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Arbeiter-Jugend - 22.1930 (22)

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Bibliographic data

fullscreen: Arbeiter-Jugend - 22.1930 (22)

Periodical

Persistent identifier:
027052486
Title:
Arbeiter-Jugend
Subtitle:
Monatsschrift der Sozialistischen Arbeiterjugend Deutschlands
Document type:
Periodical
Publisher:
Arbeiterjugendverl.
Place of publication:
Berlin
Language:
German
Collection:
Pädagogische Zeitschriften
ZDB-Nummer:
2176472-4
Access restriction:
Siehe Bände

Periodical volume

Persistent identifier:
027052486_0022
Title:
Arbeiter-Jugend - 22.1930
Shelfmark:
02 A 30 ; RF 641 - 647
Document type:
Periodical volume
Publication year:
1930
Collection:
Pädagogische Zeitschriften
Access restriction:
Open Access

Periodical issue

Title:
Heft 4
Document type:
Periodical
Structure type:
Periodical issue
Collection:
Pädagogische Zeitschriften
Access restriction:
Open Access

Article

Title:
Kultur und Leben
Subtitle:
2. Beilage der "Arbeiter-Jugend"
Document type:
Periodical
Structure type:
Article
Language:
German
Collection:
Pädagogische Zeitschriften
Link zum Katalog:
BBF0578585
Access restriction:
Open Access

Contents

Table of contents

  • Arbeiter-Jugend
  • Arbeiter-Jugend - 22.1930 (22)
  • Heft 1 (1)
  • Heft 2 (2)
  • Heft 3 (3)
  • Heft 4 (4)
  • Die große Kameradschaft
  • Was ist denn los bei euch?
  • Rundschau
  • Aus der Bewegung
  • Brief aus der Werkstatt
  • Über die Grenzen
  • Die Arbeitsgemeinschaft
  • Kultur und Leben
  • Heft 5 (5)
  • Heft 6 (6)
  • Heft 7 (7)
  • Heft 8 (8)
  • Heft 9 (9)
  • Heft 10 (10)
  • Heft 11 (11)
  • Heft 12 (12)

