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Arbeiter-Jugend - 18.1926 (18)

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Bibliographic data

fullscreen: Arbeiter-Jugend - 18.1926 (18)

Periodical

Persistent identifier:
027052486
Title:
Arbeiter-Jugend
Subtitle:
Monatsschrift der Sozialistischen Arbeiterjugend Deutschlands
Document type:
Periodical
Publisher:
Arbeiterjugendverl.
Place of publication:
Berlin
Language:
German
Collection:
Pädagogische Zeitschriften
ZDB-Nummer:
2176472-4
Access restriction:
Siehe Bände

Periodical volume

Persistent identifier:
027052486_0018
Title:
Arbeiter-Jugend - 18.1926
Shelfmark:
02 A 30 ; RF 641 - 647
Document type:
Periodical volume
Publication year:
1926
Collection:
Pädagogische Zeitschriften
Access restriction:
Open Access

Periodical issue

Title:
Heft 12
Document type:
Periodical
Structure type:
Periodical issue
Collection:
Pädagogische Zeitschriften
Access restriction:
Open Access

Article

Title:
Vom Pelzjäger, der Weihnachten überspringen wollte
Author:
Rasmussen, Knud
Document type:
Periodical
Structure type:
Article
Language:
German
Collection:
Pädagogische Zeitschriften
Link zum Katalog:
BBF0576980
Access restriction:
Open Access

Contents

Table of contents

  • Arbeiter-Jugend
  • Arbeiter-Jugend - 18.1926 (18)
  • Heft 1 (1)
  • Heft 2 (2)
  • Heft 3 (3)
  • Heft 4 (4)
  • Heft 5 (5)
  • Heft 6 (6)
  • Heft 7 (7)
  • Heft 8 (8)
  • Heft 9 (9)
  • Heft 10 (10)
  • Heft 11 (11)
  • Heft 12 (12)
  • Arbeiter-Jugend
  • Die dritte Generation
  • Lebenskunst
  • Neues von Fridericus Rex
  • Kriegsschäden in der Vergangenheit
  • Gebt uns mehr Freizeit!
  • Ein Rundgang durch Bremen
  • Die Entstehung des Weihnachtsfestes
  • Vom Pelzjäger, der Weihnachten überspringen wollte
  • Der Fritze
  • Freude an der eigenen Arbeit
  • Die zugedeckte Stimme
  • Wollmieze
  • Zwei Welten
  • Das Lösegeld des Roten Häuptlings
  • Bücher für die Jugend

