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Arbeiter-Jugend - 17.1925 (17)

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Bibliographic data

fullscreen: Arbeiter-Jugend - 17.1925 (17)

Periodical

Persistent identifier:
027052486
Title:
Arbeiter-Jugend
Subtitle:
Monatsschrift der Sozialistischen Arbeiterjugend Deutschlands
Document type:
Periodical
Publisher:
Arbeiterjugendverl.
Place of publication:
Berlin
Language:
German
Collection:
Pädagogische Zeitschriften
ZDB-Nummer:
2176472-4
Access restriction:
Siehe Bände

Periodical volume

Persistent identifier:
027052486_0017
Title:
Arbeiter-Jugend - 17.1925
Shelfmark:
02 A 30 ; RF 641 - 647
Document type:
Periodical volume
Publication year:
1925
Collection:
Pädagogische Zeitschriften
Access restriction:
Open Access

Periodical issue

Title:
Heft 1
Document type:
Periodical
Structure type:
Periodical issue
Collection:
Pädagogische Zeitschriften
Access restriction:
Open Access

Article

Title:
Die sozialistische Jugendbewegung in Italien
Author:
Reventlow, Rolf
Document type:
Periodical
Structure type:
Article
Language:
German
Collection:
Pädagogische Zeitschriften
Link zum Katalog:
BBF0575803
Access restriction:
Open Access

Contents

Table of contents

  • Arbeiter-Jugend
  • Arbeiter-Jugend - 17.1925 (17)
  • Heft 1 (1)
  • Titel
  • Inhaltsverzeichnis
  • Beseelte Arbeit
  • Die Wahlen
  • Perioden der Wirtschaftsgeschichte
  • Der Glaube an das Wunder
  • Die Kunst der Japaner
  • Die eiserne Ferse
  • Die Angestelltenjugend
  • Ein Brief aus Tinz
  • Die sozialistische Jugendbewegung in Italien
  • Wie ich Sozialist wurde
  • Ueber die Vergeistigung der Materie
  • Aus der Bewegung
  • Unter uns
  • Bücher für die Jugend
  • Fremdwörter
  • Spielecke
  • Heft 2 (2)
  • Heft 3 (3)
  • Heft 4 (4)
  • Heft 5 (5)
  • Heft 6 (6)
  • Heft 7 (7)
  • Heft 8 (8)
  • Heft 9 (9)
  • Heft 10 (10)
  • Heft 11 (11)
  • Heft 12 (12)

Full text

Arbeiter-Jugend 23 
 
daß das geſamte Material des alien Verbandes in den Händen der Maximaliſten verblieben 
war, wos dix Reorganiſation nod äußerſt erſchwerte. 
* Dod) die nicht unerheblichen Opfer, die hier gebracht wurden, waren von Erfolg gekrönt. 
Wenn es auch erſt an die tauſend Mitglieder ſind, die dieſe junge Organiſation um ſich ſcharen 
konnte, fo kann man doch ohne Uebertreibung behaupten: der Grundſto> zur ſozialiſtiſchen 
Jugendbewegung, in Italien iſt wieder geſchaffen. Die Propaganda wurde neuerdings durch 
das Zurücgehen der faſchiſtiſchen Bewegung ſeit der Ermordung des Genoſſen Matteotti 
bedeutend erleichtert. Die Abhaltung regionaler (d. h. Bezirks-) Tagungen, die vor einem 
halben Jahre gänzlich unmöglich geweſen wäre, konnte kürzlich in Apulien, in Piemont 
und in. der Lombardei ungeſtört vor ſich gehen, und dix vierzehntägig erſcheinende Verbands- 
zeitſchrift Libertäa (Freiheit) findet troz wiederholter Verbote und Beſchlagnahmen weite 
Verbreitung. 
 
