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Arbeiter-Jugend - 18.1926 (18)

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Bibliographic data

fullscreen: Arbeiter-Jugend - 18.1926 (18)

Periodical

Persistent identifier:
027052486
Title:
Arbeiter-Jugend
Subtitle:
Monatsschrift der Sozialistischen Arbeiterjugend Deutschlands
Document type:
Periodical
Publisher:
Arbeiterjugendverl.
Place of publication:
Berlin
Language:
German
Collection:
Pädagogische Zeitschriften
ZDB-Nummer:
2176472-4
Access restriction:
Siehe Bände

Periodical volume

Persistent identifier:
027052486_0018
Title:
Arbeiter-Jugend - 18.1926
Shelfmark:
02 A 30 ; RF 641 - 647
Document type:
Periodical volume
Publication year:
1926
Collection:
Pädagogische Zeitschriften
Access restriction:
Open Access

Periodical issue

Title:
Heft 12
Document type:
Periodical
Structure type:
Periodical issue
Collection:
Pädagogische Zeitschriften
Access restriction:
Open Access

Article

Title:
Wollmieze
Author:
Schröder, Karl
Document type:
Periodical
Structure type:
Article
Language:
German
Collection:
Pädagogische Zeitschriften
Link zum Katalog:
BBF0576982
Access restriction:
Open Access

Contents

Table of contents

  • Arbeiter-Jugend
  • Arbeiter-Jugend - 18.1926 (18)
  • Heft 1 (1)
  • Heft 2 (2)
  • Heft 3 (3)
  • Heft 4 (4)
  • Heft 5 (5)
  • Heft 6 (6)
  • Heft 7 (7)
  • Heft 8 (8)
  • Heft 9 (9)
  • Heft 10 (10)
  • Heft 11 (11)
  • Heft 12 (12)
  • Arbeiter-Jugend
  • Die dritte Generation
  • Lebenskunst
  • Neues von Fridericus Rex
  • Kriegsschäden in der Vergangenheit
  • Gebt uns mehr Freizeit!
  • Ein Rundgang durch Bremen
  • Die Entstehung des Weihnachtsfestes
  • Vom Pelzjäger, der Weihnachten überspringen wollte
  • Der Fritze
  • Freude an der eigenen Arbeit
  • Die zugedeckte Stimme
  • Wollmieze
  • Zwei Welten
  • Das Lösegeld des Roten Häuptlings
  • Bücher für die Jugend

