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Arbeiter-Jugend - 19.1927 (19)

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Bibliographic data

fullscreen: Arbeiter-Jugend - 19.1927 (19)

Periodical

Persistent identifier:
027052486
Title:
Arbeiter-Jugend
Subtitle:
Monatsschrift der Sozialistischen Arbeiterjugend Deutschlands
Document type:
Periodical
Publisher:
Arbeiterjugendverl.
Place of publication:
Berlin
Language:
German
Collection:
Pädagogische Zeitschriften
ZDB-Nummer:
2176472-4
Access restriction:
Siehe Bände

Periodical volume

Persistent identifier:
027052486_0019
Title:
Arbeiter-Jugend - 19.1927
Shelfmark:
02 A 30 ; RF 641 - 647
Document type:
Periodical volume
Publication year:
1927
Collection:
Pädagogische Zeitschriften
Access restriction:
Open Access

Periodical issue

Title:
Heft 9
Document type:
Periodical
Structure type:
Periodical issue
Collection:
Pädagogische Zeitschriften
Access restriction:
Open Access

Article

Title:
Gegen die Schulreaktion
Author:
Schulz, Heinrich
Document type:
Periodical
Structure type:
Article
Language:
German
Collection:
Pädagogische Zeitschriften
Link zum Katalog:
BBF0577184
Access restriction:
Open Access

Contents

Table of contents

  • Arbeiter-Jugend
  • Arbeiter-Jugend - 19.1927 (19)
  • Heft 1 (1)
  • Heft 2 (2)
  • Heft 3 (3)
  • Heft 4 (4)
  • Heft 5 (5)
  • Heft 6 (6)
  • Heft 7 (7)
  • Heft 8 (8)
  • Heft 9 (9)
  • Gegen die Schulreaktion
  • Felix Fechenbach: Die Zeltrepublik der Kinderfreunde
  • Die Ausstellung "Das junge Deutschland"
  • Aus der Bewegung
  • Unsere Internationale
  • Rundschau
  • Was der Tag bringt
  • Die Arbeitsgemeinschaft
  • Kultur und Leben
  • Heft 10 (10)
  • Heft 11 (11)
  • Heft 12 (12)

Full text

 
 
 
 
 
 
 
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Dreis 0,25 
Gegen die Shulreaktion! 
 
