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Arbeiter-Jugend - 22.1930 (22)

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Bibliographic data

fullscreen: Arbeiter-Jugend - 22.1930 (22)

Periodical

Persistent identifier:
027052486
Title:
Arbeiter-Jugend
Subtitle:
Monatsschrift der Sozialistischen Arbeiterjugend Deutschlands
Document type:
Periodical
Publisher:
Arbeiterjugendverl.
Place of publication:
Berlin
Language:
German
Collection:
Pädagogische Zeitschriften
ZDB-Nummer:
2176472-4
Access restriction:
Siehe Bände

Periodical volume

Persistent identifier:
027052486_0022
Title:
Arbeiter-Jugend - 22.1930
Shelfmark:
02 A 30 ; RF 641 - 647
Document type:
Periodical volume
Publication year:
1930
Collection:
Pädagogische Zeitschriften
Access restriction:
Open Access

Periodical issue

Title:
Heft 2
Document type:
Periodical
Structure type:
Periodical issue
Collection:
Pädagogische Zeitschriften
Access restriction:
Open Access

Article

Title:
Kultur und Leben
Subtitle:
2. Beilage der "Arbeiter-Jugend"
Document type:
Periodical
Structure type:
Article
Language:
German
Collection:
Pädagogische Zeitschriften
Link zum Katalog:
BBF0578562
Access restriction:
Open Access

Contents

Table of contents

  • Arbeiter-Jugend
  • Arbeiter-Jugend - 22.1930 (22)
  • Heft 1 (1)
  • Heft 2 (2)
  • Arbeitslose Jugend
  • Unsere Auslandsfahrter
  • Ferientage im Friedrich Ebertheim
  • Rundschau
  • Aus der Bewegung
  • Jugend in Not!
  • Brief aus der Werkstatt
  • Die Arbeitsgemeinschaft
  • Kultur und Leben
  • Heft 3 (3)
  • Heft 4 (4)
  • Heft 5 (5)
  • Heft 6 (6)
  • Heft 7 (7)
  • Heft 8 (8)
  • Heft 9 (9)
  • Heft 10 (10)
  • Heft 11 (11)
  • Heft 12 (12)

Full text

48 
ARBEITER-SUGEND NR. 2 
Als der dreikäSehohe Draufgänger am Morgen mit Schwerem 
Schädel und -- leeren TaSschen erwacht, fährt er auf einer 
„Raubhändler “Bark Schon auf hoher See: „geschanghait in 
Sydney!“ „Raubhändler“ -- das waren Schiffer, die „Fleisch“, 
Menschenfleisch, in die Hölle brachten, in die Bergwerke der 
Weißen. Dieses Ereignis wurde richtunggebend für das 
weitere unstete Leben des intelligenten jungen Rauhbeins. 
Ein halbes Jahr Später hat er es bereits zum zweiten Offizier 
gebracht. Gehorsam erzwingt Sich der Kecke, wenn es Sein 
muß, mit der Pistole in der Hand. Sein anrüchiger Beruf 
führt ihn bald mit dem verkommenen SüdseegeSindel zu- 
Sammen. vein Körper und Wille werden unüberwindlich. 
Seine Taten Setzen neben denen Seines tüchtigen Kapitäns, 
Glückliche Jugend 
Gestern Sitze ich im Thaurishen Garten auf einer Bank. 
Ih drehe mir eine Zigarette und wende midh 50 nach allen 
Seiten iun ... 
Wie shön ist es überall -- wunderbar! Die Sonne 
Scheint -- und die kleinen Kinder amüsieren Sich vergnüg! 
im Sande. Neben mir auf der Bank Sitzt ein kleiner 
Bengel von ungefähr zehn Jahren. Fr Sitzt da und baumelt 
mit den Beinen. 
Ich gehe ihn mir näher en, 
25 
 
