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Arbeiter-Jugend - 22.1930 (22)

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Bibliographic data

fullscreen: Arbeiter-Jugend - 22.1930 (22)

Periodical

Persistent identifier:
027052486
Title:
Arbeiter-Jugend
Subtitle:
Monatsschrift der Sozialistischen Arbeiterjugend Deutschlands
Document type:
Periodical
Publisher:
Arbeiterjugendverl.
Place of publication:
Berlin
Language:
German
Collection:
Pädagogische Zeitschriften
ZDB-Nummer:
2176472-4
Access restriction:
Siehe Bände

Periodical volume

Persistent identifier:
027052486_0022
Title:
Arbeiter-Jugend - 22.1930
Shelfmark:
02 A 30 ; RF 641 - 647
Document type:
Periodical volume
Publication year:
1930
Collection:
Pädagogische Zeitschriften
Access restriction:
Open Access

Periodical issue

Title:
Heft 8
Document type:
Periodical
Structure type:
Periodical issue
Collection:
Pädagogische Zeitschriften
Access restriction:
Open Access

Article

Title:
Sozialistengesetz gegen die Jugend
Author:
Hüls, Emil
Document type:
Periodical
Structure type:
Article
Language:
German
Collection:
Pädagogische Zeitschriften
Link zum Katalog:
BBF0578639
Access restriction:
Open Access

Contents

Table of contents

  • Arbeiter-Jugend
  • Arbeiter-Jugend - 22.1930 (22)
  • Heft 1 (1)
  • Heft 2 (2)
  • Heft 3 (3)
  • Heft 4 (4)
  • Heft 5 (5)
  • Heft 6 (6)
  • Heft 7 (7)
  • Heft 8 (8)
  • Der Geist von Weimar
  • Roter Jugendtag in Kopenhagen
  • Sozialistengesetz gegen die Jugend
  • Jugend und Arbeitsdienstpflicht
  • Die Arbeitsgemeinschaft
  • Rundschau
  • Jugendschutz und Jugendrecht
  • Vom Gegner
  • Kultur und Leben
  • Heft 9 (9)
  • Heft 10 (10)
  • Heft 11 (11)
  • Heft 12 (12)

