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Medizinisch-pädagogische Umschau - 1.1925 (1)

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Bibliographic data

fullscreen: Medizinisch-pädagogische Umschau - 1.1925 (1)

Periodical

Persistent identifier:
1003904343
Title:
Medizinisch-pädagogische Umschau
Document type:
Periodical
Publication year:
1925
Place of publication:
Bochum
Language:
German
Collection:
Religionspädagogische Zeitschriften
ZDB-Nummer:
2560805-8
Access restriction:
OPENACCESS

Periodical volume

Persistent identifier:
1003904343_1
Title:
Medizinisch-pädagogische Umschau - 1.1925
Document type:
Periodical volume
Publication year:
1925
Collection:
Religionspädagogische Zeitschriften
Access restriction:
OPENACCESS

Periodical issue

Title:
Nummer 2-3
Document type:
Periodical
Structure type:
Periodical issue
Collection:
Religionspädagogische Zeitschriften
Access restriction:
OPENACCESS

Miscella

Title:
Einige "frische Fälle"
Author:
Kleefisch, Constantin
Person in original:
von Kleefisch
Document type:
Periodical
Structure type:
Miscella
Collection:
Religionspädagogische Zeitschriften
Link zum Katalog:
1003904343-1-1373610972020-5
Access restriction:
OPENACCESS

Contents

Table of contents

  • Medizinisch-pädagogische Umschau
  • Medizinisch-pädagogische Umschau - 1.1925 (1)
  • Nummer 2-3 (2-3)
  • An die deutschen Aerzte!
  • Die Professoren der Medizin an deutschen Hochschulen
  • An die deutschen Pädagogen!
  • Zu dem internationalen Kongreß für psychische Hygiene
  • Einiges über "Gehirngrippe" und ihre Folgen
  • Einige "frische Fälle"
  • Medizin -Pädagogik - Caritas
  • Pflichtgemäße Leibesübungen an den Universitäten und Hochschulen
  • Mene! - Tekel!
  • Der "Weiße Tod"
  • Merkblatt der Landesversicherungsanstalt Rheinprovinz in Düsseldorf für tuberkulose bedrohte Kinder
  • Bin ich tuberkulös?
  • Reichsgesundheitswoche
  • Deutscher Ärztebund zur Förderung der Leibesübungen
  • Nummer 4 (4)

