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Arbeiter-Jugend - 22.1930 (22)

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Bibliographic data

fullscreen: Arbeiter-Jugend - 22.1930 (22)

Periodical

Persistent identifier:
027052486
Title:
Arbeiter-Jugend
Subtitle:
Monatsschrift der Sozialistischen Arbeiterjugend Deutschlands
Document type:
Periodical
Publisher:
Arbeiterjugendverl.
Place of publication:
Berlin
Language:
German
Collection:
Pädagogische Zeitschriften
ZDB-Nummer:
2176472-4
Access restriction:
Siehe Bände

Periodical volume

Persistent identifier:
027052486_0022
Title:
Arbeiter-Jugend - 22.1930
Shelfmark:
02 A 30 ; RF 641 - 647
Document type:
Periodical volume
Publication year:
1930
Collection:
Pädagogische Zeitschriften
Access restriction:
Open Access

Periodical issue

Title:
Heft 11
Document type:
Periodical
Structure type:
Periodical issue
Collection:
Pädagogische Zeitschriften
Access restriction:
Open Access

Article

Title:
Kultur und Leben
Subtitle:
2. Beilage der "Arbeiter-Jugend"
Document type:
Periodical
Structure type:
Article
Language:
German
Collection:
Pädagogische Zeitschriften
Link zum Katalog:
BBF0578709
Access restriction:
Open Access

Contents

Table of contents

  • Arbeiter-Jugend
  • Arbeiter-Jugend - 22.1930 (22)
  • Heft 1 (1)
  • Heft 2 (2)
  • Heft 3 (3)
  • Heft 4 (4)
  • Heft 5 (5)
  • Heft 6 (6)
  • Heft 7 (7)
  • Heft 8 (8)
  • Heft 9 (9)
  • Heft 10 (10)
  • Heft 11 (11)
  • Zweierlei Aktivität der Jugend
  • Wir wecken und werben!
  • Rundschau
  • Vom Gegner
  • Brief aus der Werkstatt
  • Die Arbeitsgemeinschaft
  • Kultur und Leben
  • Heft 12 (12)

Full text

MEINS ERNST NE 
 
NUMMER 11 
SEES ES CLEO LE EISTEE BIA IO REUE: 
HIRAM; We] SSE ERES ESE ESS ELIE DE IE DE Ms 
NEMCHEEN KEITEN A ZEE ENGE SEL EEE Sue lein 
Vom Schloß weht die rote Fahne ... 
Eine Erzählung aus den Revolutionstagen 
Karl Penzold war zwölf Jahre alt, als die Revolution dem 
Völkermorden ein Ende machte. Er war der Sohn eines 
Fabrikarbeiters. Neben ihm mußten noch drei immer 
hungrige Kindermäuler gestopft werden, was den Eltern in 
dieSser Zeit nicht leicht war. . Karl Stand oft Sehr zeitig am 
Morgen, noch lange vor Schulbeginn, vor den Lebensmitte:» 
läden, um der Mutter einen Platz nahe der Tür zu be 
Schaffen. Dann brauchte Sie nicht am Ende der Schlange zu 
Stehen, wenn gie ihn ablöSen kam, damit er zur Schule gehen 
konnte. Und dann gab es zum Mittagbrot auch mal etwas 
anderes als Steckrüben. Er mußte aber auch Schon 
mitverdienen. Jetzt war er bei einem Mechaniker als 
Laufjunge beschäftigt. Er besorgte das Material aus den 
Großhandlungen der Stadt und trug die fertigen Reparaturen 
zu den Kunden. 
Am Abend des 8. November mußte Mutter das Abend 
eSSen des Vaters noch einmal in den Ofen Stellen, weil 
dieser nicht zu gewohnter Stunde nach Hause kam. Sehr 
Spät erst, die Kinder waren Schon ins Bett gekrochen, hörte 
Karl das Schließen der Haustür und gleich darauf erregtes 
Gespräch der Eltern. Vater erzählte der Mutter von irgend- 
welchem Geschehen in der Stadt. 
Karl konnte nicht viel- davon ver“ 
Stehen, Soviel er auch lauschte. Nur 
das. Wort „Revolution“ vernahm er 
mehrere Male, ohne Sich dabei etwas 
denken zu Können. - 
Wie an jedem anderen Tag tuhr 
Karl auch heute nach Schulschluß 
in die Stadt. Als er Sich dem Stadt- 
innern näherte, merkte er, daß 
irgend etwas anders war als Sonst. 
Die Menschen Standen überall in 
heftig diskutierenden Gruppen zur 
Sammen. Die Soldaten liefen mit 
ofienem Mantel, ohne Koppel und 
Seitengewehr herum. An der Neuen 
Wache lagen Kokarden und ab- 
gerisSzene AchsSelstücke auf der 
Straße, und das erste Mal in Seinem 
Leben Sah Karl vor dem weiß- 
grünen Schilderhaus keinen Posten 
unter Gewehr Stehen. Ueberhaupt 
Schien in der Wache nicht ein ein- 
ziger Soldat mehr zu Sein. In der 
Prager Straße hatten fast alle Ge- 
Schäfte die Rolladen herabgelassen 
und in der Nähe des Schlosses ließ 
Sich kein Mensch Sehen. Die Zei- 
tungskäsSten waren von Menschen« 
mengen umlagert, am Altmarkt ver» 
kaufte ein Mann Extrablätter, und 
ein Soldat in langem, foldgrauem 
Mantel rieſl immer wieder: „Unser - 
Willem hat abgedankt! UNnser 
Willem . . .“ = Als Karl am 
> 
 
