Full text: Allgemeine deutsche Lehrerzeitung - 4.1852 (4)

Allgemeine 
eutſche Lehrerzeitung, 
Im Auftrage herausgegeben von A. Berthelt. 
Ur. 1 &2. Sonnabend, den 10. Jannar. 1852. 
 
Von dieſer Zeitung erſcheint jede Woche eine Nummer oder aller 14 Tage eine Doppelnummer zu dem halbjährlichen Preiſe 
von 15 Ngr. Die Unterzeichnung verpflichtet auf einen halben Jahrgang. Alle Buchhandlungen und Poſtanſtalten Deutſch- 
lands nehmen Beſtellungen an. Anzeigen werden für den Raum einer geſpaltenen Zeile mit 15 Ngr. berechnet. 
Vorwort. 
= =< 0 men 
Die Zeitung des allgemeinen deutſchen Lehrervereins oder, wie ſie nach ihrem neuen Namen ſich nennt, die 
allgemeine deutſche Lehrerzeitung beginnt mit heute ihr viertes Lebensjahr. Was ſie iſt und was ſie 
ſein ſoll, möchten wir gern bei allen Lehrern deutſcher Zunge als bekannt vorausſeen. Sie wurde ins Leben 
gerufen auf einer Verſammlung von Lehrern aus beinahe allen deutſchen Ländern, und Alle fühlten die Wich- 
tigkeit und Nothwendigkeit eines gemeinſamen Organes für den deutſchen Lehrerſtand z ſie wurde auf feſte Be- 
ſtimmungen gegründet in einer ähnlichen Verſammlung, wo eine allgemeine Begeiſterung für. ein ſelbſtſtändiges, 
vom deutſchen Lehrerſtande ſelbſt abhängiges Blatt ſich kund gab. Das, ſollte man meinen, müßte ſchon die 
Augen aller Lehrer auf dieſe Zeitung gerichtet haben. 
Aber noch mehr muß der Zwe> der Zeitung ſelbſt die Aufmerkſamkeit Aller beanſpruchen, welche mit 
warmen Herzen an dem Wohle und Wehe der deutſchen Schule und ihrer Lehrer Antheil nehmen , die. Fort: 
bildung des Lehrerſtandes durch gegenſeitige Anregung als eine dringende Aufgabe der Zeit betrachten und an 
dem tiefergreifenden Bewußtſein ſich erheben wollen, einer großen, durch eine hohe Aufgabe verbundenen Ge- 
ſammtheit anzugehören. 
Wie bisher , ſo wird dieſe Zeitung auch künftighin ſi< bemühen, „die Bekanntſchaft mit den Angelegen- 
heiten des Schul: und Erziehungsweſens aller deutſchen Länder zu erhalten, den gegenſeitigen Verkehr der grö- 
ßeren Lehrervereine zu vermitteln , die Lehrer in ihren Anſichten und Beſtrebungen mehr und mehr zu ver- 
einigen und auf dieſe Weiſe eine immer größere innere Einheit des deutſchen Lehrerſtandes, die Einigung in 
Geſinnung und Charakter, herbeizuführen.“ . 
„„Durc< Mittheilungen über wichtige Vorkommniſſe im deutſchen Sc<hul- und Lehrerweſen, durch Be- 
richte über größere Lehrervereine und Lehrerverſammlungen , ſowie durch leitende Artikel und andere Aufſäße, 
welche die Idee der deutſchen Schule weiter zu verbreiten, aufzuklären und zu begründen ſuchen,“ ſoll ſie auch 
ferner ihrem Ziele entgegen ſtreben. =- Nebenbei wird ſie, wenn auch in engem Rahmen, eine Umſchau auf 
dem Gebiete der neueſten pädag. Literatur gewähren und überhaupt alles Das in ihr Bereich ziehen, was nicht 
blos den Lehrern eines einzelnen deutſchen Landes, ſondern der Geſammtheit der deutſchen Lehrer von Inter- 
eſſe ſein dürfte. 
Ein Parteiblatt ſoll dieſe Zeitung nicht ſein, -wie auch der allgemeine deutſche Lehrerverein, dem ſie 
ihre Entſtehung verdankt, nie eine beſondere Partei im deutſchen Lehrerſtande hat bilden wollen. No< giebt 
es in der Pädagogik und auf dem Gebiete der Schul- und Lehrerverhältniſſe viele ungelöſte Fragen. Dieſe 
Zeitung wird ſie nicht als von der einen oder anderen Seite ſchon gelöſt betrachten, nicht im Voraus auf der 
Rechten oder Linken ſtehen. Aber ſie wird ſtreben, aus dem Kampfe der entgegengeſezten Meinungen die 
Wahrheit 6 Siegerin, do< immer dem Leſer ſelbſt die Entſcheidung des Sieges anheim gebend, hervor- 
treten zu laſjen. 
Noch viel weniger ſoll ſie ein Oppoſitionsblatt gegen Staat und Kirche ſein, die ſie als unentbehrliche 
Anſtalten ehrt und achtet. Aber ſie wird ſich auch nicht ſcheuen, die Verhältniſſe der Schule zu beiden mit 
Offenheit in den Kreis ihrer Beſprechungen zu ziehen, und was das Wohl der Schule und ihrer Lehrer von 
Staat und Kirche fordert, einer gründlichen Prüfung zu unterbreiten. Der Lehrerſtand muß ein klares Ur: 
theil über ſich ſelbſt und über die Schule in ihren verſchiedenen Beziehungen gewinnen. 
Sie ſoll nicht aufregen und blinde Leidenſchaften entfeſſeln; aber ſie ſo] das, was im Tiefinnerſten 
des Lehrerſtandes ſich regt nnd bewegt, aus dem Dunkel des Halbbewußtſeins dem Boden der Leidenſchaften 
„entreißen und am Lichte verſtändiger Betrachtung zu feſten, ſicheren Grundſäßen geſtalten helfen. Nicht die 
Wahrheit, nur die Meinung iſt gefährlich. Aber nicht in einſeitiger, ſondern in allſeitiger Beleuchtung wird 
„die Wahrheit gefunden.
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.