Herausgegeben von A. Berthelt,
Unfer Vitwirkung von Ferd. Snell,
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Sonntag, den 4. Juni.
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Die Fremdwörter in unſerer Mutterſprache.
Von Dr. FriedriO Schröder.
In dem Hildesheimer Erziehungsvereine wurde im vori-
gen Sommex von Herrn Holſchen, ehrer der höheren Töch-
terſchule, ein Vortrag über die Fremdwörter im unſerer
Mutterſprache gehalten, welher auch ſpäter im Sonntags-
blatte der Gerſtenberg'ſ der allgemeinen Lehrerverſammlung in Leipzig in dieſem
Jahre (ſ. Programm Nr. 19) ſoll, wie wir hören, die Sache
weiter verhandelt und über die Mittel und Wege geſprochen
werden, wel weiter um ſich greift, zu ſteuern. Und in der That, das Ue-
bel iſt vorhanden und zwar in einem Umfange, den man erſt
re und Zeitungen mit prüfendem Auge dur mühungen deutſ eingedrungenen fremden Elemente zu hemmen, hat es übrigens
ſ Martin Opitz ließ ſeinen ſtrafenden Mahnruf gegen die
Sprachmengerei ertönen; Philipp von Zeſen bildete zu
Hamburg den Verein der deutſ ſ Jahrhunderts beſtand. Die fruc ſ Pegnitz zu Nürnberg (ſeit 1644) und der ShHwanenorden
an der Elbe (ſeit 1660) verfolgten gleiche Zweee. Cben ſo
riethen einzelne für die Sache begeiſterte Männer für die
Reinigung unſerer Mutterſprache. Leibnit z. B. ſchrieb
einen deutſ deutſ Sfiſcher Sprache ſchrieb. Die Namen eines Joh. Heinr.
0ß, welcher durch ſeine Ueberſetzungen der alten Klaſſiker
unſere MutterſpraHe zu hohen Ehren erhoben hat, ſowie
der eines Campe, welher nicht nur ein Wörterbuch zur
Erklärung und Berdeutſchung der unſerer Mutterſprache auf=
gedrungenen fremden Ausdrücke (Braunſ dern auch eine beſondere Shrift über die Reimigung und
Bereicherung der Sprache, drei Verſuche 1791--95, ſchrieb,
dürfen nicht vergeſſen werden. Nicht minder verdienen An=
erkennung Kinderling (über die Reinigung der deutſchen
Sprache 2c. Berlin 1795), Heynalz (Verſuch eines deutz
ſchen Antibarbarus , Berlin 1795, ferner Wolke, Jahn,
Kolbe, Mülle“, Heinſius, deren jeder Werke zu dem=
ſelben Zwecke geſchrieben hat. Zu Anfang unſeres Jahr=
nare endlid bildete ſich in Berlin eine Geſellſ für deutſche Sprache, deren Vorſteher und Pfleger ein
Jahn, Zeuner, Heinſius, Wolke u. ſ. w. waren. Im
Jahre 1810 ließ dieſe Geſellſchaft eine verſtändig geordnete
Sammlung ihrer Geſetze im Drucke erſ nur unter die Mitglieder vertheilt worden zu ſein ſcheint.
Der Verein hat, ſo viel wir wiſſen, jekt ſeinen Sitz in Pots=
dam (oder ſollte dies eine andere Geſellſ auch viele ſeiner Verſuche zur Verdeutſhung mißlungen ſind,
wie von jeher ſo manche andere, ſo verdient ein ſol ſtreben dennoch nicht den Spott, mit dem ihn bißweilen der
Kladderadatſch verhöhnt hat, indem er ihn den potsdäm-
[i ſuche man lieber, es beſſer zu machen.
Wie ſteht es nun mit den Fremdwörtern in unſerer deutz
ſchen Sprache? ſo fragt manz ſind ſie denn ganz unentbehr=
lich, Da ſie trotz aller Bemühungen einzelner Männer und gan-
ker Geſellſhaften ſich nicht haben verdrängen laſſen und alle
Verſuche, ſie durch deutſche Wörter zu erſeßen, mehr oder we-
niger biSher mißlungen ſind?
Fremdwörter gibt es mehr oder weniger in allen Spra-
hen; fie drangen ein, ſobald ein Volk mit dem andern in ge-
nauere Berührung trat und bürgerten ſich nach und nach ſo
ein, daß man ihren fremden Urſprung ganz vergaß, nament=
lich, wenn das Fremdwort eine kleine Veränderung ſeiner
Form erlitten hatte, wie ſie gerade für die Sprache, in welche
es aufgenommen wurde, paßte. Die Römer hatten einen
großen Nationalſtolz, denn ſie waren nach und nach die Herr=
ſcher der Erde geworden; nichts deſto weniger verſchmähten
ihre Schriftſteller niht, nachdem ſie mit den Künſten und
Wiſſenſchaften Griechenlands bekannt geworden waren, von
den Griechen eine Menge Ausdrüce in die römiſche Sprache
einzubürgern. Wir wollen nur in dieſer Beziehung an das
Verfahren Cicero's erinnern. Sind do< ſogar die Aus-
drücte poöta, poCsis, po6ma griechiſ die Griechen ihre Wiſſenſchaft und ihre Künſte von einem
gevilpeteren Volke überkommen, ſo würden au ſie in ihre
prache eine Menge Fremdwörter nothgevrungen haben auf-
nehmen müſſen. Die neueren romaniſchen Sprachen ſind
nicht ſo fortbildungsfähig und biegſam als unjere deutſche
Mutterſprache, und wenn ſie daher Fremdwörter aufnehmen,
ſo ändern ſie nicht ſelten ganz ihre Form, wie z. B.
bivouac aus dem Deutſchen Biwacht, Beiwa

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