Full text

NR. 2-3* 
x MEDIZIN IS CH-PÄDAGOGISCHE UMSCHAU - 
* SEITE 5 
besessener Teufel. Im Beit hatte ich es schon mehr als 
sechs Monate angebunden, weil man sonst des Lebens 
nicht mehr sicher war. Das stärkste Schlafmittel, das die 
Aerzte anwandten, war bei ihr wirkungslos. Im Winter 
rannte das Kind im Hemd in den tiefsten Schnee oder 
schlief die ganze Nacht auf dem kalten Linoleum. Das 
machte aber alles nichts, sie war gegen alle Krankheiten 
gefeit, so daß ich es oft nicht glauben konnte. Nach einem 
halben Jahr wurde sie ruhiger, schlief dann nach und 
nach bei Nacht und nicht mehr bei Tag. Jefet ist sie noch 
sehr reizbar, jede Aufregung verschlimmert den Zustand. 
Schläge und Ermahnungen fruchten gar nichts. Das 
Schlimmste ist jetzt noch, daß sie unglaublich lügt, auch 
hat sie einen Drang, von Hause fortzukommen. Sie steigt 
auf Fuhrwerke, Autos und, was sonst ist, und fährt in die 
Welt hinaus. Jefet geht sie wieder gern in die Schule, 
ist aber nicht mehr die fleißigste Schülerin. Die Lehrerin 
hält sie für nervös und hat außerordentlich viel Geduld 
mit ihr und weiß Zusammenstöße soweit als möglich ge 
schickt zu vermeiden. 
Was soll ich aber nun weiterhin mit dem Kind 
machen? — — — 
* 
2. Noch ein typischer Fall. 
Johannes T. aus W., November 1925. 
Rheinische Zeitungen brachten im November 1925 eine 
Notiz folgenden Inhalts: 
„Grausame Erziehungsmethoden. D. N. W., 13. Novbr. 
Abends fanden Arbeiter den etwa lljjährigen infolge früherer 
Krankheit geistig etwas beschränkten Sohn eines Landwirts 
mit Holzschuhen und nur mit einem Hemd bekleidet, um den 
Hals eine schwere Kette mit Schloß, auf der Straße liegend. 
Der Vater des Knaben hatte diesen im Hof in dem geschil 
derten Zustand an ein Karrenrad gebunden, der Knabe hatte 
sich losgemacht und war über die Hofmauer entkommen. Von 
den Arbeitern wurde er in ein Haus gebracht, wo ihn später 
der Vater aus Angst vor Strafe abholte. Da der Knabe 
schon früher so behandelt worden sein soll, wurde Anzeige 
gegen den Vater erstattet.“ 
ln der nächsten Nummer einer der Zeitungen findet sich 
dann ein „Eingesandt“ folgenden Wortlauts; 
„W., 13. Novbr. Zu dem Artikel aus W. werden wir von 
dem Vater des angeblich mißhandelten Kindes um Aufnahme 
folgender Erklärung gebeten: 
Erklärung] Zu dem Artikel aus W. über die „unmensch 
liche Behandlung“ erkläre ich als Vater des Knaben, daß die 
Behandlung meines Kindes ganz anderen Absichten ent 
sprang, als man die Oeffentlichkeit glauben zu machen sucht. 
Da, wie es weiter in den vielfach unzutreffenden Angaben 
heißt, die Untersuchung eingeleitet ist, bitte ich alle. die jetzt 
so leidenschaftlich gegen mich Stellung nehmen, abzuwarten, 
was die Untersuchung bringen wird.“ 
Auf folgende Weise kam ich hinter diese Dinge: Am 
16. November lieferte ein Vater hier im Franz-Sales-Haus 
seinen jungen ab, von dem es hieß, er habe „Hirnentzündung“ 
gehabt. Die Aerzte haben anscheinend an Meningitis epide 
mica gedacht. Wir hörten vom Vater, daß der Junge 16 Tage 
geschlafen habe. Die Aerzte haben eine Rückenmarks 
operation vorgenommen. Der Zustand des Jungen hat sich 
danach gebessert. Später fiel der Junge in der Schule noch 
ab und zu in Schlaf und zeigte vor allem eine starke Ent 
artung seines Wesens und sittlichen Charakters. Die Mit 
schüler hänselten und prügelten ihn oft blutig. Der (junge) 
Klassenlehrer wollte die Schlafsucht mit einer „eigenartigen“ 
Wasserbehandlungsmethode beeinflussen. Er hatte die erste 
Nummer der M. P. U. nicht gelesen, sonst hätte er sich nicht 
bis zuletzt geäußert: „Das ist nur Flegelei von dem Jungen, 
der kann rechnen und wenn einer rechnen kann. ist er nicht 
„verrückt“ (1). — So nebenbei sagte ich dem Vater: „Da 
haben Sie wohl mit dem Jungen noch viel ausgestanden? 
Die Kinder dieser Art werden nämlich wie „vom Teufel be 
sessen“ und einige Eltern haben schließlich dazu gegriffen, 
ihre Kinder zeitweise sogar an Ketten zu legen, weil sie es 
nicht aushalten konnten.“ — Der Vater wurde blaß und ge 
stand mir nun zu meinem nicht geringen Erstaunen, daß audi 
