Herausgegeben von A, Berthelt,
Unfer Nitwirkung von Ferd. Schnell.
Jährlich 52 Nummern. Preis vierteljährlich 10 Thlr.
Anzeigen für den Raum einer geſp. Petitzeile 12/, Ngr.
Literar. Beilagen 115-3 Thlr. -- Beſtellungen nehmen
alle Buchhandlungen und Poſtämter an.
Sonntag, den 24. September.
Aufſäte über zeitgemäße Themata u. Mittheilungen
über Schul- und Lehrerverhältniſſe ſind willkommen.
Schriften zur Recenſion ſind unberec und findet eine Rückſendung derſelben nicht ſtatt.


Stilübungen.
Von HK. C. W. Tiedemann.
Aufgefordert , meine fragmentariſhen Darlegungen über
Stilübungen , in einer Nebenverſammlung während der all-
gemeinen deutſ für die Lehrerzeitung auszuarbeiten, und in derfelben beſon-
ders gefragt, warum ich mich gegen Nachbildungen ausge-
ſprochen habe , will ich in gegenwärtigem Aufſatze meine Anz
ſihten mittheilen.
Ueber den Werth von Stilübungen, hie und da Aufſatz-
lehre genannt, bis zu den unterſten Schulen herab brauche
19 nichts zu ſagen, da er jetzt allgemein anerkannt iſt; ich
laube auch über die Schwierigkeiten dieſes Unterrichts
hweigen zu dürfen , da die große Menge von Anweiſungen
für denſelben, die jährlich durc< neue vermehrt wird, und
manche Auſſätze darüber in pädagogiſchen Blättern wohl ein
Beweis dafür ſind, daß man no< nicht immer über die
Methode einig iſt. I< kann daher ohne Weiteres zu dem
erſten Theil übergehen :
1) Welches ſind die Erforderniſſe zu einem guten Stil ?
Als ſolche bezeichne ich drei :
Richtige Anordnung der Gedanken;
guter Periodenbau ;
| Wahl des Ausdrus.
Nicht allein dieſe Punkte ſelbſt, ſondern auch ihre hier ge-
gebene Reihenfolge hoffe i< in wenig Worten begründen zu
önnen.
Nie macht ein geſchriebener Aufſatz oder eine Rede einen
unangenehmeren Eindruck, nie wenden wir uns leichter davon
ab, als wenn wir die logiſ wir dur ziehen wir uns wohl auch der Mühe, ein Gewirr zu löſen ;
in den meiſten andern Fällen werden wir dieſe Mühe ſcheuen,
und der Verfaſſer verfehlt allein dadur< ſeinen Zwe , daß
er jeine Gedanken ohne Ordnung vorgetragen hat. Eine
Gedankenfolge, daß ſie als nothwendig erſcheint, Klarheit,
man mödte ſagen, bis zur Durchſichtigkeit, muß daher als
das erſte Erforderniß jedes guten Aufſatzes bezeichnet werden.
Zwar kann dieſe Klarheit nun no< wieder beeinträchtigt
werden dur< den Satzbau, indem wohl die Reihenfolge der
Gedanken eine richtige iſt, der einzelne Gedanke aber undeut=
lich auSgedrüct wird ; es iſt dies nicht ſo ſ erſtgedac
| die Verſtändlichkeit erſchwert, und ich meine, es ſei der erſte
we> einer Mittheilung, verſtanden zu werden. Sehr lange
Perioden find zu vermeiden, namentlich die künſtlich ver-
ſ leſen; denn ſelbſt bei ganz richtigem Bau iſt es oft mühſam,
ihnen zu folgen ; andererſeits iſt es aber auc lauter kurze Hauptſätze zu leſen; es wirkt ermüdend. Bei
Satzgefügen iſt es vorzug8weiſe nothwendig, die Haupt= und
Nebenſätze dem Inhalt entſprechend zu vertheilen, und will
man nun ganz den Erforderniſſen eines guten Stils Senügen,
ſo ſoll man die Perioden abrunden, ihre einzelnen Theile in
ein richtiges Berhältniß zu einander bringen. Wie dies aber
ſhon zu einem ſ<önen Stil hinüberleitet, ſo gehört dazu
auch zuletzt die Wahl des Ausdrucs , Die allerdings auch ſo
verfehlt ſeim könnte, daß die Deutlichkeit darunter leidet.
In dieſer Beziehung iſt der Irrthum zu erwähnen , dem ſich
mance Leute hingeben, als ob zu einem guten Stil gehöre,
daß man immer die ungewöhnlichſten Worte wähle, wodurd
denn zuweilen die überſc entſteht, welc Ausdrücke richtig wählen heißt vor allen Dingen: ſie dem
jedesmaligen Schriftſtücke angemeſſen ausſuchen ; eine Schil-
derung wird anders abzufaſſen ſein, als ein amtlicher Be-
richt ; der Kaufmann macht ſich lächerlich , wenn er ſeine Ge-
ſchäftsbriefe im blühenden Stil abfaßt.
Haben wir nun ſo die Erforderniſſe zu einem guten Stil
erfannt, ſo fragt es ſich
2) Wie bringt man die Schüler dahin ?
Hauptſächlich wird nur von der Dispoſition und auch
von der Wahl des Ausdrucks die Rede ſein, da der Perioden-=
bau zur Saßklehre und ſomit zur Grammatik gehört, ich aber
in der Schule die Stilübung von dex Grammatik trenne;
indeß erwähnen werde ich der Ausbildung in dieſer Hinſicht
ſ Aufſatzlehre verbinde.
Für die Uebung im Disponiren will ich hier einen Dret-
fachen Stufengang auſſtellen, wie ic bei meinem Vortrage
auch gethan, der etwa das Alter vom 10. Jahre bis zum
Ende der Schulzeit umfaßt, der aber manche Abſtufungen
und Unterabtheilungen möglich macht, wie ich ebenfalls in
Leipzig erwähnte.
a. Die Kinder ſchreiben einfac einen Gegenſtand auf, der ihnen aus dem Leben oder aus
vem übrigen Unterrichte bekannt iſt. Daraus ergibt ſich

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.