Full text: Allgemeine deutsche Lehrerzeitung - 4.1852 (4)

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der einzelnen Sprache zu vertilgen und ohne Hinten: 
lernen theoretiſcher Sprachregeln zu peinigen, auf 
praktiſchem Wege ſie die Geſeße der Sprache befolgen 
und erſt aus gründlich verſtandenen Beiſpielen zu 
erkennen lehre. Wir hoffen, daß die Bücher einer 
beſſeren Lehrmethode in den öſterreichiſchen Volks- 
ſchulen die Bahn brechen werden. 
Was den Lehrſtoff ſelbſt betrifft, ſollen dieſe 
Bücher nicht Originalwerke werden, ſondern vorzüg- 
lich nach einem und dem nämlichen ſittlich-religiöſen 
und zugleich patriotiſchen Geiſte bearbeitete Samm:- 
lung des Beſten, was die Deutſchen für Kinder 
dieſes Alters Brauchbares geſchrieben haben. Da- 
her begegnet der Leſer ſo oft wohlbekannten klaſſiſchen 
Fragmenten , die dem Kindesalter angepaßt ſind, 
und nur Weniges findet er, was nicht an anderen 
Orten ſchon gedrust ſteht. 
nicht, Gutes zu finden, ſondern unter dem vielen 
Guten das Beſte auszuwählen. 
auch manche Mutter die frommen Sprüche leſen, die 
ihr Kind ſchon längſt aus ihrem eigenen Munde 
weiß und die ſeit Jahrhunderten tratizionell ſich fort- 
erbten, bis es ihnen gelang, die gewechſelten Phraſen 
aus den ſogenannten Kinderbüchern zu verdrängen. 
Gern ſehen wir darin den ſchönen Brief Herder's 
an ſeine Kinder (S. 45), die herrliche Legende vom 
heiligen Martin (S. 89) und das hinreißende Sciller- 
ſche: „An's Vaterland, an's- theure ſchließ dich anz 
aus halte feſt mit deinem. ganzen Herzen!''=- Kurz 
iſt, was über Kaiſer und Obrigkeit darin ſteht, aber 
gut und kräftig; deſto öfter kehren die Beiſpiele auf: 
opfernder Treue und edler Fürſtentugend wieder. = 
Die Slaven finden darin ihren heiligen Methud, 
die Ungarn ihren heiligen Stephan, die Deutſchen 
ihren heiligen Leopold , die Oeſterreicher Alle ihren 
Kaiſer Franz, ihren Kaiſer Joſeph und deren Ahn:- 
herren Max und Rudolph. 
Wie ſorgfältig auch die beiden Werke in Form 
und Inhalt zuſammengeſtelt und erwogen worden 
ſind, können ſie dom; unmöglich weder in der einen, 
noch in der anderen Beziehung für das ganze Reich 
paſſen. :=- Das Miniſterium iſt auch weit entfernt, 
das zu glauben, und darnach zu handeln. Es wolte 
und mußte nur einmal ein Muſter von einer ſo viel 
als möglich weiten Giltigkeit aufſtellen, wonach jekt 
für beſondere Verhältniſſe beſondere Bücher, in dem 
Die Schwierigkeit war 
Mit Freuden wird 
| poſitive religioſe Ueberzeugung, und dadurch für das 
 
Nennen arl 
 
 
 