 
 
Wie ich Sozialiſt wurde. 
Von Ja> London. 
Cn ) darf wohl ſagen, daß die Weiſe, wie ich Sozialiſt wurde, etwas ähnlich war 
B jenigen, wie idie heidniſchen Deutſchen Chriſten wurden: 25 wurde mir eingehämmert. 
2 Lor meiner Bekehrung zum Sozialismus habe ich ihn nicht gerade geſucht. Das war 
damals, 9als ich jung war und noch nicht flügge, als ich überhaupt von nichts wußte, und 
niemals von einer Lehre des „IndividualisSmus“ etwas gehört hatte. Da Jang ich mit allen 
Kräſten das Loblied des Starken, weil ich ſelber ſtark war. Unter ſtark meine ich, daß ich 
cane gute Geſundheit und feſte Muskeln hatte. Ich hatte meine Kindheit auf kaliſorniſchen 
Farmen zugebracht, als Junge Zeitungen auf den Straßen einer geſunden Stadt im Weſten 
verkauft, meine Jünglingszeit im der ozonhaltigen Luft des Meerbuſens von San Franzisko 
amd des Stillen Dzeans verlebt. Ich liebte das Leben in der freien Luft, und ich arbeitete 
nur in freier Luft. Ich lernte kein Handwerk, ſondern ließ mich reiben, nahm bald Dieſe, 
bald jene Arbeit an, ſah zufrieden in die Welt und fand alles in ihr gut. Aber ich hatte 
dieſen Optimismus, weil ich mich weder mit Schmerzen noc< mit körperlichen Schwächen 
herumſchlagen mußte. Niemals wurde ich von einem Arbeitgeber als ungeeignet zurück» 
gewieſen; ich bekam immer irgendeine Händearbeit, ob es nun beim Kohlenſchaufeln oder 
auf einem Schiff war. 
Und weil ich mich meines jungen Lebens freute, und weil ich meinen Mann ſtellie bei 
ver Arbeit wie bei der Rauferei, war ich ein unentwegter Individualiſt (Ich-Gläubiger). 
Das war ſehr natürlich. I< gewann immer. Darum wagte ich jed2s Spiel; ich glaubte, 
ich könnte es ſpielen, es ſei das rechte Spiel für Männer. Ein Many zu ſein, bedeutete für 
mich, das Mann mit großen Buchitaben auf mein Herz zu ſchreiben. Zu wagen wie ein 
Mann, zu kämpfen wie ein Mann, zu arbeiten wie ein Mann, auch wenn man dafür wie 
ein Junge bezahlt wird, das alles ergriff und packte mich wie nichts ſonſt. Und ich ſah vor 
mir in eine verſchleierte unbegrenzte Zukunft und ſah mich das männliche Spiel weiter» 
qpielen, mit unerſchütterter Geſundheit, ohne Unglü> amd mit immer fkräſtigen Muskeln. 
Ohne Ende erſchien mir dieſe Zukunft. Ich ſah mich durch das Leben raſen wie Nießſches 
„Blonde Beſtie“, friſchſröhlich abenteuernd und erobernd durc) bloße Kraft und Stärke, 
Ich muß geſtehen, ich dachte Faum an die Unglüclichen, die Kranken, die Siechen, die 
Aiten, die Verkrüppelten; außer daß ich dunkel fühlte, daß ſie ebenſogut wie ich, wenn ſie 
es Wirklich wollten, ſchwere Arbeit leiſten könnten, Ihr Unglüc> zog ich nicht in Betracht. 
Unglü> erſchien mir als Schiäſal, das ich ebenſo mit großen Buchſtaben ſchrieb, und dem 
man nicht entgehen kann. Napoleon ha:te Unglü> bei Waterloo, aber das dämpfte nicht 
mein Verlangen, ein neuer Napoleon zu werden. Außerdem erlaubte mein Optimismus, 
der von einem Magen kam, der Eiſenſtü>e verdauen Tfonnte, und von einem Körper, der 
durch Schwerarbeit immer fräftiger wurde, mir nicht, das Unglü> mit meiner erhabenen 
Perſönlichkeit auch nur als weitläufig verwandt zu betrachten. I< war ſtolz darauf, einer 
ven den ſtarkarmigen Söhnen der Natur zu ſein. Die '"Würde der Arbeit war mir das ein» 
drudvollſte in der Welt. Arbeit war mir alles, war mir Heilung und Erlöſung. Mein Stolz 
über ein gut verbrachtes Tagewerk mag einem anderen unbegreiflich ſein, und er erſcheint 

	        

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