  
5 Abwehrkampf gegen den KeudellſmMen Sdulgejeß- 
C*e entwurf in der vorderſten Linie kämpfen? Zunächſt 
gewiß auf Grund des ſ<önen Dorre<ts der Iugend, bei 
allen Kämpfen, um die eS ſich lohnt, den jtürmenden Dor- 
trupp zu bilden. 
Aber nicht nur aus dieſem Grunde. Die Tugend ſteht 
zeitli) der S<hule am nächſten, ſie hat daher no< die ſtärkſt2 
Erinnerung an das Gute und Sc<lehte, das ſie dort erſahren 
hat. Ulandher Arbeiterjunge wird ſhon auf der SHhulbank 
unzufrieden mit dem geweſen ſein, was er dort lernen mußte. 
Er wird manches vermißt haben, worüber er gern Auf- 
klärung gewünſ<t hätte. Andere Unterrichtsfäher haben 
ſi< in den Dordergrund gedrängt, ohne daß ſie für ihn inner- 
lic fru<tbar wurden. Zu den Fächern dieſer Art wird bei 
vielen der ReligionSunterri<t gehört haben. 
od) ſtärker hat der JIugendlic<e, nachdem er die Schule 
hinter ſic hat und ſic) anſ<i>t, dur< Selbſterziehung na<- 
zuholen, was ihm die biSherige Erziehung ſ<uldig geblieben 
iſt, und was er darüber hinaus als Derpflihtung dieſes 
Cebensabſhnittes neu hinzulernen und erfahren muß, die 
Mängel des heutigen Shulunterrichts empfunden. Beſonders 
ſtark wird .er empfinden, daß der Unterri<t der DolksSſ<ule 
ihn nicht in den Stand ſett, ſich nunmehr ein Bild vom Welt- 
ganzen zu geſtalten und eine Stellung zu den vielen an ihn 
herantretenden Welträtſeln zu finden. Statt daß ihm ein 
Ueberblick über die Religionen aller Art gegeben worden iſt, 
damit er ihre Bedeutung in dem Entwicklungsprozeß der 
Menſchheit erkennen kann, hat ihn die Dolksſ<ule lediglich 
zu bekenntnismäßiger Engherzigkeit und Kurzſichtigkeit er- 
zogen. 
Das Ziel der Schule, nach dem ſich au<h ihre Organiſation 
und ihre Ulethoden zu richten haben, muß die Entwicklung 
aller Anlagen und Fähigkeiten des Menſc<en ſein, um ihn 
dadur< für das Leben und die Gemeinſ<aft tüchtig zu 
maden. Das iſt nur mögli<, wenn Organiſation und Yie2- 
thoden der Schule lediglich von pädagogiſchen Erwägungen 
und Rückſichten beſtimmt werden und nicht irgendwel<e ſ<ul- 
fremde Kräfte den eigenen Weg der Schule erſ<weren oder 
verlegen. Der neue Sculgeſezentwurf will die biSherigen 
Bemmungen und Sdwierigkeiten, die gerade im Dorwiegen 
des ReligionSunterric<ts und der religiöſen Beeinfluſſung der 
Kinder in den Schulen beſtehen, nom verſtärken und ver- 
mehren. Die Bekenntnisſ<ulen, die auf lange Zeit hinaus 
die große Mehrzahl aller Shulen in Deutſchland bilden 
werden, ſollen nom? mehr als biSher dem Bekenntnis, für 
das ſie beſtimmt ſind, ausgeliefert werden. Während biSher 
uy 
der bekenntnismäßige Charakter vorzugsweiſe nur bei den 
katholiſ<en Schulen ausgeprägt war, wird er in Sukunſt 
au< noD bei den evangeliſHmen Sdulen erheblich ſtärker 
hervortreten. 
Uun könnte die Sozialiſtiſche Arbeiterjugend demgegenüber 
ſagen, daß dieſe Derſ<lec<hterung der deutſchen Schule ſie nit 
mehr treffe, da ſie die Schule glücklicherweiſe hinter jich 
habe. Aber ſo wird ſie nict ſprechen, eben weil ſie die ſo - 
zialiſtiſ<e Arbeiterjugend iſt und als ſolche weiß, daß 
man nicht Sozialiſt iſt, um in erſter Linie für ſim zu ſorgen 
und die Sorge für die anderen dem lieben Gott zu über- 
laſſen, ſondern daß man gerade die Derpflictung hat, um 
der anderen willen, beſonders um der nachkommenden Ge- 
ſchle<ter willen, zu arbeiten und zu kämpfen. Wohl iſt es 
ehrenwert, ſich ſeiner Däter würdig zu erweiſen, wenn die 
Däter wackere Ulänner waren und Großes erſtrebten. Diel 
wichtiger aber iſt der Stolz, im Leben ſo zu wirken, daß 
man ſic ſeiner Enkel würdig erweiſt und daß dieſe ſpäter 
voller Stolz auf ihre Däter zurükſ<auen. Für die Zukunft 
gilt es zu arbeiten; ihr die Wege zu bereiten, muß die Auf- 
aabe eines jeden Dorwärtskämpfers jein. | 
Gerade weil der Iugendliche von heute die Unzulänglichkeit 
der Dolksſhule ſtärker empfindet als die Lelteren, gerade 
wenn er als denkender Menſ< oft genug vor 5orn mit den 
Zähnen geknirſ<t hat, weil ihm die unſoziale, kaſtenmäßige 
Einrichtung unſeres Schulweſens -- troß Uovemberrevolution 
und allem vielen Gerede über die Schulreform -- gezwungen 
hat, vor der Zeit ho<gerichtete und berechtigte Bildungs- 
wünſche zu begraben, während na< wie vor der. unbegabte 
Sohn “des Reihen die Bänke der höheren Schulen und der 
Bodhſ<hulen drücken kann, gerade desShalb muß der junge 
Arbeiter doppelt und dreifa< die Derpflic<tung in ſich fühlen, 
nac< Maßgabe ſeiner Kräfte und im Bereich der für ihn 
vorhandenen Möglichkeiten gegen die drohende Derſ<lehte- 
rung des deutſ<en Schulweſens mit allen Kräften anzu- 
kämpfen. 
Ui<ht um Bekenntnis- und Simultanſ<hulen und die vielen 
damit zuſammenhängenden, für die Schule hö<ſt unerſreu- 
lihen und unfruchtbaren Uebenfragen, wie geiſtliche Squl- 
aufſicht, bekenntnismäßige Kusbildung der Lehrer, Beein- 
trächtigung des geordneten Sdqulbetriebs ſollte heute der. 
Kampf gehen. Daß er darum leider no< geführt werden 
muß, daran trägt eine Unterlaſſungsſünde des Bürgertums 
die Schuld, dem es nicht gelungen iſt, die Shule vom Gängel- 
band der Kirche freizumaden. 
Um höhere und wichtigere Fragen ſollte der Shulkampf 
gehen, um eigentlihe Schulfragen, um die Sdaffung der
	        

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