Full text

IG 
' in Esperanto verständigen könnten? 
ARBEITER-SUGEND NR. 4 
Unfreiheit und Gebundenheit mit der Freiheit der Selb- 
Ständigen, alleinstehenden Frau zu vertauschen. Kinder will 
Sie nicht zur Welt bringen, ihre eigene Kindheit gab ihr 
bereits diese Erkenntnis. Wir erleben darum die ergreifende 
Schilderung, wie Sie, als Sie Sich Schwanger fühlt, die Ab- 
reibung vornehmen läßt. Eine erSchütternde Anklage gegen 
cen 8 218! Auch zeigt Sie uns hier den Unterschied in dem 
gefühlsmäßigen Verstehen von Mann und Frau. 
Mit Spannung und Interesse leSsen wir diese Schilderung 
des Lebens der tapferen amerikanischen Frau, die den Ber 
ſreiungskampf der MensSchheit und ihres Geschlechts führt. 
Manche Betrachtung entspricht nicht ganz unserer Auf 
fſasSung von der Taktik des wirtschatftlichen und. politischen 
Kampfes der Arbeiterklasse. Wir müssen darin die große 
Verschiedenheit der wirtschaitlichen und politischen Ver 
hältnisse und damit im ZuSammenhang vor allem die völlig 
anders geartete theoretische Fundamentierung und Kampies* 
weise der Arbeiterbewegung JjensSeits des Ozeans gegen» 
über der europäisSchen erkennen. 
Besonders ist Agnes SmedleySs Lebensroman aber ein 
wertvoller Beitrag für die DiskusSsionen über die gegell- 
Schaftliche Stellung der Frau. Fern von aller Problematik 
und Verschleierung Schildert er die Verhältnisse, wie Sie in 
Wirklichkeit Sind. Mögen darum auch recht viele unserer 
Genossen und GenoSssinnen dieses wertvolle Buch lesen, um. 
dann mit derselben Klarheit die angeschnittenen Probleme 
zu behandeln, wie Sie Sich uns darstellen. 
Käic Fröhbrodt, 
Warum Esperanto? 
Genossen, habt ihr euch Schon einmal diese Frage vor-- 
gelegt? Sicher die wenigsten von euch, und doch könnt 
ihr fast täglich im Radio die „babylonische Verwirrung“ 
in den Sprachen feststellen. Ein internationaler Gedanken» 
austausch wird fast unmöglich gemacht, nur wegen der 
verSchiedenen Sprachen. Man muß Sich fast nur auf 
Musik beschränken, denn jeden Vortrag usw. erst Üüber- 
Setzen zu lassen, würde eine viel zu große Zeit in An- 
Spruch nehmen. Wir als Proletarier, die, Sobald wir die 
Schule verlassen haben, mithelfen müssen, um das tägliche 
Brot zu verdienen, Sind nicht in der Lage, höhere Schulen 
oder Universitäten zu besuchen, um dort unter vielen 
anderen Dingen auch Sprachen“ gelehrt zu bekommen. 
Für die Hörer aus Sogenannten besseren Kreisen macht es 
"nichts aus, ob ein Vortrag in englischer oder franzögiScher 
Sprache gehalten wird. Für die meisten von ihnen ist das 
Esperanto noch heute ein „SpaniSches Dorf“; äber nur des 
wegen, weil Sie ESsperanto nicht nötig haben. Doch auch 
viele von uns müssen zugeben, daß Sie vom Esperanto 
noch nichts gehört haben. Was nützen die internationalen 
Kongresse, die internationalen Jugendtage, wenn die Ein» 
heit in der Sprache fehlt? Jawohl, wir verstehen uns, wir 
fühlen miteinander, aber können doch uns unsSere Ge 
danken nur auf Umwegen mitteilen. Wie Schön muß es 
Sein, wenn alle GenoSsSinnen und GenossSen Sich in einer 
Sprache verstehen und unterhalten können! Wir brauchen 
nur. an einen -Esperantokongreß, Zz. B. den letzten in 
Leipzig zu denken, wo man Sich mit Genossen aus Frank 
reich, Algier, Italien usw. aussprechen Konnte. Dagegen 
auf dem Wiener Jugendtag war es fast unmöglich, Sich 
vermittels des ESperantos zu verstähndigen; nur ab und zu 
Sah man Genossen, die den grünen Stern trugen; wenn 
man Sich mit Genossen aus fremden Ländern unterhalten 
wollte, welche nicht esperantokundig waren, war das Ver- 
Stehen bald zu Ende. Ebenso war es bei den Ansprachen 
auf dem Heldenplatz, wo Reden in mehreren Sprachen 
gehalten wurden. Auch in der GedenkSchrift über die 
Wiener Tagung Sind verschiedensprachige Artikel ent- 
halten. Müßte das Sein, wenn alle Sich in einer Sprache, 
'Genossen, ihr Seht 
daraus, wie wichtig es ist, auch dem Esperanto etwas. Zeit 
 
