Full text: Allgemeine deutsche Lehrerzeitung - 4.1852 (4)

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und Wenzig eine Berathung der Realſchulen- 
Zeichnenlehrer Böhmens ſtatt, um den Zeichnenunter- 
richt mit dem neuen Lehrplane in Uebereinſtimmung 
zu bringen, beſtehende Mängel deſſelben zu beheben, 
und die nöthigen Anträge zur Förderung und Hebung 
dieſes für die Induſtrie ſo wichtigen Unterrichts- 
zweiges zu ſtellen. 
eingefunden. Auch der k. k. Miniſterialrath , Herr 
Franz, Grafv. Thur-Hohenſtein aus Wien und 
der Direktor der Prager Malerakademie, Hr. Duben, | 
| Jahre an Frequenz nachſtehend, dennoch ſo zahlreich 
beehrten die Verſammlung mit ihrer Gegenwart. 
Die Lehrer hatten ſowohl Zeichnungen ihrer Schüler, 
als eigene Arbeiten mitgebracht; nebſidem waren ver- 
ſchiedene Zeichnenmuſterwerke, Modelle und andere 
Lehrmittel zur Anſicht targeboten. Zur Beurtheilung 
wurde ein Komite gebildet. Das Erkenntniß lautete 
dahin, daß das Freihandzeichnen hinter dem Linear: 
zeichnen zurüs ſei, und zwar nicht ſowohl darum, . 
weil es an Lehrkräften, ſondern vielmehr, weil es 
bei der Verſunkenheit des guten Geſchma&es, der ſich 
nach dem Beiſpiele der Griehen und Römer auch 
mit den Erzeugniſſen der Induſtrie zu vermählen habe, 
an geeigneten Vorlagen fehle. Hiermit ſoll nicht ge- 
ſagt ſein, daß nicht auch im Freihandzeichnen mehre 
Anſtalten Lobenswerthes, ja mitunter Ausgezeichnetes 
geliefert hätten, wie die beiden Oberrealſchulen von 
Prag, die kleinſeitner Muſterhauptſchule, die neu- 
ſtädter Pioriſtenhauptſchule, die Schulen zu Leitme- 
riß-Leiza, Pilſen, Budweis u. a. -- Man vereinigte 
ſim , auf Einfachheit im Zeichnen zu drängen, den 
Bli> der Schüler frühzeitig auf die unübertroffene 
Lehrmeiſterin Natur zu lenken, das gedankenloſe Ko* 
piren aus: der Schule zu verbannen, die Selbſtthätig- 
keit und den Erfindungsgeiſt zu we&en, und nachdem 
man noch andere wichtige Anträge geſtellt, kam end- 
lich der Beſchluß zu Stande, es ſollen die Lehrer 
jeder Anſtalt jährlich eine oder mehre ihrer eigenen 
Arbeiten den Schulräthen überſenden, welche ſie durch 
eine Kommiſſion prüfen zu laſſen hätten, um die für 
gut befundenen Stüe dem h. Miniſterium vorzulegen, 
und nach erlangter hochortigen Sanktion für deren 
Veröffentlihung zu ſorgen. Dieſer Beſchluß kann, 
wenn er auch thatkräftig ausgeführt wird, von ſehr 
heilſamen Folgen ſein, indem ſo die Anſtalten nach 
und nach auf wohlfeilere Art zu tauglichen, ihrem 
Zwed>e entſprechenden Vorlagen zu gelangen im 
Stande ſein werden. Ueberhaupt vermag die zum 
erſten Male eingeleitete Verſammiung die lohnendſten 
Früchte zu tragen, da die Lehrer ihre bedeutungs- 
volle Aufgabe klarer erfaſſen, und ſich wechſelſeitig 
näher kennen lernen. Man ſchied mit dem allge: 
meinen Verlangen, ſi<h im nächſten Jahre wieder 
zuſammen zu finden. Wohlan, waere Freunde! 
Es kann hier, wie überall, nur nach dem Wahlſpruche 
vorwärts gehen: „„Viribus unitis!'“ - 
Berichte über Lehrerverſammlungen. 
Der allgemeine württembergiſche Volksſchul- 
-„Tehrervein hielt ſeine diesjährige Plenarverſammlung 
-- ſeit der Zeit ſeines Beſtehens die dreizehnte = 
Es hatten ſich über 70 Lehrer 
am 4. Auguſt. . Der ernſten Stimmung, in welcher 
ſich die Theilnehmer zur Berathung über einen gleich- 
falls ernſten Gegenſtand zuſammengefunden hatten, 
gab der Eröffnungsgeſang in dem Choral: „Wer 
nur den lieben Gott läßt walten 2c.“' (von einem 
Vereinsmitgliede, W. A. Auberlen, für Männerſtim- 
- men na<h dem Originälrythmus bearbeitet), den ent= 
 
