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Arbeiter-Jugend - 19.1927 (19)

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Bibliographic data

fullscreen: Arbeiter-Jugend - 19.1927 (19)

Periodical

Persistent identifier:
027052486
Title:
Arbeiter-Jugend
Subtitle:
Monatsschrift der Sozialistischen Arbeiterjugend Deutschlands
Document type:
Periodical
Publisher:
Arbeiterjugendverl.
Place of publication:
Berlin
Language:
German
Collection:
Pädagogische Zeitschriften
ZDB-Nummer:
2176472-4
Access restriction:
Siehe Bände

Periodical volume

Persistent identifier:
027052486_0019
Title:
Arbeiter-Jugend - 19.1927
Shelfmark:
02 A 30 ; RF 641 - 647
Document type:
Periodical volume
Publication year:
1927
Collection:
Pädagogische Zeitschriften
Access restriction:
Open Access

Periodical issue

Title:
Heft 2
Document type:
Periodical
Structure type:
Periodical issue
Collection:
Pädagogische Zeitschriften
Access restriction:
Open Access

Article

Title:
Eine Bilanz der Not
Author:
Bothur, Gerd
Document type:
Periodical
Structure type:
Article
Language:
German
Collection:
Pädagogische Zeitschriften
Link zum Katalog:
BBF0577008
Access restriction:
Open Access

Contents

Table of contents

  • Arbeiter-Jugend
  • Arbeiter-Jugend - 19.1927 (19)
  • Heft 1 (1)
  • Heft 2 (2)
  • Eine Bilanz der Not
  • Jugend-Sylvester auf Hohnstein
  • In der Verbandszentrale
  • Politische Uebersicht
  • Jugend in Not
  • Was der Tag bringt
  • Die Arbeitsgemeinschaft
  • Kultur und Leben
  • Heft 3 (3)
  • Heft 4 (4)
  • Heft 5 (5)
  • Heft 6 (6)
  • Heft 7 (7)
  • Heft 8 (8)
  • Heft 9 (9)
  • Heft 10 (10)
  • Heft 11 (11)
  • Heft 12 (12)

Full text

19. 3. Jahrg, / Beit 2 Berlin, 
1. Februar 1927 
 
Preis 0 0, 25 5 RM. 
 
Eine Bilanz der Not. 
Don G2rxd Bothur-Berlin. 
7 roß Aufbau- und Arbeitsbeſ<affungsprogramm im ver- 
4) ganvenen Jahr haf das neue Jahr mit einer traurigen 
T=“ Bilanz begonnen. Arbeitsloſigkeit, Lohndru> und Woh- 
nungsnot haben aanze Dolksſhihten an ten Rand der Der- 
zweiflung. getrieben. Auch die Arbeiterjugend iſt von dieſer 
Derelendung erfaßt worden. Wollen wir uns ein einigermaßen 
zutreffendos Bild von dem Einfluß der Wirtſc<aftskriſe auf 
die Tage der jungen Krbeiterſ<aſt maden, jo müſſen wir 
unterſu<ßen, welche Rolle die Iugend in der Wirtſchaft ſpielt. 
Erſt ſeit Beginn des Kapitalismus haben junges Arbeitskräfte 
eine größere Bedeutung im kapitaliſtiſchen Produktionsprozeß. 
Die Entſtehung dieſer neuen Arbeiterkategorie Jungarbeiter- 
 
