Full text: Allgemeine deutsche Lehrerzeitung - 17.1865 (17)

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Bücherſchau. 
Ausflug nac< Spanien im Sommer 1864 von Dr. H. K. 
Brandes, Prof. und Rektor des Gymnaſiums zu Lemgo. 
Semgo und Detmold , Meyer'ſ<e Hofbuhbandlung. 1865. 
6 S. 8, 
Wir haben den Verfaſſer ſhon einigema! auf die ſ<hönen Reiſen 
begleitet, zu denen er jeine Sommerferien benußt, und immer haben 
wir an ſeinen einfachen, den Stempel der Wahrheit an ſi< tragenden, 
auf das Leben und die Sitte der beſuchten Städte und Länder ein- 
gehenden Scilderungen ein inniges Wohlgefallen gehabt. Auch 
von dem vorliegenden Buche, in welchem er ſeine 11. Reiſebeſchrei= 
bung augsgibt, gilt dieſes Urtheil, der Berfaſſer iſt eben ein Mann, 
der mit ſicherem Blicke ſchaut und mit unbefangenem Geiſte be= 
richtet. Madrid nennt er eine feine ſaubere, glänzend weiße 
Stadt, in Form eines Viere>s auf weiter Hoc<hfläße 2000 Fuß 
über dem Meere gelegen, ſo daß ihr keine Hauptſtadt Europa's hin- 
ſiHtlih der hohen Lage gleichkommt; Granada bat die rei- 
zendſte Lage von allen Städten, die er in Spanien geſehen hat. 
Mit Luſt und Herzenswonne gedenkt er des ſchönes Tages, den er 
in dem ſchönen Ar an j uez (die Spanier ſprechen Aranghes, mit dem 
Tone auf der letzten Sylbe) verlebt hat, und das große und präch- 
tige Barcelona hat ihn na<h den beiden genannten am meiſten 
angeſprochen, während er keine Stadt kennt, die ihm ſo unangenehm, 
unfreundlich, niedrig und häßlic< erſchienen wäre, als das finſtere 
Toledo. Spanier, welche der deutſ<en Sprache kundig geweſen 
wären, hat er nicht getroffen, franzöſiſ< wurde dagegen vielfach ver- 
ſtanden. An den ſpanijc<en Damen rühmt er den ſeinen weißen 
Teint, eine Schönheit fand er unter ihnen nicht, dazu treten ſie zu 
männlich auf; die in den Städten zur Schule gehenden und aus 
derſelben kommenden Knaben liefen nicht wild durcheinander, 
ſondern ſchritten in langer Reihe zwei zu zweien, von einem Lehrer 
begleitet, durch die Straßen. Dies nur einige Notizen aus dem 
für uns ſehr intereſſanten Buche, das wir hiermit beſtens empfehlen. 
 
Das geſammte Turnweſen. Ein Leſebuch für deutſche Turner, 
enthaltend gegen 100 abgeſchloſſene Muſterdarſtelungen von, 
ven vorzüglichſten älteren und neueren Turuſchriftſtellern, ge- 
ſammelt und herau8gegeben von Georg Hirth. 3. und 4. 
Lieferung. Leipzig. E. Keil. 
Je mehr das Werk fortſchreitet, um ſo begründeter wird 
das beim Erſcheinen der 1. Lieferung darüber gefällte Urtheil. 
