Full text: Allgemeine deutsche Lehrerzeitung - 4.1852 (4)

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des Stoffes, ſondern auch logiſche Einheit und Harmonie. , Liebe und Schonung zu begegnen, ſein Werk 
Von dieſer lehteren Forderung iſt hier und da abſichtlich 
-=- wir glauben mit Recht -- abgewichen worden. Die 
dritte Bemerkung iſt die Andeutung einer ſymboliſchen Be- 
deutung der Bilder auf den Titeln. Das erſte Bild ſtellt 
eine totale Verfinſterung des ewig ſtrahlenden Sonnen- ; 
lichtes dur< einen dunklen Körper dar. Das zweite iſt 
der Orion. Wer wüßte nicht, was Jeder dabei denkt! -- 
„Ein Geiſt der Finſterniß kann (wig ein dunkler Körper 
vor das ewig das Weltall durchſtrahlende Licht der Sonne) 
vor das Licht der Vernunft hintreten und ſeine Verfin- 
ſterung verſuchen z aber ſchon während dieſes Verſuches 
ſtrahlt das Licht über den verfinſterten Geiſt hinaus und 
erſcheint bald nachher in um ſo herrlicherem, erfreuenderem 
Glanze. Das Licht der Vernunft wird Niemand aus- 
löſchen, darauf verlaſſe man ſich! 
Manne gleich ſchreitet der Geiſt des Lichtes und der Wahr- 
heit durc< alle Jahrhunderte z; wie er erhaben und herrlich 
am ſichtbaren Himmel daſteht, ſo ſteht er jedem nach 
Wahrheit Durſtenden am Himmel des Geiſtes.“ 
= =meerennnn venen tEEE, 
Grüß Gott! Lebensbilder für die reifere Jugend und 
Jugendfreunde von Thekla von Gumpert, Breßslau, 
Ferdinand Hirt's Verlag. 
Das Bu giebt eine Anzahl kleiner Erzählungen, 
deren Tendenz durc< die Ueberſchriften angedeutet iſt: Ent- 
ziehe Dich niht Deinen Brüdern! -- Welcher Segen 
auf der Verbreitung des Wortes Gottes ruht! --- Ge- 
denke des Sabbathtages, daß Du ihn beiligeſt! -- Herr, 
 
rette mich aus meinen Nöthen! --- Wie die Lumpen: | 
ſchulen London's auf Kinder und Aeltern wirken! u. ſ. w. 
Die bekannte Verfaſſerin hat ſich mit einigen „trefflichen“ 
Werken von Wichern, Merz und Braune über ein Streben 
der Neuzeit, welches von <riſtlicher Liebe hervorgerufen 
wurde, nämlich der inneren Miſſion, beſchäftigt und iſt 
nun in dem Buche bemüht, dieſes Streben ihrem jungen 
Leſerkreiſe näher zu bringen. Die Anſichten über die innere 
Miſſion ſind getheilt. 
dem „Grüß Gott“. Wer in der inneren Miſſion kein 
Werk <riſtlicher Liebe erkennt, wird wenigſtens die Haltung 
der Verfaſſerin in dieſer Angelegenheit mancher anderen 
vorziehen. =- 
Bildung. Was ſind die Menſc<hen ? . Was ſie 
geworden ſind durch Erziehung , Beiſpiel und Verkehr! -- 
Und was iſt dafür geſchehen? Was gilt Bildung noc< 
heute? Bildung iſt Benehmen, einige Zauberſprüche aus 
einem Galanthomme und Briefſteller; Bildung iſt ein 
feiner Ro> und Glacehandſchuhe, ein ſeidner Hut und 
Mantel, ein Bart und eine Brille ; Bildung iſt Romanen- 
leſerei, Ekenſteherwiß oder Solonmediſance, prächtig Eſſen 
und Trinken, Spielen, Tanzen, Reiten, Fahren, eine feine ' 
Cigarre, =- nur nicht die ſchöne Kunſt, Jedem mit : 
Einem gewappneten , 
Wer ihr Freund iſt, greife nach | 
1 
1 
) 
 
