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Rheinischer Schulmann - 7.1889 (7)

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Bibliographic data

fullscreen: Rheinischer Schulmann - 7.1889 (7)

Periodical

Persistent identifier:
1002762790
Title:
Rheinischer Schulmann
Subtitle:
evangelische Zeitschrift für Erziehung und Unterricht in Schule und Haus
Document type:
Periodical
Publication year:
1883
Place of publication:
Neuwied {[u.a.]
Language:
German
Collection:
Religionspädagogische Zeitschriften
ZDB-Nummer:
2555164-4
Access restriction:
OPENACCESS

Periodical volume

Persistent identifier:
1002762790_07
Title:
Rheinischer Schulmann - 7.1889
Document type:
Periodical volume
Publisher:
Heuser
Publication year:
1889
Collection:
Religionspädagogische Zeitschriften
Access restriction:
OPENACCESS

Periodical issue

Title:
Heft VI
Document type:
Periodical
Structure type:
Periodical issue
Collection:
Religionspädagogische Zeitschriften
Access restriction:
OPENACCESS

Article

Title:
Die Beibehaltung der deutschen Schrift in der Volksschule
Subtitle:
(Schluß)
Author:
Friesicke, Fr. K. A.
Person in original:
von Fr. Friesicke, Rektor in Freienwalde a/O.
Document type:
Periodical
Structure type:
Article
Collection:
Religionspädagogische Zeitschriften
Link zum Katalog:
1002762790-07-1328716109878-46
Access restriction:
OPENACCESS

Contents

Table of contents

  • Rheinischer Schulmann
  • Rheinischer Schulmann - 7.1889 (7)
  • Title page
  • Title page
  • Inhalt des siebenten Jahrganges
  • Heft I (1)
  • Heft II (2)
  • Heft III (3)
  • Heft IV (4)
  • Heft V (5)
  • Heft VI (6)
  • Die Beibehaltung der deutschen Schrift in der Volksschule
  • Die physiologische oder medizinische Richtung der modernen Pädagogik
  • Der XIII. Rheinische Provinzial-Lehrertag in Wesel am 22., 23. und 24. April
  • Vermischtes
  • Beurteilung neuer Schriften
  • Neuigkeiten der pädagogischen Litteratur
  • Briefkasten
  • Heft VII (7)
  • Heft VIII (8)
  • Heft IX (9)
  • Heft X (10)
  • Heft XI (11)
  • Heft XII (12)

Full text

166 
Wieder ein neuer Zeitabschnitt in 
der Entwickelungsgeschichte der Schrift 
beginnt im Laufe des 14. Jahrhunderts, 
und es ist diese Zeit neben der karo 
lingischen die wichtigste in der ganzen 
Entwickelung der altrömischen Kursiv- 
zu unserer modernen Schreibschrift. 
Es gestaltet sich in dieser Zeit die 
Schrift immer eckiger, und wir er 
halten die Formen, die man nachmals 
als die gotische oder Mönchsschrift be 
zeichnet hat. 
Die Erfindung der Buchdruckerkunst 
im l5. Jahrhundert ist dann insofern 
von neuem epochemachend, als dies 
Jahrhundert für alle nachfolgenden 
Jahrhunderte bis zur Jetztzeit hin 
den Grund gelegt hat zu der seitdem 
dauernd gebliebenen Scheidung zwischen 
der sogenannten lateinischen oder eng 
lischen und der deutschen Druck- und 
Schreibschrift. Es kehrten nämlich die 
Humanisten des 15. Jahrhunderts zu 
der rundlicheren des 12. Jahrhunderts, 
also zu der karolingischen, aber nicht 
zu der altrömischen Schrift zurück, 
während daneben die gotische Schrift 
nicht nur in Gebrauch blieb, sondern 
sich stetig weiter verbreitete und auch 
ausbildete. So hat sich die deutsche 
Schrift, obwohl abgeleitet, doch mann 
haft und selbständig im Laufe der 
Jahrhunderte entwickelt. Ihre Ansänge 
liegen fast um ein Jahrtausend zurück 
und sind in den Umbildungen Alkuins 
zu suchen. Mit dem Erblühen der 
mittelhochdeutschen Dichtung wurde die 
Ausgestaltung der neuen Schrift vol 
lendet. Das 12. und 13. Jahrhundert 
sah die Fraktur in den Hauptsachen 
fertig. Johann Gutenberg bediente 
sich zur Ausführung seiner Drucke fast 
durchweg derselben Formen, wie sie 
den Schreibern vor ihm geläufig waren. 
Luthers Werke sind in keinem andern 
als deutschen Druck erschienen und 
haben gleichwohl die Welt erschüttert. 
Ihre künstlerische Vollendung für 
Hand wie Druck verdankt unsere Schrift 
Meister Albrecht Dürer. Leider hat 
man seine Bahnen verlassen und ist in 
späterer Zeit zu jener thörichten Über 
ladung durch eine Unzahl nebensäch 
licher Züge gelangt, unter deren Last 
i der Buchstabe selbst fast erdrückt ward. 
In der Neuzeit hat sich hierin jedoch 
ein entschiedener Fortschritt zur Verein 
fachung und damit zur größeren Klar 
heit und Deutlichkeit Bahn gebrochen. 
Dieser kurze historische Rückblick wird 
genügen, um erkennen zu lassen, was 
es mit dem Vorwurf der Nichtur 
sprünglichkeil unserer Schrift auf sich 
hat. Mit demselben Rechte können 
wir das von der so warm empfohlenen 
lateinischen Schrift sagen; auch sie ist 
keineswegs ursprünglich, sondern hat, 
abgeleitet von der griechischen, im Laufe 
der Jahrhunderte noch mancherlei Ver 
änderungen erfahren und müßte, wenn 
man genau in der Bezeichnung sein 
wollte, vielmehr die „karolingische" als 
die „lateinische" Schrift genannt wer 
den. 
Es bleibt vielleicht beklagenswert, 
daß die Runenschrift des alten Ger 
manentums verloren gegangen und für 
den Gebrauch des täglichen Lebens nicht 
ausgebildet worden ist; denn nur diese 
altheidnische Schrift hätte den Grund 
stock für eine deutsche Urschrift abgeben 
können. Das ist aber nun einmal 
nicht geschehen, man hat sich an fremde 
Zeichen gewöhnt, wie man ja auch im 
Herzen Deutschlands Jahrhunderte hin 
durch nur in lateinischer Sprache schrieb. 
Diese Zeiten sind, Gott Lob! vorüber 
und glücklicher Weise entwickelte sich, 
gleichzeitig mit dem Erblühen mittel 
hochdeutscher Dichtung auch wiederum 
eine eigentümliche deutsche Schrift, ein 
Ersatz, wenn auch nur ein geringer, 
für das, was uns verloren gegangen 
war. Und diesen neuen Schatz wollen 
wir hüten und pflegen, damit man ihn 
uns und unserm Volke nicht entreiße. 
2. Es wird behauptet, die Formen 
unserer deutschen Schrift seien weder 
einfach noch schön. Wir erkennen un- 
! umwunden an, daß einzelne unserer 
■ Schreibbuchstaben — und noch mehr 
I gilt dies von dem Schnitt gewisser 
| Druckbuchstaben —, sowohl der Schön- 
| heit wie der Einfachheit ermangeln. 
Besonders in früheren Zeiten konnte 
i man der Schnörkel nichl genug haben, 
wodurch die Grundformen bis zur Un 
kenntlichkeit entstellt und aller Schönheit
	        

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