Ur, 957 & 98. " Sonnabend , den 10. Iunli. 1852.
Allgemeine
eutſche Lehrerzeitung,

Im Auftrage herausgegeben von A. Berthelt.

Von dieſer Zeitung erſcheint jede Woche eine Nummer oder aller 14 Tage eine Doppelnummer zu dem halbjährlichen Preiſe
von 15 Ngr. Die Unterzeichnung verpflichtet auf einen halben Jahrgang, Alle Buchhandlungen und Poſtanſtalten Deutſc lands nehmen Beſtellungen an. Anzeigen gegen Bezahlung werden in dieſe Zeitung nicht aufgenommen, dagegen erſcheint
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Die vierte allgemeine deutſche Lehrerver- ver! in fete der eee in
„--3, : , verändeter Faſſung abgegebene Begriffsbeſtimmung
fammlung zu Gotha vom 1 Juni 1852 von Dieſierw eg mit: Die deutſc Zweite Sikßung. Den 2. Juni 1852. Erziehung und Bildung beſteht in der Er-
(Sc | | , , | Eigenſchaften und Tugenden, welche vor-
Vorſikender: Hoffmann, ſpäter Direktor Berthelt, zugsweiſe „deutſche“ genannt werden, und
Der Präſident fährt nach der Pauſe mit dem zu der Befähigung der deutſchen Natur,
Bemerken fort, daß in Betreff des fraglichen Gegen: in die Entwidelung der vaterländiſchen
ſtandes no< zu erörtern bleibe: Intereſſen fördernd einzugreifen. Dieſelbe
1) das Weſen der deutſchen Nationalerziehung, | wurde mit Majorität von der Verſammlung an-
2) die Mittel dazu und | genommen. = , Nn ,
3) die Anwendung derſelben. Hierauf ſchritt man zur Diskuſſion über die
Juch von Gotha Vefinirte das Weſen der. Mittel zur deutſchen Nationalerziehung,
Rationdlerziehung wohin: es votet 1 dem | und zwar zunächſt über die deutſche Geſchichte. =-
Ge - .
Beſtreben des Lehrers, bei der Erziehung der deutſchen |. . .> u verlangte, der Menſch ſolle einen BUE
St dahin " wirken, daß in verfälben alle en in ſein Inneres, (auf ſeine geiſtige Entwi&elung) und
“Ern . | auf ſeine äußere Geſchichte werfen, ſo lerne er am
Deutſchen angeſtammten Tugenden zu wirklichen Tu beſten erkennen, wie er werden ſolle und welche Fehler
genden, zu Tugenden des geiſtigen Bewußtſeins er- | 9 an ſich habe. Daſſelbe müßte auch das deutſche
hoben, und daß alle Fehler, die dem Deutſchen von . u He, .
: . Bolk thun, denn durch einen Bli> in die Geſchichte
Natur eingepflanzt, angeboren ſind, durch Erziehung ſeines inneren geiſtigen und ſeines. äußeren Lebens
und Bildung bekämpft und entfernt werden, damit . : .
| : werde es ſich ſtolz erheben können und ſich ange-
das Gute, das die Natur dem Menſc Über das Böſe überwiegend werde. ' |
, , Be> von Corbach ſtellt gleichfalls die deutſche
6 Das „öl NN nach BEER jeder Deutſche. zU Geſchichte als eines der vorzüglichſten Mittel deutſcher
ſtreben habe, ſei: er ſoll Menſch im vollſten Sinne Mationalerziehung dar und hebt dabei beſonders
des Wortes ſein, ſeine Sinnlichkeit bekämpfen, ſeinem | veutſche Freiheit, deutſche Kraft und deutſche Sitte
Wollen die höchſte Einheit geben und einen lebendigen h,7yox, die man aus der deutſchen Geſchichte zu lernen
Sinn für das Schöne in ſich nähren. | habe. Deutſche Sitte, ſagte er, habe einen ganz
Als Mittel zur Nationalerziehung führte er | anderen Klang , als bei anderen Völkern, und die
an: 1) man müſſe die Jugend dahin zu führen deutſche Wahrheitsliebe und Treue bezeuge jedes
ſuchen, daß ſie nicht blos mit dem Gedächtniſſe auf: | Blatt der Geſchichte.
faſſe, ſondern in das Weſen der Dinge eindringen Hoffmann aus Hamburg fand die Betonung
lerne, und daß Tie Erziehung und Bildung eine | ves Wortes „, deutſch“ ſehr treffend, da man jekt
logiſche und. geiſtentwielnde ſei, -- 2) deutſche Li- | keine deutſche, ſondern nur bairiſche, ſächſiſche, ham-
teratur und -- 3) deutſche Sprache. Dur) Sprache burgiſche 2c. Geſchichte wolle. Nationalerziehung ſei
und Literatur zeige der Deutſche vorzugsweiſe, wie | nur dann möglich, wenn das deutſche Kind die deutſche
hoch er über anderen Völkern ſiehe. Geſchi Löwenheim aus Lengsfeld gab als Grundzüge | aber zur im Zuſammenhange mit der deutſchen. --
der deutſchen Nationalerziehung an: 1) Liebe zur | Hierauf leitete der Präſident die Diskuſſion auf
Wahrheit (die Jugend müſſe von der Lüge fernge- | das zweite Mittel zur Nationalerziehung hin, auf
halten werden), 2) Muth (denn den hätten wir Deutſche | deutſche Literatur. .
nicht), 3) Vaterlandsſinn, 4) Humanität, 5) Charakter- Be> wies die Wichtigkeit der deutſchen Literatur
ſtärke und 6) Selbſtſtändigkeit. | aus der Geſchichte nam. Erſt ſeit Luthers Zeit habe

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