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Arbeiter-Jugend - 20.1928 (20)

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Bibliographic data

fullscreen: Arbeiter-Jugend - 20.1928 (20)

Periodical

Persistent identifier:
027052486
Title:
Arbeiter-Jugend
Subtitle:
Monatsschrift der Sozialistischen Arbeiterjugend Deutschlands
Document type:
Periodical
Publisher:
Arbeiterjugendverl.
Place of publication:
Berlin
Language:
German
Collection:
Pädagogische Zeitschriften
ZDB-Nummer:
2176472-4
Access restriction:
Siehe Bände

Periodical volume

Persistent identifier:
027052486_0020
Title:
Arbeiter-Jugend - 20.1928
Shelfmark:
02 A 30 ; RF 641 - 647
Document type:
Periodical volume
Publication year:
1928
Collection:
Pädagogische Zeitschriften
Access restriction:
Open Access

Periodical issue

Title:
Heft 11
Document type:
Periodical
Structure type:
Periodical issue
Collection:
Pädagogische Zeitschriften
Access restriction:
Open Access

Article

Title:
Kultur und Leben
Subtitle:
2. Beilage der "Arbeiter-Jugend"
Document type:
Periodical
Structure type:
Article
Language:
German
Collection:
Pädagogische Zeitschriften
Link zum Katalog:
BBF0577644
Access restriction:
Open Access

Contents

Table of contents

  • Arbeiter-Jugend
  • Arbeiter-Jugend - 20.1928 (20)
  • Heft 1 (1)
  • Heft 2 (2)
  • Heft 3 (3)
  • Heft 4 (4)
  • Heft 5 (5)
  • Heft 6 (6)
  • Heft 7/8 (7/8)
  • Heft 9 (9)
  • Heft 10 (10)
  • Heft 11 (11)
  • Der rote Novembertag
  • Kampfgemeinschaft der sozialistischen Jugend
  • Arbeitstage in Tännich
  • Lausebums
  • Urlaub für die Jugend
  • Die Arbeitsgemeinschaft
  • Kultur und Leben

Full text

Tes 1 3 
Kip" 
 
Palle: Mit fünfzehn Iahren um die Welt. 
| mid) nicht ſehen konnte und madhte mich jahnell ans Leſen. 
Wirklid, es ſtimmte alles! In der Zeitung war ein Artikel, 
worin ſtand, daß man einen forſ<en Jungen juchte, der um 
Im Frühling dieſes Tahres kam die große Kopenhagener 
Zeitung „Politiken“ auf die originelle Idee, einen ſfünfzehn- 
jährigen Arbeiterjungen, Palle Huld, um die Erde zu ſchien. 
Die äußere Deranlaſſung dazu war der hundertjährige 
Geburtstag Tules Dernes, der Phileas Fogg, den „Helden“ 
eines ſeiner Romane, in 80 Tagen um die Erde fahren ließ. 
Uadh dem Kriege ſchien es eine allgemein verbreitete An- 
ſicht zu ſein, daß die Weltverhältniſſe es noch immer niht 
ermöglichen würden, einen gewöhnlic<en Touriſten ohne Hin- 
derniſje dur< die Welt reijen zu laſſen. 
Die Reiſe von Palle Huld ſollte nun beweiſen, daß man 
heutzutage niHt nur unbehindert um die Welt fahren kann, 
ſondern daß dieſe Fahrt ſogar von einem fünfzehnjährigen 
Jungen, der nur mit Geld und Paß verſehen iſt, dur<- 
geführt werden konnte. 
Ferner wünſchte man feitzuſtellen, wie ſc<nell eine ſol<he 
Reiſe heute vor ſich gehen kann, und zwar durfte Palle Huld 
nur diejenigen Beförderungsmittel verwenden, die DPhileas 
Fogg ſeinerzeit benußt hatte, alſo kein Flugzeug, Lufti<iff 
oder Unterſeeboot. 
Es lag ſern, den Jungen in abenteuerlicher Weiſe hinaus- 
zuſ<iken, um ihn wüſte Senſationen erleben zu laſſen; dazu 
war dieſes Experiment von allen möglichen Exiſtenzen ver- 
ſucht worden, lan ſchärfte ihm im Gegenteil ein, alle Kräfte 
und ſeine ganze Aufmerkſamkeit darauf zu Konzentrieren, 
die Reiſe ſo ſchnell und reibungslos wie irgend mögli< dur<- 
zuführen. Man hatte dabei mit 50 Tagen gerechnet; Dalle 
madte die Reiſe in 44 Tagen. 
Ueber die kühnſten Erwartungen hinaus erregte dieſes 
Experiment ungeheures Aufſehen in der ganzen Welt, die 
Zeitungen brachten überall eingehende Referate, und in ſämt- 
lihen Kinos wurde Palle gezeigt. Als er in 44 Tagen wieder 
in Kopenhagen eintraf, wurde er von eiwa 30000 Leuten 
feierlic) empfangen und war „weltberühmt“. 
Palle hat nun ſeine Erlebniſſe in einem Buch geſd<ildert, 
deſſen vorzüglich ausgeſtattete, mit zahlreichen. Illuſtrationen 
verſehene deutſ<e Ausgabe ſoeben unter dem Titel „Palle, 
Viit 15 Jahren um die Welt in 44 Tagen“ im Derlag von 
E. A. Seemann, Leipzig, erſ<ienen iſt. 
In ſc<lichter Iungensſprac<he berichtet Palle, was er in 
jeinem ſ<nellen Tempo unterwegs ſah, wie ſi; die Welt 
einem Jungen, der niemals die Grenzen ſeines kleinen Landes 
verlaſjen hatte, offenbart. Es iſt das Märchen im Wodentag, 
das auf einmal über ihn gekommen war. UMit Erlaubnis des 
Derlages drucken wir hier das einleitende Kapitel des 
Buches ab. 
Wie das Glück unerhofſt zu mir kam. 
Sd 5 gibt einen Tag in meinem Leben, an den ich mid 
8 78 immer erinnern werde, und wenn ih nod< ſo alt bin. Er 
& fing als ein ganz gewöhnlicher Wochentag an; ic) kam 
auf dem Rade wie jeden Tag zu meiner Ürbeitsſtelle bei 
der Automobilfirma Bülow u. Co., wo ih angeſtellt bin, 
 