Der Herausgeber bemüht ſich, dur< zweämäßige Aus8wahl von 
Muſterdarſtelungen den Leſcxu in alle Gebiete der geſammten 
TurnwiſſenſHaft zu führen und ſo durc< belchrende Unterhaltung 
das Intereſſe zu beleben. Von den Aufſätzen de3 11. Abſchnittes, 
weicher den „Betrieb des Turnens im Allgemeinen 
und einzelner Turnarten“ behandelt, ſind beſonders fol- 
gende hervorzuheben: Schwediihe Gymnaſtik und deutſches 
Turnen vom phyſiologiſchen Standpunkte, von Reymond und: 
Ueber das Barrenturnen vom ärztlichen Standpunkte. Gutachten 
der königl. preuß. mediziniſ<en Deputation. Im 111. Abſchnitte : 
„Begründung des Turnens. Spiele und Feſte. Turn- 
vereine“ verdienen beſondere Erwährung die Aufläte: Ueber den 
Begriff und Werth des. Spieles, von Guth8-Muths und: Turn= 
feſte, von Lion. Ze mühſamer das Sammeln und je ſchwieriger 
die re<hte Auswahl und Zuſammenſtellung ſo vieler einzelner, 
überall hin zerſtreut geweſener Auffätze iſt, um ſo verdienſtvoller 
muß dem Leſer das Unternehmen des Herausgebers erſcheinen. 
Eingedenk des Sprüchwortes: varietas delectat, hätte aber der 
&ufſaß: Das Sclittſhubſchleifen, von Maul -- da der vorher- 
gehende: Der Eislauf, von Vieth im Ganzen den gleichen Stoff, 
wenu auchin anderer Form, enthält, =- do<hwohl mit der Darſtellung 
einer anderen Turnart, des Voltigirens z. B. vertauſ<t werden 
können. Den vorliegenden Lieferungen ſind die Bildniſſe v. Vieth 
und Spieß, ſowie eine Anſicht des Turnplatzes in der Haſenhaide 
bei Berlin beigegeben. 
Allen Turnern, Turnfreunden und au< namentlich Lehrern 
iſt das ſeines reichen und intereſſanten Inhaltes wegen für ſich 
ſclbſt ſprechende Werk beſtens zu empfehlen. 
Zur ſröhlihen Weiterfahrt deſſelben ein : Gut Heil! 
 
Preußiſche Geſchichte von William Pierſon. Mit einer hiſto- 
riſchen Karte von H. Kiepert. Berlin, Verlag von Stilke und 
van Muyden. 1865. IV. 626 S. zr. 8. geh. 2 Thir. 
In 8 Büchern erzählt vorliegende Schrift die Geſchichte 
Preußens von der älteſten bis auf die neuſte Zeit in patriotiſ<hem, 
aber dom auch ſelbſtſtändigem Geiſte. Sie iſt für gebildete Laicin 
beſtimmt und der Verf. hat den edlen, lebendigen, anſhaulic<en 
Ton re<ht gut getroffen, der ſeinen Leſern angemeſſen iſt. Von 
den vorbereiteten Studien, welche er gemacht hat und welche zu- 
gleich für die Zuverläſſigkeit ſeiner Angaben bürgen, geben die 
Zuſätze und Quellenangaben im Anhange ein rühmliches Zeugniß; 
ſie betreffen nicht blos die politiſche, ſandern auch die kulturhiſto- 
riſ<e Entwiälung ſeines Volkes, dem er eine „Geſchichte ohne 
Gleichen“ zuſchreibt. Veſonders ausführlich und überſichtlich 
ſchilderte er auß die neuere Zeit; in Beurtheilung der neueſten 
Beitereigniſſe ſteht er unter dem Einſtuße von Anſ<auungen, wie 
ſie wohl im preußiſ<hen Staate ſehr verbreitet ſind, die man aber 
im übrigen Denſ<land noh nicht als richtig anerkannt hat. Wir 
erkennen in dem Buche eine bedeutende Erſcheinung auf dem Ge- 
biete populärer Geſchichtsſhreibung und können es daher beſteus 
empfehlen. Die beigegebene ſc<sne Karte iſt auc< beſonders exr- 
ſchienen unter dem Titel: 
Hiſtoriſche Karte des brandenburgiſch-preußiſ<en Staates nach 
ſeiner Territorial-Entwi>kelung unter den Hohenzollern. Ent- 
worfen und gezeichnet von H. Kiepert. Cbendaſelbſt Folio. 
