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Arbeiter-Jugend - 19.1927 (19)

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Bibliographic data

fullscreen: Arbeiter-Jugend - 19.1927 (19)

Periodical

Persistent identifier:
027052486
Title:
Arbeiter-Jugend
Subtitle:
Monatsschrift der Sozialistischen Arbeiterjugend Deutschlands
Document type:
Periodical
Publisher:
Arbeiterjugendverl.
Place of publication:
Berlin
Language:
German
Collection:
Pädagogische Zeitschriften
ZDB-Nummer:
2176472-4
Access restriction:
Siehe Bände

Periodical volume

Persistent identifier:
027052486_0019
Title:
Arbeiter-Jugend - 19.1927
Shelfmark:
02 A 30 ; RF 641 - 647
Document type:
Periodical volume
Publication year:
1927
Collection:
Pädagogische Zeitschriften
Access restriction:
Open Access

Periodical issue

Title:
Heft 6
Document type:
Periodical
Structure type:
Periodical issue
Collection:
Pädagogische Zeitschriften
Access restriction:
Open Access

Article

Title:
Kultur und Leben
Subtitle:
2. Beilage der "Arbeiter-Jugend"
Document type:
Periodical
Structure type:
Article
Language:
German
Collection:
Pädagogische Zeitschriften
Link zum Katalog:
BBF0577134
Access restriction:
Open Access

Contents

Table of contents

  • Arbeiter-Jugend
  • Arbeiter-Jugend - 19.1927 (19)
  • Heft 1 (1)
  • Heft 2 (2)
  • Heft 3 (3)
  • Heft 4 (4)
  • Heft 5 (5)
  • Heft 6 (6)
  • "Wieviel leichter habt doch ihr's..."
  • Zwanzig Jahre Kölner Arbeiterjugend
  • Unter der Herrschaft der Pickelhaube
  • Aus der Bewegung
  • Die Jugend in der Gesetzgebung
  • Vom Gegner
  • Was der Tag bringt
  • Die Arbeitsgemeinschaft
  • Kultur und Leben
  • Heft 7 (7)
  • Heft 8 (8)
  • Heft 9 (9)
  • Heft 10 (10)
  • Heft 11 (11)
  • Heft 12 (12)

Full text

 
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n BN üg EN ? E LEO nN (2 4 ? 0 wun “ G b 
Mäx Barthel: Der Ziegelſtein. 
Quad, er Oktobertag war ganz ſommerlidh verglüht. Ueber 
ep E | 5 die Wolga ſtürzte aus der Steppe die Dunkelheit, und 
Ag nichts war mehr ſichtbar als die Scattenriſſe der 
kleinen Fiſcherfiedlung, die ſi; am Ufer des Stromes erhob 
und ihre jpäten LQichter leuchten ließ. Zwiſ<en den Sternen 
ſhwamm ein ſilberner Mond. Einſame Hunde bellten fern 
über dem Waſſer. Die Candungsbrüden ' der Fiſcherei ſtreckten 
ſic wie Zwei große Krme in das. "ungeheure Fließen der 
Wolga. Oberhalb der Brücken ſtand ein Blo>haus, in dem 
' einige Männer zuſammenjaßen. Das Wort führte der Tager- 
  
