Full text: Allgemeine deutsche Lehrerzeitung - 17.1865 (17)

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hier? Die Staatsſhule , dieſe ſ<werfällige Maſchine, die 
30 Jahre lang und länger in demſelben Gleiſe geht, die 
thuts niht, es muß von anderer Seite kommen. Und ein 
Anfang iſt gemacht; wir erinnern an die Ziller'ſ<en Be- 
ſtrebungen in Leipzig. 
Wie wir ſchon einleitend bemerkten, war die Geographie 
außerordentlich reich und gut vertreten. Das iſt leicht er- 
klärbar, denn gerade bei dieſem Unterrichte fällt der Nutzen 
verſinnlihender Hilfsmittel beſonders in die Augen, weil 
ohne ſie der geſammte Unterricht fruchtlos wäre. CEines 
ſtolzen Gefühles konnte ſich Ref. bei Betrachtung dieſer vor- 
züglichen Hilfsmittel kaum erwehren ; er dachte daran, welche 
Rieſenfortſchritte gerade dieſer Unterric<tsgegenſtand in wenig 
Jahrzehenden gemacht hat; von der troFenen Nomenclatur 
zu einem lebendigen , lebensfriſ<hen Weſen. Der kleine Vol- 
ger, den wir auf dem Gymnaſium auswendig lernten, und 
Scha<ht! Schatten und Sonne, Tod und Leben! Dieſen 
Fortſchritt zum Guten verdanken wir der Wiſſenſchaft; es 
iſt Humbold's und Ritters Geiſt, der die Geographie durch= 
weht , der Pädagogik bleibt aber das Berdienſt , den genialen 
Zug verſtanden und, ſoweit als mögli<, in Lehrbücher, 
Hilfsmittel und in der Scule ſelbſt eingeführt zu haben. 
Betrachten wir zunächſt die Landkarten und Atlan- 
ten. Wer vieles bringt, wird jedem etwas bringen, kann 
man da ſagen. Der Dorfſchullehrer fand , was ihm dienen 
kann, nicht weniger au< der Zeitungsleſer oder der Geograph 
von Fa<. Hier halten wir uns verpflichtet, ein Wort des 
Leipzigers Berichterſtatter8 anzuführen, es iſt in Wahrheit 
ein wichtiges : 
„Es gilt nämlich“, ſagt derſelbe, „1) eine Grenze des 
Detail zu finden, bis zu welcher eine Karte an grellen Farben, 
fleinen Flußgebieten und Städtenamen nur gehen darf, um 
als Wandkarte in der Schule zu dienen und auf das Auge 
einen wohlthuenden, geſunden Eindru> zu machen; 2) die 
Farbentöne und ihre Auftragung zu ermitteln, welche nicht 
ermüdend auf das Auge wirken; 3) einen Unterſchied feſtzu- 
ſtellen zwiſ<en Sculatlas, d. h. für Schüler beſtimmt , und 
Hand>= oder HauSsatlas für Zeitungsleſer u. f. w., denen topo- 
pe Cinzelnheiten erwünſcht ſind, die dem Schüler 
überflüſſig. 
Die Schule muß endlich an der Hand des Arztes 
und des Malers ein entſ<heidendes Wort ſprechen 
und beſtimmte Torderungen ſtellen, wenn ſie die ihr 
anvertraute Jugend nicht mit überreizten Augen topogra- 
phiſche Einzelnheiten erkaufen laſſen will, die ſchnell vergeſſen 
werden und jeder Erwachſene bequem aus dem Hausatlas 
ſich nach Bedarf holt.“ 
Könnte ſich nicht der pädagogiſ<e Verein zu Leipzig dieſer 
dankbaren Arbeit unterziehen ? Gerade ihm ſteht das dazu 
nöthige Material zu Gebote. Er prüft in Gemeinſchaft mit 
einem Arzte und einem Maler die Landkarten , gibt ein Ver- 
zeicniß der vorzüglichen und wir ſehen dann auf der nächſten 
Ausſtellung ni<t eine Menge von Karten, ſondern einige 
gute, brau<bare; und das Lettere iſt das Wichtige. In 
dieſer Weiſe bitten wir den in der Einleitung gemachten Vor- 
ſchlag zu verſtehen. 
Die Namen Kiepert , Sydow, Lange, Stiehler, Perthes, 
Berghaus, Schade ſind allgemein bekannt, denn ihre Arbeiten 
jind nach verſchiedenen Seiten hin vorzüglich. In dem Atlas 
von Schade (33 Karten, 1?/» Thlr.), der ſich zum Studium 
für Lehrer vorzüglich eignen möchte, finden wir ſaubere Karten, 
auf denen die Luftſtrömungen und Scifffahrtskurſe, die 
Bölker der Erde, die Verbreitung der Kulturgewächſe auf der 
Erde , die Verbreitung der wichtigſten Säugethiere auf der 
Erde, die Verbreitung der Vögel und Amphibien auf der 
Erde überſichtlich dargeſtellt ſind. Das iſt ein Theil Hum- 
bold'ſ<er Erbſchaft: die Erdkunde in ſtetem Hinbli> auf 
 