er zu den Ketten gegriffen habe und deswegen das Dorf in 
Aufruhr sei und gegen ihn ein Gerichtsverfahren in Gang 
gesetzt werden solle. — — Tableau! 
Wieder meine ich, daß es für die Lehrerschaft wichtig ist, 
die 12 Söhne Jacobs namentlich zu kennen und die Teile des 
Maikäfers, die Sitten der Kamschadalen und die Schlacht an 
der Katzbach und anderes mehr, aber auch vielleicht noch 
wichtiger: die Pathologie des Kindes! Kl. 
* 
Medizin — Pädagogik — Caritas. 
Ein kurzes Geleitwort zur M. P. U. 
von Prof. Dr. med. et phil. W. W e y g a n d t, Hamburg. 
Völkerpsychologisch treffen wir in den Anfängen mensch 
licher Kultur engste Beziehungen zwischen Krankheit und 
Mythus. Neben dem Arzt, der in die unheilvollen Ereignisse 
der Erkrankung und des Todes einzugreifen sucht, übt der 
priesterliche Hilfsspender führenden Einfluß aus. Wohl sehen 
wir schon in homerischer Zeit, daß sich einzelne begabte 
Männer vor alem in der Wundbehandlung auszeichnen. Die 
Schriften des Hippokrates bemühen sich darzulegen, daß die 
Epilepsie eine Krankheit wie andere und nicht als besondere 
Ausdrucksform überirdischen Waltens zu deuten sei. Aber 
gerade auf dem Gebiet seelischer Erkrankung ist an sich die 
Mitwirkung von seelsorgerischer Seite weitesten Umfanges 
begreiflich. Insbesondere ist da, wo es gilt, durch Anrufen 
und Organisation der Mildtätigkeit weitester Kreise Fürsorge 
zu schaffen, von geistlicher Seite Bedeutendes geleistet. 
Diese Fürsorge, die auch im Islam zu beobachten war, hat 
sich in der ganzen christlichen Kulturwelt verwirkt!Hit. Gegen 
Ende des Mittelalters erst begannen weltliche Behörden für 
die antisozialen Fälle seelischer Störung vorwiegend 
sichernde Einrichtungen zu treffen, bis zu Beginn des vorigen 
Jahrhunderts auf diesem Gebiet allenthalben Staat und Ge 
meinde ihre Pflicht erkannten. Gegenüber den harmlosen 
Geistesschwachen, vor allem den seelisch auf Kindesstufe 
verharrenden Idioten und Imbezillen, hielten sich jene 
Instanzen vielfach noch bis auf den heutigen Tag zurück, 
während durch private Hilfsbereitschaft, insbesondere durch 
geistliche Körperschaften oder humanitäre Vereine seit 2 bis 
3 Menschenaltern der größten Not abgeholfen wurde. Zur 
zeit wird von den verschiedensten Seiten an dem bedeut 
samen Kulturproblem der Pflege und Behandlung jugendlich 
Defekter eifrig gearbeitet. Wenn gelegentlich gewisse 
Unstimmigkeiten hervortraten, so ergab sidi dies im wesent 
lichen aus der Spannung zwischen dem, was ärztlicherseits 
als Ideal zweckmäßiger Fürsorge angesehen wurde, und dem, 
was in der praktischen Ausübung auf Grund der verfügbaren 
Mittel äußerst geleistet werden konnte. Immer klarer aber 
ist im Laufe der letzten Jahre sämtlichen an der Schwach- 
sinnigenfürsorge beteiligten Helfern in das Bewußtsein ge 
treten, daß auch bei etwaigem getrennten Marschieren doch 
eine gegenseitige Fühlungnahme bestehen .md ein Austausdi 
der Erfahrungen erfolgen muß. So sehen wir zurzeit die 
mannigfachen Vertreter, die vom Standpunkt geistlicher oder 
bürgerlicher Wohltätigkeit, staatlicher Fürsorge und ärzt her 
Forschung und Therapie das Problem bearbeiten, eifrig be 
strebt, in voller Würdigung der Schwierigkeit doch kein Mittel 
unbenutzt zu lassen, um vorbeugend, heilend, bessernd und 
pflegend den Unglücklichen bJzustehen. Diesem Zweck 
dient auch der wissensdiaftliche Meinungsaustausch. Es ist 
selbst für den Arzt nicht immer leicht, die mannigfachen 
neuen Errungenschaften der Forschung zu überblicken, die 
der Untersuchung und Behandlung des Jugendschwachsinns 
und der psychopathischen Abartung in ihren vielerlei Formen 
zu dienen vermögen. Um so mehr ist es gerechtfertigt, wenn 
in dem vorliegenden Unternehmen der M. P. U. versucht wird, 
einen Gedankenaustausch auf wissenschaftlicher Grundlage 
anzuregen mit dem hohen Ziel, sowohl für die Gesunden 
als auch für die Geistig-Abnormen, die bedauernswertesten 
unserer Mitmenschen, Hoffnung, Hilfe und Besserung ihres 
Zustandes und ihrer Lage zu schaffen.
	        

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