Full text: Allgemeine deutsche Lehrerzeitung - 4.1852 (4)

 
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drnig aus Markranſtädt: Er ſei von | gehen zu laſſen, wenn er es einmal habe, nicht ver- 
der vorhergehenden Rede zu tief ergriffen, um ſeine | 
Gedanken ausführlich entwi>eln zu können. =- Dieſter- 
weg ſei auf drei vorhergehenden allgemeinen Lehrer: 
verſammlungen nicht zugegen geweſen; jeßt möge die 
Verſammlung ſich hüten, eine Dieſterweg'ſche zu wer- 
den. =-- Die univerſale Bildung im Dieſterweg'ſchen 
Sinne halte er für einen Fehler; Nationalität ſchließe 
die Univerſalität aus. Streben nach Egaliſirung habe 
er nicht gefunden. =- Nationalerziehung ſei für ihn 
in negativer Richtung: Beſeitigung des Indifferen- 
tiömus gegen ſein Land, der Univerſalität z in poſi- 
tiver Richtung: Hebung deutſcher Sittlichkeit, Er- 
we>ung des Gemeinſinns. -- 
Roſt beklagt, daß der eingeſchlagene Weg ver- 
laſſen zu werden ſcheine und erſucht das Präfidium, 
es möge bei Nichteinhaltung deſſelben, den Rednern 
das Wort entziehen. (Beifall.) Auch er wolle weder 
eine Roft'ſche, noc< eine Dieſterweg'ſche Verſamm- 
lung, fühle ſi aber tief verle8t, durc< die Art, wie 
zwei der „Vorredner fich gegen Dieſterweg ausge- 
Ritter aus Tambac<. Man hadbve der 
modernen Volksſc<ule den Vorwurf gemacht, daß ſie 
zu viel mit Maſſen operire und darüber das Indi- 
viduum vernachläſſige. Er finde den Hauptgrund 
des Uebels in dem Mißbrau<e, den man mit dem 
Sate getrieben: Die Schule ſoll dem Leben dienen. 
Der Unterricht müſſe einfacher werden. Die Volks- 
ſchule ſolle keine Polyhiſtoren bilden, es ſolle in ihr 
nur ein feſt Kern gewonnen werden, um den ſich 
die ſpäter geſammelten Kenntniſſe und Erfahrungen 
geuppiren könnten. Kraftbildung ſei die Haupt- 
jache. =- 
Köhler aus Corbac<h. Behrens glaube nicht, 
daß die Deutſchen zu viel geredet hätten; dieß ſei 
nach ſeiner Anſicht allerdings der Fall, namentlich in 
Betreff der Lehrer. Er verlange von ihnen mehr 
Handlungen, namentlich die Gründung von Vereinen 
für Erziehung z die jekigen Vereine hätten mehr die 
Methode im Auge. -- In Bezug auf das von Dieſter- 
weg aufgeſtellte Programm der Volksſchule laſſe ſich 
nach ſeiner Anſicht Alles zuſammenfaſſen in dem einen 
Ausdru>e: daG, Erziehung, worunter er 
jedoch kein konfeſjionelles Chriſtenthum, keine konfeſ- 
ſionelle Erziehung verſtanden wiſſen wolle. Die <riſt- 
liche Erziehung ſchließe“ ein die höchſte Humanität, 
die höchſte Religioſität, die wahre Sittlichkeit (deutſche 
Treue, Redlichkeit , Innerlichkeit, Vaterlandsliebe). 
--- Die Volksſchule (das Beiwort „modern“ wolle 
ihm nicht gefallen) habe den Zeitumſtänden zu viel 
Rechnung getragen. -- Die Univerſalität ſei auszu- 
bilden, weil ſie national ſei. =- Der Elementarlehrer 
verderbe oft die Kinder im erſten Unterrichte, aber 
ſehr oft kämen die Kinder ſchon verdorben zur Schule. 