ſchaft hat ihre Urſache in den ſeit einem halben Iahrhundert 
ſtark veränderten Lebens- und KArbeitsbedingungen der Ge- 
ſamtarbeiterſc<aft. 
„Die Anwendung der Maſchine hat den Arbeitsprozeß voll- 
ſtändig umgeſtellt. Sie machte in weitem Maße MusSkelkraft 
Überflüſſig. Die Kräfte der Iugendlic<en reichten häufig zur 
Bodienung der Maſchine aus, und da die jugendliche Arbeits- 
kraft billig war, wurden die IugendliGen in Ulaſſen in die 
entſtehenden Fabriken gezogen. So entſtand die Iungarboiter- 
ſhaft, die von Iahr zu Ighr zunahm, ſo wie ds Maſchinen 
vermehrt und verbeſſert wurden. Auf der anderen Seite wurden 
die kleinen Handwerksbetriebs dur< die billiger erzeugenden 
Fabriken bedroht, und nur geſteigerte Ausbeutung von GEe- 
ſellen und Tehrlingen konnte den Handworksmeiſter vor dem 
Untergang bewahren. Dieſe AKuSnußung der jucendliden Ar- 
boitskräfte in den Kleinbetrieben und au< in d?n Fabriken 
hat den Gedanken der Selbſthilfe, der Grganiſation in die 
jugendlichen Köpfe gehämmert. Seit jener Seit, da die junge 
Arbeiterſchaft ſelbſt geſellſ<maftlic<e Wirklichkeit wurde und ſim 
ihrer geſellſchaftlic<en- Macht bewußt wurde, ſind mehr als 
zwei Iahrzehnte vergangen. Wie ſtark das Beor dor arbeoiten- 
den Jugend von Jahrzehnt zu Iahrzehnt wu<hs, das zeigem d72 
le3ten Berufs- und Gewerbezählungen der Jahre 1895 und 1807. 
Aus der umſtehenden Statiſtik iſt erſi<tlih, wie ſtark 
der Geſamtzuwa<hs in den Jahren 1895 bis 1907 war, und 
wie er fi; auf die einzelnen Wirtſ<aftsSzweige verteilt. 
Entſprecgend dem induſtriellen Luſſ<wung iſt in den 
Spalten „Induſtrie und Bergbau“, „Bandel und Derkehr“ und 
„jugendliche Angeſtellte“ eins gowaltige Zunahme der jugend- 
lien Arbeitskräfte feſtzuſtellen. Leider ſind die endgültigen 
Ergebniſſes der neueſten Zählung von 1925 no< niht vor- 
öſffentlie<t. Es iſt jedom ſiGer anzunehmen, daß troß des 
Krieges eine Zunahme zu verzeichnen iſt. Iedenſalls ſpre<eon 
die Berichte dor Gewerbeauſſi<tsboamten dafür. Dana ſind 
die Sahlen der 14- bis 18jährigen weiblichen und männlichen 
Jugendlichen in den cewerbeaufſic<htspfli<tigen Betrieben, 
Organiſationen der KRonzentrationSbowegüng. 
das ſind Betriebe mit mehr als zehn beſchäftigten Arbeitern 
wie folgt geſtiegen: 
im Jahre: 1892 1900 1908 1922 
Jugendliche: 208 8355 334847 440255 574693 
Son dieſer kurze Ueberblick zeigt ni<t nur das gewaltige 
Anwadyfen der jugendlic<en Arbeitskräfte, jondern au< die 
Bedoutung der Jugend im heutigen Wirtſ<aſtsleben. 
Die Goſhi<te der proletariſchen Iugendorganiſationen zeigt 
deutlich, wie ſ<wierig ſ<on in ſogenannten „normalen Zeiten“ 
der Wirtſ<aft die Stellung des jugendlic<en Arbeiters iſt. Wie- 
viel ſ<wierigor geſtaltet ſich die Tage aber in den Seiten dor 
Kriſe. Wir ſtehen in einer ſol<en Wirtſ<aſtskriſe, die genauer 
betrachtet, ihren Ausgangspunkt in der Zereißung der wirk- 
ſ<aftlichen Zuſammenhänge dur< den Krieg hat. Gegenwärtig 
ſtehen wir in einem Kriſenabſchnitt, der die Yerkmale Korn- 
zentration, Rationaliſierung und Stabiliſierung irägt. 
Konzentration, d. h. SZuſammenſ<luß von Wirtſ<aſts- 
unternehmungen mit dem Beſtreben, teils dur< Derein- 
barungen über Preiſs und Gewinn, durc< Spezialiſierung und 
Kombination der Erzeugung, dur< Zentraliſation des Der- 
triebs von Produkten oder dur< Riſikoverteilung den Ertrag 
zu erhöhen. Konzerne, Syndikate, Kartelle und Truſte ſind die 
Dur die 
Rationaliſierung ſoll die größtmögli<hſte Leiſtungs- 
. fähigkeit der Unternehmungen erreicht werden. Tedniſ< un- 
vollkommens Betriebe werden ſtillgelegt, leiſtungsfähigere 
Maſc<inen und rentablers Arbeitsmethoden werden eingeführt. 
Durd) dieſe Maßnahmen werden einmal Arbeitskräfte goſpart 
und freigeſezt und andererſeits wird eine ſ<nellere und höhere 
Produktion erreicht. 
Ein KuSgleich könnte geſ<affen werden durch Steigerung 
des Derbrauds, Steigerung der Bedürfniſie und Derbilligung 
dvr Produktion. BiSher betreibt jedo< die Unternehmerſ<aft 
dic Rationaliſierung und Konzentrierung faſt ausſ<ließli< 
unter dem Geſictspunkt der Si<erung eines hohen Gewinns 
dur< Beibehaltung der bisberigen hoben Preiſe. Die breite 
Maſſe der Konſumenten kann dieſe Dreiſe nimt zahlen, da ſie 
durc< Inflation und Stabiliſierung verarmt iſt. Dieſe Um- 
ſtände führen zu einer Erſ<Qwerung des Abſatzes. Die Qbſaß- 
hemmung führt zur ProduktionSeinſ<ränkung und hat Rurz3- 
arbeit und erhöhte ErwerbSloſigkeit zur Folge. am 
31. Dezember 1926 wurden 1745 000 Hauptunterſtüßungs- 
empfänger gezählt. Dazu Kommen 1963000 ZSuſd<lags- 
empfänger. Unberückſichtigt ſind boi dieſen Zahlen etwa 2ine 
Million Kurzarbeiter und die AusSgeſteuerten, die nam vorſichtt- 
aer Berehnung der Gewerkſchaften mehrere Hunderttauſend 
zählen. Wir kennen den genauen Anteil der I u gendan dieſen 
Zahlen niht. Man hat verſucht, die Geſamtziſfer der jugend- 
lichen Erwerbsloſen zu ſ<häßen. Die Schäßzungen ſ<wanken
	        

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