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Rheinischer Schulmann - 7.1889 (7)

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Bibliographic data

fullscreen: Rheinischer Schulmann - 7.1889 (7)

Periodical

Persistent identifier:
1002762790
Title:
Rheinischer Schulmann
Subtitle:
evangelische Zeitschrift für Erziehung und Unterricht in Schule und Haus
Document type:
Periodical
Publication year:
1883
Place of publication:
Neuwied {[u.a.]
Language:
German
Collection:
Religionspädagogische Zeitschriften
ZDB-Nummer:
2555164-4
Access restriction:
OPENACCESS

Periodical volume

Persistent identifier:
1002762790_07
Title:
Rheinischer Schulmann - 7.1889
Document type:
Periodical volume
Publisher:
Heuser
Publication year:
1889
Collection:
Religionspädagogische Zeitschriften
Access restriction:
OPENACCESS

Periodical issue

Title:
Heft VIII
Document type:
Periodical
Structure type:
Periodical issue
Collection:
Religionspädagogische Zeitschriften
Access restriction:
OPENACCESS

Article

Title:
Die Individualität des Menschen und die Bildung des Gedankenkreises
Author:
Emme, W.
Person in original:
von Lehrer W. Emme in Homburg
Document type:
Periodical
Structure type:
Article
Collection:
Religionspädagogische Zeitschriften
Link zum Katalog:
1002762790-07-1328716109977-62
Access restriction:
OPENACCESS

Contents

Table of contents

  • Rheinischer Schulmann
  • Rheinischer Schulmann - 7.1889 (7)
  • Title page
  • Title page
  • Inhalt des siebenten Jahrganges
  • Heft I (1)
  • Heft II (2)
  • Heft III (3)
  • Heft IV (4)
  • Heft V (5)
  • Heft VI (6)
  • Heft VII (7)
  • Heft VIII (8)
  • Die Individualität des Menschen und die Bildung des Gedankenkreises
  • Die Lehre vom Gebrauch der großen Anfangsbuchstaben in den Anweisungen für die hochdeutsche Rechtschreibung
  • Zur Frage der Schulorganisation
  • Reiheschulen und Reihetische besonders in Ostfriesland und in der Altmark
  • Nachrichten und Vermischtes
  • Beurteilung neuer Schriften
  • Neuigkeiten der pädagogischen Litteratur
  • Kaiser Wilhelms Standbild
  • Briefkasten
  • Anzeigen
  • Heft IX (9)
  • Heft X (10)
  • Heft XI (11)
  • Heft XII (12)

Full text

234 
Massen, in ihrer Beweglichkeit und Ver 
bindung seinen Sitz. Was nicht vor 
gestellt wird, ist auch gar nicht für 
uns vorhanden. Jedes Gefühl, jede 
Empfindung, jeder Zustand des Geistes 
muß, wenn sie als solche auftreten, 
zum Bewußtsein kommen, Vorstellung 
werden; sonst wissen wir nichts von 
ihnen und kennen sie nicht. Die ganze 
Regsamkeit, Leichtigkeit und Gewandt 
heit des Geistes hängt von der Aus 
bildung der Vorstellungen ab; denn 
auch alle Bewegungen des Körpers 
müssen anfänglich mit Bewußtsein, mit 
einem bestimmten Vorstellen, das Weg 
und Ziel einer Bewegung als Bild 
entwirft, vollzogen werden, bis sie zu 
letzt durch viele Übung zu etwas Me 
chanischem werden. 
Daher scheint denn alles Wollen aus 
der Erkenntnis zu beruhen; der Mensch 
weiß vorher, was er will, und durch 
sein Wissen bestimmt er seinen Weg, 
den er gehen will. Darnach bestände 
das Wesen des Menschen in einer 
Seele, die ursprünglich sich als ein er 
kennendes, als ein denkendes Wesen 
offenbare und erst infolge davon trete 
sie auch als ein wollendes auf. Die 
Seele erzeuge zuerst Vorstellungen, 
welche dann in ein bestimmtes Streben 
übergehen und also zu Begehrungen 
werden; aber Trieb, Streben und 
Wollen wäre erst in und mit den 
Vorstellungen gegeben. Darnach wäre 
die Erkenntnis, das Primäre und der 
Wille nur sekundärer Natur. So ist 
der Wille wohl gar als ein Denkakt 
betrachtet morden, und alles, was der 
Mensch ist, wäre er demzufolge durch 
seine Erkenntnis geworden. Von einer 
bestimmten Anlage und Richtung seines 
Wesens von vornherein (a priori) 
könnte keine Rede sein; sein Wesen 
hätte allein die Fähigkeit, sich in den 
Lichtzustand des Bewußtseins zu ver 
setzen, Vorstellungen zu erzeugen. Ver 
mittelst dieser erkenne er die Dinge in 
der Welt, wonach er erst seine Wahl 
treffe. Diejenigen Dinge, welche er 
als gut erkenne, würoe er zum Gegen 
stand seines Strebens machen. Ur 
sprünglich aber könnte keine gewisse 
Neigung vorhanden sein; erst durch 
einen Gegenstand, der nur in der Vor 
stellung gegeben ist, könnte ein Streben, 
ein Hinneigen zu etwas entstehen, da 
Streben, Neigung nur als Art und 
Weise des Wirkens der Vorstellungen 
aufzufassen seien, aber nichts neben 
und außer denselben seien. Dann würde 
auch der Mensch immer erst beschließen, 
wenigstens vorstellen, so oder so zu 
handeln. Sein Handeln würde nur 
von seinem Erkennen abhängen. Nach 
der Vorstellung und Erkenntnis über 
lege er, wie er sein wolle und er wäre 
es; er wolle dann in Gemäßheit des 
Erkennens. Dann wäre der Mensch 
sein eigenes Werk im Lichte der Er 
kenntnis. Dies müßte uns auch zu der 
Ansicht führen, daß die Tugend durch 
Kenntnisse zu lehren sei, wie die Stoi 
ker zum Teil behaupteten. Die Er- 
I ziehung des Kindes würde darnach durch 
Mitteilung von Kenntnissen aufs beste 
besorgt; der Unterricht hätte es in 
seiner Macht, den Willen so oder so 
zu bestimmen. Durch die rechte Aus 
bildung der Erkenntnis wäre die Ge 
währ für das Gedeihen eines guten 
Charakters gegeben, und bei jeder Ver 
derbtheit desselben müßte der Grund 
in dem Mangel an intellektueller Bil 
dung gesucht werden. Die ganze Er- 
i ziehung müßte es alsdann als ihre 
; Hauptaufgabe ansehen, daß der Ge 
dankenkreis tüchtig ausgebildet werde, 
daß hier alles richtig an seinem Platze 
stehe, nichts als beschwerliche Masse 
die innere Beweglichkeit und Gewandt 
heit hindere, daß sich alles rasch und 
geläufig auf einander beziehe. Für 
den „Vorrat zu allem Maschinenwerk 
der Klugheit" trifft dies gewiß zu. 
Denn das egoistische Interesse ist ja 
von Natur reichlich vorhanden, es ver 
bindet sich mit der Ausbildung und 
Richtung der Vorstellungen, so daß der 
Mensch seinen Weg im Leben zu fin 
den weiß, wenn nicht Stumpfsinn oder 
i Leidenschaften die Erkenntnis verdun 
keln. Wollen wir also auch die Tu 
gend, den sitttlichen Charakter in die 
Ausbildung der Erkenntnis verlegen? 
Es wäre allerdings etwas Großes, 
wenn der Erzieher den Menschen so 
durch den Gedankenkreis nach den besten
	        

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