Dem Morgenrot entgegen... 
Abend mit dem Vater über das Erlebte Sprechen wollte, war 
er wieder nicht zu Hause. Auch die Mutter wußte auf Seine 
vielen Fragen keine Antwort, Sagte nur etwas ängstlica, daß 
Vater eine wichtige Sitzung hätte und es nün keinen KaiSser 
mehr gäbe. 
Auch am nächsten Tag, einem Sonntag, war Vater wieder 
Sehr früh zur Stadt gegangen und ließ Sich den ganzen lag 
. nicht Sehen. Und Karl konnte noch immer nicht erfahren, 
was eigentlich los war. Als er aber am Montag wieder über 
die Elbbrücke ging, machte er große Augen: vom 
SchlosSsSe herab wehte eine rote Fahne! Karl 
hatte oft da oben eine Fabne flattern Sehen. Er wußte 
eigentlich gar nicht recht, von welcher Farbe Sie gewesen 
war. Aber rot war Sie nicht, Soviel wußte :er. Und er Sah 
immer noch einmal nach dem Iustig flatternden roten Iuvch 
und ein freudiges Lächeln Kam über Sein Gegicht, als er 
durch das ünstere Georgentor Schritt. Und er lächelte noch, 
als er vor dem Ständehaus einen Soldaten mit roter Binde 
und Gewehr im Arm und neben ihm einen Arbeiter, auch 
mit roter Binde und Gewehr, geSehen hatte, und beide ganz 
ernst dreinblickten. Dann Konnte er Sich auch einmal vor 
einen lelegrammkasten einer Zeitung 
drängen und hier las er, GaßBß der 
König geſlohen Sei, und vieles inm 
Unhverständliche. Einiges aber, was 
ganz zuletzt unter allem gestanden 
hatte, merkte er Sich! Der Ar- 
beiter“ und Soldatenrat. 
Und immer, wenn er an dieses Wort 
dachte, Sah er vom Schlosse die rote 
Fahne flattern. 
Später Sah Karl Penzold viele rote 
Fahnen. Als Lehrling Stand er tags- 
über in einer großen MaSchinen- 
fabrik zwiSchen dröhnenden und 
KkreiSschenden Maschinen, abends be- 
Suchie er die Gruppenabende der 
SozialistiSchen Arbeiter- 
jugend. Hier hörte er von den 
Kämpfen der Arbeiter, von den 
Nöten und Entbehrungen der tau- 
Send Ungenannten, die für die rote 
Fahne eingetreten waren. Hier mar- 
Schierte er mit lausenden alter und 
junger Arbeiter und Arbeiterinnen 
im Takt der Lieder und Schriite 
hinter vielen wehenden roten Ban- 
nern. Hier wurde inm klar, warum 
damals auf dem Schloß die rote 
Fahne der Revolution flatterte, und 
wie Sie wieder flattern mußte, Sollte 
alle Not der Arbeiter für immer ein 
Ende haben. Den AnschauungsSunter- 
richt der Revolutionstage aber wird 
er Sein ganzes Leben lang nicht ver 
gesSen. Erwin Günther.
	        

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