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Rheinischer Schulmann - 7.1889 (7)

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Bibliographic data

fullscreen: Rheinischer Schulmann - 7.1889 (7)

Periodical

Persistent identifier:
1002762790
Title:
Rheinischer Schulmann
Subtitle:
evangelische Zeitschrift für Erziehung und Unterricht in Schule und Haus
Document type:
Periodical
Publication year:
1883
Place of publication:
Neuwied {[u.a.]
Language:
German
Collection:
Religionspädagogische Zeitschriften
ZDB-Nummer:
2555164-4
Access restriction:
OPENACCESS

Periodical volume

Persistent identifier:
1002762790_07
Title:
Rheinischer Schulmann - 7.1889
Document type:
Periodical volume
Publisher:
Heuser
Publication year:
1889
Collection:
Religionspädagogische Zeitschriften
Access restriction:
OPENACCESS

Periodical issue

Title:
Heft VIII
Document type:
Periodical
Structure type:
Periodical issue
Collection:
Religionspädagogische Zeitschriften
Access restriction:
OPENACCESS

Article

Title:
Die Individualität des Menschen und die Bildung des Gedankenkreises
Author:
Emme, W.
Person in original:
von Lehrer W. Emme in Homburg
Document type:
Periodical
Structure type:
Article
Collection:
Religionspädagogische Zeitschriften
Link zum Katalog:
1002762790-07-1328716109977-62
Access restriction:
OPENACCESS

Contents

Table of contents

  • Rheinischer Schulmann
  • Rheinischer Schulmann - 7.1889 (7)
  • Title page
  • Title page
  • Inhalt des siebenten Jahrganges
  • Heft I (1)
  • Heft II (2)
  • Heft III (3)
  • Heft IV (4)
  • Heft V (5)
  • Heft VI (6)
  • Heft VII (7)
  • Heft VIII (8)
  • Die Individualität des Menschen und die Bildung des Gedankenkreises
  • Die Lehre vom Gebrauch der großen Anfangsbuchstaben in den Anweisungen für die hochdeutsche Rechtschreibung
  • Zur Frage der Schulorganisation
  • Reiheschulen und Reihetische besonders in Ostfriesland und in der Altmark
  • Nachrichten und Vermischtes
  • Beurteilung neuer Schriften
  • Neuigkeiten der pädagogischen Litteratur
  • Kaiser Wilhelms Standbild
  • Briefkasten
  • Anzeigen
  • Heft IX (9)
  • Heft X (10)
  • Heft XI (11)
  • Heft XII (12)

Full text

236 
So kommen wir durch die Umstände 
im Leben zu uns selbst. Die ganze 
Individualität ergiebt nun, wie schon 
angedeutet, eine streng geschlossene Ein 
heit. Dadurch werden wir auf ein 
Subjekt geführt, an welchem alle die 
individuellen Bestimmungen haften. 
Was wird dies Subjekt sein? Ein 
einheitliches Wesen ist es auf jeden 
Fall. Wir können Herbart ohne 
weiteres beistimmen, daß „die Seele 
eine einfache Substanz sei", 
mag auch der Begriff „Substanz" da 
bei noch dunkel bleiben. Das thut 
nichts zur Sache. Auch dies, daß „die 
Vorstellungen nichts von außen Auf 
genommenes enthalten, aber daß sie 
unter äußern Bedingungen erzeugt 
und eben so wohl von diesen als von 
der Natur der Seele selbst, ihrer Qua 
lität nach bestimmt werden", wird man 
wohl nicht widerlegen können Dazu 
sei noch folgender Satz angeführt: 
„Es bleibt aber wahr, daß die Seele 
nicht Vorstellungen von außen be 
kommt, sondern sie innerlich er 
zeugt, jedoch nur als Lelbsterhaltun- 
gen, die sich nach Störungen (mittel 
bar durch Sinnesorgane) richten." Was 
nun die Selbsterhaltungen anbelangt, 
so sind sie nur „vervielfachte Ausdrücke 
für die innere, eigne Qualität der 
Seele." Die „innere Qualität der 
Seele ist aber völlig unbekannt." Wer 
will auch dieses Wesen, das mit seinen 
letzten Gründen in der Ewigkeit wur 
zelt, je ergründen? Wir wüßten in der 
That nicht, welch ein anderer Seelen 
begriff wissenschaftlicher Systeme bester 
mit unserm christlichen Glauben har 
moniere. Was nun aber die Anlagen 
der Seele betrifft, so wird dies noch 
näher zur Erörterung kommen. 
Daß die Menschen in Rücksicht auf 
geistige Begabung die größte Verschie 
denheit und Mannigfaltigkeit zeigen, 
diese Ansicht liegt als Voraussetzung 
und auch ausgesprochen der Herba rt'- 
schen Pädagogik sowie der Ethik zu 
grunde. Es soll die Individualität 
hervortreten, damit der einzelne nicht 
als bloßes Exemplar neben der Gat 
tung verschwinde; denn es ist für die 
Menschheit vom größten Vorteil, daß 
für die verschiedenen Richtungen des 
Lebens sich auch verschiedene bereiten 
und bestimmen. Beruht doch das Kul 
tursystem der Ethik auf der Mannig 
faltigkeit der Individualitäten. Des 
halb hat die Pädagogik sich mit der 
Individualität auseinander zu setzen und 
kann sie gar nicht umgehen; Unterricht 
und Erziehung haben es beständig mit 
ihr zu thun. Und diesen ist es gar 
nicht gleichgültig, ob ihnen hier eine 
Naturanlage entgegentritt oder ob diese 
Mannigfaltigkeit der Geister bloß ein 
Ergebnis von äußeren Faktoren ist; 
diese könnten sie mehr nach ihrem Sinn 
lenken, während sie mit jener immer 
zu rechnen haben und die sie nicht 
umändern können. Daher kann die 
Ausbildung nie allein ein bloßes Er 
gebnis der Vorstellungsbildung sein; 
aus dem Jnuern des vorbewußten 
Seelenlebens wird immer ein Faktor 
hervortreten, der die jedesmalige Vor 
stellungsbildung beeinflußt und modi 
fiziert, diese Richtung begünstigt und 
auf jene nicht eingeht. 
Diese aus dem Innern entspringende 
Individualität ist auch von Herbart 
namentlich in der allgemeinen Päda 
gogik ihrem Wesen nach näher ange 
deutet. Vorstellungen, in welchen der 
Wille und Entschluß vor sich geht, sind 
im Bewußtsein; „aber die Individua 
lität ist unbewußt." Sie ist „die 
dunkle Wurzel" aus welcher das Ver 
schiedene und Eigene der Menschen 
hervorsprießt. So bringt sie aus der 
unbewußten Region der Seele etwas 
hinzu, das offenbar die Art und Weise 
des Vorstellungsverlaufes beeinflußt; 
denn was daraus hervorkommt, muß 
sich im bewußten Leben äußern, oder 
es bildete überhaupt keinen Bestandteil 
des Geistes. Aus „der Tiefe" der 
Individualität „gehen immer andere 
und neue Einfälle und Begehrungen 
hervor", sodaß sie dadurch in Gegensatz 
gegen die Konsequenz des ausgebildeten 
Charakters tritt; das Verhältnis zwi 
schen diesem und ihr äußert sich un 
vermeidlich durch Kampf. Denn im 
Charakter sind es die klar bewußten 
Maximen, die oft eine andere Richtung 
vorschreiben, als wohin die Begehrun-
	        

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