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Arbeiter-Jugend - 17.1925 (17)

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Bibliographic data

fullscreen: Arbeiter-Jugend - 17.1925 (17)

Periodical

Persistent identifier:
027052486
Title:
Arbeiter-Jugend
Subtitle:
Monatsschrift der Sozialistischen Arbeiterjugend Deutschlands
Document type:
Periodical
Publisher:
Arbeiterjugendverl.
Place of publication:
Berlin
Language:
German
Collection:
Pädagogische Zeitschriften
ZDB-Nummer:
2176472-4
Access restriction:
Siehe Bände

Periodical volume

Persistent identifier:
027052486_0017
Title:
Arbeiter-Jugend - 17.1925
Shelfmark:
02 A 30 ; RF 641 - 647
Document type:
Periodical volume
Publication year:
1925
Collection:
Pädagogische Zeitschriften
Access restriction:
Open Access

Periodical issue

Title:
Heft 1
Document type:
Periodical
Structure type:
Periodical issue
Collection:
Pädagogische Zeitschriften
Access restriction:
Open Access

Article

Title:
Ueber die Vergeistigung der Materie
Author:
Barthel, Max
Document type:
Periodical
Structure type:
Article
Language:
German
Collection:
Pädagogische Zeitschriften
Link zum Katalog:
BBF0575805
Access restriction:
Open Access

Contents

Table of contents

  • Arbeiter-Jugend
  • Arbeiter-Jugend - 17.1925 (17)
  • Heft 1 (1)
  • Titel
  • Inhaltsverzeichnis
  • Beseelte Arbeit
  • Die Wahlen
  • Perioden der Wirtschaftsgeschichte
  • Der Glaube an das Wunder
  • Die Kunst der Japaner
  • Die eiserne Ferse
  • Die Angestelltenjugend
  • Ein Brief aus Tinz
  • Die sozialistische Jugendbewegung in Italien
  • Wie ich Sozialist wurde
  • Ueber die Vergeistigung der Materie
  • Aus der Bewegung
  • Unter uns
  • Bücher für die Jugend
  • Fremdwörter
  • Spielecke
  • Heft 2 (2)
  • Heft 3 (3)
  • Heft 4 (4)
  • Heft 5 (5)
  • Heft 6 (6)
  • Heft 7 (7)
  • Heft 8 (8)
  • Heft 9 (9)
  • Heft 10 (10)
  • Heft 11 (11)
  • Heft 12 (12)

