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Arbeiter-Jugend - 22.1930 (22)

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Bibliographic data

fullscreen: Arbeiter-Jugend - 22.1930 (22)

Periodical

Persistent identifier:
027052486
Title:
Arbeiter-Jugend
Subtitle:
Monatsschrift der Sozialistischen Arbeiterjugend Deutschlands
Document type:
Periodical
Publisher:
Arbeiterjugendverl.
Place of publication:
Berlin
Language:
German
Collection:
Pädagogische Zeitschriften
ZDB-Nummer:
2176472-4
Access restriction:
Siehe Bände

Periodical volume

Persistent identifier:
027052486_0022
Title:
Arbeiter-Jugend - 22.1930
Shelfmark:
02 A 30 ; RF 641 - 647
Document type:
Periodical volume
Publication year:
1930
Collection:
Pädagogische Zeitschriften
Access restriction:
Open Access

Periodical issue

Title:
Heft 11
Document type:
Periodical
Structure type:
Periodical issue
Collection:
Pädagogische Zeitschriften
Access restriction:
Open Access

Article

Title:
Zweierlei Aktivität der Jugend
Document type:
Periodical
Structure type:
Article
Language:
German
Collection:
Pädagogische Zeitschriften
Link zum Katalog:
BBF0578685
Access restriction:
Open Access

Contents

Table of contents

  • Arbeiter-Jugend
  • Arbeiter-Jugend - 22.1930 (22)
  • Heft 1 (1)
  • Heft 2 (2)
  • Heft 3 (3)
  • Heft 4 (4)
  • Heft 5 (5)
  • Heft 6 (6)
  • Heft 7 (7)
  • Heft 8 (8)
  • Heft 9 (9)
  • Heft 10 (10)
  • Heft 11 (11)
  • Zweierlei Aktivität der Jugend
  • Wir wecken und werben!
  • Rundschau
  • Vom Gegner
  • Brief aus der Werkstatt
  • Die Arbeitsgemeinschaft
  • Kultur und Leben
  • Heft 12 (12)

Full text

242 
 
ARBEITER-SUGEND NR. 14. 0NNKINHNHNKHKHHHHRTHESECHT NERI EIER SHETIE INN ESSE RISE INI IN TINE IEEE EEE 
Zweierlei Aktivität der Jugend - 
Es gibt eine Aktivität der Jugend, die nur lärmt, und es 
gibt eine andere Aktivität, mit der Sich die Jugend hilft. 
Zunächst einige Beispiele für die erste Gatiung. In Berlin 
warfen am Tage der Eröffnung des Reichstags Hitler- 
Jünglinge die wehrlosgen Fensterscheiben eines großen 
Warenhauges ein. Neunzehn dieser Helden wurden test- 
genommen und dem Schnellrichter in Moabit zugeiührt, vor 
dem die meisten ihre „Taten“ wacker leugneten. Ueber ihre 
Mentalität lesen wir in einem Gerichtsbericht: „Es ist ein 
unerfreulicher Anblick: keine frische Jugend, der man Selbst 
einen dummen Streich Schon einmal nachSehen Kann, Son- 
dern wüste Bengels mit Schlaksigen Manieren und dem 
dazu gehörigen Hakenkreuz im Knopfloch. Keiner von 
ihnen iSt älter als dreißig. Die meisten Sind erwerbslos und 
ohne festen Beruf. Sie nennen Sich Selber Arbeiter und Sind 
in Wirklichkeit „Janhagel“, wie Sie ihre eigene NazipresSse 
jetzt plötzlich charak» 
terisiert. Sie Sind der 
Abhub des Großstadt- 
pöbels. der heute „FRei] 
Hitler Schreit und mor 
gen „Hoch Ihälmann. 
Gleich zu Beginn der 
Verhandlung werden 
zwei Halbwüchsige aus 
der Schar der armen 
Sünder Hherausgeholt: 
Ein 1bjähriger Sekun» 
daner vom Werner“ 
Siemens =» GymnasSium 
und ein 17ijähriger 
Bäckerlehriing, die beide 
ihres zarten Alters 
wegen vor den Jugend« 
richter Kommen. Da 
Stehen Sie nun, die 
beiden Hitler »- Helden! 
Der Pennäler hat einen. 
Stein in das Schau- 
ſenster von Wertheim geschmissen, während der Bäcker- 
lehrling „Juda verrecke“ brüllte und einen Schupo, der 
ihm das untersagte, anschreit: „Du hast mir gar niSscht 
zu Sagen -- Sei froh; daß du noch lebst.“ Nun lebt der 
Schupo aber immer noch. Während der Bäckerlehrling in 
Seiner weißen Jacke belämmert dasteht und zu Hause der 
Meister auf das Schrippengeld wartet. Der -Sekundaner 
aber zerknautscht nervös Seine bunte Mütze und Schweigt 
trotzig auf alle Fragen. Man Sieht es ihm an, daß er 
SICh für einen unverstandenen Helden hält.“ 
In Leipzig wurden zehn Jungkommunisten wegen 
Totschlag und Aufruhr zu insgesamt 5 Jahren Zuchthaus 
und 85 Monaten Gefängnis verurteilt. Ursache: die Vorfälle 
auf dem KommunisStischen Reichsjugendtag Ostern 1930 in 
Leipzig, bei denen zwei Jungkommunisten und zwei Polizei“ 
beamte getötet wurden. Vor dem Leipziger Gericht hielten 
einige der durchweg Jugendlichen Angeklagten tausendmai 
gehörte und tausendmal wiederholte kommunistische Pro- 
pagandareden. Sie fühlten Sich als Märtyrer, wo Sie doch 
nur die Werkzeuge gewissenloser Hetzer waren. Man muß 
Mitleid mit dieser Jugend haben, die auf Monate und Jahre 
ins Zuchthaus und Gefängnis gesteckt wird. Im Kerker wird 
Sie Zeit finden zum Nachdenken über den Sinn (besser Un 
Sinn) ihrer Handlungen. Revolutionär Sind Sie nicht, akiiv 
im Sinne einer Hilfe für die Jugend, im Sinne des Aufbaus 
einer besSseren Welt erst recht nicht; Sie Konnten nur 
Menschenleben Schneller und gründlicher zerstören als es 
der Kapitalismus Kann, den die kommunistischen Führer mit 
Starken Worten aus Seinen Angeln heben wollten, obwohl dies 
 
