Full text: Allgemeine deutsche Lehrerzeitung - 4.1852 (4)

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halt eines Lehrers zu beſtimmen, ſondern bemerken 
blos, daß es in unſerem Vaterlande keine Hunger: 
ſtellen mehr geben ſollte. Jeder Lehrer hat bei einer 
feſten Stellung Familie, und dieſen Umſtand muß 
man als Maßſtab eines anſtändigen fixen Gehaltes 
betrachten. So fordert es die Gerechtigkeit! -- 
Nebſt dieſem muß der Lehrer, ſowie jeder Staats- 
beamte, nach Niederlegung ſeines Lehramtes einen 
ſeiner Würde und ſeinem Dienſtalter angemeſſenen 
Ruhegehalt beziehen, ſowie nach ſeinem Tode für 
ſeine Familie ein Wittwengehalt ausgeſeßt werden. 
Nur unter ſol<en Bedingungen kann der Lehrer 
ſeine ſchweren Verpflichtungen gewiſſenhaft erfüllen z 
da er nicht gezwungen wird, fic durc<h*.Nebenbe- 
ſchäftigungen, die gewöhnlich auf ſeine Amtspflichten 
nachtheilig wirken, ſeine Exiſtenz zu ſichern. 
Zum Schluſſe ergriff der Schriftführer noch 
einmal das Wort, um das heurige Jahrbuch für 
Aeltern, Lehrer u. ſ. w., herauSgegeben von unſerm 
Herrn Schulrathe, P., Mareſch, theils wegen ſeines 
wohlthätigen ZweEes (der reine Ertrag iſt zur Grün- 
dung eines Unterſtüzungsfonds für Lehrerſöhne, 
welche ſich für das Volksſchul - Lehramt vorbereiten, 
beſtimmt), theils aber auch wegen ſeines innern Ge- 
haltes anzuempfehlen, und bemerkte gleichzeitig, daß 
der k. k. Landesſchulrath in Tirol ihn mit einem 
re<ht freundlihen Schreiben beehrte und für die 
Lehrerbibliothek „S<hmidt's hiſtoriſchen Kate- 
<4is8mu5' einſandte, was dankbar angenommen 
wurde. 
Schließlich muß noc< erwähnt werden, daß auf 
Antrag des Lehrers Ant. Krehann der Beſchluß 
gefaßt wurde, im Verlaufe des Sommers ein großes 
Tonwerk zur Aufführung zu bringen. Gewählt 
wurde hierzu „die Wüſte“ von Felician David. 
o Beſchloſſen wurde die Konferenz mit dem Maän- 
nerc<horgeſange: 
„Mein Vaterland, mein Oeſterreich! 
zj Du Land an Kraft und Ehren reich! 
„Wie ſ<loß ich tief in's Herz Dich ein! 
„Wie bin ich froh, Dein Sohn zu ſein! 
„Wenn Gott im Himmel ſpräch zu mir: 
„Wel< Land der Welt erwählſt Du Dir? 
„34h ſäumte nicht und ſagte gleich: 
„Mein Vaterland, mein Oeſterreich! u. ſ. w. 
ermmmenmnnmennnten emma vnn meme EIn venere 
Aus Mähren. 
Das Schulweſen in Mähren geht raſch vorwärts. 
Aus dem Hauptberichte über den Zuſtand der Volks- 
ſchulen erſehen wir, daß gegenwärtig im Kronlande 
1550 Volksſc<hulen beſtehen 3 darunter ſind 19 Haupt: 
und 19 Mädchenſchulen. Im Jahre 1850 ſind 11 
neue Schulen errichtet worden. Bei 82 Schulen 
wurde die weibliche Jugend in Handarbeiten und in 
vielen anderen Schulen die männliche Shuljugend 
in der Obſtbaumzucht unterrichtet. Bei einer Zahl 
von 233,983 Schüler beſuchten nur 3560 keine Schule. 
In der Landeshauptſtadt Brünn unterhalten die 
wohlthätigen Vereine des heiligen Vinzenz und des 
heiligen Joſeph Abendſchulen für arme Kinder, 
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die am Sage in den Fabriken arbeiten oder ihren 