und wie gewöhnli< machte ih mi< daran, in dem Lager-- 
raum aufzuräumen und Staub zu wiſc<en. Plößzli) kam 
einer meiner Kameraden zu mir, ſteckte mir „Politiken“ 
in die Hand und ſagte: „Zier iſt etwas für dich, Palle! Eine 
Tour um die Erde, das iſt deine Sache!“ I< nahm die 
Zeitung und ſ<lih mir hinter das Regal, wo der Tager<heſf 
-- 
die Erde fahren wollte, Es war anläßli<m des hundertſten 
Geburtstages von ITules Perne, der das Buh „Um die Erde 
in 80 Tagen“ geſhrieben hat. Ie8t wollte man verſuchen, 
wie ſchnell eine ſol<e Reiſe heute gemacht werden könnte. 
Dieſes Ulal aber ſollte Dhileas Fogg ein Iunge zwiſ<Hen 15 
und 17 Jahren ſein. Die Zeitung ſ<rieb, daß ſim alle 
couragierten Iungens, die Luſt hätten, na<mittags zwiſ<en 
2 und 3 Uhr in der Redaktion melden ſollten. Bedingung 
war, daß man ſich in Doutſ< und Engiliſ< verjtändlic machen 
konnte und eine Erklärung von den Eltern mitbringen müßte, 
daß man die Erlaubnis zu der Reiſe bekommen hHaite, ferner 
ein Zeugnis, daß man „geſund und friſm“ war. Die Zeitung 
bezahlie alle AuSsgaben und gab ſogar Taſ<engeld und ein 
Honorar dazu. 
So eine Reiſe war gerade etwas für mih! Id lief zu 
meinem Chef, erklärte ihm die Sache und bat ihn, mir für 
einige Stunden freizugeben. Er grinſte in den Bart und 
dadte wohl, daß im nur ein paar freie Stunden heraus- 
ſchinden wollte, aber er erlaubte mir doH, abzurücken. IG 
rief nun zu Bauſe an und bekam meine Mutter an die 
Strippe. „WMiutter, darf iM um die Erde reiſen?“ YWiehr hatte 
iM? nicht Gelegenheit zu ſagen, denn ſie da<mte, iM wollte ſie 
verkohlen und hing ab. I< rief aber noMmals an und ex- 
wiſchte meinen Dater, dem im dasſelbe jagte. Er antwortete, 
er hätte keine Zeit für meine dummen Späße; iM kam mit 
ihm au<h nicht weiter. 
I< nahm nun mein Rad und jauſte nad Hauſe, um das 
Ganze zu erklären; meine Mutter ſagte: „Uie im LCeben 
kriegſt du die Erlaubnis!“ ein Dater aber meinte: „Es 
beſteht ja doh keine Gefahr, daß ex dazu kommt, ic werde 
ihm lieber die Erklärung geben, denn ſonſt wird er mir das 
ganze Ceben lang Dorwürfe maden und glauben, daß er der 
AuSerwählte geworden wäre. Laß ihn nur ruhig eine Seit- 
lang vor Politiken-Haus frieren, er wird ſ<Oon kuriert.“ 
Die Erklärung bekam i< alſo. I<h hätte gern ſOnell 
einen Kurſus in Engliſc< und Deutſ< genommen, aber dazu 
war ja keine Zeit. Es galt zur rechten Stunde in der Re- 
daktion zu ſein. Als i< hinkam, wurde mein Geſicht lang, 
denn es ſtanden ſ<on lange Reihen von Jungens auf den 
Treppen, und dabei war es doh eine Stunde vor der Seit! 
Kurz vor zwei Uhr wurden wir hineingelaſſen. Wir waren 
ſ<on mehrere hunderi, und immer noH ſtrömten neue hinzu. 
Es waren die verſchiedenſten Sorten von Jungens, die auf 
dieſe Sa<e ſcharf waren. Es waren Eilboten, Milc<hjungen, 
Cehrlinge, die in ihren KrbeitSanzügen direkt von der Werk- 
ſtatt fortgelaufen waren, viele Pfadfinder in Uniſorm und 
eine ganze Menge Jungens, die no<h in die Schule gingen. 
Dieſe waren meiſtens von der letzten Stunde weggerannt, 
um ſich zu melden. Einige von ihnen erzählten, ihr Rektor 
wäre ſo wütend, daß er die Redaktion anrufen wollte, aum 
ſie tühtig auszuſ<impfen, weil die Idee mit der Reiſe den 
JIungens Roſinen in den Kopf geſest habe. 
Lia<h einiger Zeit kam einer der Redakteure zu uns und 
ſagte, es hätten ſich ſo viele Jungens von fünfzehn Jahren 
gemeldet, daß keine KusSſi<ht für die über fünfzehn Iahre 
beſtände. Die gingen nun weg, madten aber Radau, ehe ſie
	        

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