Jungwählerkundgebung in Stade - 
nur durch den nüchternen Kleinkrieg an abertausenden 
Punkten der Fronten, an denen Sich Kapital und Arbeit im 
unversöhnlichen Kampf gegenüberliegen, möglich ist. 
Nun zur zweiten Gattung, zur helfenden Aktivität der 
Jugend. In derselben Woche, in der die FensterScheiben in 
Berlin Ssplitterten, in der in Leipzig die harten Urteile getällt 
wurden, waren im Friedrich-Ebert-Heim Tännich Haupt- 
vorstand, ReichSausSchuß und Bezirks» 
leiter zu den üblichen Herbsttagungen unseres Verbandes 
zusSammengekommen. Da wurden keine wortradikalen 
KliSscheereden gehalten, da war keine Aktivität von der 
Fasson der Fensterstürmer. Und doch: die Beratungen 
waren Aktivität in der Hilfe für die notleidende Jugend, 
waren Brennpunkte des Kampfes um die Jugend. Ausgang 
aller Betrachtungen und der wichtigsten Beschlüsse war die 
gegenwärtige politische Lage und ihre Folgerungen für die 
SozialistiSche Jugend» 
arbeit. Was zu tun ist, 
ergibt Sich aus den 
Grundgedanken des Be 
richtes über den Stand 
der Organisation, den 
Erich Ollenhauer in der 
ReichSausschuß»- 
SItzung gab. 
Die erste Forde- 
rung ist: In den Reihen 
der SozialistiSchen Jur 
gend ist die Ueberzeu- 
gung zu wecken und zu 
vertiefen, daß alle par- 
lamentarischen und 
außerparlamentarischen 
Aktionen der Partei die 
Untersetützung der Ju“ 
gend brauchen. Die 
Parole ist: Jugend und 
Partei Stehen in einer 
Front. Dies ist um So 
mehr notwendig, weil es in den augenblicklichen Kämpfen 
zwiSchen Arbeit und Kapital auch um das Schicksal der 
Jugend geht, weil der Kampf um die Demokratie auch ein 
Kampf um die Möglichkeiten der Lebensgestaltung der 
Arbeiterjugend iSt. 
Die z weite Forderung ist, der Kampf um die Jugend be- 
ginnt erst richtig, und ist von uns verstärkt zu führen. Die 
Septemberwahl hat die Jugend, wie noch bei Keiner politi 
Schen Entscheidung, in den Mittelpunkt der Auseinander* 
Setzungen gerückt. Die SozialistiSche Jugend hat mit einer 
lobenswerten Aktivität in der Werbearbeit darauf geant- 
wortet. Mit ganzer Kraft gilt es nun, diese Aktivität für 
eine groß angelegte Werbung unter der jungen Generation 
unSeres Volkes zu verwenden. Im Kampf um die gesamtie 
Jugend will die SozialistisSche Arbeiterjugend an die Spitze 
kommen, will Sie die Führung haben. 
Die dritte Forderung heißt verstärkte poli» 
tiSsche Erziehung der Jugend. Die Entscheidung 
der Jungwähler Stand überwiegend unter Stimmungen und 
wurde nur wenig aus Ueberzeugung und politischer Ein 
Sicht gefällt. PolitiSche EinSichten in weiteste Jugendkreise 
zu tragen, ist eine der notwendigsten Gegenwartsaufgaben 
aller Arbeiterorganisationen. Gegen die Schlammflut von 
Verhetzung der Jugend gibt es einen unüberwindlichen 
Damm: Die Weckung des politischen InteresSses, Vermitt 
lung von politischem Wissen zur Erkenntnis der Zusammen» 
hänge im gesgellschaftlichen Leben. 
Die vierte Forderung richtet Sich an die Partei. Der 
Kampf um die Jugend und ihre verstärkte politische Erzie-
	        

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