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Die Beſoldungen der an öffentlichen niederen
Schulen angeſtellten Lehrer für das Jahr 1847 iſt
durchſchnittlich 2474 Gulden, einſchließlich der Haus-
wirthe, der Beſoldungen für Küſter - , Kantor: und
Organiſtiengeſchäfte u. |: w. Es muß auh erwähnt
werden, daß der größte Theil der Stellen nicht 250 fl.
erreicht und nur ſehr wenige über* 300 fl. tragen.
Dagegen betragen die Beſoldungen der Geiſtlichen
durchſchnittlich 725 fl. und die Regierung hat dafür
geſorgt, daß das geringſte Einkommen eines Geiſt-
limen 450 fl. beträgt. Die Landſtände beantragten
4000 fl. zur Aufbeſſerung der Lehrergehaltez; die Re:
gierung verſagte jedoch die Zuſtimmung. Das Kir-
<hen: , Pfarrer: , Schul: und Stiftungsvermögen be-
rechnet ſim nach einer Unterſuehung für ſämmtliche
Kirchen: und Schulengemeinden auf einen Kapital:
werth von 4,886,627 fl. -- Auf Kirchen: und Pfarr-
gebäude kommen circa 2,500,000 fl. , auf Schulge-
bäude etwa 336,000 fl. Die unmittelbaren Beiträge
des Staates hinzugerechnet, ſteht für Kultus und
öffentlichen Unterricht ein Kapital - Vermögen von
6,599,048 fl. zu Dienſten.
Johannes Stangenberger.
Bücherſchau.
Praktiſche Anweiſung zum deutſc<en Sprach-
unterrichte in den unteren Klaſſen einer
Volksſc<hule, von A. Berthelt. Leipzig, Verlag
von Julius Klinkhardt, 1852. (112 Seiten, 72 Ngr.)
Wurſt --- Otto (Kellner). =- Genannte Männer
könnte man nicht unpaſſend als Repräſentanten beſtimmter
Entwickelungsſtufen der Methode des deutſchen Sprach-
unterrichtes neuerer Zeit anſehen. Während die früheren
deutſchen Grammatiken bis zu Heinſius und Heyſe herab
nac< dem Muſter der lateiniſchen eingerichtet waren, behan-
deln die Sprachſchriften Wurſt's und ſeiner Nachfolger
die Sprache nach der genialen Auffaſſung des verdienſtvollen
Beer als einen ſelbſtändigen OrganisSmus. Wurſt's
Verdienſten um die Sprachbildung des deutſchen Lehrer-
ſtandes zollen wir gerechte Anerkennung, wenn wir auch
ſeine Behandlung des Sprachunterrichts in Volksſchulen
entſchieden verwerfen. Seine Methode iſt die abſtrakte,
ſyſtematiſMe, und in die Volksſchule gehört kein gram-
matiſches Lehrgebäude, kein Syſtem der Grammatik. Ein
bedeutender Fortſchritt in der Didaktik des Sprachunter-
richtes geſchah durc< Otto und Kellner. Nah der For-
derung dieſer hobgeachteten Pädagogen hat ſich der ganze
Sprachunterricht in der Volksſhule an das Leſebuch, wel:
hes der Schüler in Händen hat, anzuſchließen. Sachliche
Zergliederungen des Leſeſtoffs mit Anknüpfung der dazu
erforderlichen grammatiſchen Verhältniſſe, damit Inhalt und
Form immer zuſammen betrachtet werden, Uebungen in
der Ableitung, und eine einfache Saklehre, ſind die wich-
tigſten Uebungen. Wir ſind Überzeugt, daß dieſe Methode
als die einzig zwe&mäßige, darum ſchulmäßige be-
zeihnet werden kann. Nur fehlte es bis jet an einem
Werke, welches den Sprachunterricht in methodiſcher und
ſachgerechter Reihenfolge an das Leſebuch anſchließt,
und in einem wohlgeordneten Gange den Weg zeigt, wel-
<en der Lehrer zu betreten hat, wenn er ſich eines ſicheren
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Erfolges in der Sprachbildung ſeiner Schüler erfreuen will.
| Oben angezeigte Schrift Berthelt's befriedigt dieſes Be-
| dürfniß auf eine ſo treffliche Weiſe, daß es uns drängt, alle
| deutſchen Volksſchullehrer, insbeſondere angehende, auf die
Erſcheinung derſelben nachdrücklich aufmerkſam zu machen.
