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Arbeiter-Jugend - 19.1927 (19)

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Bibliographic data

fullscreen: Arbeiter-Jugend - 19.1927 (19)

Periodical

Persistent identifier:
027052486
Title:
Arbeiter-Jugend
Subtitle:
Monatsschrift der Sozialistischen Arbeiterjugend Deutschlands
Document type:
Periodical
Publisher:
Arbeiterjugendverl.
Place of publication:
Berlin
Language:
German
Collection:
Pädagogische Zeitschriften
ZDB-Nummer:
2176472-4
Access restriction:
Siehe Bände

Periodical volume

Persistent identifier:
027052486_0019
Title:
Arbeiter-Jugend - 19.1927
Shelfmark:
02 A 30 ; RF 641 - 647
Document type:
Periodical volume
Publication year:
1927
Collection:
Pädagogische Zeitschriften
Access restriction:
Open Access

Periodical issue

Title:
Heft 4
Document type:
Periodical
Structure type:
Periodical issue
Collection:
Pädagogische Zeitschriften
Access restriction:
Open Access

Article

Title:
Wieder einmal: Jugendschutz
Author:
Breuer, Robert
Document type:
Periodical
Structure type:
Article
Language:
German
Collection:
Pädagogische Zeitschriften
Link zum Katalog:
BBF0577042
Access restriction:
Open Access

Contents

Table of contents

  • Arbeiter-Jugend
  • Arbeiter-Jugend - 19.1927 (19)
  • Heft 1 (1)
  • Heft 2 (2)
  • Heft 3 (3)
  • Heft 4 (4)
  • Was willst du werden?
  • Wieder einmal: Jugendschutz
  • Die Sache ist erledigt
  • Die Sozialistische Arbeiterjugend im Jahre 1926
  • Aus der Internationale
  • Jugend in der Gesetzgebung
  • Aus der Bewegung
  • Was der Tag bringt
  • Die Arbeitsgemeinschaft
  • Kultur und Leben
  • Heft 5 (5)
  • Heft 6 (6)
  • Heft 7 (7)
  • Heft 8 (8)
  • Heft 9 (9)
  • Heft 10 (10)
  • Heft 11 (11)
  • Heft 12 (12)

