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Rheinischer Schulmann - 7.1889 (7)

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Bibliographic data

fullscreen: Rheinischer Schulmann - 7.1889 (7)

Periodical

Persistent identifier:
1002762790
Title:
Rheinischer Schulmann
Subtitle:
evangelische Zeitschrift für Erziehung und Unterricht in Schule und Haus
Document type:
Periodical
Publication year:
1883
Place of publication:
Neuwied {[u.a.]
Language:
German
Collection:
Religionspädagogische Zeitschriften
ZDB-Nummer:
2555164-4
Access restriction:
OPENACCESS

Periodical volume

Persistent identifier:
1002762790_07
Title:
Rheinischer Schulmann - 7.1889
Document type:
Periodical volume
Publisher:
Heuser
Publication year:
1889
Collection:
Religionspädagogische Zeitschriften
Access restriction:
OPENACCESS

Periodical issue

Title:
Heft VIII
Document type:
Periodical
Structure type:
Periodical issue
Collection:
Religionspädagogische Zeitschriften
Access restriction:
OPENACCESS

Article

Title:
Die Individualität des Menschen und die Bildung des Gedankenkreises
Author:
Emme, W.
Person in original:
von Lehrer W. Emme in Homburg
Document type:
Periodical
Structure type:
Article
Collection:
Religionspädagogische Zeitschriften
Link zum Katalog:
1002762790-07-1328716109977-62
Access restriction:
OPENACCESS

Contents

Table of contents

  • Rheinischer Schulmann
  • Rheinischer Schulmann - 7.1889 (7)
  • Title page
  • Title page
  • Inhalt des siebenten Jahrganges
  • Heft I (1)
  • Heft II (2)
  • Heft III (3)
  • Heft IV (4)
  • Heft V (5)
  • Heft VI (6)
  • Heft VII (7)
  • Heft VIII (8)
  • Die Individualität des Menschen und die Bildung des Gedankenkreises
  • Die Lehre vom Gebrauch der großen Anfangsbuchstaben in den Anweisungen für die hochdeutsche Rechtschreibung
  • Zur Frage der Schulorganisation
  • Reiheschulen und Reihetische besonders in Ostfriesland und in der Altmark
  • Nachrichten und Vermischtes
  • Beurteilung neuer Schriften
  • Neuigkeiten der pädagogischen Litteratur
  • Kaiser Wilhelms Standbild
  • Briefkasten
  • Anzeigen
  • Heft IX (9)
  • Heft X (10)
  • Heft XI (11)
  • Heft XII (12)

Full text

235 
Absichten zu bilden vermöchte. Aber 
woher die große Verschiedenheit unter 
den in der Bildung begriffenen und 
ausgebildeten Zöglingen, daß nicht zwei 
einander gleichen, wenn sie auch den 
selben Unterricht genoffen haben und 
in derselben Umgebung herangewachsen 
sind? Ist die menschliche Individualität 
ein Ergebnis der äußern Naturumge 
bung, der verschiedenen Lebensumftände 
und der Erziehung, oder hat sie ihren 
letzten Grund in der Verschiedenheit 
der Anlagen resp. der Eigenart der 
Seele? Der große geistige Unterschied 
unter den Menschen ist eine gar nicht 
wegzuleugnende Thatsache, und alles 
Unternehmen, den Menschen irgend 
einem beliebig festgesetzten und ohne 
Berücksichtigung der Individualität auf 
gestellten Ziel der Ausbildung entgegen 
zuführen, muß fehlschlagen. 
Denn kein Mensch gleicht dem an 
dern. Trotz desselben Unterrichts und 
der gleichen Umgebung nimmt jeder 
einen besonderen Inhalt und Erfah 
rungskreis seines Bewußtseins auf. 
Indem wir die Individualität eines 
Menschen betrachten, müssen wir auf 
alles das unser Augenmerk richten, 
was sich uns in der Erfahrung von 
dem Individuum darbietet, und dieses 
auf seinen letzten Grund und seine 
Ursache zurückführen. Wir können uns 
die Individualität nicht anders vor 
stellen, als daß wir auf den Inhalt 
des bewußten Lebens blicken; die be 
wußten Gedanken und Strebungen 
werden wir als die Erscheinung der 
Individualität ansehen. Was uns aber 
hier vorliegt und gegeben ist, das haben 
wir vom Anfang des Bewußtseins an 
im Leben erworben. Die innere Wahr 
nehmung blickt auf Gedanken, Streben 
und Fühlen und insofern lehrt sie 
jeden, wer er sei. Aber diesen Inhalt j 
des Bewußtseins lernen wir als einen ! 
eigenartigen und besondern kennen, der 
nur in diesem Individuum diese Rich 
tung und Stärke hat. Jeder besitzt 
sein Eigenartiges. Von seiner Indivi 
dualität kann keiner abstrahieren. Je 
dermann findet sich in dem Inhalt 
seines Bewußtseins völlig bestimmt 
und unterschieden von andern, und I 
fragt man ihn, wer er sei, so nennt 
er Namen, Stand rc. und faßt damit 
dies Bestimmte zusammen. Wenn wir 
von uns selbst reden, so haben wir 
unsere durch die Erfahrung bestimmte 
| Individualität vor Augen. Die Zu 
stände und Erfahrungen unseres Lebens 
betrachten wir nicht als etwas Zufälli 
ges, das auch fehlen könnte, so daß 
wir dennoch dieselben blieben. Gerade 
in diesen Umständen bildete sich die 
Persönlichkeit als ein Einheitspunkt und 
Subjekt, dem alle die individuellen Be 
stimmungen anhaften. Alles Erlebte fas 
sen wir als ein Vorstellen zusammen. 
Die Vorstellung unserer selbst hängt 
freilich ab von der Vorstellung der 
Objekte; wir beziehen uns auf diesel 
ben. Es ist aber die eigene innere 
Thätigkeit des einen unteilbaren 
Wesens, die durch das Vorstellen der 
Objekte erregt wird. Wie wir uns 
diese angeeignet haben, wie unser 
Streben und Gefühl dabei lebendig 
ward, das ist unsere besondere Thä 
tigkeit, die mit der eines andern nie 
gleich ist. Mögen daher die Objekte 
und Umstände auch dieselben sein, die 
Erregung dieser Thätigkeit ist bei den 
verschiedenen Personen nicht dieselbe. 
| Aber auf die bestimmte Beziehung aller 
Erfahrungen auf den absoluten Ein 
heitspunkt wird unser Augenmerk ge- 
, richtet. Läge hier nicht ein ganz be 
stimmtes Subjekt zugrunde, eine für 
sich bestehende Einheit, wie sollte all 
das Vielerlei, was wir erleben, ein so 
I einheitliches Ichbewußtsein hervorbrin- 
| gen? Es wäre undenkbar, daß aus 
dem Vielerlei der Objekte und Erleb 
nisse eine solche abgeschloffene Einheit, 
wie es das bestimmt individuell ge 
färbte Ich ist, entstehen sollte, wenn 
hier keine Einheit von vornherein zu 
grunde läge. Diese Einheit kann gar 
nicht in den Objekten liegen, vielmehr 
erwacht die Eigenart unseres Wesens 
an denselben; in ihnen finden wir uns 
selbst. Was wir sind, was wir können 
und nicht können, das ergiebt sich erst 
in unsern Erfahrungen. In denselben 
beweisen wir erst für uns und andere, 
ob wir vernünftig oder thöricht, ob 
wir schwach oder stark sind. 
16*
	        

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