Full text

25 Arbeiter-Jugend 
„War ſchon einmal ein Menſch auf dem Mars?" fragte Liſa. 
„In der Sehnſucht ſchon, Liebſte. Höre, wie in einem Roman das Leben auf dem Mars 
beſchrieben wird. Die Marsmenſchen können ſchon nac der Venus -- das iſt dieſer flammende 
Stern =“ und nach der Erde fliegen. Dieſen Stern kennſt du ja. Gut, ſie fliegen auf die 
Erde, auf unſeren Stern, und ſuchen ſich hier den höchſtentwikelten Menſchen aus, einen 
Sozialiſten, und überreden ihn zur Marsreiſe, Ex fährt auch in ihrem unſichtbaren, gläſernen 
Luftſchiff mit, aber der Staub der Erde iſt noc< zu ſehr in ſeiner Seele. Auf dem Mars 
ermordet er 0:5 Eiferſucht einen Marsmenſchen. Nun höre: der Erdenmenſc< wird zur Rüc- 
fehr auf unſeren Stern verurteilt. Sie haben ihn nicht geköpft oder ins Gefängnis geſperrt, 
ſie haben ihn zur Erde verurteilt! Was für ein Zuchthaus muß unſere Erde in den Augen 
ver Marsmenſchen ſein!“ 
„Hat man jemals einen Marsmenſchen auf der Erde geſehen?" fragte Liſa. 
„Das weiß ich nicht,“ antwortete Thomas und ſein Gehirn flammte, „ja, vielleicht doc! 
Ih denke an die großen Dichter und Muſiker, an die Erfinder und Philoſophen, ich denke 
an alle, die der Welt ein großes Beiſpiel oder Vorbild gegeben haben, Vielleicht waren das 
Marsmenſc<hen. Sie kamen, lehrilen, wurden verfolgt und geſteinigt. Wer verſtand ihre 
Sprache? Und ſie waren ausgeſandt, die Materie zu vergeiſtigen. 
„Was iſt das, die Materie zu vergeiſtigen?“ forſchte vas Mädchen. 
„Das fann id) dir nicht genau ſagen, aber es muß etwos unbegreiflich Schönes ſcin," 
ſagte Thcmas. „Denke, Liebſte, das Auge iſt aus denſelben Stoffen wie bier der Stein, aus 
denſelven Urſtoffen. Das Herz iſt aus derſelben Materie wie das grüne Blait. Ja, wir ſind 
aus vem Urſchlſamm durch hundert Tiergeſtalten bis zum Menſchen emporgeſtiegen. Das 
haben die Aegypter Evxelenwanderung genannt. Wir nennen es anders. Wir nennen es 
Arbeit.“ 
„Arbeit?“ fragte Liſa und war erſtaunt. 
„Ja, Arbeit, Das verſtehſt du nicht? Alſo: Wir machen doch heule ſchon aus Siahl, 
Holz und Stein Gefäße, Pflüge, Maſchinen, Häuſer, Städte, Glas und viele andere Dinge. 
Wir tun bewußt in einer Stunde, was ſonſt die Natur unbewußt und in vielen Jahrtauſenden 
fertig bringt. Verſtehſt du mich nun?“ 
„Rein,“ irauer:e das Mädchen, „das verſtehe ich nicht. Aber das weiß ich voll und ganz: 
„34 liebe dich, ich liebe dich!" Sie ſchmiegte den Kopf an ſeine Bruſt, In den grouen Sternen 
ihrer Augen zu>ten wieder die goldenen Lichter. Ihr Mund war rot und zitterte. Thomas 
füßte den roten Mund. 
„Ad) ich Narr,“ rief er aus, als er genug geküßt hatte, „ich Narr! IJ) habe ja alles 
verfehr; geſagt, Lija! Vergeiſtigung der Materie iſt vor allem die Liebe, iſt Kuß und Zärtlich- 
feit. Tiere können nicht küſſen, aber ich küſſe dich und du küſſeſt mich.“ Und wieder bedeckte 
er das ſchmale, liebliche Geſicht mit vielen Küſſen, die Liſa heilig erſchauernd zurü&gab. Als 
ſie ausgeküßt hatten, gingen ſie Arm in Arm nach der Stadt zurüc. 
Thomas fuhr, die Seele voller Sterne, in die Siedlung. Liſa bekam nod) DaS mürriſche 
und verbitterte Geſicht der Mutter zu ſehen, doch ſie hatte immer wieder ein anderes Geſicht 
vor jih, d25 Geſicht ihres Geliebten. Sie arbeitete immer noch in der Spinnerei und wurde 
nicht ſchöner davon, aber ſie wußte jezt, was Vergeiſtigung der Materie war. 
Nach dieſem Frühlingsabend erwachte Liſa ganz früh. Sie erhob ſich im Bett und ſtüßte 
den Kopf in die Hand. Der Mond, eine duftende Scheibe, leuchtete in die Kammer. Das 
war die Gc<laffammer der armen Leute, mit verſtoßenen Wänden und dampfenden Betten. 
Zwei Betten ſtanden in der Kammer. Im Bett neben Liſa ſchlief die Mutter. 
Das Mädchen betrachtete gerührt das alte Geſicht. Im Mondſchein war dieſer Kopf wie 
der wächſerne, unbewegliche Kopf einer Verſtorbenen. Der Mund war ſchmal und bitter, ein 
Icharfer Schnitt durc eine weiche Fläche. Die Stirn war einmal glänzend und hoch geweſen, 
jekt war ſie kümmerlich und zerdrückt und voller Runzeln. Die Wangen lagen im Schatten 
der Naſe und Stirn und ſchienen hohl zu ſein. Es war einer der hunderttauſend Arbeiter- 
ſrauenköpfe in Deutſchland, wie ſie Käthe Kollwißß liebt und malt. 
Liſa ſah wehmütig auf das wächſerne Antlizt. Schlag auf Schlag war in den fünfzig 
Jahren auf dieſes Haupt geſailen, j<were S Schlüge der Not mit ſtumpfer Keule. Drei Kindor 
ſtarben im Wochenbett, Ein Kind iſt in Hamburg. Der Mann verunglückte vor einem Jahr 
bei dem großen Schac<htbrand. Die Frau war immer ganz ergebene Sklavin geweſen. Sie
	        

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