Full text: Allgemeine deutsche Lehrerzeitung - 17.1865 (17)

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Mein Hofmeiſter bemerkte das einſt und ſagte zu mir: „Du ' 
Dieſe Aeuße- . 
Ih kaufte ' 
ſharrſt das Geld zuſammen wie eine Katze!“ 
rung war entſcheidend für mein ganzes Leben. 
mir für meinen kleinen Schatz ein Buch und -- ſparte nie, 
nie wieder.“ 
2. Die Schriftſtellerin Julie Burow (Frau Pfanner- 
ſ<midt) theilt in ihrer Selbſtbiographie mit, daß ſie in der 
Schule alle Unterrichtsſtunden ſehr gern gehabt habe, in 
denen beſonders das Nachdenken in Anſpruch genommen 
wurde, ſchrelich dagegen ſei ihr jeder Unterricht geweſen, 
der ji< nur auf Erwerbung mechaniſcher Fertigkeiten bezog, 
vor allem der Unterricht in den weiblichen Handarbeiten. 
Da fügte es ſich, daß ſie eine unverheirathete Freundin ihrer 
Mutter häufig beſuchte und bei ihr ſehr gern verweilte, weil 
ſie hier Kupferſtihe , Blumen und manches Andere, was ſie 
intereſſirte , zu ſehen bekam. Die Freundin war faſt immer 
eifrig mit Handarbeiten beſchäftigt, und das kleine Mäd<hen 
ſah , wie z. B. das ſchadhaft gewordene Seidenkleid oder die 
Spitzenhaube einer Freundin oder eine geſchädigte Damaſt- 
ſerviette geſtopft wurde, was eine langſame, mühſelige Arbeit 
war , die Geſchi> und Aufmerkſamkeit erforderte. „Warum 
aber -- fragte die muntere Kleine einſt, als ihr ſhon das 
Zuſehen langweilig wurde -- quälen Sie ſich denn mit den 
Lumpen und Lappen all Ihrer Bekannten ?“ =- „, „Glaubſt 
Du denn nicht, liebes Kind --- entgegnete hierauf die Freunz= 
din --, daß ich meinen Freunden eine re<hte Freude mache, 
wenn ich ihnen Sachen erhalte, die nicht blos koſtbar , fon- 
dern auch oft ihnen als Andenken lieb und theuer ſind ?“'“ -- 
Die bisher ſo verachteten Handarbeiten erſchienen dem Mäd- 
jen von jekt ab in einem neuen Lichte; es lernte die Arbeiten, 
übte ſie und -- war darin nicht mehr ungeſchit , wie bisher. 
Selbſt in ſpäteren Jahren , als bereits ihr Dichtertalent ſich 
geltend mate, hat ſic) Julie Burow , wie ſie weiter in ihrer 
Biographie berichtet , ſtet8 gern mit Handarbeiten beſchäftigt. 
Wie manches unzeitige Wort mag auc<h leider nachtheilig 
wirken ! C. Hagen. 
 
Wücherſ<hau. 
 
Illuſtrirtes Thierleben. Eine allgemeine Kunde des Thier- 
reiches von Dr. A. E. Brehm. it Abbildungen nach der 
Natur, ausgeführt unter Leitung von R. Kretſchmar. Hildburg- 
hauten , 1865. Heft 28 - 34, Preis 3 Heft 1/4 Thlr. 
In dem erſten der vorliegenden Hefte wird zunächſt die Ord- 
nung der Wiederkäuer beendet; die folgenden Hefte enthalten die 
Ordnungen der Vielhufer , Floſſenfüßer und Walthiere. Es ſchließt 
alſo mit ihnen die Beſprechung der Säugetbiere und damit zugleich 
der zweite Band des Werkes ab. Ueber die Vortrefflichkeit faſt aller 
der zahlreichen Abbildungen , beſonders der jedem Hefie beigegebe- 
nen größeren Kompoſitionen , ſowie über die Lebendigkeit und edle 
Popularität des Textes iſt ſchon früher in dieſen Blättern mehrfach 
geſprcchen worden. Diesmal ſei nur noch darauf hingewieſen, daß 
das dem letzten Hefte beigegebene Inhaltsverzeichniß , welches zu- 
gleich eine Überſichtlihe Darſtellung des in dem Werk befolgten 
Syſtemes iſt, ſowie das noch außerdem beigefügte mit Fleiß aus- 
geführte Regiſter den bequemen Gebrauch der beiden umfangreichen 
Bände weſentlich fördern helfen. Leider iſt die Anſchaffung des 
ſchönen Werkes, trotzdem daß es verhältnißmäßig ſehr billig iſt, 
für den einzelnen Lehrer do< noch ziemlich ſchwierig; dafür ſollten 
aber die Bibliotheken der Lehrerkonferenzen und die Sc<ulbiblio- 
eien ſich deſto mehr verpflichtet fühlen , das „Thierieven“ anzu- 
affen. 
Bilder und Skizzen aus dem zoologiſchen Garten zu Ham- 
burg. Bon Dr. Brehm u. Th. F. Zimmermann. Ham- 
burg, Berlag von M. H. W. Lührſen. 1865. VI. u. 233 S. 
gr. 8. 
Wenn ſc<on die „Bilder und Skizzen“ zunächſt den Hambur- 
gern das meiſte Intereſſe einflößen werden, ſo bieten dieſelben doch 
 
