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Allgemeine
Herausgegeben von A. Berthelt,
1865.
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Unter Mitwirkung von Ferd. Schnell.
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Jährlich 52 Nummern. Preis vierteljährlich 1/5 Thlr.
Anzeigen für den Nautn einer geſp. Petitzeile 12/, Ngr.
Literar. Beilagen 1%5--3 Thlr. -- Beſtellungen nehmen
alle Buchhandlungen und Poſtämter an.
Sonntag, den 12. März.

jeuffäße über zeitgemäße Themate u. MitYeilungen
Über Sc Schriften zur Recenſion ſind unberechnet einzuſenden
und findet eine Rückſendung derſelben nicht ſtatt.



Antwort au Herrn Pfarrer Dr. Rie>e auf ſeine Frage :
TJſt eine Ortsſchnlinſpektion uothwendig ? .
Bei Leſung meines Briefes an Sie in Nr. 1 dieſes
Blattes wird es Ihnen ſo gegangen ſein, daß eine Menge
Gedanken ſi< Ihnen gegen meine und für Ihre Meinung
aufdrängten , die Sie dur Nr. 9 d. Bl. zu bewältigen vermochten. CEbenſo iſt mir es
ergangen bei Leſung dieſer Ihrer Antwort. Zu jedem Satze,
den Sie geſchrieben haben, möchte ic< eine Bemerkung machen,
theils um Ihnen meine Zuſtimmung zu erkennen zu geben,
theils um meine Bedenken gegen Wahrheit und Haltbarkeit
auszudrücden.
Wir haben es nicht blos mit logiſchen Folgerungen zu
thun, mit denen wir Beide wohl fertig werden würden, ſon=
dern auch mit thatſählichen Zuſtänden, die in Ihrem und in
meinem Kreiſe, die überhaupt an verſchiedenen Orten ſehr
verſchieden ſeim können, und die wir auch nicht mit gleichem
Auge auffaſſen. Die verſchiedenen Anſchauungen, die wir
von der gleichen Sache haben, ſind für die Vereinigung unſerer
Anſichten unſtreitig ein großes Hinderniß. Ie nachdem un-
ſere Leſer in dieſe oder jene Anſchauung ſich eingelebt haben,
werden ſie auch auf Ihrer oder meiner Seite ſtehen. Um ſo
mehr fühle ich mich aber auch gedrungen, meine eigne An-
ſi ſhulinſpektion zurückzuhalten und nur auf eine Prüfung
Ihrer Gründe für und wider einzugehen. Haben Sie mit
Ihrer Ausſprache in Nr. 9 d. Bl. die von mir gegen die
Ortsſ Sie Ihre Gründe für dieſelbe unantaſtbar gemacht ? Das
ſind die Fragen , die ich mich beſtreben will, zu beantworten.
Kurz geſagt , iH will mix eine Kritik-Ihrer Darſtellung er=
lauben. Die Leſer mögen ſich aus dem von Ihnen und dem
von mir Geſagten das Beſte herausnehmen.
Vorerſt aber danke ich Ihnen, daß Sie meinen Brief
einer Antwort gewürdigt, daß Sie den Streit auf einen be-
ſtimmten Punkt koncentrixt und daß Sie eine Darlegung
deſſen, was Sie von der Ortsſchulaufſic was Sie ihr einräumen, Ihren weiteren Auslaſſungen vor-=
ausgeſt haben. Was .das Lettere betrifft, ſo kann frei-
(ich die Frage über Rechte und Pflichten der Ort8ſ tion zu einer neuen Streitfrage werden.
I Allgemeinen zugeben , daß Sie, wenn einmal die Ortsſ
inſpektion nicht ſollte entbehrt werden können, das Rechte ge-
troffen haben. Einzelnes müßte allerdings genauer fixirt
werden , 3. B. ob mit dem Schulbeſuche des Inſpektors auch
das Recht verbunden iſt, eigenmächtige Anordnungen vorzu-
nehmen, in den Gang des Unterrichts einzugreifen, über
Methode, Disziplin u. dergl. ſofortige Anordnungen zu
treffen u. |. w.
Wie geſagt, ich laſſe das Alles dahingeſtellt und gehe ſo=
fort auf Ihre Deduktionen betreffs der von Ihnen geſtellten
Frage ein: „Iſt eine Ortsſchulinſpektion nothwendig ?“
1. Sie richten zunächſt Ihre Waffen gegen die von mir
„ins Treffen geführten Gründe“, und zwar zu allererſt gegen
meine Frage: „Warum hält man nicht in andern Ständen
eine ſo unmittelbare Beaufſichtigung des Einzelnen für noth-=
wendig 2?“ Was Sie jedoch , verehrteſter Herr Doktor, gegen
die in dieſer Frage angedeutgte Thatſache vorbringen, ſteht
auf ſhwachem Grunde. Dieſe Thatſache läßt ſich nämlich
nicht leugnen ; Sie haben nur ungehörige Beiſpiele gebraucht.
Erſtens dürfen Sie nicht den ungebildeten Arbeiter, der an
der Eiſenbahn den Karren ſchiebt, dem gebildeten Manne an
die Seite ſtellen. Zweitens müſſen Ste auch diejenigen
Arbeiter ausnehmen , 3. B. Schreiber, Kanzleidiener , über=
haupt eine große Anzahl Subalternbeamte , welche unmittel=
bar nach dem Willen eines Andern zu arbeiten haben. Daß
der Kanzliſt in ſeinen Arbeiten den Sekretär bedienen muß,
wie dieſer es gerade verlangt, verſteht ſich von ſelbſt. Hier
iſt der Eine der Diener des Andern. Sie werden mir es
daher nicht verdenken, wenn ich allerdings Ihre Vergleichun=
en „zu niedrig gegriffen“ finde. Mich wundert faſt, daß
ie nicht auch als Beiſpiel des gewöhnlichen Herrendieners
gedacht haben. Wir dürfen nicht vergeſſen, daß der Lehrer-
eruf die Selbſtſtändigkeit eines Mannes erfordert. Darum
müſſen wir hier auch an Beamte denken, denen die ſelbſtſtän-
dige Verwaltung irgend eines Geſchäftszweiges übertragen
iſt. Ih will niht hoh greifen und nur an einen Kaſſirer
erinnern, der zwar keinen Tag ſicher iſt, daß eine Reviſion
ſeiner Kaſſe vorgenommen wird, dem man aber keineswegs
einen Ortsinſpektox an die Seite ſtellt mit ähnlichen Rechten
und Pflichten, wie ſie dem Ortsſ den ſind. Wenn ihm ein Kontroleur zur Seite ſteht, ſo hat
dieſe Einrichtung einen andern als inſpicirenden Zwe, dem
Range nach hat ſogar der Kontroleur ſeine Stellung unter
dem Kaſſirer.
Cs iſt mix lieb, daß Sie zu den verfehlten Beiſpielen

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