Full text

174 
 
ARBEITER- JUGEND NR. 3 BISHER ENEN WEESEN 
politische BeeinflusSsung wird auch in Solchen Jugendbünden 
betrieben, die unter Staatlicher Anerkennung Stehen. Inter- 
esSant Sind die Ausführungen des Prälaten Leicht (Vor- 
Sitzender der Reichstagsfraktion der Bayerischen Volks- 
partei) auf einer großen Jugendkundgebung am 31. Mai 1926 
in Bamberg. Er führte dort aus: 
„Es war hödiste Zeit. daß aud: die beiden Parieien, die für die 
Kirdhe Sich einsetzen wie für das Vaterland und die Grdnung des 
Volkes, daß Zentrum und Bayerishe Volkspartei sih in den Wind- 
horstbünden und im Jung-Bayern-Ring eine polS*Stisd:ce 
jugend heranziehen. Die Jugend zu erzienen zu 
politisher Erkenntnis und zu politisqdiem Be- 
kenntnis, zur Arbeit in der OrganiSation und 
Agitation, das iSt die Aufgabe unserer poli- 
tiSdi en Jugendorganisationen Die Politik is1 
nnSsSer,. begsonders unsgserer Jugend SchickSsal, und 
das kann der Jugend nicht gleichgültig.sein .. 
Also Selbst in den Reihen des Herrn Kuitusministers 
Goldenberger (Mitglied der BayeriSschen VolkSspartei) ist man 
der Ansgicht, daß die heranwachsende Jugend politisch er» 
zogen werden muß. Darüber regt man Sich nicht auf, das 
geht ganz in Ordnung -- wenn es im Sinne ihrer politischen 
InteresSen gesSchieht. MarSchieren aber Rote Falken anläß- 
lich eines Arbeitersporttages auf, dann muß die Polizei 
einSchreiten, dann werden den Burschen und Mädeln die 
roten Binder von den Kleidern gerisSen, nur deswegen, weil 
diese Jugend Sich für den Sozialismus bekennt. 
jugend und Arbeitsdienstp 
In der ReichstagsSitzung am 1. Juli ist ein deutschnatio- 
naler Antrag abgelehnt worden, der von der Re- 
gierung die Vorlegung eines Gesetzentwurfes zur Ein- 
führung eines ArbeitsdiensStjahres lorderite. 
Diese Abstimmung ist nicht eo beachtet worden, als es not- 
wendig iSt, zumal diese Frage uns als Arbeiterjugend ganz 
besonders angeht und weil dem Reichstag noch ein Ent- 
wurf eines Arbeitsdienstpflichtgesetzes in Form eines An- 
trages der Wirtschaftspartei vorliegt. Die Lektüre dieses 
Entwuris vermittelt einen Begriff davon, was Sich die 
Rechtsparteien unter der Arbeitsdienstpflicht vorstellen. 
Man ist in diesen Kreisen der Ansicht, daß durch die Ein- 
führung der Arbeitsdienstpflicht die Erwerbslosigkeit be- 
Seitigt werden könne. Sie gehen dabei von der Ueber- 
legung aus, daß wir vor dem Kriege eine Wehrmacht zu 
Wasser und zu Lande in Stärke von etwa 875 020 Mann 
hatten, heute von nur 115000. Könnten wir nun zur 
ſrüheren Zahl zurückkommen, dann wären mit einem Male 
in Deutschland 760 000 Menschen weniger arbeitslos. Da 
dies unsere „Feinde“ nicht zulassen werden, gebe man de: 
Leuten anstatt Waffen Arbeit. 
Legen wir uns einmal nüchtern die Frage vor, ob die 
ArbeitsloSigkeit wirklich durch Einführung des Arbeits- 
dienstjahres besSeitigt werden Kann. Das wäre nur dann 
möglich, wenn die gegenwärtige Wirtschaftskrise bezeitizgt 
werden Könnte, deren Ursachen zu Suchen Sind in der 
geSunkenen Kaufkraft der Massen, in der Rationalisierung 
der Arbeitsmethoden und im Kapitalmangel. An all diesen 
Dingen Kann aber die Arbeitsdienstpflicht nichts ändern. 
im Gegenteil, Sie würde vielleicht die Absatzmöglichkeiten 
noch weiter Schmälern. Die Dienstpflichtigen Sollen nur 
gegen ganz geringen Lohn beschäftigt werden, müßten also 
als Käufer von Waren ausfallen. Außerdem ist es aber 
auch Schleierhaft, was Sie arbeiten Sollten. Gibt es Arbeit 
und das dazu notwendige Kapital, dann Sind üÜübergenug 
heute freie Arbeiter vorhanden, die natürlich freudiger und 
besser Schaffen werden als Solche, die man mehr oder 
weniger dazu zwingt. Aber auch dann, wenn, wie das der 
S 106 des Gesetzentwurfs verlangt, nur „land», forst- und 
wasSSerwirtschaftliche Arbeiten jeder Art“ ausgeführt wer“ 
den Sollten, wäre eine merkliche Entlastung des Arbeits- 
marktes nicht möglich. Der Kapitalaufwand für maschi- 
nelle Anschaffungen, dazu die Unterbringung, Kleidung 
und Verpflegung einer Armee von Arbeitsdienstpflichtigen, 
weiter die Bezahlung der zur Beautsichtigung nötigen 
Kräfte müßte eine phantastiSche Summe betragen, wenn 
wir nur daran denken, daß die Reichswehr mit ihren 
115 000 Mann jährlich drei Viertel Milliarden verschlingt. 
 
