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Arbeiter-Jugend - 19.1927 (19)

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Bibliographic data

fullscreen: Arbeiter-Jugend - 19.1927 (19)

Periodical

Persistent identifier:
027052486
Title:
Arbeiter-Jugend
Subtitle:
Monatsschrift der Sozialistischen Arbeiterjugend Deutschlands
Document type:
Periodical
Publisher:
Arbeiterjugendverl.
Place of publication:
Berlin
Language:
German
Collection:
Pädagogische Zeitschriften
ZDB-Nummer:
2176472-4
Access restriction:
Siehe Bände

Periodical volume

Persistent identifier:
027052486_0019
Title:
Arbeiter-Jugend - 19.1927
Shelfmark:
02 A 30 ; RF 641 - 647
Document type:
Periodical volume
Publication year:
1927
Collection:
Pädagogische Zeitschriften
Access restriction:
Open Access

Periodical issue

Title:
Heft 3
Document type:
Periodical
Structure type:
Periodical issue
Collection:
Pädagogische Zeitschriften
Access restriction:
Open Access

Article

Title:
Der "Jugendschutz" im Arbeitsschutzgesetz
Document type:
Periodical
Structure type:
Article
Language:
German
Collection:
Pädagogische Zeitschriften
Link zum Katalog:
BBF0577014
Access restriction:
Open Access

Contents

Table of contents

  • Arbeiter-Jugend
  • Arbeiter-Jugend - 19.1927 (19)
  • Heft 1 (1)
  • Heft 2 (2)
  • Heft 3 (3)
  • Das junge Deutschland
  • Der "Jugendschutz" im Arbeitsschutzgesetz
  • Die Tragödie eines Lehrlings
  • Internationale Jugendschutzarbeit
  • Tagung der Sozialistischen Jugend-Internationale
  • Aus dem Reichstag
  • Aus dem Reichstag
  • Für unsere Mädel
  • Was der Tag bringt
  • Die Arbeitsgemeinschaft
  • Kultur und Leben
  • Heft 4 (4)
  • Heft 5 (5)
  • Heft 6 (6)
  • Heft 7 (7)
  • Heft 8 (8)
  • Heft 9 (9)
  • Heft 10 (10)
  • Heft 11 (11)
  • Heft 12 (12)

