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Medizinisch-pädagogische Umschau - 1.1925 (1)

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Bibliographic data

fullscreen: Medizinisch-pädagogische Umschau - 1.1925 (1)

Periodical

Persistent identifier:
1003904343
Title:
Medizinisch-pädagogische Umschau
Document type:
Periodical
Publication year:
1925
Place of publication:
Bochum
Language:
German
Collection:
Religionspädagogische Zeitschriften
ZDB-Nummer:
2560805-8
Access restriction:
OPENACCESS

Periodical volume

Persistent identifier:
1003904343_1
Title:
Medizinisch-pädagogische Umschau - 1.1925
Document type:
Periodical volume
Publication year:
1925
Collection:
Religionspädagogische Zeitschriften
Access restriction:
OPENACCESS

Periodical issue

Title:
Nummer 2-3
Document type:
Periodical
Structure type:
Periodical issue
Collection:
Religionspädagogische Zeitschriften
Access restriction:
OPENACCESS

Miscella

Title:
An die deutschen Pädagogen!
Author:
Kl., ...
Person in original:
Kl.
Document type:
Periodical
Structure type:
Miscella
Collection:
Religionspädagogische Zeitschriften
Link zum Katalog:
1003904343-1-1373610971947-2
Access restriction:
OPENACCESS

Contents

Table of contents

  • Medizinisch-pädagogische Umschau
  • Medizinisch-pädagogische Umschau - 1.1925 (1)
  • Nummer 2-3 (2-3)
  • An die deutschen Aerzte!
  • Die Professoren der Medizin an deutschen Hochschulen
  • An die deutschen Pädagogen!
  • Zu dem internationalen Kongreß für psychische Hygiene
  • Einiges über "Gehirngrippe" und ihre Folgen
  • Einige "frische Fälle"
  • Medizin -Pädagogik - Caritas
  • Pflichtgemäße Leibesübungen an den Universitäten und Hochschulen
  • Mene! - Tekel!
  • Der "Weiße Tod"
  • Merkblatt der Landesversicherungsanstalt Rheinprovinz in Düsseldorf für tuberkulose bedrohte Kinder
  • Bin ich tuberkulös?
  • Reichsgesundheitswoche
  • Deutscher Ärztebund zur Förderung der Leibesübungen
  • Nummer 4 (4)