Aeltern bei ihren Arbeiten helfen müſſen. Bei der 
abgehaltenen Prüfung lieferten dieſe Kinder genügende 
Beweiſe von den gemachten Fortſchritten, und die 
Mädchen legten Proben von ihren Handarbeiten vor. 
Das eingezogene, geſittete Benehmen derſelben wurde 
allgemein mit Wohlgefallen bemerkt. Der Brünner 
Katholifen Verein hat eine Geſellenſchule errichtet, 
in welcher gegen 80 männliche Individuen an Sonn- 
und Feiertagen in der Religion und in allen für 
das gewerbliche Leben nothwendigen Gegenſtänden 
unterrichtet werden. Derſelbe Verein hat eine zweite 
Sonntagsſchule für weibliche Dienſtboten in's Leben 
gerufen, welche in der Mädchenſchule des Urſulaner- 
tioſiers abgehalten und bereits von 40 Dienſtmädchen 
veſucht wird, die in der Religion, im Leſen, Schreiben, 
Rechnen und in ſchriftlihen Aufſäßen unterrichte 
werden. Außer dieſen Bildungs - und Erziehungs- 
anſtalten beſteht in Brünn ein Rettungshaus für 
verwahrloſte Kinder, zu deren beſſerer religiös - ſitt- 
lim<en Bildung der Brünner Didzeſen-Prieſter, Herr 
Friedrich, Graf Sylva-Teroucca, einen eigenen 
Geiſtlichen als Katecheten beſoldet. In Olmuüßg be- 
ſteht eine Sonntagsgewerbſchule für Lehrlinge, in 
welcher dieſe in der Religion, im Zeichnen , in der 
populären Phyſik, in der vaterländiſchen Geſchichte 
und Geographie unterrichtet werden. 
Wo ſo Viele zuſammenwirken, kann die Erzie- 
hung der Jugend nur gedeihen. -- 
Bücherſchau. 
Kinderheimath. Deutſches Leſebuch, vierte 
Stufe, Von Louis Münkel, Lehrer an der Stadt- 
töhterſc<hule in Hannover. Preis 12 gGr. In Par- 
tieen von mindeſtens 12 Exemplaren 10 gGr. Han- 
nover. Druc> und Verlag der S <lüter'ſchen Hof- 
buchdru>erei. 1852. (XVI und 343 Seiten.) 
Bei Beurtheilung neuerſchienener Schulleſebücher kön- 
nen wir nicht umhin, den Herausgebern neuer Leſebücher 
für Schulen dringend anzuempfehlen, nicht eher an die Ab- 
faſſung eines derartigen Buches zu gehen, bevor ſie nicht 
bei ſorgfältiger Prüfung der vorhandenen Schulleſebücher 
die Ueberzeugung gewonnen haben, durc< die Herausgabe 
eines neuen Leſebuches eine wirkliche „Lüke“ auszufüllen 
und ein weſentliches „Bedürfniß“ zu befriedigen. 
Vorliegendes deutſches Leſebuch „Kinderheimath“ 
iſt ſeinen früher erſchienenen Theilen nach in der deutſchen 
Lehrerzeitung bereits günſtig deſprochen worden , und wir 
wollen daher bei Anzeige der gegenwärtigen vierten Stufe das 
Eigenthümliche derſelben nur kurz hervorheben. 
Wenn der Herausgeber im Vorworte ſagt: „Man 
wolle die hier getroffene Anordnung billigen, bei welcher 
ſol<e Leſeſtüke am meiſten auftreten, und immer regel- 
mäßig wiederkehren, an denen die für dieſe Stufe nöthigſten 
und nüklichſten Formen am ſchnellſten und beſten ſich 
einüben laſſen,“ -- ſo können wir damit nicht ganz einver- 
ſtanden ſein. Wir halten das Hervortreten einer beſtimmten 
Anordnung der ausgewählten Leſeſtüc>ke für zwe>mäßig und 
nüklich, Wenigſtens würden wir gewünſcht haben, in den 

	        

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