Full text

„ me. 
59 
Ku 
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+ 
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a. 
in der Sozialgeſezgebung auf die dringenden Wünſ<e 
und Intereſſen der arbeitenden Bevölkerung Keine RÜüK- 
ſiH<t zu nehmen. Man verſucht, Sozialpolitik nicht für, 
ſondern gegen die Arbeiter zu machen. Aud) der jeßt ver- 
öſfentlichte Entwurf eines ArbeitsSſ<ußgeſeßes 
atmet dieſen Geiſt. Wird der Entwurf in der vorliegenden 
Fajjung Geſeß, ſo bedeutet das eine Stabiliſierung des 
heutigen Unrechts auf dem Gebiete des Jugend] <ußes. 
Das „Arbeitsſ<ußgeſes“ ſoll in umfaſſender Weiſe den 
Sdjuß vor Betriebsgefahren, die Arbeitszeit, die SonntagsS- 
ruhe, den CLadenſ<hluß und die LQrbeit5aufſicht regeln. Man 
jollte meinen, daß in dem Entwurf eines derartigen Geſeßes 
die Forderungen berückſichtigt werden, die von der Sozia- 
liſtiſc<en Arbeiterjugend, von der freigewerkſ<aftli< organi- 
ſierten Jugend, ja von der geſamten organiſierten Jugend 
aller Richtungen als gemeinſames Programm anerkannt und 
propagiert werden. Davon iſt aber keine Rede. 
Außerdem ſtellt die. heutige Entwicklung der TeHnik und 
die in ven lezten Monaten beſonders ſtark betriebene Ratio- 
naliſierung der Betriebe, an Körper und Geiſt der erwerbs- 
tätigen Jugend hohe Anforderungen. Sollen die geiſtigen und 
körperlichen Kräfte niht vorzeitig verbrau<t werden, ſo muß 
als Gegengewicht der Jugend mehr Freizeit als biSher 
gewährt werden. Don dieſer Einſicht iſt der neue Entwurf 
unberührt. Zwar heißt es, die Arbeitszeit des einzelnen 
Arbeitnehmers darf a<t Stunden täglich und 48 Stunden 
wödentlic?) nicht überſchreiten; aber in den nachfolgenden 
Daragraphen wird alles wieder feierlil) zurückgenommen, 
was oben geſagt wurde. Wie ſollte man ſonſt den 8 21 
verſtehen, der von der Hödſtagrenze der Arbeitszeitverlänge- 
rung handelt. Hier wird geſagt, Arbeitnehmer unter 
18 Jahren dürfen täglich nicht länger als zehn Stunden 
beſchäftigt werden. Die Wodenarbeiiszeit für Jugendliche 
zwiſchen und 16 und 18 Jahren darf höchſtens a<mtund- 
fünfzig Stunden betragen. .Uur für Arbeitnehmer unter 
16 Jahren heißt es, daß ſie nicht länger als 48 Stunden 
beſchäftigt werden dürfen. Aber -- AusSnahmen ſind der 
Kernpunkt des Geſeßes -- es folgt die Beſtimmung, daß in 
Betrieben, die in der Regel nic<t mehr als vier AKrbeit- 
nehmer beſchäftigen, Iugendliche bis zu drei Stunden wöcent- 
lim für Dorbereitungs- und Ergänzungsarbeiten heran- 
Gezogen werden können. Damit entrechtet man die größte 
Sahl der Lehrlinge, die immer no<h in Kleinbetrieben aus- 
gebildet werden. Es kann niht beſtritten werden, daß gerade 
in dieſen Zwergbetrieben die allerſchlimmſte Kusnußung der 
Jugend zu finden iſt. Darum erhalten dieſe Betriebe jeßt 
auh geſjeßlic< 'das Privileg, die Jüngſten länger zu beſ<häf- 
tigen, als in anderen Betrieben mögli iſt. 
Die Tatſa<e, daß eine täglich zehnſtündige Arbeitszeit für 
Jugendliche unter 18 Tahren zugelaſſen werden ſoll, iſt eine 
Shande. Aud die Regelung dex Ua<Htarbeit für Jugend- 
lie über 16 Jahren iſt völlig ungenügend. ES iſt hier genau 
jo, wie bei den Beſtimmungen über die Arbeitszeit. Doran 
ſteht das Derbot der Tla<htarbeit, und dann ſolgen ſo viel 
Ausnahmen, die ſogar noh dur< beſondere Derfügungen des 
ReichSarbeitsminiſjters erweitert werden können, daß praR- 
tiſch von dem grundſäßlic<hen Derbot nichts übrig bleibt. Die 
vorgeſehene arbeitsfreie Zeit naH der täglichen Arbeitszeit 
iſt. mit elf Stunden ſehr ungenügend. Sie müßte mindeſtens 
dreizehn Stunden betragen. 
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REER SER amm fe ae. ie diE eL SEDE GEEGENENNN EEN EE nar 
E: iſt in den lezten Iahren wiederum üblich geworden, 
 