 
verwalter -Grana<, ein Mann in .den. vierziger Jahren, der 
als Emigrant hier lebte. Aud Charly Uloſer, von dem noh 
die Rede ſein wird, war erſt dur den Krieg nad Rußland 
verſ<lagen worden. 
„Babuſ<kin dſt heute Abend ertrunken, “ ſagte Grana, 
„Babuſckin, die treue Seele 
vom „Goldnen Sand“. Sein 
Boot wurde von einer 
Barke, die mit Ziegelſteinen - 
beladen war, gerammt. Die 
Teufel hatten es ſehr eilig. 
Sie ſtoppten kaum zehn 
Ninuten die JFahrt und 
ſhwammen dann weiter. 
Uarau-RuſO, der Gehilfe 
von Babuj<kin, ſand ihn 
erſt na< einer Stunde. Er 
muß ſofort tot geweſen ſein. 
Sein Kopf war zertrümmert, 
als habe er einen fur<t- 
baren S<lag bekommen. Die 
Barke hat nur ſein Boot 
geſtreift, aber den S<äu- 
del hat ſo ein verdammter 
Ziegel zerſ<lagen. 
Ein Ziegel iſt eine fur<ht- 
bare Waffe, ja, iM hab ſie 
ſhon einmal geſpürt. Da- 
mals war i< ſehzehn Jahre 
alt, Charly . Id weiß 
niht, ob eure Wege bis 
heute immer hell und eben 
waren,“ wandte ſic? Gra- 
nah an uns; „iH glaube 
das nit. Wir kommen -ja 
“ gus dem Dunkel und müſſen 
wieder in das Dunkel ZzuU- 
rü, wenn unſere Zeit um 
iſt. In der Iugend iſt mehr - 
Finſternis als Licht, ſage ich 
cuu. Diel mehr Gefahr und 
Derwirrung als ſpäter. Die 
- PDerklärung. der früheren 
Jahre iſt mehr eine Linge- 
logenheit der alten Didter, 
-“ die ſich ausgeſ<hrieben ha- 
ben, als eine Angelegenheit 
der lebendigen Jugend... 
Diit jechzehn Jahren inter- 
eſſiert man ſich nicht jeden 
 
. WaS-die Dinge aus:einem. machen. 
 
Das Rattenfängerhaus in Hameln. 
Tag zehn geſ<lagene Stunden für Rundeiſen, Bandeiſen, Winkel- 
eifen und Bundeiſen, aber in dem Geſchäft, in dem I< damals 
in AugSburg arbeitete, ſollte iM mi< dafür intereſſieren. 
Tat es nicht und lief davon. Ylarſc<ierte auf Berlin zu und 
fand unterwegs au<h einen Freund. Berlin war unfer Ziel. 
Aber eine Stadt ijt niemals Ziel oder Ende, ſie iſt immer nur 
ein Anfang, Charly, genau ſo wie unſer Blo>haus an der 
Wolga, das heute no< geſchi<tslos iſt und in zehn Jahren an 
der Zauptſtraße einer neuen Stadt ſtehen kann. Es kommt 
darauf an, was man aus den Dingen macht und nicmt darauf, 
DaSs- ilt der aroße Unter- 
ſHied und will beachtet ſein . . . 
Dir wollten Berlin erobern, aber Berlin eroberte Uns. 
als wir keinen Pfennig Geld mehr hatten, ließen wir uns 
von einem zufälligen Bekannten überreden, dur< einen 
Stellenvermittler Arbeit im 
Ruhrgebiet anzunehmen. Der 
Bekannte war der zufällige 
Bekannte von vielen jungen 
Ceuten, die nach Berlin 
kamen und ihre erſte Shladct 
verloren hatten. Der Rerl 
war wie eine Byäne, der für 
cin Bündel ganzer IZungen- 
knogen vom DVDermittler 
drei Mark bekam. Dafür 
hätte er au< ſeinen beſten 
Fround verkauft. DorauSsS- 
geſeßt natürlic), er hätte 
einen beſten Freund gehabt. 
Was i< aber bezweifle. 
Sieben Mann ſtark ſuQ- 
ren wir ab, und im Ruhr- 
gebiet kamen wir nun in 
keine Grube und in kein 
Walzwerk, wie man an- 
. nehmen ſollte, nein, wir 
hatten uns für eine Ziegelet 
verpflichtet. Den Kontrakt 
kenne iQ nim mehr. UVlit 
ſechzehn Iahren unterſchreibt 
man alle Kontrakte, au< 
wenn ſie vor Toufel vor- 
- Tegen würde, und wenn das 
Berauskommen aus dem 
Dreck Abſturz in noh tiefere 
Sqlammgründe wäre. Der 
Morgen graute, als wir in 
Eſſen ankamen. Dur< Uebel 
- und RauG war das Feuer 
dor Hochöfen und Walzwerke 
ſiQtbar. Das ganze Land 
ſchien aus Rau<ß und Feuer 
„zu boſtehen. Dazu dröhnie 
unterirdiſch die -ſ[Mwere A&r- 
-beit. Der erſte EindruG war, 
als müſſe die ſ<weore Arbeit 
immer mit Rauch und Feuer 
verknüpft ſein. Aber der 
Eindruck iſt falſch... 
3 

	        

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