Natur und Menſ<. Um möglichſt genau den Charakter der 
Länder auszudrücen , ſind die Karten im Atlas unter 
Anwendung der ſchrägen Beleuchtung ſo gezeich- 
net, daß das Terrain reliefartig, vollſtändig pla= 
ſtiſch erſ<eint; das erzielt, daß Erhöhungen und Vertie- 
ſungen auf den Karten als das erſcheinen, was ſie in Wirklich- 
keit darſtellen ſollen, nämlich Flachland als ebene Fläche, 
Berge und Gebirge als Crhöhungen, Thäler als Vertiefungen. 
Die Wandkarten von Shauenburg enthalten die 
Flußlinien und Meere in blauem Oelfarbendruc>k auf ſchwar- 
zem Grunde, welcher das Land darſtellt. Sie ſind zur Be- 
nutzung mit Kreide und Schwamm eingerichtet. Die 
methodiſche Güte dieſes Hilfsunttels hat ſchon vielfache An- 
erkennung gefunden. Die Wandkarte von Mitteleuropa 
(Deutſchland, Preußen, Polen, ganz Oeſterreich, Ober- 
italien, die Donau = Tiefländer , die Niederlande und die 
Schweiz umfaſſend), Wandnetz 4 Thlr., Wandkarte auf 
ſ<warzem Grunde 7*/s Thlr. , auf blauem 8/2 Thlr. , trägt 
hauptſächlich dem plaſtiſc<en Elemente Re<hnung und 
wirkt dadurch vorzug8weiſe mit, die Vorſtellung des Schülers 
von der Erdoberfläche zur wirklichen Anſ<auung 
zu erheben. Das Meer wird durc die ſ<warze oder blaue 
Farbe des Wahstuchs dargeſtellt, auf der ſich das geogra- 
phiſ<e Netz deutlich abhebt. Zur Darſtellung des Landes 
jind 5 Farbentöne von gelbbraun bis dunkelbraun angewen- 
det worden und zwar in der Art, daß die Tiefländer mit dem 
hellſten, die Alpenländer mit dem dunkelſten Ton bezeichnet 
ſind. Cin weiterer Borzug derſelben liegt darin, daß der 
nahezu unverwüſtliche Stoff Einzeihnungen mit Kreide ge 
ſtattet, die ſich leicht wieder wegwaſchen laſſen, wodurc die 
Karten nicht nur für den Unterricht in der Elementargeo- 
graphie, ſondern namentlich auch zu Unterlagen oder Wand- 
tafeln beim Unterricht in der phyſikaliſchen und politiſchen 
Geographie und in dex Geſchichte brauchbar werden, was um 
ſo wichtiger iſt, als hiſtoriſ<e Wandkarten nur für wenige 
Zeiten exiſtiren. 
Weiter erwähnen wir: Vogels Netzatlas auf Wahs- 
papier zum Kartenzeichnen; 7 Blatt 14 Thlr. , einzeln 2!/, 
Thlr. Zwei Ergänzungsblätter : Heimathskunde , Königreich 
Sachſen. Mit Hilfe des lezten Netzes wäre es zu ermsg- 
lichen, daß dex Schüler eine von ihm ſelbſt gezeichnete Karte 
beim Unterrichte in der Geographie zur Hand hätte. Da- 
dur , daß ex ſie nac) und nach entſtehen ſieht ; dadur<, daß 
nie viel auf einmal geboten wird ; dadurch endlich, daß ex das 
Gehörte und an der Tafel Angeſchaute graphiſch darſtellen 
muß: dur das, meinen wir, müßte der geographiſ<e Unter- 
richt bedeutend gewinnen. Jedenfalls iſt dieſe Art Karten- 
zeihnen bei weitem dem Nachmalen fertiger Karten vorzu- 
ziehen, das oft nichts weiter als ein zeiſtlofes Kopiren iſt 
und dadurch allen Werth verliert. Dabei kommt uns der 
Atlas vom Oberlehrer Stößner in Annaberg (Sachſen) ins 
Gedäctniß; der iſt na<ß ähnlichen Grundſätzen entworfen. 
Das erſte Kartenbild iſt ziemlich leer; das zweite bringt das 
dur< den Unterricht neu Hinzukommende in rothem Druck; 
das dritte bringt das vorher Rothe als Dageweſenes ſ<warz 
und fügt wieder Neues in Rothes hinzu. So füllt ſich nach 
und nach die Karte, und es herrſ<t die engſte Verbindung 
zwiſchen Unterricht und Atlas. Wir halten dieſen viel zu 
wenig bekannten Atlas für eine pädagogiſche That. 
D ogels Schulatlas mit Randverzterungen , Thiere, 
Gewächje und Pflanzen darſtellend, kann kaum empfohlen 
werden. Wix wollen die Karten möglichſt einfach und hier 
wird Unnützes und Zerſtreuendes hinzugefügt. Uebrigens 
iſt dieſe Art von Karten nicht neuz ſie exiſtirt ſeit Jahr- 
zehenden. 
Der Lehrer Richter in Leipzig gräbt mittels eines Räd-= 
Hens das Bild eines Erdtheils in eine ſ<hwarze Wandtafel;
	        

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