Lonomn 1-2 water minen aun = emen agr, 
 
 
 
| Bildungsweife Friedrich Fröbel's. 
 
gern und denkend zu thun, aufgerichtet ſein 
zum Himmel und nur an Edlem, Gutem und 
Schönem ſich zu erfreuen. (Deutſche Hauszeitung.) 
Energie des Charakters, Liebe der Wahrheit, Freiheit 
der Geſinnung, Selbſtſtändigkeit des Urtheils , Gewiſſen- 
haftigkeit, Wohlwollen, Hingebung und Aufopferungs- 
fähigkeit, und nicht die Vielwiſſerei iſt das Weſen des 
Mannes und insbeſondere des Jugenderziehers. 
Der Lehrer bedarf bei der großen Einförmigkeit, wie 
ſie die Schule bietet, von Zeit zu Zeit einer geiſtigen An- 
regung, einer Anfriſchung, und dieſe findet er in den Kon- 
ferenzen. Sie bringen in den Gedanken eine wohlthätige 
Gährung hervor; es ſcheidet ſich Geiſt und Phlegma. Sie 
bringen eine Läuterung der Jdeen hervor; es ſcheidet ſich 
das Gold von den Schladen. 
Auf jeden Fall erhöhen die Lehrer dur ihre Theil: 
nahme an wohleingerichteten Konferenzen ihre Berufstüch- 
tigkeit, und darum erſcheint dieſe Theilnahme als eine 
Berufspflicht, der ſich kein Lehrer entziehen ſollte, ſelbſt 
wenn die Crfülzung derſelben einige Opfer koſtete. Unter 
den Volksſchullehrern Braunſchweigs hat bisher eine er- 
freuliche Empfänglichfeit für das Konferenzweſen ſtattge- 
funden. Das Intereſſe, welches ſie an demſelben nehmen, 
iſt kein Flakerfeuer, welches plößlich auflodert und bald 
wieder erliſcht. Das Feuer glüht, Liht und Wärme ver- 
breitend, fort. Der Geiſt des Einen entzündet ſich an 
dem Geiſte des Andern. Einer trägt ſeine Fackel vor und 
die ſprühenden Funken zünden in dem Andern ein Licht 
an, deſſen Strahlen ſich immer weiter verbreiten und wohl- 
thätig wirken in immer größeren Kreiſen. Tunica. 
Anzeigen. 
. So eben erſchien bei uns und iſt durch allc Buchhandlungen 
I Das Stäbchenlegen 
oder das Bilden und Geſtalten dur< Stab- 
<en als erſtes Einführungsmittel in die 
Schule. Verknüpfung des Lehrganges der 
Sc<hule mit der entwickelnd erziehenden 
in 
Buch für die Familie und die Schule, allen Müttern, 
Erziehern und Lehrern freundlichſt dargeboten von 
einem praktiſchen Schulmanne. Mit einem Vor- 
worte Friedrich Frobel'8. Mit 21 Tafeln 
Lithographien, 13 Bau-, Sing- und Spielliedern, 
ſowie Erzählungen und Gedichten. Preis eleg. broch. 
74 Neugroſchen. 
Bad Liebenſtein bei Eiſenach. | 
Berlagsbuchbandlung der Kinder- 
eſhuäftigungs - Anſtalt. 
- Da mit Dieſer Nummer Der erſte Halbjahrgang der Zeitung ſchließt, 
ſo werden Die Leſer freundlichſt erſucht, ſofort die Beſtellung auf dieſes 
Blatt zu erneuern, damit namentlich bei der Poſtverſendung keine Sts- 
 
 
rung eintritt. 
im Redakteur: A, Berthelt. 
Dresden, 
Verlag von Julius Klinkhardt in Leipzig. 
 
Dru> von C. Heinrich.
	        

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