Full text

Arbeiter-Jugend 373 
LE) 2 3 
Bom Pelzjäger, der Weihnachten überſpringen wollte. 
| - Von Knud Rasmuſſen. 
4% “ in altes, blindes Eskimoweib kämpfte ſic) langſam gegen das fegende Unwetter übers 
R 37 Cis hin. Mit der einen Hand jitüßzte ſie ſich ſchwer auf einen Stod>, mit der anderen 
Wis führte jie einen mageren Hund an der Leine, welcher die Schnauze tief auf eine alte 
SEchlittenſpur gebeugt hielt und das Weib ſo zu führen verſuchte. Wohin? Zu Menjchen. 
Beide ſchienen ſie gleich verkommen, und wenn des Schneeſturms eiſige Schauer über ſie 
binſprühten, mußten ſie ſtehen bleiben und nach Luft ſchnappen. Dann ſtanden ſie eine Weile 
vom Wind geſchüttelt, bis ſie die ſchwere Wanderung fortſetzen konnten, um gleich darauf 
gegen Preßeis zu ſtolpern, welches den Weg verſperrte. Verzweifelt wackelte die alte Frau 
ein bißchen hin und her, ſtürzte auf der holperigen Bahn, obwohl ſie ſic) mit Händen und 
Füßen vorwärts taſtete, ſtand wieder auf und ſeßte ihre Wanderung gegen den Sturm fort, 
der gar kein Mitleid zu haben ſchien mit ihrem weißen Haar und ihren erloſchenen Augen. 
Ihr Name war „Waſſertropfen“, und trotz ihres hohen Alters war ſie tapfer und zäh, 
Sie gehörte zu einem Stamme vom Victorialand, der im Sommer und Herbſt Renntiere 
gejagt hatte in dem weiten und wildreichen Hinterland zwiſchen der Stapylton Bay und 
dem Großen Bärenſee. Aber dann war der Dezembermonat gekommen, den die Eskimos 
die „Mitte der Finſternis" oder „den ſchweren Monat“ nennen, wo alles Lebende den 
härteſten Kampf des Jahres um Leben und Nahrung kämpfen muß. Das Wild war wie in 
den Boden geſunken, man konnte Tage gehen, ohne eine einzige, friſche Spur zu finden, Die 
Renntiere hatten ſich in die milden Wälder zurückgezogen, und Haſen wie Schneehühner 
hatten bereits mit dem erſten Schnee die Küſten verlaſſen, um zwiſchen den dichten Gebüſchen 
des Inlandes, wohin umſtreifende Eskimojäger niemals kommen, Lee und Futter zu ſuchen. 
Dort iſt die Kälte unerträglich ſtreng, und der Wind, der in Geſicht und Körper wie mit 
Meſſern hineinſchneidet, ruht niemals in dieſem Monat, in dem Tiere und Menſchen leiden 
müſſen. 
„Waſſertropfens“" Stammesgefährten ſtanden vor einer Kataſtrophe, als ſie endlich aufs 
Meereis kamen, denn große Eispreſſungen ſperrten die Wanderwege der Seehunde. Ihre 
einzige Rettung war eine ſchleunige Flucht in die Gebiete zwiſchen Victorialand und 
Bernard Harbour, wo der Fang immer gut war. Man konnte in acht Tagen dort ſein. Man 
mußte ſich ſputen, [ſo lange man noch bei Kräften war. 
„Waſſertropfen“ war die älteſte Frau des Stammes; zwei Generationen hatte ſie zur 
Welt kommen und heranwachſen ſehen. Siebzig Jahre hindurch war ihr Leben eine 
Wanderung von Jagdgrund zu Jagdgrund geweſen, und ſie hatte ſich immer ſingend und 
lachend für ihr bißchen Futter abgera>ert. Das Leben war herrlich geweſen, ſie hatte nüßlich 
jein können und niemals etwas für ſich ſelbſt gefordert. Erjt in den jpäteren Jahren, als 
ſie blind geworden war, hatten ihre Enkelkinder ein wenig Rücſich! auf ſie genommen und 
ihr wohl oben auf der Schlittenlaſt ein Plätzchen eingeräumt, wenn man unterwegs war. 
Das war auch in der Ordnung, ſolange alles ging, wie es ſollte. Aber diesmal, als der Sjunger 
drohte und der Tod in den Schneewehen lauerte --, da hatte man ſie ſamt dem übrigen 
überflüſſigen Gepä> zurückgelaſſen. So war es Sitte im Stamm: die Alten und Unnüßen 
mußten zurückſtehen hinter den Jungen, welche das Volk vorwärts führen ſollten. Und wer 
ſic) nicht mehr allein durchhelfen konnte, der mußte ſterben. . 
„Waſſertropfen“ fühlte denn auch nicht die geringſte Bitterkeit darüber, daß ſie ihrem 
Sdidſal überlaſſen wurde, Im Gegenteil, ſie war nur dankbar dafür, daß man ihr eine legte 
Möglichkeit bot, indem man ihr einen Hund überließ. Freilich waren ſie ohne Proviant, 
aber ein Hund und altes Weib brauchen nicht viel; wenn ſie nur mit der Kälte fertig werden 
können, ohne allzuſehr zu ermatten. „Waſſertropfen“ hatte nun die Wahl, entweder untätig 
in der Schneehütte zu erfrieren oder vielleicht zu Menſchen hin zu finden. Und ſo beſchloß ſie, 
den lezten Kampf für das Leben zu wagen. | 
Aber es endete ſchlecht. Sie ſtürzte immer wieder, der Wind riß ſie um, wenn ſie fehl» 
trat. Und als ſie nicht mehr konnte, beſchloß ſie, eine Stelle zu ſuchen, wo ſie ſterben konnte. 
Die Anſprüche ans Schic>ſal können recht beſcheiden werden, wenn das Leben verebbt. Des» 
halb wurde das alte Weib recht fröhlich, als der Hund ſie gerade an eine Windmauer aus 
Schnee führte, Sie fühlte nicht länger Kälte noh Hunger, das Wohlbehagen ohne Gedanken 

	        

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