In allen Schulen wird gegenwärtig von den Lehrern be- 
kanntgegeben, daß es Schülern und Schülerinnen verboten 
iSt, der SozialistiSchen Arbeiterjugend anzugehören. Er- 
ziehung im Geiste SozialistiScher Weltanschauung ist gleich“ 
zuSetzen mit politischer Beeinflussung der Jugend und das 
' könne die Schulbehörde nicht dulden. Von den VorSgitzenden 
unserer Jugendgruppen werden Mitgliederverzeichnisse und 
nähere Angaben über Ziele und Aufgaben der Gruppen 
eingefordert. Man kann ohne Uebertreibung Sagen, daß wir 
in Bayern ein „Sozialistengesetz gegen die Jugend“ haben. 
Erfreulich ist an diesem Kampf gegen uns nur das eine, daß 
trotz dieser Maßnahmen unsere Burschen und Mädel bei der 
Fahne bleiben. Das ist auch ein Zeichen dafür, mit wieviel 
Mut, Kraft und Liebe sie zu ihrer Idee Stehen. 
Die Vertreter der Arbeiterschaft werden die „Jugend- 
pflegemethoden“ des Bayerischen Kultusministeriums im 
Landtag zur Sprache bringen und Aufhebung der Sonder- 
behandlung der SozialistiSchen Arbeiterjugend verlangen 
Wir möchten uns bei dieser Gelegenheit an alle katholischen 
Jugendorganisationen die bescheidene Anfrage erlauben, wie 
die bayerisSchen Vorgänge vom Standpunkt der von ihnen 
SO laut gepriesenen Toleranz in weltanschaulichen Fragen 
zu beurteilen Sind und ob sie das Verhalten des Katholischen 
Kultusministers in Bayern gutheißen oder nicht. 
Emil Hüls. Nürnberg. 
ICh S 
Die nächste Frage für uns ist: Wer Soll arbeits- 
dienstpflichtig Sein? Hierüber Sagt der Entwurt der 
Wirtschaftspartei, daß jeder Deutsche von der Vollendung 
des 17. Lebensjahres bis zum Ende des Jahres, in dem er 
25 Jahre alt wird, ein Kalenderjahr Arbeitsdienstpflicht zu 
leisten hat. Es werden also nur männliche PerSsonen von der 
Dienstleistung betroffen. Aber auch diese nicht alle. Es 
gibt eine Reihe von Befreiungsbestimmungen, Angehörige 
der Reichswehr und der Polizei, Krüppel und PerSsonen, die 
zu entehrenden Strafen verurteilt wurden, Sind nicht dienst- 
pflichtig. Aber auch PerSsonen, die noch nicht 23 Jahre ait 
und noch in der Ausbildung für einen Berui begriffen Sind, 
brauchen dieses Arbeitsdienstjahr nicht zu leisten. Das 
heißt also, daß Studierende, die doch heute zumeist noch 
ausschließlich die Söhne des Bürgertums Sind, 
vondieserPflichtbefreit werden und dieze nur 
für die Arbeiterjugend besteht. 
Allein diese TatSachen müsSsen uns Schon zur Ablehnung 
der Arbeitsdienstpflicht zwingen: Dazu kommt aber noch 
ein wichtiger Grund. Die proletariscche Jugend, in die 
ZwangsSjacke der Arbeitsdienstpflicht gesteckt, hört in den 
entscheidendsten Jahren ihrer geistigen Entwicklung nichts 
von der Arbeiterbewegung. Die Kasernierung ist eine hot- 
wendige Folge der Dienstpflicht und damit wären die Jungen 
Menschen SozialistisSchen EinflüSssen entzogen. Für eine Er- 
ziehung im Sinne des Bürgertums Sorgten „geeignete Er- 
zieher“, die, wie es im Entwuri des Gesetzes heißt, aus 
„abgebauten Beamten und ehemaligen HeereSangehörigen 
zusammengestellt werden Sollen. 
Außerdem ist aber die Forderung auch von gewerkschaftt- 
licher Seite aus nicht genug Zu bekämpfen. Die Verlecnhnteor 
Gieser Idee beabsichtigen mit ihr einen konzentrierten An - 
riff auf den Achtstundentag und auf unse&re 
Porderungen nach weiterer HerabSsetzung der Arbeitszeit. 
Denn Tarifverträge und gewerkschaftliche Vertretungen 
dürfte es wohl im Arbeitsdienstheer nicht geben. oSchließ- 
lich wäre diese ZwangSarmee der Dienstpflichtigen aber 
auch noch eine Streikbrechergarde, 
Aus allen diesen Gründen haben wir die Arbeitsdienst- 
pflicht abzulehnen. Gewiß, wir Können uns denken, daß 
in einem SozialistiSchem Staat einmal alle 
Menschen herangeholt werden zu Arbeiten im Iinteresse der 
Allgemeinheit. Und wir können uns weiter denken, daß 
diese Arbeiien mit BegeiSterung verrichtet werden im 
Bewußtsein, damit ein Werk für die Gemeinschaft zu tun. 
Solange aber „Arbeitsdienstpflicht“ nur für die arbeitende, 
unterdrückte Jugend da Sein Soll, Solange damit eine 
Schädigung der Arbeiterklasse verbunden Sein wird, werden 
wir uns gegen diese Einrichtung wehren. E. G.
	        

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