Full text: Allgemeine deutsche Lehrerzeitung - 4.1852 (4)

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Charakter der Oeſtreicher , Baiern, Syroler, Schwa- 
ben, Badenſer , Pfälzer, Sachſen, Schleſier, Frieſen 
u. f. w. Dieſe Mannigfaltigkeit bilde den Kern der 
Schönheit des deutſchen Lebens. 
Vaterlandes, und dürfe daher durch die Schule nicht - 
vernichtet, ſondern müſſe vielmehr ausgebildet werden. . 
Faſt im Gegenſaß mit diefer Eigenſchaft ſtehe - 
eine andere gleich ruhmwürdige Eigenſchaft des deut- 
Erde habe*es wie das deutſche verſtanden, das gei- 
ſtige Eigenthum andrer Völker in ſein nationales 
Eigenthum zu verwandeln, das Fremde ſich zu aſſi: 
miliren. Es gleiche in dieſer Beziehung dem Löwen, 
welcher das Fleiſch der erbeuteten Gazelle, des erbeu- 
teten Haſen in Löwenfleiſch verwandele. Dieſe Uni- 
verſalität ſei zu erhalten. Das deutſche Volk ſei 
das ausgleichende Volk der Erde. Daratif deute 
Hon die Lage Deutſchlands hin im Herzen von 
Barbaren. 
Gemüths aber ſei die Innerlichkeit, das Ein- 
dringen in die Tiefe. 
Innigkeit des Familienlebens bildet?:n das Funda- 
ment des deutſchen Weſens. Er kenne daher keine 
größere Karrikatur,. als ein emanzipirtes deutſches 
Weib. Ueberhaupt müſſe die Bildung der Frauen 
eine höhere werden. Do ſei das ein Kapitel, wel- 
Has (ſcherzhafte Hindeutung auf die an der Ver- 
ſammlung theilnehmenden Frauen) beſſer unter Maän:- 
nern allein beſproh“en werde. 
nationalen Erziehung anlange, ſo ſei die Hauptſache 
Erziehung von deutſchen Vätern und von deut- 
ſchen Müttern und dieſe werde befördert, indem 
man dem jugendlichen Geiſte die vollkommenſten deut- 
ſchen Produkte zur Nahrung gebe. Deutſche Ge- 
ſchichte, zur We&ung und Kräftigung deitſſchen 
Sinnes an ec<t deutſchen Volksbildern wie Luther, 
zur Warnung vor Fehlern und Verirrungen, wie 
ſie die Deutſchen ſo oft begangen, -- und deutſche 
Literatur ſeien demnach die geeignetſten Mittel zur 
Förderung einer nationalen Erziehung. In leßter 
Beziehung ſei der Fortſchritt der neueren Leſebücher 
für Volksſchulen dur< Aufnahme des Beſten aus 
der deutſchen Literatur freudig anzuerkennen. Ueber- 
dieß müſſe ſ<on früh in der Jugend durch Wort 
und Beiſpiel der Gedanke und das Streben nach 
Einheit, Geſchloſſenheit und Stärke des 
deutſchen Vaterlandes gewet und genährt wer: 
den. Wie es mit dem nationalen Bewußtſein jekt 
ſtehe, ſei höchſt <arakteriſtiſch in folgender Anekdote 
dargeſtellt. „Ein Engländer, ein Franzoſe und ein 
Deutſcher treffen zuſammen. 
Wenn ich kein Engländer wäre, ſo wollte im, daß 
ich ein Franzoſe wäre. Der Franzoſe: Wenn ich 
kein Franzoſe wäre, ſo wollte iM, daß ich ein Eng- 
länder wäre. Der Deutſche: I< wollte, daß ich 
entweder ein Engländer oder ein Franzoſe wäre.“ 
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Sie ſei begründet | 
in der Geſchichte und in der Natur des deutſchen ; Zur Weung und Stärkung dieſes nationalen Sin- 
“Dieſer Mangel an Nationalſinn zeige ſich auch na- 
mentlich in dem Umſtande, daß deutſche Auswandrer 
ſchnell ihren deutſchen Charakter aufgeben, während 
Engländer und Franzoſen ihre Nationalität bewahren. 
nes aber könne die deutſche Schule weſentlich bei- 
tragen. 