| 
 
 
 
 
 
ſprechenden AusdruF. In gleichem Sinne ſprach 
- dex Vorſtand Worte der Begrüßung, und freute ſich, 
daß die Verſammlung, wenn gleich denen früherer 
beſucht war, um durch dieſelbe eine Majorität des 
württembergiſchen Volksſchullehrerſtandes in ihr ver- 
treten zu ſehen. , 
Den Hauptgegenſtand der Beſprechung bildete 
der rythmiſche Choral. Seit einer Reihe von 
Jahren wurde in verſchiedenen Kreiſen gar vieles 
hiervon geredet und geſchrieben, beſonders ſeit dem 
Stuttgarter Kir<entage, auf welchem die Frage hier- 
über gleichfalls verhandelt worden war. Sowohl 
die Unklarheit der Vorſtellungen über ſein Weſen, 
ſeinen Charakter, ſowie ſeine Bedeutung für den 
kir<lichen Kultus auf der einen Seite, als die all- 
'zukühnen Erwartungen auf der andern Seite, welche 
man von deſſen Einführung als kir<licher Gemeinde: 
geſang in manchen Kreiſen wenigſtens hegt, hinſicht- 
lich der Förderung wahrhaft <hriſtliher Erbauung 
und der Pflege eines regen kir<lichen Sinnes, -- 
machten eine Erörterung unter Männern, welche zu- 
nächſt durch ihren Beruf darauf angewieſen ſind, 
hier zu prüfen und das Beßte zu behalten -- höchſt 
wünſchenswerth. An der Hand von Fragen (Theſen), 
die ein Vereinsmitglied zuvor in der „„Volksſchule' 
zu vorbereitender Erwägung veröffentlicht hatte, wurde 
der Gegenſtand wie nach ſeiner hiſtoriſchen und äſthe= 
tiſchen Bedeutung, ſo auch nach ſeiner praktiſchen 
Wichtigkeit freimüthig und unbefangen erörtert. Das 
Reſultat der Berathung ſprach ſich der Hauptſache 
nach in der Anſicht aus, daß der rythmiſche Choral, 
mit Ausnahme von etlichen ganz ausgezeichneten 
Melodieen, in muſikaliſcher Hinſicht einen weſentlichen 
Vorzug vor dem gegenwärtigen, namentlich nach der 
wirklim in hohem Grade gelungenen Bearbeitung 
des württemberg. ,,Choralbuchs'“ von 1844, nicht 
darbiete, dagegen weit größere Schwierigkeiten in der 
Ausführung z ebenſo erheben ſich bedeutende Zweifel 
darüber, ob durch denſelben die Andacht bei dem 
Gottesdienſte in dem Maße würde gefördert werden, 
wie ſo Manche zu glauben geneigt ſind. Obgleich 
hierdurc) ausgeſprochen ward, daß ein hinreichender 
Grund zur Einführung der na< dem muthmaßlichen 
Original: Rythmus bearbeiteten Choräle und damit zur 
allmäligen Beſeitigung unſers gegenwärtigen Chorals 
in der Gemeinde nicht vorhanden ſei, ſo wurde den- 
noc< auch zugleich anerkannt, daß zur Belebung des 
Geſanges, insbeſondere eines friſcheren Vortrags an 
der Stelle des allzuerlahmten Rhythmus, einige 
hierzu beſonders geeignete Choräle je nac< Umſtän» 
den der Oertlichkeit und der muſikaliſchen Kräfte 
vornämlich für kir<liche Geſangc<öre ſich empfehlen. 
Mit dem Schluſſe der Debatte hierüber endigte der
	        

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