auch den Bewohnern der Städte, in welchen fich zoologiſche Gärten 
befinden, des Intereſſanten genug. Das Buch ift kein yſtematiſches 
Werk; es will vielmehr nur erläuternden Text bringen zu Studien, 
wel<e der Thiermaler Th. F. Zimmermann im Thiergarten zu 
Hamburg gemacht hat. Dieſe Bilder betreffen aber Thiere, welche 
ſi< zum Theil auc< in andern zoologiſchen Gärten befinden -- 
Hirſche , Raubvögel, Wombat, Hühner, Alpenkrähe, Affen, Sumpf- 
vögel , Waſſervögel , Goldſpechte, Rieſenfiſcher , Raubthiere , Kän- 
guru's, Nagethiere und das Mähnenſchaf -- und es wird darum 
Manchen, beſonders auch Lehrern, die ſo glü>klich ſind , öftere Ge- 
legenheit zum Beſuche eines zoologiſchen Gartens zu haben, das 
vorliegende Buch erwünſcht ſein ; ſiekönnen durch daſſelbe zu mancher 
Beobachtung angeregt werden, die ſonſt wohl unterblieben wäre. 
Die zahlreichen, ſehr treuen und ſchön ausgeführten Abbildungen 
haben in Brehm (dem Bruder von A. E. Brehm) einen tüchtigen 
Kommentator gefunden. Ausſtattung ſehr gut. 
Leitfaden für den erſten Unterricht in der Zoologie. Für 
Real- und höhere Bürgerſ<ulen bearbeitet von Dr. P. €. Kol- 
tex. Erſter propädeutiſcher und zweiter ſyſtematiſcher Theil. 
M. - Gladbach u. Leipzig, Ad. Sparmann. 1864 u. 1865, 
Erſter Theil 103, zweiter Th. 114 S. Preis 3 Heft !/, Thlr. 
Der erſte „propädeutiſche“ Theil dieſes Leitfadens beſpricht 
Repräſentanten von Familien; der zweite „ſyſtematiſche' enthält 
eine ſyſtematiſche Ueberſicht der Thiere. Die Familien ſind kurz 
<arakteriſirt, Gattung und Arten nur angeführt. Die Anordnung 
iſt die in Troſc<hels Handbuch der Zoologie gegebene. Abbil-= 
dungen enthält das Buc< niht. Für die Hand des Schülers , der 
nach einem ausführlichen Unterrichte repetiren will , iſt das Bud 
wohl zu empfehlen. 
Nebau's Volksnaturgeſchichte. 5. Auflage. 1. Lieferung. 48 S. 
u. 3 Tafeln Abbildungen. Stuttgart, K. Thienemann. 1864. 
Bollſtändig in 20 Lieferungen. Preis 3 Lieferung 6 Ngr. 
Atlas der Naturgeſchichte für Shule und Haus von Dr. A. B. 
Reichenba<. Mit 60 Tafeln kolorirter Abbildungen und er- 
läuterndem Texte, Erſte Lieferung. Vollſtändig in 15 monat- 
lic< erſcheinenden Lieferungen. Zweite umgearbeitete und ver- 
mehrte Auflage. Leipzig , W. Bänſch. 1864. 16 S. u. 3 
Tafeln Abbildungen. 
Lehrbuch der gewerblichen Chemie für den Unterricht au ge- 
werblichen Fortbildungsſ<ulen, Real- und Gewerbsſchulen, 
tehniſchen Lehranſtalten , Realgymnaſien, ſowie für den Selbſt- 
unterricht von Dr. F. R. Schmidt. Erſter Theil: Unorganiſche 
Chemie. Mit 124 in den Text eingedruten Holzſ<nitten. Er- 
langen, F. Enke. 1864. XIII. u. 332 S. gr. 8. 
Ein empfehlenswerthes , ſeinem Zwe&e entſprechendes Lehr- 
buch. Die Sprache iſt klar und knapp, die Auswabl der Abbil - 
dungen und des Stoffes iſt eine zweämäßige 3 die Methode iſt dem 
Lehrer Überlaſſen ; überall ſind die neueren wiſſenſc<haftlihen For-. 
jhungen berückſichtigt. Kurze hiſtoriſche Notizen , etwa nur wenig 
ausführlicher, als die, wel<he StöFhardt in ſeiner „Schule der 
Chemie“ in den Ueberſchriften der einzelnen Abtheilungen gitt, 
würden gewiß denen, die das Buch zum Selbſtſtudium benutzen 
wollen , erwünſcht ſein. 
Allgemeine Nohproduktenkunde für Fabrik-Gewerbe und Haus- 
induſtrie. Zum Gebrauche für Gewerbe- , Real- und Fortbil- 
dungsſc<ulen, ſowie zum Selbſtunterrichte bearbeitet von Tb. 
Beger. Ulm, Broſt, 1864. 464 S. Preis 221/, Ngr. 
Eine fleißige Zuſammenſtellung von Robprodukten - Beſchrei- 
bungen, die au wohl dem Lehrer der Naturkunde zum Nach- 
ic<lagen dienen mag. Das Bu iſt nach den drei Naturreichen in 
drei Abtheilungen getheilt. Am kleinſten iſt der den Produkten 
aus dem Thierreiche gewidmete Raum. Dieſem Theile des Buches 
iſt in der That eine größere Vollſtändigkeit zu wünſchen, ſo z. B. 
bezüglich der Pelzthiere, Gut wäre es auch, wenn allen erwähnten 
Pflanzen und Thiereu der wiſſenſchaftliche Name beigeſetzt wäre. 

	        

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