverſftänd- 
lich feine Rede davon ſein, daß jeder einzelne Lehrling gründlich 
aunsgebildet wird. Außerdem kommt noch die Behandlung 
der Lehrlinge in Betracht. Im Regierungs8bezirk Oppeln zun; 
Veiſpiel beſchäftigte ein Bunc<druckereibeſitzer junge Seßerlehrlingc, 
die noch nicht 18 Jahre alt waren, ohne Unterbrechung und ſelbſt 
im wpäten Nacht- und früheſten Morgenſtunden beim nerven- 
änpannenden: Maſchinenjeßen. Dagegen ſchritten die Gawerbe- 
auſſichtsbeamten ſofort ein. Ebenſo mußte im oberſchleſiſchen 
viduſiriebezirfe die „eingebürgerte“ Beſchäftigung ſc<hulentlaſſenc: 
Kinder und junger Leute beim Steinetragen auf Bauten verboten 
werden, »3 war ſejigeſtelli worden, daß die jungen, erſt 14- bi8 
v hrigen Steinträger täglich je 750 bis 800 Ziegelſteine beim 
Zmvon der Crdgeſc<oſjes, 600 bis 650 Steine beim Bau des erſten 
S<tochverfes, 450 bis 500 Steine beiin Bau des zweiten und ent- 
Precjend weniger beim Vau der höheren Stockwerke in Einzel- 
laſten von je etwa 45 Kilogramm befördern mußten. FJerner 
nach der Berichterſtatter über den Regierungs8bezirk Oppeln 
'olgonde bozeichnende Mitteilungen: Ein Bäckermeiſter wurde 
vgen Übermäßiger Beſchäftigung eines minderjährigen Lehr- 
 
 
Berlin, 4. Dezember 
Daher müßten die Lehrjahre ſehr wohl 
 
 
Expedition: Buchhandlung Vorwärts, 
Lindenſtraße 69. Alle Zuſchriften für die 
Redaktion ſind zu richten an Karl Korn, 
Lindenſtraße 69, Berlin SW. 68 
1909 
ling3 vom Schöffengericht mit 10 MEL., vom Berufuiagsgericht mit 
50 Mk. beſtraft. =-- Gegen den Befißer und den Werkmeiſter einer 
Schloſſerei wurde infolge fortgeſeßter übermäßiger Züchtigung 
der Lehrlinge Anzeige wegen Körperverleßung eritattet. --- Der 
Beſiber einer mittelgroßen Maſchinenfabrik und Eiſengiepere? 
führte Jjeit Jahren feinen Betrieb faſt ausſchließlich mit 1oacnannten 
Volontären und jungen Arbeitsburſchen, die tatſächlich Lehrlinge 
waren. Erſt nach Verhängung der Strafe gelang es, divier Lehr- 
lingSauSbeutung einen Riegel vorzuſchieben und Durch Eiüin- 
itelung von Geſellen für beſſere Ausbildung der Lehrlinge zu 
jorgen. = Sn Bremen wurden in Tiſchlereien und Schioſſereien 
unvorhältniämäßig viele Lehrlinge angetroffen. Vezeichnend war, 
bemerft dazu der Borichterſtatter, die lange Arbeit5szeit in dicſeit 
Anlagen: 10 und 101<, Stunden, während ſonſt 9 Stunden üblich 
find. = Ju einigen handwerksmäßigen Fleiichercibetrivveit der 
Stadt Königsberg (Oſipreußen) mußten die Lehrlinae bei 100 
haftem GeſchäftSgange mehrerrv Malo im der Wocht von TZriiit) 
niorGens bIS pat in vie Nacht hinein durcharbeitämn. Tach Cit 
drinolicher Mahnung und Androhinng eines twengen Eimſchreiteis 
haben die Unternehmer die Ueberamirengunig der Lehrlinago unter- 
laſſen. = Endlich iſt in dem Bericht über Oberfranken zu 1eſei: 
Infolge Ueberanſtrengung befam ein Bä>erlehrling eine hKhmerz3- 
hafte Verfrümmung der Beine, 1s daß er voranstichtlich wäter 
operiert werden MUB. =- > 
Selbſt zu gefährlichen Arbeiten ziehen auwvitſenloc 
Betriebsleiter die Lehrlinge und jugendlichen Arbeiter herait. 
In Württemberg 3. B. beobachteten die Gewerbeanmicht5sbeamteon 
bei mehreren Glaſer- und Schreinermeittern die „Neigung“, felb?t 
jehr junge Lehrlinge ſ<on zur zeitweiligen Bedienung von gefähr- 
lichen Solzbearbeitungösmaſ<Hinen zu verwenden. = JIU den 
Regierungs8bezirfen Königsberg und Allenſtein mußte in einer 
nmechaniichen Tiſchlerei, wo ein außergewöhnlicher Mangel und 
cine ſchlechte Inſtandhaltung von Schußvorrichtungeii wiederholt 
feſtgeſtellt worden war, die Beſchäftigung jugendlicher Arbeiter 
verboten worden. In einer anderen Tiſchlerei derſelben Bezirfe 
mußte angeordnet werden, daß Jugendliche Lehrlinge nicht zum 
Andrehen de8 Ga3motor3 verwendet werden; in einer Färbere!, 
daß ein jugendlicher Arbeiter die Wartung des Dampfktenſels nicht 
ohne Aufſicht ausübt. = Auc< in Braunſchweig mußte in zwol 
Betrieben die Beſchäftigung jugendlicher Arbeiter als Keoſſelheizer 
beanſtandet werden. -- Endlich hebt der Berichterſtatter iber Lippe 
hervor, daß die Beſchäftigung jugendlicher Arbeiter bei gefähr- 
lichen Arbeiten in mehreren Fällen unterſaat werden mußte; 19 
in einer Holzbearbeitungs8fabrikf die Beſchäftigung au gefähr- 
lichen Arbeit3smaſchinen, in einer Papierfabrik das Bedienen von 
PapiermaſHinen und in einem Sägewerf die Bedienunq dos 
Dampfkeſſels. = 
Durch. die gewiſſenlofe Ausbeutung der Arbeiterjugend 1üt 
ſchon mandher Unfall herbeigeführt worden. Aus den ceingelaufenen 
Unfallanzeigen heißt es 3. B. in dem Bericht über. Nieder- 
bayern, geht hervor, daß manche Verſtöße gegen die Beſtimmungen 
der Wewerbeordnung vorliegen infolge der Bedienung gefähr- 
licßer Maſchinen durch Jugendliche oder infolge ungeeigneter 
Verwendung der Jugendlichen beim Transporte ſ<werer Laſten. -- 
Im Regierungsbezirk Liegnitz beſchäftigte ein Steinſezmeiſter 
jugendliche Arbeiter mit dem Aufſtemmen eines alten Pflaſter3 
und dem Auf- und Abladen von etwa 25 Pfund ſchweren Granit- 
ſteinen. - Dieſe Arbeit erachtete der zuſtändige KreiSarzt als im 
höchſten Grade geſundheit3ſ<ädlih für jugendliche Arbeiter, 
denn es könnten dadur< ſ<were Herz= und Lungenkrankheiten
	        

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