6. Ngr. 
Dieſelbe gibt durch verſchiedene Illuſtrirung ein anſchau- 
liHes8 Bild von der Vergrößerung Preußens. 
Brandenburgiſch-Preußiſhe Geſchi<hte. Für Bünger-, Real- 
und Töchterj<ulen bearbeitet von I. Ph. Be>er. 5., ſehr 
vermehrte und verbeſſerte Auflage. Altona, Verlags-Büreau. 
1864. 140 S. 8. 
Ein gutes Schulbuch für preußiſ<e Lehrauſtalten, welHes auc< 
nach der Zahl der Auflagen zu ſchließen, die verdiente Aufnahme 
zu finden iheint. Angehängt ſind „Fragen zur Wiederholuug und 
ſhriftlichen Bearbeitung.“ Die Vergrößerungen, welche Preußen 
dur< den Wiener Kougreß erhielt, werden fälſchlich dem erſten 
Pariſer Frieden zugeſchrieben. 
Erſte General-Verſammlung des hriſtlich-konſervativen Lehrer- 
bundes. Eine Gedächtnißſ<rift. Staßfurth, Hartte. 
Schon in No. 8 haben wir unſere Stellung zu dem betreffenden 
Bunde und zu ſeinem Organe „Wäcter für Zeit und Ewigkeit“ 
hinlängli< kuudgegeben. Um aber der Verlagshandlung und den 
Herren „Brüdern“ in Schleſien und Pommern noh mehr gerecht 
zu werden, drucken wir hier zur Empfehlung des Buches aus dem 
Vortrage des Bruders Schwachenwalde folgende Sätze ab: 1. Die 
moderne Schule erzieht zur Selbſtſtändigkeit = Wer ſi< allen be- 
rechtigten Einflüſſen entzieht und handelt, wie's ihm einfällt, der iſt 
ſelbſtſtändig. 2. Sie erzieht zur Selbſthilfe. =- Arzt hilf dir ſelber! 
ſpricht ſie. Wer vom Gebet, vom Segen Gottes und von Demuth 
Lxedet, der iſt ein Thor. 3. Sie erzieht zur Humanität. =- Ihr 
Motiv iſt die Selbſtſu<t. 4. Sie erzieht zum Fortſchritt -- 
Fortſchreiten über den Gehorſam, das iſt der Fortſ<ritt zum 
Tode. 5. Sie erzieht zur Freiheit. -- Wer ſic< über die Gebote 
Gottes am leichteſien wegſelzt, der iſt fre. Summa: Dic 
moderne Schule iſt eine gottloſe Schule und kein Chriſtenmenſch 
fann etwas mit ihr zu ſchaffen haben. = (Wie lautet das 
8. Gebot?) 
Induſtrie und Schule. Mittheilungen aus England von Alfred 
Tylor. Auf Veranlaſſung der Königl. Würtemb. Centralſtelle 
für Gewerbe und Handel deutſc< bearbeitet von Dr. Bernhard 
v. Gugler, Rektor an der köngl. polytehniſ<en Schule in Stut: - 
gart. Mit einem Anhang des Bearbeiters „über engliſches 
Unterrichts weſen.“ Stuttgart, Wilhelm Nitzſchke. 1865. 
Inhalt: 1. Vermiſchte Betrachtungen aus Anlaß der Indu- 
ſtrie-Ausſtellung. 2. Ueber die Verhältniſſe der gewerbtreibenden 
Klaſſen in England. 3. Engliſche Schulen. 4. Schulen des Aus: 
landes. (Frankreich, Deutſ<land, Belgien.) 5. Anhang des Be- 
arbeiters: Ueber das Unterrichtsweſen in England. a. Hochſ<uleit, 
bd. Gymnaſien, ce. gewerbliche Lehranſtalten, d. Zeihnungsſc<hulen
	        

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