Full text: Allgemeine deutsche Lehrerzeitung - 4.1852 (4)

Ur. 51 & 52. 
Sonnabend , den 25, December. 
1852. 
 
Allgemeine 
Deutſche Lehrerzeitung, 
 
Im Auftrage herausgegeben von A. Berthelt. 
 
Von dieſer Zeitung erſcheint jede Woche eine Nummer oder aller 14 Tage eine Doppelnummer zu dem halbjährlichen Preiſe 
von 15 Ngr, Die Unterzeichnung verpflichtet auf einen halben Jahrgang. Alle Buchh 
andlungen und Poſtanſtalten Deutſch- 
lands nehmen Beſtellungen an. Literariſche Anzeigen werden für den Raum einer geſpaltenen Zeile mit 14 Nar. bere&ner. 
 
 
Eine aſtronomiſche Aufgabe. 
Jeden Morgen geht die Sonne auf, jeden Abend 
unter. Und immer an verſchiedenen Stelen. Den 
Bogen, den die Sonne an einem Tage von ihrem 
Auf: bis zu ihrem Untergange beſchreibt, nennt man 
einen Tagebogen. 
Sonne bei uns den kürzeſten, am 21. Junius den 
längſten Tagebogen. An jenem Tage liegen der 
Aufgangspunkt und Untergangspunkt der Sonne 
ſüdlich nahe beiſammen, an dieſem nördlich und ebenſo 
nahe. Beim Längen und Kürzen der Tagebogen 
Am 21. December macht die. | 
kommt die Sonne am 21. März und 21. Septem-- 
ver immer in's Mittel, d. h. die Sonne geht im. 
wahren Oſtpunkte auf und im wahren Weſtpunkte 
unter. So weit iſt Alles richtig und vor Einſpruch 
geſichert. 
Wir nehmen an, daß am 21. December die 
Sonne um 8 Uhr Morgens aufginge und um 4 Uhr 
Abends unter. Aus jedem dieſer zwei Punkte ziehen 
Wir eine Linie und verlängern dieſe bis in's Zenith. 
Der Bequemlichkeit wegen wollen wir die Linie vom 
Aufgangspunkte bis zum Zenith die 8- Uhr - Linie, 
zene vom Untergangspunkte bis in's Zenith die 4-- 
Uhr-Linie nennen. 
im Oſtpunkte auf und im Weſtpunkte unter. 
Am 21. März geht die Sonne - 
Aus 
beiden Punkten ziehen wir wieder Linien bis in's 
Zenith, die ſich dort treffen und zu einem vollkom- 
menen Tagebogen ergänzen. Wir wollen dieſen 
Tagebogen, d. h. dieſe Linie die 6:Uhr-Linie nennen, 
weil die Sonne, wenn ſie im Oſtpunkte aufgeht, 
Immer um 6 Uhr Morgens aufgeht, und wenn fie 
im Weſtpunkte untergeht, immer um 6 Uhr Abends 
untergeht. Nehmen wir ferner an, daß die Sonne 
am 21, Juni um 4 Uhr Morgens-aufgehe und um 
8 Uhr Abends unter. Ermitteln wir auch ganz ge- 
nau, wo die Sonne des Morgens um 7 Uhr und 
5 Uhr aufgeht, und ebenſo, wo ſie des Abends um 
5 Uhr und 7 Uhr untergeht, verbinden dieſe Punkte 
durch Linien mit dem Zenith, und nennen ſie belie- 
big . die Morgen-7:Uhr-Linie und 5-Uhr-Linie und 
Abend-5-Uhr-Linie und 7-Uhr-Linie, beobachten nun 
ſcharf den Lauf der Sonne an ſonnenhellen Tagen, 
Vor- wie Nachmittags , nach einer richtig gehenden 
Sonnenuhr, oder nach einer richtig nac< der Sonne 
 
| gehenden Uhr, und ſiellen uns dann zur Beantwor- 
tung folgende Fragen: 
1. Steht zu allen Jahreszeiten des Vormittags 
um 8 Uhr die Sonne auh in der 8:Uhr-Linie? 
oder nur am 21. December? = 
2. Steht zu allen Jahreszeiten des Nachmittags 
um 4 Uhr die Sonne auch in der 4-Uhr-Linie? 
oder nur am 21. December? --- Warum? -- 
3. Steht zur Sommer-Jahreszeit des Vormittags 
6 Uhr die Sonne au< in der G6-Uhr-Linie ? 
des Nachmittags um 6 Uhr auch in der 6-Uhr- 
Linie? oder nur am 21. März und 21. Sep- 
tember? --- Warum? -- 
An welchen Tagen des Jahres geht die Sonne 
in der 5-Uhr-Linie, der 7-Uhr-Linie auf? an 
welchen Tagen in dieſen Linien unter? -- 
5. Iſt in der Sommer-Jahreszeit die Sonne Vor- 
wie Nachmittags um 5 Uhr vor oder hinter 
der 5-Uhr-Linie? um 7 Uhr vor oder hinter 
der 7-Uhr-Linie? =- Warum? =- 
Beiläufig wolle man erwägen, daß die Sonne 
das ganze Jahr hindur<g um 12 Uhr Mittags mit 
ihrem Mittelpunkte in der Mittagslinie ſtehen muß 
und ſteht. Steht auch nun das ganze Jahr hin- 
durch die Sonne um 11 Uhr Vormittags glei<hweit 
vor der Mittagslinie? um 1 Uhr gleichweit nach 
ihr? -- Warum nicht? Oder: Sind an zwei be- 
liebig gewählten Tagen des Jahres die Linien, wo 
= 
die Sonne um 10 Uhr ſteht, bis dahin, wo ſie um 
12 Uhr ſteht, gleich lang? Sind an dieſen Tagen 
die Linien von 12 Uhr bis 2 Uhr unter ſich gleich 
lang? und die entſprechenden von 12 Uhr bis 10 
Uhr auch oder nicht? = Und warum? -- 
Wer die Linien am Himmel ſich nicht vorſtellen 
will, nehme dafür Gegenſtände, z. B. Bäume, Häu- 
ſerſpizen, Schornſteine u. a. Für die vorliegende 
Aufgabe ſind die Thatſachen dur< Beobachtung leicht 
erkannt. Die ſachlihe Begründung wird etwas 
ſchwieriger ſein. Die gelöſte Aufgabe giebt zu prak: | 
tiſ<en Griffen Anlaß. -- Rittinghaus, 
Der Unterricht im Zeichnen. 
Am 17. und 18. Auguſt fand im Lokale der 
kt. xk. Muſterhauptſchule auf der Kleinſeite in Pra 
unter der Leitung der k. k. Herren Schulräthe Mareſ h
	        

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