Full text

Ur. 4 
Das Geſeß gibt ihn: Befür<tung einer ſittlichen, geiſtigen oder 
geſundheitlihen Gefährdung der jugendlichen Entwicklung. 
Wel<he Fülle der Inhaltloſigkeit. Damit kann jeder maden, 
was ihm beliebt. Geſundheitliche Geführdung: 
ider Saal hat nicht genügend Licht, der KRronleu<ter könnte 
herunterfallen, der Bühne fehlt es an Luft. Geiſtige Ge2e- 
fährdung: es ſ<adet, wenn von Darwin oder von Marx 
geſprochen wird, oder gar von Geſhicht5Slügen und von de2r 
Unproduktivität des KAusSwendiglernens. Sittliche Ge- 
fährdung: Wel) Abgrund, wenn Knaben und Hlädhen 
gemeinſam turnen, wandern, ſhwimmen; wenn ſie gemeinſam 
zeichnen, womöglich nah lebenden, gar nackten Modellen. 
Was bedarf es weiteren Seugniſſes. Mit dieſem Gej23 
können die Iugendlichen um alles gebra<t werden, 
was der Borniertheit und der BoSheit nicht paßt. Dieſes Ge- 
. fe iſt eins Rnebelungsmaſchine, patentiert, dds Rube des Ler- 
Hlödens zu diktieren und die Heranwachſenden in den ewigen 
KHindergarten einzuſperren. Ulan vergegenwärtige ſic, was 
der pommerſ<e Ortspoliziſt oder der Dorfpaſtor für unſ<ud- 
lich erklären werden. Selbſt dann, wenn ſie peinlichſt eine 
Beſtimmung des Geſeßes innehalten, die anſ<heinend als 
Sicherung gegen allzu große Willkür geda<ht iſt. Dieſe Be- 
ſtimmung ſagt, daß Derbote „wegen einer politijſden, 
ſozialen, religiöſen, ethiſchen oder weltanſ<aulic<en Tendenz 
alsſold<er niht getroffen werden dürfen.“ Wohlgemerkt: 
Als folder! Selbſtverſtändli<, Schillers Räuber werden nicht 
wegen ihrer revolutionären Tendenz verboten werden, ſon- 
dern -- weil ſie die Uervenruhe der Iugendlichen gefährden 
könnten. Das Sonnenwendfeſt wird nicht verboten werden, 
weil ſozialiſtiſ<e Cieder geſungen werden, ſondern weil 
die Iugendlichen ſich erkälten Könnten. Ein Lictbilder- 
vortrag wird: der Dorfjugend nicht verboten werden, woil 
er zeigt, daß die Candarbeiter in Höhlen wohnen, ſondern 
weil es Kurzſchluß und Panik geben könnte. Wir wiſſen Be- 
ſcheid. Das alles, freilich in milderer Form, hat es j<on 
einmal gegeben: beim Sozialiſtengeſeß,. beim Kulturkampf. 
Wir wollen nicht, daß ſol<e Inquiſition ſim wiederhole. 
Die Jugend verzichtet auf ſolhen Schuß; ſie wird ſic? ſelbſt 
zu ſhüßen Wiſſen. 
Was die Strafen betrifft, die zu jedem ordentlichen Se- 
jeß gehören, ſo iſt mit nichts geſpart worden. IugendlicHe, 
die eine ihnen verbotene Deranſtaltung beſuchen, oder ſich 
an ihr beteiligen, werden mit Geldſtrafe bis zu 150 ReiMS- 
mark oder mit Haft beſtraft. Wer Jugendliche zu einer ver- 
- botenen Deranſtaltung mitnimmt, hat die gleiche Ahndung zu 
erwarten. Wer aber „geſtattet oder duldet“, daß 
Jugendliche ſic an einer verbotenen Deranſtaltung beteiligen, 
kann ein gut bemeſſenes Iahr Gefängnis bekommen. Was 
will man mehr. Lhtung, Adtung, . Chorleiter, wenn ihr 
Jugendliche Dexſe- ſprechen oder Strophen ſingen laßt, falls 
die Maifeier oder die Feier des Derfaſſjungstages für JIugend- 
liche verboten wurden. 
Alſo: dies Geſe8 iſt ein Monſtrum. Es gehört in die tieſſte 
aller Wolfsſ<luchten. DennoM wagen wir nicht zu Hoffen, 
: daß ihm ſolH verdientes Schickſal zuteil wird. Die Tugend- 
retter werden ihren Ehrgeiz nicht halten können. Was wiſſen 
jie von der neuen Iugend, von der Jugend, die dem 
großen Gedanken der Selbſtbefreiung und dem gewaltigen 
