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Allgemeine
Herausgegeben von A, Berthelt,
1665.
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Unker Nitwirkung von Ferd. Schnell.







Jährlich 52 Nummern. Preis vierteljährlich 12 Thlr.
Anzeigen für den Raum einer geſp. Petitzeile 12?/, Ngr.
Literar. Beilagen 11/5--3 Thlr. -- Beſtellungen nehmen
alle Buchhandlungen und Poſtämter an.
Sonntag, den 3. September.

Auffäte über zeitgemäße Themata u. Mittheilungen
über Schul- und Lehrerverhältniſſe ſind willkommen.
Scriften zur Recenſion ſind unbere und findet eine Rüc>ſendung derſelben nicht ſtatt.



Die Lehrmittelausſtellung zu Leipzig.
(XV. allgem, deutſche Lehrerverſammlung.)
(Fortſetzung.)
Sehr zahlreich war das Leſen vertreten, ſowohl durch
Leſebücher , als auch durd) Jugendſchriften. Wir erinnern
hierbei an das Sortiment ruſſiſcher, elegant ausgeſtatteter
Unterhaltungsſhriften aus einem ruſſiſ Vom Leſen auf unterſter Stufe wüßten wir aus der Aus=
ſtellung nicht viel Neues zu erzählen ; doH ſet erwähnt , daß
m Gräbners Verlage Buchſtaben für die Leſemaſchine zu
haben ſind, unter denen die Vokale roth ſind. Wir halten
das für eine gute Idee ; beſonders für Kopfbuchſtabiren kann
es zu einer guten Unterſtützung gemacht werden.
Von der Menge Leſebücher führen wir die zwei an, die
ſich im Sachſen am meiſten eingebürgert haben: es ſind dies die
Lebensbilder und Lüben und Nake. Inſofern die erſteren in
gewiſſer Beziehung Bahnbrecher geweſen ſind, haben ſie noch
eine beſondere Wichtigkeit erlangt. Lebensbilder 1., vulgo
das Fiſchbuch, iſt gewiß den meiſten Lehrern bekannt, und
wer Klqauwel's Probelektion gehört hat, der dürfte den Wunſch
haben , ſich mit dem Buche näher bekannt zu machen. Daß
heute noh in verſchiedenen Provinzen des deutſchen Bater-
landes „buchſtabirt“ wird, iſt leider eine Thatſache, unbe=
greiflic< =- aber wahr. Der ganze Gang im Büchlein iſt ein
vorzüglicher: die Normalwörter ſind glücklich gewählt; die
Wortgewinnung erfolgt ungemein leicht, ſobald die erſte Ar-
beit ſolid war; die Wörtergruppen bringen ähnliche Bilder
bei einander, ſie legen ein Fundament für Orthographie, ſo-
weit dieſe Augenſache iſt. Die Erzählungen in 3. Gange
ſind einfac) und wirklich kindlich gehalten. Die 29. Auflage
iſt Bürgſchaft, daß dieſes Buch und dieſe Methode zum Glüce
unſerer Jugend immer mehr Proſelyten ma aber nichts Ciligeres zu thun haben, als die Kleinen in 6
Monaten zum LeJen zu bringen --, das halten wir für Thor-=
heit. Was hilft Leſen dem, der das, was er lieſt, meiſt nicht
verſteht ? Cs gibt Wichtigeres zu thun.
Auch Lebensbilder IL (Mittelſtufe) verdient ſeinen guten
Ruf; es entſpricht dem Titel. Gegenüber den nomenclatur=
artigen Gerippen war es mit das erſte Leſebuch, welches dem
Grundſate treu :: Nicht vem Stofflichen, dem Geiſtigen ge=
bührt die Herrſchaft" in die rehte Bahn einlenkte. Das
Leſebuch ſoll nicht blos unterrichten, es ſoll auch erziehen. Der
Stoff iſt geordnet na; Denzels Anſchauungsunterricht, ohne


daß gerade jeder Untertheil ängſtlich berüFſichtigt wurde.
Als Centrum für den ſtyliſtiſchen Unterricht iſt es in Mittel=
flaſſen ſehr wohl zu benutzen ; eine Menge Leſeſtü>e eignen
ſich zur Verarbeitung und zur Nachahmung -- trotz Tiede»
manns Veto , das wir nicht begreifen können. Wir verſtehen
unter Nachahmung : Erfindung nach dem in einem Leſeſtücke
gegebenen inneren Nexus. Beiſpiel: Ameiſe und Grille ; ge-
leſen , erklärt , abſtrahirt : Ein Fauler findet in ſelbſtverſchul-
deter Noth kein Mitleid, keine Unterſtüßung. Nun wird
erfunden und Erzählungen der verſchiedenſten Art entſtehen,
die alle den Grundgedanken der Fabel durc das ſchädlich ſein ? Als Uebergang vom Neferiren zum
Selbſtſchaffen , ſoweit das bei Kindern möglich, kennen wir
keinen beſſeren.
Lebensbilver II1. vertritt denſelben Standpunkt: An-
ſtrebung allſeitiger Bildung, denn das Leben braucht nicht
blos Kenntniſſe. Das Buch iſt in 3 Stufen getheilt; der
innere Gang ließe ſi< mit den drei Worten bezeichnen: Gott,
Natur und Menſc<. Bei der großen Verbreitung des Buches
hat man nicht gewagt, bedeutende Veränderungen , bez. eine
Umarbeitung eintreten zu laſſen. Stöber, Jakobs, Auer-
bach, Grimm, die Schwäbiſche Schule ſind weniger vertreten,
mehr Campe, Sc Krummacher ſind nach Gebühr benutzt worden. Gerade unter
den älteren Autoren ſind welche, z. B. Campe, gegen deren
breitſ derne, äſthetiſch gebildetere Pädagogik zu Felde ziehen und
unter ihnen gründlich aufräumen ſollte; wir haben ja Beſ-
ſeres. Wir erinnern nur an „Campe's Schornſteinfeger=
lehrling“ mit der koſtbaren Grundidee: Stiehl nicht, dann
nimmt dich eine Prinzeſſin als Sohn an! Auch die Leſe-
ſtücke müſſen aus allen unſern Leſebüchern hina:8, die aus
grammatiſchen Lehrbüchern herübergekommen und gramma=
tiſche Kunſtſtü> zeit in lauter zuſammengezogenen Sälen. Ein Anhang in
Lebensbilder II]. bietet Briefe, Rechnungen und andere Ge-
ſc und ſoll als Geſangheft dienen. Wir möchten aber nicht alle
als Volkslieder gelten laſſen. In unſern Volksliederfamms-
lungen überhaupt ſind oft viele Lieder nur Neflexionslieder
aus der letzten Zeit der verblaſſenden Romantik; ſentimen-
tales, weinerli an eu die Kinder ſingen: Umglänze mich, du Unſchuld früher Jahre,

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