zu widmen. Das Esperanto ist leicht, ist Sehr leicht im 
Verhältnis zu den nationalen Sprachen. Doch es gibt auch 
beim Esperanto, da es doch allen Völkern gerecht werden 
muß, gewisse Schwierigkeiten zu überwinden, die aber 
beim fleißigen Gebrauch bald Selbstverständlichkeiten wer- 
den. Die kurze Zeit, die ihr beim eifrigen Studium ver- 
wendet, wird euch reichliche Früchte bringen. 
Verschiedentlich werden bereits Kurse von SozialistiSchen 
Jugendgruppen abgehalten. Macht es ihnen nach, lernt, 
auf daß wir uns beim nächsten internationalen Sozialisti- 
Schen Jugendtag mit ausländiSchen Genossen nur noch 
mittels ESperanto zu verständigen brauchen. A. Moritz. 
ÜUnsere Osterwanderung 
„Komm her, aus deiner Schrankecke, du Ruckgsack, alter 
Wanderkamerad und Rückenreiber.“ Zimmbumm, wurde 
der Staub von ihm abgeklopft und gespickt mit Kuchen, 
Eiern, Brot, Wurst, Seife, Turnlalschen, Butter usw., daß er 
bäuchlings anschwoll wie ein Kriegs- und Inflations- 
gewinnier. Nun rücklings geschultert und -- los, 
Unsere Arbeilerjugend- und Rote-Falken-Gruppen strahl- 
ten aus in alle verfügbaren Himmelsrichtungen. Wir halten 
äen Ludwigstein aufs Korn genommen. Bis Helsa zockelten 
wir: mit der Bahn, von da an ging's per „hieße . wie der 
KasSeläner Sagt. 
Der Bilstein erlaubt einen weiten Blick über den Kaufung CT 
Wald, zu den von ihm umrahmten Dörfern, bis hin zur 
Werraebene und dem Meißner. Hier oben auf dem Turme 
war es nodh ziemlich Stürmisch. Der Lenzsturm faßte die 
Bäume und Sdchüttelle Sie kräftig. „He, aufgewacht!“ 
Gleichzeitig Schien er damit prüfen zu wollen, ob die Wald- 
rieSen nicht etwa innerlim Schwach und morsch und zu 
neuem Grünen unfähig Seien. Ein kühner, Schöpferischer 
Rebell ist der Lenz. Gehören wir nicht zusammen? 
Am Roten See führte unser Weg vorbei durch das Dorf 
Hausen, dessen Hausdächer weiß bedeckt Sind von dem 
wirbelnden Staub eines nahen Kalkwerkes. Audh die 
Bäume und. Siräucher tragen weiße Bezüge. 
Weiter ging's. Bald winkten die Zinnen des Ludwig- 
Steins, Auf der Burg war Hochkonjunktur. Jugendliche 
aus den verschiedensien Gegenden und aus Bünden ver- 
Schieaenster Richtungen. gaben Sich hier ein Stelldichein. 
Weit entfernt, daraus einen undefinierbaren Gesinnungs- 
Schrei entstehen zu lassen, diskutiert diese Jugend die ver- 
Schhiedenslen Meinungen. Sachlimie Führung des welt- 
änschaulichen Disputs, Verständnis der AuffasSung en 
Ändersgesinnter, Erkennung auch deren mensdhlich-harak- 
terliher Werte, zwingt zu gegenseitiger klärender Ver- 
liefung und Versachlichung der eigenen Meinung und zu 
zmingenderer Beweisführung. 
In der Küche war ein lustiges Kartoffelschälen, Kodien, 
Bruzzeln, Rühren und. Gesduirrklappern. Der Tagesraum 
wurde zum. Eßzimmer .und wehe, wenn die Gruppen- 
köchinnen oder -ködhe ein Gericht verzalzen oder anbrennen 
ließen, dann traten die Pflaumenauguste und Veräppelungs- 
fritzen auf den Plan -- aber gegessen wurde es «odch. 
Wandern Schafft Appetit, 
Nah dem EsSen kommen Fiedeln, Klam pfen und Sanges- 
freude zu ihrem Recht. Da meine Stiiame SOmwieso cher 
lau! als Schön zu nennen ist, deserlierte ich unbemerkt aus 
dem Kreise der .Jugendgenossinnen und Jugend genossen. 
Der zarie Schleier des Abendrotes über den Bergen war 
längst vershwunden. Leise fächelte der Wind und wiegte 
Zweige und GrasShaime in den Schlaf. Welcher Genuß, Sich 
SHI und allein der Dämonie des nächtlimmen Waldes [in- 
zugeben, den tiefen Atemzügen der Schlafenden Natur zu 
lauschen. Zwischen Wiesen und den Gevierten der Aecker 
funkelte drunten das Silberband der Werra und rundum 
auf den Bergen flammten die Osterfeuer. Von der Burg 
äber Schallte es: „Wir Sind jung und das ist 8hön ...“
	        

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