Gefühl der Menſ<enwürde ſich tätig hingibt. Das groteske 
Schußgeſes wird beſchloſſen werden. Scheint dies ſ<on un- 
'vermeidlich, ſo verlangen wir zum mindeſten und um der Würde 
des freien DolksSſtaates willen, daß ein Paragraph veingefügt 
77 zur 
Arbeiter-Jugend (D 
werde, der von jeder Derfolgung, von jeder Prüfung, von 
jeder Beſ<nüſfelung freiläßt: Theaterauffährungen, LiHt- 
ſpiels (die bereits dem Lichtſpielgeſes untorworfen ſind), Dor- 
leſungen ſowohl Künſtleriſ<en wie wiſſenſ<Oaſtlihen Cha- 
rakters, Kunſtausſtellungen, Sport aller Art, Deranſtaltungen 
von DolkSbildungsorganijationen, IJugendverbänden und 
IJucendbildungsorganiſationen. Jür alle dieje Deranſtal- 
tungen verlangen wir den S;<uß vor dem Jugend- 
ſd uß. Derſagt man ſole Selbſtverſtändlimkeiten, jo wird 
das Geſe8 zu giner Dernichtung der geiſtigen Freiheit, einer 
Unterbindung der Forſchung, einer Gefährdung der jugend- 
lichen Selbſterziehung -- zu einem Bru<h der Derſfaſſung. 
Die Sache iſt erlediat. 
Von Ernſt Wilhelm Neumann. 
hieß Jwan. Ob das ſein richtiger Itame war, weiß 
(Eis nicht. Aber alle nannten ihn ſo, und er hoörfe Darauf. 
Er arbeitete fleißig, war ſtets der erſte am Plak und 
ging als leßter fort. Er ſprach wenig, lachte ſelten, fluchte 
aber haufig. 
Eines Tages kam der Chef in den Arbeitsraum. Ex blieb 
mitten im Caanol ſiehen und jah ſich die Ilaſchinen und die 
Arbeiter an. Itach einer Weile zog ex ein goldenes Etui 
aus der Weſtentaſche, langfe eine Zigareffe beraus und 
ſtete ſie an. Er blies den Ranch weit von ſich, der ſich 
Fräuſelfe und nach der Dede hochſtieg. Jwan ſiand und jah 
u. Er arbeitfefe dabei, aber er jah zu. 
Der Chef ſieht es. Er geht zu Jwan und ſagt: „Haben 
Gie nichts zu fun, daß Gie mich anſehen?“ 
Jwan: „Zu tun habe ich, und ich arbeite auch.“ 
Der Chef geht fork. 
Jah zwei Tagen fommtf er wieder. Diesmal gehf er 
direkt zu Jwan, ſtellt jich vor deſſen Majchine und ſiebt 
dem feiß ßigen Iwan zu. Fünf Minuten feht er und jiebf 
auf TJwans fleißige Hände. 
Das wird Jwan zu viel. Er ſchaltet die aſchine aus, 
macht bier einen Handgriff id da einen, wiſcht hier mit 
dem Pußlappen herum und drüdt da auf einen Sebel. 
Dann wird ſein Kopf ganz dunfelrot, ! Und er jagt zum Chef: 
„Wenn Gie mix immer auf die Finger ſehen, Fann ich 
nicht arbeiten.“ 
Oer Chef geht weg. Jach zehn Minuten Fommtf der 
Meiſter 
„wan,“ ſagt er, „Cie ſind enflaſjen.“ 
„Warum?“ fragt Jwan, „babe ich nicht immer fleißig 
gearbeitet?“ 
„Es fut mir leid, Gie müſen ſich die Papiere holen.“ 
Iwan holt ſich die Papiere. Cr [Pnürf ſeine Sachen in 
ein bunfes Taſchenfuch, ſte>f ſich eine Zigareffe an und 
gebt damit durch den Saal, Der Chef ſieht das, er ruft den 
Neiſier und ſagt: 
„Rauchen ijt hier polizeilich verbofen, zeigen wir den 
Mann an. 
Es geſchah. Iwan Fommf vors Gez.icht. 
„Cie haben im Betrieb geraucht, froßdem es verboten 
war,“ ſagt der Richter. 
„Tas fann ſtimmen,“ 
zuerſt geraucht.“ 
„Das ſteht hier -nihf zur Verhandlung,“ betont der 
Richter ſcharf. „Sie haben gegen die polizeiliche Ierordnung 
verſtoßen. Die Sache iſt erledigt." Fünfzehn Mark Geld- 
Nrafe- 
ſagt Jwan, „aber der Chef hat 
 
Wir marschieren am | Sonnabend, dem 30. April! 
 
 
Durch Fackelzüge und Kundgebungen demonstrieren wir kizz 
Für wahren Jugendschutz und Jugendrecht!
	        

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