Der Verfaſſer, Mitherausgeber der weitverbreiteten Le-
bensbilder I--IV., legt in dem ſiebenten Abſchnitte
ſeines Buches die „Grundzüge für die Methode des
Sprachunterrichts in der Volksſ<hule' in ſolch?
Überzeugender und gewinnender Weiſe dar, daß wir dieſen
vorzüglichen Abſchnitt, was auch der im Vorworte aus-
geſprochene Wunſch des Verfaſſers iſt, vorab zum aufmerk-
ſamen, prüfenden Durchleſen dringend empfehlen. Wir
ſchließen unſere Anzeige mit dem anerkennenden Urtheile :
Die Schrift iſt eine durchgehend praktiſche, und darum
wird dieſelbe von den Lehrern, bei denen der eigentliche
Sprachunterricht mit dem Leſeunterrichte Hand in Hand geht,
freudig und dankbar begrüßt werden. Julius,
„emmihmenmmmengnennne
Sammlung von Materialien zu ſchriftlichen
Auffäßen für Schulen. 3. Auflage. Halle u. Leipzig,
Auguſt Rieſe's Verlag. (88 Seiten.)
Ein recht brauchbares Büchlein für die Schüler der
Okerklaſſen in Volksſchulen und der unteren Klaſſen höherer
Bildungsanſtalten zur Uebung in ſchriftlichen Aufſäken.
Vorliegende Sammlung bietet einen anſehnlichen Vorrath
zwe>mäßiger Aufgaben zu ſchriftlichen Aufſäßen dar. Die-
ſelbe beſteht aus vier Abtheil ungen. Die erſte Abtheilung
enthält 100 Aufgaben zu Briefen z die zweite giebt The-
mata zu 118 Erzählungen ; die dritte enthält über 150
Aufgaben zu Beſchreibungen von lebenden und lebloſen
Dingen u. ſ. w., und die vierte Abtheilung liefert 80 The-
mata zu Abhandlungen mit Angabe der Hauptgedanken,
außerdem mehrere Aufgaben ohne ſolche Angabe.
Bilder aus dem Leben und der Natur. Loeſebud)
für die Jugend. Erſter Theil. Herausgegeben von
Chriſtoph Karl Hornung, evang. Pfarrer in Ans-
bach. Dritte, vermehrte und verbeſſerte Auflage. Ans-
bah, 1852. Verlag von E. H. Gummi. (354 S.)
Das hier angezeigte Leſebuc enthält eine geordnete
Sammlung anziehender und werthvoller Leſeſtü>e, die nicht
verfehlen werden, durch den darin niedergelegten Bildungs-
ſtoff Geiſt und Gemüth der deutſchen Jugend wahr-
haft zu veredeln. Möge daſſelbe auch in ſeiner erneuerten
Geſtalt den jungen Leſern ein reicher Segen werden.
Die Poeſie in der Volksſ<ule. Eine Sammlung
von Gedichten älterer und neuerer Zeit zur Förderung
der Gemüthsbildung. Für Volksſchullehrer und Volks-
ſchulen zuſammengeſtellt und mit einer Einleitung be-
gleitet von L. Kellner. Eſſen, Druck u. Verlag von
G. D. Bädeker. (288 Seiten, 15 Nar.)
Ein vorzügliches Buch, das die größte Beachtung
der Volksſchullehrer verdient. Insbeſondere machen wir
auf die das Werk begleitende Einleitung von dem hoh-
geachteten Pädagogen aufmerkſam, die kein Lehrer der Ge-
genwart ungeleſen und unbeherzigt laſſen ſollte, da ſie einen
ho<hwichtigen Gegenſtand, die der Jugendbildung nachthei-
lige Abſtraktheit der bisherigen Unterrichtsweiſe in über-
zeugenden Worten zur Sprache bringt. Die wohlgeord-
nete Sammlung der Gedichte beſteht aus vier Abtheilungen :
I. Abtheil. Gott und die Natur. (Lyriſches u. Epiſches.)
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