Full text

( 
378 Arbeiter-Jugend 
Wollmieze, 
Von Kar! Schröder. 
ie nennen mich Wollmieze, Ich laufe auf dem Fabrikhofe herum, wenn die Männer 
Gm Trauen da ſien und frühſtücken, und meine Kleider ſind voll Wolljuſſeln. 
99 Gine faßt mich immer in den Pudelkopf und ſagt kleine Wollmaus zu mir.“ 
Von dieſer kleinen Wollmaus, von dem bittern Ernſt und den korgen Freuden ihres 
jungen Lebens erzählt der Lehrer und Dichter Car! Dant in ſeinem neuen Buch „Woll- 
mieze“ *). Der „Peter Stoll“, den er uns ſchenkte, war ein tapferer Junge und ſelber ſo 
etwas wie ein werdender Dichter. Ein Proletarierjunge, der vom Elternhauſe aus den Weg 
in das ſchwere Leben ſeiner Klaſſe geht und ſicherlich ein tapferer Kämpfer für die Beſreiung 
dieſer Klaſſe von aller nichtsnutzigen Ausbeutung werden wird. Schwerer noch als auf dem 
Peter Stoll, laſtet das Klaſſenſchi>ſal auf der Wollmieze. Sie iſt das Kind einer armen 
polniſchet Auswanderin. Im Hamburger Hafen, bei einem Shiſſsunglü>, kommt die Kleine 
der Mutter abhanden und wird als Findelkind an eine Pflegemutter gegeben. Die Pflege» 
mutter iſt eine brave Frau, aber verbittert und ohne Lebensfreude. Sie plättet ſür die 
Fabrik die Wäſche. Ohne Liebe würde die Wollmaus aufwachſen, wäre nicht die Anke Teſch 
und der Onkel Albert. Onkel Albert, der Hauſierer und Kinderſreund, der zum Glü> immer 
wieder in Wollmiezes Leben ratend und helfend eingreift. Ja, und die Anke Teſch mit ihrem 
Scd<zaßz und ihre drei Kindern; die wenigſtens iſt immer luſtig, auch wenn ſie kein Geld hat. 
Und Wol!mieze ſehnt ſich ſo ſehr nach Liebe, nach echter, rechter Mutterliebe, nach einer 
„Maminka“. Sie gibt ihr eigenes jungmütterliches Herz hin an die Fabrikbabys. Aber die 
Sehnſacht weicht nicht. Und ſie weicht um ſo weniger, als Wollmieze allzu früh ſchon erfahren 
muß, daß manche Reiche den Kindern der Armen bisweilen wohltun, daß dieſe Armen aber 
als läſtig beiſeite geſchoben werden, wenn ſie die Wahrheit ſagen. 
Wenn ſie auch nur die Wahrheit ſagen, wie Wollmieze ſie Fabrikdirektors ſagt. Da iſt 
ein Streik in der Fabrik um ein paar Pfennige Meyrlohn. Die Arbeiter und ihre Kinder 
hungern. Wollmieze hat einiges aufgeſchnappt. Und als die Pflegemutter bei Direktors 
plättet und Wollmieze bisweilen mit deren verzogener Tochter ſpielen darf, da läuft ſie in 
das Zimmer, wo große Geſellſchaft iſt. 
„Ra Mieze,“ ſagt die Frau, „du haſt dich wohl verlaufen, die willſt wohl zu deiner 
Mutter?“ Da hat die Mieze geſagt: „Schönen Gruß von Könned>es, und wenn ſie mehr 
Geld kriegen und Eſſen zu, dann wollen ſie gleic) wieder anfangen.“ Da haben einige bei 
Tiſch gelacht. „Und Anke Teſch will ein paar Servietten haben, daß ſie ihre Kleinen tro>en 
legen kann. Und Mammi ſoll zum Abendbrot kommen, Brüderchen iſt krank, und bis acht 
Uhr iſt zu lange, ſie fällt man immer ſo ins Bett.“ | 
So hat die Wolimieze in ihrer Einfalt geſprochen. Und die Pflegemutter hat einen Korb 
mit Abendbrot gekriegt und Lohn auc). „Aber wiederkommen,“ hat Frau Direttor gejagt, 
„brauchen Sie nicht mehr. Ic<h kann mir nun allein helfen.“ 
Eines Tages hat die innere Sehnſucht die Wollmieze aus dem Haus auf die Straße 
getrieben. Und ſchließlich iſt ſie in ein Kino geraten. In dem Kino wurden auch Bilder gezeigt 
von einem Auswandererſchiff. Eine Frau iſt erſchienen mit großen, müden Augen, und über 
ihren Rücken hat ein Kind aus einer Trage herausgeſehen. Da hat die Wollmieze auſ- 
geſchrien wie eine Wahnſinnige: „Maminka, Maminka!“, und iſt in Ohnmacht geſallen und 
hat lange im Fieber gelegen. 
Sie iſt dann zu neuen Pflegeeltern weit weg aufs Land gekommen. Die haben es gut 
gemeint auf ihre Art und haben ſie mit der eigenen Tochter Lena zur Schule geſchic>t. 
Wollmieze hat gut gelernt und immer mehr lernen wollen. Die Lena gar nicht. Aber als 
beide dann vierzehn Jahre waren, da hat die Wollmieze wieder erfahren müſſen, daß ſie 
nur Pflegekind iſt. Die Lena iſi in die Stad! gekommen, ſie ſelbſt aber ſtand vor der Ausſicht, 
ihr Leben lang Dienſtbote zu bleiben im Hauſe des Bauern. 
Wieder hat ſich die ſchresliche Sehnſucht gemeldet. Und als Freunde der Mieze -- ein 
*) Carl Danß. Wollmieze. Ein Findelkind, das ſeine Mutter ſucht. Verlag 
I. H. W. Dietz Nachf., Berlin. 107 S. Preis geb. 2,80 Mk. oo
	        

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