Behrens aus Borßum: Er ſinde es nicht 
recht, daß Dieſterweg ſchon wieder geſpromen, weil 
ſchen Geiſtes, die Univerſalität. Kein Volk der er befürchte, die Verſammlung werde keine allgemeine 
Lehrerverſammlung bleiben, ſondern eine Dieſterweg': 
ſche werden. -- Was den Gegenſtand der Diskuſſion 
anlange, ſo habe Dieſterweg mit Recht die Univer- 
: falität als einen Grundzug des deutſchen Weſens 
aufgeſtellt 3 der Menſch ſei, wie Al. v. Humboldt im 
Kos8mos ſo treffend nachgewieſen, ein Produkt ſeiner 
Umgebung, und demgemäß deute die Lage Deutſch- 
lands im Mittelpunkte des europäiſchen Lebens auf 
den univerſellen Beruf des Deutſchen hin. Der Deutſche 
Europa, in der Mitte zwiſchen Kulturvölkern und ' müſſe daher auc) auswandern, und wenn er auch im 
fremden Lande ſchnell ſeine Nationalität verliere , ſo 
Der <arakteriſtiſhe Grundzug des deutſchen durchdringe doch ſein Geiſt die Völker und durch die- 
Religiöſe Geſinnung, 
Der Engländer ſagt: , 
ſen deutſchen Geiſt würden einſt jene fremden Völker 
ſicher zur Blüthe gelangen. Man habe dem deutſchen 
Volke wohl auch den Vorwurf gemacht, es rede zu 
viel. Allein es müſſe viel reden, es habe den Beruf 
das Gute Über die Welt zu tragen, nicht mit dem 
Schwerte, ſondern mit dem Worte. Nur wünſche er, 
daß in der Volksſchule nicht der Lehrer allein rede, 
vielmehr wären es die Schüler, welche reden lernen 
müßten. -- 
Benfey aus Göttingen. Er erkenne in 
Adels - - Dieſterweg einen der größten Meiſter der Pädagogik, 
Was endlich die Mittel zur Erreichung einer müſſe ihm aber do< in einem Punkte widerſprechen. 
Es ſei ſeine Anſicht, daß die Schule den pünktlich- 
ſten Gehorſam, die ſtrengſte Zucht erheiſche. -=- 
(Erinnerung des Vorſikenden, nicht vom Gegenſtande 
abzuſchweifen.) =- In Betreff der nationalen Er- 
ziehung theile er die von Dieſterweg ausgeſprochenen 
Anſichten, beklage aber, daß der Deutſche nie im 
eigenen Lande heimiſch geworden ſei, daß ihm die 
Familien-Erziehung gänzlich fehle. Das weib- 
liche Geſchlecht ſei in den nationalen Geiſt nicht 
eingedrungen, ſtehe darin gegen die Frauen Englands 
- weit zurü&. Die deutſ<en Mütter trieben Muſik, 
um Walzer zu ſpielen, Franzöſiſch, um zu plappern 
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und Romane zu leſen, StiFgexeien, um Augen und 
Geſundheit zu verderben 3 ihre Konverſation beſchränke 
ſich auf Ballgeſprähe. Die weibliche Erziehung ſei 
von Grund Ius. verdorben. =- Der jetzige Lehrer 
habe vor Allem den Sinn für das Heimiſche 
zu erwe&en. -- Jdeen habe das deutſche Volk ſeit 
Jahrhunderten verfolgt, das Sehen und Hören 
/ aber darüber vernachläſſigt, es ſei ein philoſophiſches 
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Volk. Das- ſei ein Vorzug, aber auch ein Fehler. 
-- Das Heranbilden der Jugend ſei für ihn 
der wichtigſte und heiligſte Beruf; dieß müſſe auch 
im Volke zum Bewußtſein gebracht werden. =- Das 
Verhältniß des Lehrers gegen die Schüler anlangend, 
N müſſe Liebe und Strenge die Grundlage desſelben 
ein.“ -- 
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