Full text: Allgemeine deutsche Lehrerzeitung - 17.1865 (17)

NOY 
Herausgegeben von A. Berthelt, 
Allgemeine 
Lehrer, 
-------2050Booo------ 
1869. 
Unfer Vilwirkung von Ferd. Schnell. 
; 
 
Jährlich 52 Nummern. Preis vierteljährlich 18 Thtr. 
Anzeigen für den Raum einer geſp. Petitzeile 12), Ngr. 
Literar. Beilagen 1%5--3 Thlr. -- Beſtellungen nehmen 
alle Buchhandlungen und Poſtämter an. 
Sonntag, den 5. Februar. 
 
Aufſäte Über zeitgemäße Themate u. Mittheilungen 
über Schul- und Lehrerverhältniſſe ſind willkommen. 
Schriften zur Recenfion find unberechnet einzuſenden 
und findet eine Rücſendung derſelben nicht ſtatt. 
 
 
 
 
 
7 eenma 
Oeffentliche S<hulprüfungen. 
8. 1. Der Prüfungszwek. 
1. Oeffentlihe Sc<hulprüfungen ſind noth- 
wendig um der Kinder, Aeltern, Lehrer und welt- 
lihen Shulbehörden willen. 
Der Ehrtrieb läßt ſich beim Werke der Erziehung nicht 
ganz unterdrücken ; er verlangt Berüſihtigung. Wir haben 
gute und träge Shüler. Die guten fordern eine Aner-= 
kennung ihres Strebens, wenn ſie nicht ermatten ſollen, und 
die wird ihnen bei öffentlihen Prüfungen gewährt. Die 
trägen hingegen müſſen zuweilen energiſch aufgerüttelt wer= 
den aus ihrem Shlendrian, wenn es beſſer mit ihnen werden 
5; und bei öffentlichen Prüfungen kann dies recht gut ge= 
ehen. . 
Die Prüfungen als öffentliche werden beſucht von den 
Aeltern der Schüler -- und au< für dieſe verlaufen die 
Prüfungen nicht ohne Nutzen. Zunächſt wird ihr Intereſſe 
am Werke der Schulerziehung geweckt oder geſteigert, und 
ein ſolches Intereſſe muß bei den Mltern unſerer Kinder 
vorhanden ſein. Sodann geht ihnen bei öffentlichen Prü- 
fungen gar manchmal erſt ein wahres Licht über ihre Kinder 
auf =-- und das kann nur gut ſein, da viele Aeltern ihre 
Kinder in Bezug auf Wiſſen, Können und Betragen oft weit 
höher ſchätzen , als ſie es verdienen. Endlich lernen auch die 
Aeltern aus des Lehrers Auftreten bei der Prüfung, wie ſie 
ungefähr ihre Kinder in didaktiſcher Hinſicht behandeln müſſen, 
um dem Sculunterrichte nachzuhelfen und ihn weiter auszu- 
auen. 
Für den Lehrer ſind die öffentlihen Prüfungen ein 
Sporn zur Berufstreue, da man von dem Reſultat der Prü- 
fung in vielen Fällen auf die größere oder geringere Sorg= 
falt ſeines Wirkens in dex Schule während des verfloſſenen 
Jahres ſc<ließen kann. Allerdings ſetze ich dabei voraus, 
Daß dte Leitung der Prüfung nur fachverſtändigen Vorſitzen- 
den in die Hände gelegt iſt, denen der Lehrer auf keine Weiſe 
Sandin die Augen ſtreuen kann. -- Sodann iſt der Prüfungs- 
tag für den Lehrer ein Feiertag, an dem er einen innern 
Lohn für ſein mühevolles Wirken findet. Sein Angeſicht 
muß Feſttag8glanz erhalten, wenn ex ſeine Bli>e über das 
reiche Crntefeld ſc<weiſen läßt, deſſen Früchie er zur Reife 
gebracht hat. Und ein ſolcher innerer Lohn iſt für den Lehrer 
in der That nothwendig , da der äußere, namentlich die pekus= 
 
niäre Beſoldung und die öffentliche Anerkennung , gar nicht 
weit her ſind. 
Endlich ſind auch die öffentlichen Prüfungen um der 
weltlihen Shulbehörden willen nothwendig. Id) 
verſtehe darunter in Städten die Bürgermeiſter und ſämmt- 
lihen Stadträthe. Dieſelben inſpiciren im Laufe des Jahres 
die Schule gar nicht und können es au<ß mht; denn theils 
haben ſie andere Geſchäfte zu verrichten, theils würde auc 
dur< zu viele Inſpektoren die Lehrerautorität leiden und der 
Unterricht zu ſehr geſtört werden. Aber dennoch iſt es noth- 
wendig, daß die weltlihe Schulbehörde eine Einſicht in den 
Stand der Schule habe und die einzelnen Lehrer ihrem Wirken 
na<h kennen lerne, weil bei Gehaltserhöhungen und beim 
Aufrücenlaſſen der einzelnen Lehrer die weltliche Behörde in 
der Regel =- da ſie die meiſten Stimmen beſitzt =- den Aus- 
ſ<lag gibt. Das Urtheil des Direktors oder Lokalſhulin- 
[Beftors dringt gar oft nicht durc<; denn wer einmal den 
eutel hat, läßt ſich's aueh nicht nehmen, Gehalt und Rang 
zu beſtimmen. 
8. 2. Die Prüfungszeit. 
2. Die Prüfungen gehen jährlich einmal vor 
ſich, und zwar am Schluſſe des Shuljahres. 
Dagszjenige, was ſelten paſſirt, iſt auch allemal nachhal- 
tiger und eindru>svoller. Würden jährlich mehrere Prüfun- 
gen abgehalten, dann möchten dieſelben do<ß für Aeltern, 
'ehrer und Kinder den Reiz verlieren, den ſie ausüben ſollen. 
Zudem würden mehrere Prüfungen im Jahre im S<hulunter- 
richte große Störungen verurſachen, namentlich in ſtädtiſchen 
Bürgerſ<ulen, deren ſämmtliche Klaſſen die Prüfungszeit 
hindurc< den Unterric<t ausfallen laſſen. Darum erſcheint 
es am gerathenſten, jährlic) nur eine Prüfung abzuhalten. 
u dieſer einmaligen Prüfung würde ſich am beſten der 
hluß des Schuljahres, alſo die Oſterzeit, eignen. 
u Oſtern finden Entlaſſungen und Translokationen von 
Hülern ſtatt =- und in beiden Fällen machen ſi Prüfungen 
nothwendig. In der Schule, an der Schreiber dieſer Zeilen 
thätig iſt, werden die Jahresprüfungen in der Woche zwiſchen 
Judica und Palmarum abgehalten. Jede Klaſſe nimmt einen 
halben Tag in Anſpruch, in daß bis zum Palmſonntage 12 
Klaſſen geprüft werden können. 
8. 3, Prüfungsſubjekte. 
3. Als Prüfungsſubjekt ſind vorzugsweiſe 
die Schüler zu betrachten und nicht die Lehrer.
	        

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