„Ich Sehe ihn mir näher an“ 
Dabei denke ich mir, wieviel besser es duch diet Ainder 
als mir Erwadigene haben. Was hat Schon 50 ein Lr- 
wpäadigener vom Leben. Er darf nicht mit den Beine: 
baumeln, und im Sande Kann er Sim auch nicht wälzen. 
Und wenn er's doch iul, 50 halten die Leute ihn für ver- 
rückt. „He“ -- rufen gie. „habt ihr 80 elwas gesehen. der 
Mann strampeli mit den Beinen -- S0 ein einfälliger Kerl!“ 
Schließlich gibt man illim nod eine Olirfeige. damit ei 
zur Besinnung kommt. 
4, denke ih, wie unsympathisch ist dod: unszer er- 
wadchsenes Leben. Da Sitze ich in allerhand Kommissionern 
und Uniterkommissionen -- langweile midi in Versamm- 
fungen, Vorträgen. Silzungen ... 
Wenn es dir Schließlich gelingt. einmal ein bißchen ei 
die frische Luft zu entfliehen. dann erwartet did: zu Hausc 
deine Frau mit einem Donnerwetter, kampflustig tritt Sie 
dir entgegen und flucht, was das Zeug hält. weil du did, 
zum Essen verspätet hast. 
Ja, die Kindheit war Schon eine glückliche Zeit! 
Schnell isf Sie mir vergangen, plötzlidi war Sie fort. 
Ic zah noch einmal auf die Kinder im Sande und dern 
Jungen neben mir auf der Bank .,. Ein ungewöhnlid: 
zärtlimes Empfinden erfaßte midh. das Gefühl war Sv 
Stark, daß es mir fäsl den Atem zu beklemmen sdhien. 
„Du. Junge“, Sage ich. „du Bursche! Du fühlst gar nicht. 
pie groß dein Glück 1isl! Du Sitzt nur da und baumelst 
mit den Beinen, hastf keinen Kummer und keine Sorgen, 
Wie auf einem hohen Baum Silzt du und giehs!t auf alles 
nerächtlich herab. Sage dodi, du Kleiner -- wie heißt du 
denn? Wie isl dein Name?“ . » 
Er Schweigt. Augenscheinlich isf er Schücdmiern. | 
„Du brauchst dich nicht zu fürchten. mein Jun gren, Der 
Wie 
 
der nur im Trunk unglaublich roh ist, die Südsee in 
Schrecken. In blutigen Kämpfen mit malalischen Piraten 
gewinnt er einen Rut, der von Mystik umkleidet Iist. 
Jetzt lebt Kapitän H. E. Raabe, der alte Raubhändler, 
in friedlichem Ruhestand in Jersey City im Staate New York. 
Oft versammeln Sich dort abends beim LampenSchein 
Freunde um ihn, um Seinen Spanhenden Erzählungen zu 
lauschen. Seinem Freund Jack London glückte es, den Alten 
zur NiedersSchrift Seines Lebens zu bewegen. Daraus ist Sein 
Schauerlich-Schönes Buch „Kannibalennächte“ geworden. Es 
iSt eins der letzten Seiner aussterbenden Gattung. Es erweckt 
eine romantische, oft menSchlich brutale und heute ver 
Schollene Welt zu neuem Spukhaften Leben. 
alte Onkel frißt didi uüdht. 
erzähl" was!“ 
Jetzt wandte der Bengel Sich mir zu und Sagle: 
„Ich habe keine Zeit, dir etwas zu erzählen. Deine Ge- 
SCHsMaft reizt mich nicht!“ 
Nun. dachte ih -- der Ben gel Ferligt dich ganz Schön ab. 
Keine Zeit hat er!... 
„Warum haben Sie eigentlimi keine Zeit?“ fragie id. 
„Was können Sie -- verzeihen Sie meine Neugier. ſür 
dringende Gesdhäfte haben?“ . 
Der Junge antwortete mir mit männlich-ernstem T'on: 
„Du wirst Roch vor der Zeit alt werden. wenn du Soviel 
missen wilist!“ 
HHatloh! denke ich, da bist du an den Richtigen geraten. 
„Na, ärgere dich nicht gleich“. besänftigie ih ihn. .ich 
alter. unnützer Greis möchte nun mal gerne WisSen. was 
für Gesdkäfte man in deinem jugendlichen Alter hat.“ 
„Ja“. Sagte er, „im habe Schr viel zu lun. Erstens in 
allerlei Kommissionen und Unterkommissionen, in Schüler- 
Sitzungen, Vorträgen und Sdcülerwahlen. in VF ersamim- 
lungen usw. Jetzt wird gleich ein Torfrag über Jugend- 
probieme im alten Griechenland gehalten werden: da muß 
im dabei Sein. Außerdem habe ich heute zwei Stunden Kör per- 
Küllur Für fünf Minuten hebe im mich frei gemacht. 
um ein bißchen aufzualmen: Sicher fluchen jelzt Schon die 
Mädels.die Man jka und die Katjuschka.daß ich nicht da bin!“ 
Der Junge zog jetzt eine Spitze hervor und begann zit 
rauchen. Er Spuckte dureh die Zähne wie ein Großer. 
Komm. Seiz dich her und 
winkle mir fühltig und heradblassend zu und ging davpoti. 
Oh, mein glücklimes Alier! Ich braüuüdhe nicht in die 
Sdiule zu gehen, im muß nichts über Jugend probleme im 
allen Griechenland hören. ich habe nichts mit Körperkultur 
- zu Schaffen. und auch die Mäanjka und die Katjuschka Sind 
nicht böse. weil ich nicht komme!... 
Aus dem RusSisSchen bon M. SestScher ko. 
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