Arbeiter-Iugend 
Dr. 3 
m = Der „Iugendſchutz“ im Arbeitsſchutgeſeß. 
Zehnſtundentag und Ac<htundfünfzigſtundenwoke. 
Aud) die Beſtimmungen über die Ruhepauſen während 
der Arbeitszeit ſind ungenügend. Ebenſo iſt die Forderung, 
die AlterSgrenze für den geſezlihen Iugendſ<uß all- 
gemein auf das a htzehnte LebensSjahr heraufzuſeßen, un- 
bea<htet geblieben. SonntagsSarbeit iſt nur den 
Jugendlichen unter 16 Iahren verboten. Der ReidSarbeits- 
miniſter kann aber au< dieſe Beſtimmung beſeitigen, da er 
vas Recht erhält, in beſtimmten Fällen au< Sonntagsarbeit 
der Iugendlichen unter 16 Jahren zuzulaſſen. 35 
Es iſt na< dem biSher geſchilderten Inhalt des Entwurfes 
nict verwunderli<, daß die dringende Forderung der ar- - 
beitenden Jugend nach geſeßliher UrlaubSregelung 
überhaupt k eine Berückſichtigung gefunden hat. Dod es 
iſt no? niht zu ſpät. Ein Entwurf iſt noh lange kein Geſeß. 
Darum müſſen wir jetzt lauter als biSher unſere Stimme er- 
heben, um iden Geſezgeber an ſeine Pfli<t der ſc<affenden 
Jugend gegenüber zu erinnern. In Amerika ſeßt ſich immer 
mehr und mehr der Grundſaß dur<: Erhöhung des Lohnes 
und Derkürzung der Arbeitszeit. Die Durchführung dieſer 
alten gewerkſ<aftlihen Forderung hat nicht etwa, wie die 
veutſ<en Unternehmer noFh heute behaupten, zum Erliegen 
der Wirtſchaft, ſondern ganz im Gegenteil zu einem bisSher 
unerhörten Aufblühen der Wirtſ<aft geführt. Der Entwurf 
für das kommende deutſ<e Arbeitsſ<ußgeſeß iſt der beſte 
Beweis dafür, daß man aus den Erfahrungen der leßten 
Jahre auf wirtſ<aftliHem Gebiet nichts gelernt hat. Uian 
will die deutſche Wirtſchaft reiten dur< AuSbeutung jugend- 
liher Arbeitskraft. Spätere Generationen werden ji über 
dieſes Beginnen hö<ſtli< verwundern. . 
- Dor uns liegt jezt eine Zeit des Kampfes. Die Beratungen 
des Arbeitsſ<ußgeſeßes im Parlament ſtehen demnudit bevor. 
Da gilt es, unſere Forderungen dringend geltend zu machen. 
Dir fordern: : 
„AuSdehnung der Sdqhußbeſtimmungen für die Learlinge 
und jugendlichen Arbeiter und Angeſiellten auf das Klter 
vom 14. bis zum vollendeten 18. Jahre. . 
Drei Wochen bezahlte Ferien für erwerbstätige Jugend- 
liche einſ<ließliHh Cehrlinge unter 16 Jahren und zwei 
Woden bezahlte Ferien für erwerbstätige Iugendli<e ein- 
ſchließlich Lehrlinge zwiſchen 16 und 18 Jahren. 
Feſtſezung einer Arbeitswo<he von höchſtens 48 Stunden 
einſhließlih des FachunterrimMs und der Zeit, die für 
Aufräumungsarbeiten beanſpru<t werden könnte. Be- 
zahlung der dur< den Pflihtſ<ulbeſu<m verſäumten Ar- 
beitszeit. | [ 
Beginn der ſonntäglichen Arbeitsruhe mit Sonnabend 
mittag, oder Gewährung eines freien Wo<hennadmittags. 
Feſtſezung ausreichender Arbeitspauſen. 
Derbot der Uahtarbeit für Iugendlihe.“ - . 
Dieſe Forderungen ſind keineswegs unerfüllbar. Solange 
aber der Innungsgeiſt ſeine Herrſ<aft aufre<terhalten kann, 
wird es kein vernünftiges Iugendreht in Deutſ<land geben. 
Das iſt der Feind. Die ſozialdemokratiſche Reichstagsfraktion 
wird deShalb bei den kommenden KAuSeinanderſeßungen ſich 
mit aller Schärfe gegen ein Krautertum wenden müſſen, das 
zu einem ſtarken Hemmſ<huh des Fortſ<ritis -geworden iſt. . 
Unſere Aufgabe aber iſt es, niht nur unſere Forderungen 
zu verkünden, ſondern in emſiger Arbeit dur< unſere praR- 
tiſche Tätigkeit die Dorbedingungen zu ſc<affen für einen 
ſiegreichen Ausgang des Kampfes um Iugendſmuß und 
Jugendred<t. - 
 
„Die Geſchichte der Sozialdemokratiſchen Partei iſt die Geſchichte des deutſchen Arbeiterſchutes. Oas war naturnotwendig, denn 
Marr hat die Verelendungstendenzen der kapitaliſtiſchen Ordnung aufgezeigt. Dieſen galt es entgegenzuwirken. Galt und gilt das 
für die Geſamtarbeiterſchaft, ſo galt und gilt es immer beſonders für die arbeifende Jugend. Leitmotiv der Arbeit der deutſchen 
Sozialdemokratie iſt die Bekämpfung jeder Ausbeukung, alſo auch der Jugend!“ 
Genoſſe Hermann Müller auf der Jugendſhußfundgebung des- Hamburger Jugendtages, Auguſt 1925-
	        

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