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6) a) Elementargeſanglehre für Schule und Haus,
bearbeitet von A, Reißmann, Erſter Kurſus. Leipzig,
Verlag von C. W. B, Naumann. Einzeln 5 Nar.,
bei Abnahme von 25 Exemplaren billiger.
b) Liederheft zur Elementargeſanglehre für
Schule und Haus von A, Reißmann, Erſter Kurſus.
Leipzig, ebendaſelbſt. Preis 6 Ngr. In Partieen billiger.
c) 9 Noten- Wandtafeln, Ladenpr. 21 Ngr, Edend.
1) Iſt ſhon 1843 erſchienen und vielleicht ſo manchem
Lehrer bekannt. Der Hauptzwe> des Werkes iſt, den
Dilettanten nüklich zu werden. Sie ſollen aber nicht blos
abgerichtet, ſondern gründlich gebildet werden durc) das
Dargebotene. Nur wenn die Liebhaber der Muſik, i. e.
Dilettanten, die 396 Seiten des Buches mit Muße und
etwas Kraft durchſtudiren, ſo werden ſie erfahren, was
zum Klavierſpiel gehört z immer aber wird der unmittel-
bare Unterricht, das lebendige Wort, nachhalkiger einwirken,
als das Buch, und wäre es mit goldenen Buchſtaben ge-
dru>kt. Da es nun aber viele Dilettanten unter den
Muſiklehrern giebt, das ſind nicht etwa ſolche, die aus
Liebhaberei Klavier 2c,. lehren, =- ſo wäre es gewiß von
Belang für dieſelben, wenn ſie ſich unterrichtet über : Ge-
ſchichte und Beſchreibung der verſchiedenen Klavielnſtru-
mente, über Nothwendigkeit des Unterrichtes und Art und
Weiſe deſſelben im Klavierſpiele, Dies bietet ihnen das
Buch auf 28 Seiten. Des Pianiſten allgemeine Muſik-
lehre wird in 8 Kapiteln, S. 57 --- 149, abgehandelt.
Es findet ſich ſo manches Intereſſante darin. Der zweite,
ſpeciellere Theil verbreitet ſich über die Lehre von der
Kunſt des Clavierſpieles insbeſondere. Väter, die ihre Söhne
auf's Gymnaſium, Seminar 2c. 2c. ſchien, mögen ihm
das Buch zur Lektüre, zum Studium mit geben 3; Penſions-
anſtalten für junge Mädchen können es ebenfalls gut
gebrauchen. --
2) Herr Hohmann hat mit innerer, wohlbegründeter
Berechtigung auf den Titel ſeines Lehrbuches geſeßt: „nach
pädagogiſchen Grundſäken bearbeitet." Als mir vor einigen
Jahren deſſelben Verfaſſers kleine Geſanglehre für Ele-
mentarſchulen vorlag, ſchloß ich, daß der Mann Größeres eben
ſo tüchtig durchführen könne und werde. Ueberall las
man eine Kernbildung heraus, die gute Keime und Früchte
zu treiben im Stande iſt. Der erſte Theil ſeiner Harmo-
nie= und Generalbaß- Lehre iſt mit großer Gründlichkeit
und vielem Fleiße durchgearbeitet, giebt in einzelnen Ka-
pitelnw eher zu viel, als zu wenig. Des Guten aber
kann man wohl viel geben, wenn es eben, wie beim Ver-
faſſer , die Mittel erlauben. Er ſteigt auf von der Ton-
lehre durc die Rhythmik zur Harmonielehre 2c. 2c. bis
zum Orgelpunkte. Nach den einzelnen Kapiteln ſind geiſt:
und fkraftbildende Aufgaben für den Schüler geſtellt.
Nur das Eine mißfällt mir an dem Werke; das
nämlich, daß die Uebungs:- Beiſpiele nicht aus den Werken
deutſcher Meiſter, reſp. Klaſſiker, gewählt ſind. Wie ſchön
iſt das in der Kompoſitionslehre vom Prof, Lobe. Es
kommt da ein Reiz und eine Friſche in die Disciplin,
(Unterrichtsgegenſtand ) der ungemein förderlich iſt. Eine
Monotonie und Farbloſigkeit iſt dabei gar nicht denkbar.
3) I< darf dieſe Zeitſchrift ni Mitarbeiter an derſelben bin. Allein nach dem Urtheile