Dieſem Uebel ſei in neuerer Zeit namentlich durch 
Fröbel geſteuert worden. -- 
-Berthelt aus Dresden. Die Sache, wes- 
halb er um's Wort gebeten habe, ſei ſchon durc< 
Herrn Oberſchulrath Roft erledigt, er könne aber die 
- ſprohenF/ (Beifall.) 
- Eigenſchaft des Deutſchen, ſic das Wort nicht ent: 
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leugnen. 'Neues könne er dem von Dieſterweg über 
den Begriff der Nationalerziehung Geſagten nicht bei- 
fügen, weil er nichts Weſentliches wiſſe; entgegnen 
könne er auch nichts, ſchon die biSherigen Entgeg- 
nungen beruhten nach ſeiner Anſicht auf Mißverſtänd- 
niſſen z wiederholen möge er au< nichts, weil er die 
Verſammlung nicht mit einem ſchlehten Nachdru>e 
beläſtigen dürfe. Nur eins ſcheine ihm Dieſterweg 
vergeſſen zu haben. (Es müßten nämlich nicht nur 
die nationalen Eigenſchaften des deutſcyen Volkes 
weiter entwikelt, ſondern es müßten dem Volke ganz 
beſonders au< die ihm etwa noh fehlenden guten 
Eigenſchaften anerzogen werden. Das deutſche Volk 
ſei, um nur ein Beiſpiel anzuführen, zum Idealen 
und damit zuſammenhängend zum vijelen Reden, we- 
niger aber zum thatfräftigen Handeln geneigt. Die 
Verſamrnlung ſelbſt habe ihn lebhaft daran erinnert. 
Es habe ihn ein unheimliches Gefühl beſc<hlichen, 
wenn ex bei den trefflichen Reden, die hier gehört 
worden ſeien, daran denke, wie wenig davon zur 
praktiſchen Ausführung kommen werde, wie das Feuer, 
welches hier entzündet, ſobald wieder verlöſchen und 
ſein Licht und ſeine Wärme gar wenig über Deutſch- 
lands Gauen ſich verbreiten werde. Daher ſcheine 
es ihm eine nothwendige Aufgabe für die Verſamm:- 
lung, nicht länger über den Begriff der National: 
erziehung zu verhandeln, als vielmehr über die Mittel 
zu berathen, durch welche eine ſoime Erziehung her- 
beigeführt werden könne, und namentlich zu unter: 
ſuchen, wie die in Vorſchlag gebrachten Mittel: 
„Geſchichte und Literatur“ zux Erreichung des Zwe>es 
benußt und in der Volksſc<hule hinſichtli< ihrer An- 
wendung ermöglicht werden können. 
Nachdem no< Dr. Peterſen aus Gotha die 
deutſchen Frauen gegen Benfey in Schuß genommen, 
wird die weitere Discuſſion 3 Stunde ausgeſeßt. = 
Schriftführer : Mann, Lehrer aus Caſſel, 
DrEz Kühne, Gymnaſiallehrer aus Gotha, 
AA fis; 
(Schiuß folgt.) y- di: nad ' Ir 
Bücherſchau. 
Muſterſtü>e für den Sprachunterricht erläutert und 
zu Literaturbildern zuſammengeſtellt von Auguſt 
Lüben, Rektor der erſten und zweiten Bürgerſchule 
zu Merſeburg, und Karl Na>e, Lehrer der erſten 
Bürgerſchule daſelbſt. Zugleih als Kommentar zu 
dem Leſebuche für Bürgerſchulen von demſelben Verfaſſer. 
Erſte Lieferung. Leipzig, Friedrich Brand- 
ſtetter. 1852, (284 Seiten, gr. 8.) 
(Auch unter dem Titel: Kommentar zu dem Leſebuch 
für Bürgerſchulen von Auguſt Lüben, Rektor 
der 1. und 11. Bürgerſchule zu Merſeburg, und Karl 
Na >e, Lehrer der [. Bürgerſchule daſelbſt, Erſter 
Theil: Muſterwerke für den Sprachunter- 
richt erläutert und zu Literaturbildern zu- 
ſammengeſtellt, Erſte Lieferung, Leipzig, Fried- 
rich Brandſtetter, 1852.) - | 
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