Full text

SEITE 2 
-- MEDIZINISCH-PÄDAGOGISCHE UMSCHAU x 
NR. 2-3 
An die deutschen Pädagogen! 
Die Funkzeichen durchzucken das Meer, wenn Menschen 
leben in Seenot sind. Auch dieser Aufruf ist ein Mahn- und 
Hilferuf von den höchsten akademischen Wächtern der Volks 
gesundheit; und sicherlich ist die Gefahr nicht gering zu 
achten, wenn diese Männer, die ernst und klar nach Tat- 
sacnen zu urteilen gewohnt sind, ihre mahnende Stimme er 
heben. Ich glaube nicht, dak diese Männer Fanatiker sind, 
die das ehrliche Glas Bier nach ehrlicher Arbeit, oder den 
Becher Wein in Festesstimmung verdammen. Ihr Kampf gilt 
vielmehr dem gewohnheitsmäßigen, sinnlosen Schlemmer und 
dem gesellschaftlichen Schlendrian, dem Verbrauch von 
Alkohol und Tabak zur Unzeit und im Uebermaß. Wir sehen 
Zu dem internationalen Kongreß 
für psychische Hygiene. 
Von Professor Dr. Sommer, Geh. Med.-Rat in Gießen. 
ln der Geschichte der Wissenschaften tritt hervor, daß 
die psychischen Vorgänge immer viel später zum Gegenstand 
der Forschung werden als die körperlichen. Während zum 
Beispiel die Physik und Astronomie schon längst auf den 
Boden der Erfahrung und des Experimentes gestellt waren, 
hat sich die beobachtende Psychologie erst ganz allmählich 
seit dem 18. Jahrhundert entwickelt und ist, nach mehrfachen 
Rückschlägen, erst im Laufe des vorigen Jahrhunderts bis zur 
Gegenwart zu einer selbständigen Wissenschaft geworden. 
ln ganz ähnlicher Weise ist die Entwicklung im Gebiete 
der Medizin vor sich gegangen, in der lange Zeit das Körper 
liche im Vordergrund gestanden hat, während die Bedeutung 
des Psychischen erst in neuerer Zeit auf dem Boden der 
wissenschaftlichen Psychologie anerkannt worden ist. Dabei 
zeigt sich auch hier eine eigenartig stoßweise eintretende 
Aenderung; zum Beispiel war, wenigstens in Deutschland, 
am Ende des 16. Jahrhunderts zum Teil eine bessere Irren 
pflege vorhanden als während und infolge des 30jährigen 
Krieges im 17. Auch war die Betonung des Psychischen in 
der Zeit unserer klassischen Literatur stärker als im vorigen 
Jahrhundert bis zur Ausbildung der experimentellen Psycho 
logie durch F e ch n e r und W u n d t. Audi innerhalb der 
Psychiatrie hat sich die psychologische Richtung gegenüber 
der rein anatomischen, die vielfach zu einem geistlosen Ma 
terialismus gelangt war, durchgeseßt. Am deutlichsten zeigt 
sich der Entwicklungsgang in bezug auf die Einführung der 
Psychiatrie in das medizinische Staatsexamen. Diese ist in 
Deutschland verhältnismäßig spät erfolgt, während bestimmte 
Teilfächer der körperlichen Medizin, zum Beispiel die Augen 
heilkunde, längst im Staatsexamen geprüft wurden. Immer 
kommt das Psychische in der Entwicklungsreihe der Wissen 
schaften, und leider auch in der Organisation des praktischen 
Lebens, zuleßt. 
So ist es auch bei der Ausbildung der Hygiene ge 
gangen, die lange Zeit in einseitiger Weise auf das Körper 
teile gerichtet war. Dann kam die besondere Wendung, 
welche" die allgemeine Gesundheitspflege in der Rassen 
hygiene genommen hat. Erst allmählich ist in diesem Gebiet 
auch das Problem der geistigen Gesundheit hervorgelreten. 
Aber zu der Schaffung einer selbständigen psychi- 
s ch e n Hygiene war auch dann noch ein langer Weg. 
Seit 2Vi Jahrzehnten war ich bemüht, eine solche zu schaffen. 
Hieraus entsprangen die Schriften über die öffentlichen 
Schlaf- und Ruhehallen, ferner eine Reihe von Einrichtungen, 
die ich an der Universität Gießen in Form von Gartenanlagen 
sowie eines Turn- und Spielplatzes zu schaffen gesucht habe. 
Allen diesen Einrichtungen lag ein bestimmtes Prinzip, 
nämlich eine Verbindung von Ruhe und Bewegung als 
Mittel der p s y ch i s ch c n Hygiene, zugrunde. 
Dabei bildete die Psychophysik der Leibesübungen sowie die 
methodische Untersuchung von Ermüdung und Erholung die 
ja alle, wie die große Masse der Allzuvielen gedankenlos, 
seelisch roh und unreif Geld und Gut verschleudert und ver 
tut, und wie Geschäftskreise, denen soziales Gefühl erman 
gelt, diesem Treiben skrupellos Vorschub leisten. Geben 
wir den Mahnruf der deutschen Hochschullehrer weiter, 
auch in die Reihen der Pädagogen, die die Heget 
und Führer der Jugend sein sollen, und sorgen wir dafür, daß 
die ernsten Tatsachen und Vorhaltungen allen erreichbaren 
Kreisen und Presseorganen zugängig gemacht werden! Fs 
gilt das deutsche Ansehen! — die deutsche Kultur und Ge 
sundheit! — das deutsche Kind! Kl. 
wissenschatliche Grundlage, wie ich dies in der Schrift über 
die körperliche Erziehung der deutschen Studentenschaft 1916 
dargestellt habe. 
Die Wirkung, welche diese Bestrebungen auf die Fach 
organisationen innerhalb der Hygiene und Psychiatrie hatten, 
war gering. Erstere mußte das Auftreten einer selbständigen 
psychischen Hygiene als eine Art von Konkurrenz betrachten, 
letztere war auf andere, mir weniger wichtige Dinge ein 
gestellt, so daß ich mit meinen Forderungen ziemlich allein 
stand. Allerdings wurde mein Plan einer öffentlichen Sdilaf- 
und Ruhehalle zum ersten Male bei der Hygieneausstellung 
in Dresden 1911 durchgeführt, aber seitdem ist diese nach 
meiner Ueberzeugung sozial wichtige Bestrebung weder von 
den hygienischen noch von den psychiatrischen Fachorgani 
sationen irgendwie gefördert worden. 
Die schon vor dem Kriege in Deutschland stockende Be 
wegung ist durch diesen und durch die Ereignisse nach dem 
selben völlig in den Hintergrund gedrängt worden. Unter 
dessen ist sie jedoch in anderen Ländern, besonders in 
Amerika und F r a n k r e i ch , rasch vorgeschritten und 
hat zu selbständigen Vertretungen der psychischen Hygiene 
geführt. >n dem Aufsatz „Die Organisation der psychischen 
Hygiene besonders in Deutschland“ habe ich in der Klinischen 
Wochenschrift in Berlin, 3. Jahrgang, Nr. 42, diesen Vorgang 
dargestellt, Auch literarisch ist die psychische Hygiene in 
den genannten Ländern vertreten. Seit 1921 erscheint das 
Bulletin de la Ligue d’Hygiene mentale, seit 1923 das Mental 
Hygiene Bulletin. Der französischen Ligue d’Hygiene Mental 
entspricht in den Vereinigten Staaten von Nordamerika das 
National Committee for Mental Hygiene. Außerdem hat sich 
ein internationales Komitee für geistige Hygiene gebildet, 
dessen Obmann William H. W e 1 ch, Generalsekretär 
Clifford W. B e e r s ist, der außerordentliche Verdienste um 
die Ausbildung der psychischen Hygiene hat. 
Es soll nun, wahrscheinlich 1926, der erste internationale 
Kongreß für psychische Hygiene in Newyork stattfinden, 
für den ein Organisationskomitee gebildet worden ist. in dem 
Deutschland durch den Verfasser dieses Aufsatzes vertreten 
ist. Weitere Mitteilungen darüber werden erfolgen. Ich 
möchte jedoch durch diese Darstellung schon jetzt die Auf 
merksamkeit der hygienisch interessierten Kreise auf diesen 
internationalen Kongreß lenken, bei dem zum ersten Male in 
dieser Form die psychische Hygiene selbständig zum Aus 
druck kommen soll. 
Einiges über «Gehirngnppe» und ihre 
Folgen. 
Von Dr. Hege mann und Rektor Sommer- Essen, 
Franz-Sales-Haus. 
(Schluß.) 
Alle Handlungen der Kinder tragen den Charakter des 
zwangsläufigen Hemmungslosen, wie es folgendes Beispiel 
zeigt; 
Das bei der Krankheit häufig auftretende Durstgefüh! führt 
ein intellektuell nicht geschädigtes Mädchen von 10—11 Jahren 
dazu, einfach Klosettwasser zu trinken, wenn nicht gleich an-
	        

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Medizinisch-Pädagogische Umschau - 1.1925. 1925.
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