meiner Kollegen, die ſie leſen, iſt ſie no< geſund und
friſch. *Sie ſteht im neunten Lebensjahre und ſcheint ihr
Leben fortſezen zu wollen , denn ihr Leſerkreis mehrt ſich,
und -- das däc empfehlung. Was ſie enthält, habe ich ſchon ſrüher in
dieſen Blättern aufgezählt und der Titel (ſ. oben) reſumirt es
abermals, Man wage einmal den halben Thaler für's Jahr!
4) „Einige Worte", die der Herausgeber an die „ge-
ehrten Herren Lehrer" richtet, ſagen, daß die bei weitem
meiſten dieſer Melodieen ſeine Kompoſitionen ſind. Dieſe
Kompoſitionen ſind allerdings nicht übel, allein, nehme es
uns der Herr Verfaſſer nicht ungütig, wir haben wirk-
lich beſſere Melodieen zu den Liederhen in ſeinem erſten
Hefte 3 [0 z. B. bei Nr. 1 und 2 u, ſ. m. a.
Wir begrüßen mit Freuden neue, treffende und treffliche
Erzeugniſſe der Art, (wie z. B. von Sattler in Blanken-
burg, Fl. Geyer in Berlin) allein ſol nicht gebracht.
Heft 17. hat mehre Fortſchreitungen, Sprünge u.
ſ. w. in der zweiten Stimme, die ſehr zweifelhaft und
ungut erſcheinen. S. 7 finden ſich Druckfehler und falſche
Saktbezeihnung. Im Hefte Il. finden ſich, wie lt. Vor-
rede verſpro faſſer giebt ſelbſteigene zu Liedern, die von Mozart ſchon
fomponirt waren (z. B. Dem Ew'gen unſ're Lieder 2c.).
Was ſoli man dazu ſagen? --- Heft 1UU1l., mehrentheils
gute alte Lieder enthaltend, macht einen guten Schluß! --
5) Auch dieſes I]1. Heft bietet verſchiedenes Gute.
Freilich laſſen ſich auch beim Guten Abſtufungen denten.
Abſolut - zut kann keine Nummer genannt werden; das
wäre auch zu viel verlangt. Necht gern wird man ſingen:
Nr. 25, der 43. Pſalm von Klauer, wo man 2 Chöre
beſeßen kann z Nr. 27, Oſterkantate von Sattler z; Nr. 28,
Pfingſtmotette von SiebeX. Und damit iſt das Heft be-
zahlt. Auch die übrigen Nummern werden ihre Verehrer
finden. Die liturgiſchen Geſänge ſind fortgeſebt. Möchte
es dem Herausgeber gefallen, einmal ältere, ja alte thüring'ſche
Liturgien zu geben.
6) Der Verfaſſer , ein kunſtſinniger, weil jedenfalls
kunſtverſtändiger, Mann, wie ſich aus ſeinem Werk ergiebt, richtet zunächſt, S. 3 u. ſ. w., ſeine in' Wärme
und edlem Eifer geſchriebenen Worte an die Lehrer und
Treunde des Volksgeſanges und geht dann, nachdem er
viel Beherzigenswerthes über den heutigen Standpunkt des -
Elementarunterrichtes im Geſange, über Methode u. [. w.
geſagt hat, über zur Erläuterung der beigegebenen unter
c) (ſ. oben) angeführten 9 Noten - Wandtafeln. Dieſe,
mehr als eine Elle in's Geviert haltenden Wandtafeln,
reich ausgeſtattet von Seiten des Verlegers, der überhaupt
bei dem ganzen Werke a --- c eine Prachtausgabe zu geben
im Auge gehabt haben muß, gehen mit dem Liederhefte
(ſ. oben 8ub b) Hand in Hand, Lekteres, das Liederheft,
bringt die vortrefflichſten, für einen erſten Kurſus paſſenden,
Lieder z gute alte und gute neue, unter denen die vom
Herausgeber eine rühmliche Stelle einnehmen.
Dem ganzen Werke, und namentlich den ſchönen in's Auge
fallenden Wandtafeln, recht bildend wegen der vermittelnden
Anſc Anger, Robert Schaab, Lehrer.

Redakteur: A. Berthelt.
Dresdemn
Dru> von C. Heinrich.
Verlag von Julius Klinkhardt in Leipzig.

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