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gleichen Geiſte und in der gleichen Richtung, verfaßt | 
und mit Genehmigung der weltlichen und geiſtlichen 
Behörden an den gehörigen Orten eingeführt werden 
können. Vor allem iſt in dieſer Beziehung auf die 
neun Sprachen des Reiches hinzuweiſen, deren jede 
ihren eigenen Genius, ihre eigenen klaſſiſchen Muſter, 
ihre volkfsthümlichen Schäßze hat, wel<e Alle das 
Miniſterium als unverleßlih anerkannt und unan: 
getaſtet laſſen will. Entgegen alſo dem alten Ge- | 
brauche, den deutſm<en Text wörtlich in die anderen 
Sprachen Überſeßen zu laſſen, trägt es nun Sorge, 
daß ausgezeichnete Pädagogen der nicht deutſchen 
- Nationalitäten bei Verfaſſung der neuen Fibeln und 
Leſebücher ſic der Methode und Grundſätze der Stoff- 
wahl zur Richtſchnur nehmen, und aus dem deutſchen 
Originale ni<t mehr aufnehmen, als ohne den Geiſt 
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anſezung der Schäße ihrer Literatur aufgenommen 
werden kann. 
Eine weitere Rüäſicht verdient der Unterſchied 
zwiſchen Land und Stadt, der Unterſchied in Sitten 
und in der Bildung der verſchiedenen, wenn auch 
in der Schriftſprache geeinten Stämme, welche die 
einzelnen Kronländer bewohnen, und das Bedürf- 
niß vieler armen Gemeinden, hö<ſt wohlfeile, daher 
nothwendig im Umfange ſehr beſchränkte Schulbücher 
zu haben. Die Erfahrung wird binnen kurzer Zeit 
dem Miniſterium die Mittel an die Hand geben, dieſe 
verſchiedenen Bedürfniſſe gründlim zu beurtheilen, 
und darnach weitere Entſchließungen zu faſſen. 
Ferner hat das Miniſterium die Bücher nißt 
blos in einem religiöſen, ſondern auch in einem kirh- 
lichen Geiſte verfaſſen laſſen, um ſo ſchon in den 
Elementarſchulen dem IndifferentisSmus, der für jede 
wahre GlüE der Nation ein Gift iſt, entgegenzuwir- 
ken. Zunachſt iſt für die katholiſmen Volksſchulen 
geſorgt worden. Wir ſind Überzeugt, daß das Mi- 
niſterffim eben „ſo für das Bedürfniß der Schulen 
anderer Konfeſſionen ſorgen werde, wie es für die 
katholiſchen Schulen ſorgte. - 
voti ſorg Aus Böhmen. 
Bücherſ<au,. 
Muſikaliſches. 
1) Der Pianiſt oder die Kunſt des Klavierſpieles in 
ihrem Geſammtumfange theoretiſc<h - praktiſch dargeſtellt. 
Ein Lehr: und Handbuch für Alle, welche Klavier ſpielen 
und dieſe Kunſt lehren oder lernen, jedoc<h mit beſon- 
derer Rüſicht „auf Dilettanten, von Guſtav S <hilling. 
Oſterode, Verlag von A. Sorge. 
2) Lehrbuch der muſikaliſchen Kompoſition. 
Nach pädagogiſchen Grundſätzen bearbeitet von Chriſtian 
Heinrih Hohmann, Seminarlehrer zu Schwabach. 
1. Theil, Harmonie- und Generalbaß- Lehre. Zweite 
umgearbeitete und vermehrte Auflage. Altdorf, Tobias 
Heſſel. 1 Thlr. 22 Sgr. = 3 fl. 
3) Urania. Eine muſikaliſche Zeitſchrift zur Belehrung 
und Unterhaltung für Deutſchlands Organiſtez, und 
Volksſchullehrer 2c. =- Erfurt und Leipzig, G. W. Kör- 
ner. 8. Jahrgang. Preis 4 Thlr. 
Einſtimmige Lieder für die Schüler der Unter- 
und Vorbereitungsklaſſen , ſowie der Kleinkinderbewahr- 
anſtalten. Komponirt und geſammelt von einem prakti- 
ſchen Schulmanne und Vorſänger an einer Hauptkirche. 
11. Heft, zweiſtimmige Lieder für Schüler der Mittel- 
klaſſen. 1I1. Heft, dreiſtimmige Lieder für die Schüler 
der Oberklaſſen. Nürnberg, Verlag von I. L. Lob- 
be>. 3 Hefte 54 Nar. 
5) Siona. Eine Sammlung von leicht ausführbaren 
Motetten , Hymnen, Kantaten und anderen geiſtlichen 
Geſängen zu allen Feſten für Männer<öre. Herausge- 
geben unter Mitwirkung namhafter Komponiſten von 
F. G. Klauer, Organiſt und Muſiklehrer in Eisleben,. 
INT. Heft. Preis 72 Sgr. Eigsleben, F. Kuhnt. 
4)
	        

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