Full text: Allgemeine deutsche Lehrerzeitung - 30.1878 (30)

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Wiſſen in Erſtaunen ſetzen. Es jab ſol<he, welche die röfniſ<en Zahlen 
auf dem Uhrenzifferblatte nicht lejen konnten; andere. wußten niht, aus 
wie vielen Fahren ein Jahrhundert beſtehe; in Europa gab es für ſie - 
nur ein Land, Spanien. GlüEliherweiſe wurde dieſer Mangel an Wiſſen 
aufgewogen dur< viel natürlichen Verſtand, beſonders bei den Kreolinnen. 
Jſt es übrigens ein Wunder, daß man höchſt ſelten eine Frau mit einem 
Buche in der Hand ſieht, wenn man weiß, daß die mittlere Temperatur 
in jenen Gegenden 32 8 Wärme beträgt? Uebrigens hat die kleine Zahl 
von Büchern, welche von Europa na<g Manila gebracht wird, vor ihrem 
Eintritte in dieſe Stadt eine Zenſur zu paſſiren, welche in den Händen 
der Mönche und der Regierung liegt. 
Am Ende des 16. Jahrhunderts wurde von einem ſpaniſchen Mönche 
aus frommen Vergabungen ein Aſyl und eine Unterrichtsanſtalt für junge 
Mädchen IJeſtiftet, deren Väter im Dienſte Spaniens geſtorben waren; 
ebenſo die St. Jſabella-Sc<hule, wo heute noh Waiſenkinder armer Spa- 
nier aufgenommen und unterric<tet werden. Wenn die Penſionärvinnen 
dieſer Häuſer Gelegenheit finden, ſic) zu verheiraten, erhalten ſie aus der 
Stiftung 2500 Fr. als Ausſteuer; bleiben ſie unverheiratet, ſo verbleiben 
ſie bis zu ihrem Tode in der Anſtalt, welche ſie nährt, logirt, kleidet und 
ihr ein monatli<es Taſchengeld von 20 Fr. ausſett. Heute ſtehen die 
Mädchenſchulen meiſtens unter der Leitung der barmherzigen Schweſtern, 
welche 1860 im Gefolge der Jeſuiten eingewandert ſind- Seit 1870 be- 
ſteht aum ein Lehrerinnenſeminar, geſtiftet vom obengenannten Exdomini- 
kaner und Biſchof Gainza, welcher zu etwas liberaleren Jdeen gekommen 
zu ſein ſcheint. 
Prof. Max MWüller's ausSprühbße über lauttreue 
Sreibung. Prof. Müller, einer der grösten etimologen unſerer 
zeit, ſagt u. a. in ſeiner 3rift On Spelling, London, F. Pitman, 
1876: 'Je älter ih verde, desto mer überzeuge if mih, das di 
moenSzen nihts heftiger erzürnt unt in irem unglauben unt in dem 
hartnäkkigen viderStand gegen neuerungen bestärkt als unleug- 
bare tatſahhen unt unangreifbare gründe. Reformen verden durk 
di zeit gevirkt, unt vas Slislik meist den ſig herbeifürt, ſint ge- 
meiniglih nißt etva fernunftgründe, ſondern irgent velße zufälle 
unt niht ſelten fernunftvidrige bevegründe. -- --- Deghalb ſolten 
praktize reformatoren nimals rasten noß ruen. -- -- Si ſolten 
dasselbe immer unt immer viderbholen, unbeirt durß gleißgiltig- 
keit, Spot, ferahtung unt alle di andern vaffen, velhe di velt ſo 
ausgezeihnet gegen jeden, der ire rue ötört, zu Svingen veis.“ -- -- 
In jeder geSribenen 8praße mus ſifß früer oder Später der 
rüf naß ferbesSerung der feralteten Sreibung erheben, unt es 53t 
unſere pfliht, nah dev mitteln zu forzen, velhe diſem in dem 
eigentlihsten leben der 3praße ligenden übel apzuhelfen fermag. 
Ven meine freunde mir ſagen, 30n di idö einer ortografireform ſei 
donkizotteri, es ſei zeitferäSvendung, ein ganzes folk zum aufgeben 
ſeiner historizen Sreibung unt zur anname einer fonetizen orto- 
grafi bevegen zu vollen, ſo beuge ih miß för irer klügheit, inſo- 
fern ſi männer der velt ſint. Aber da iß kein man der velt bin, 
ſondern ein beobaßkter der velt, ſo bleibt mein interesSe an dem 
gegenztande unt meine überzeugung fon däm, vas reht unt un- 
reßt ist, durfaus unberürt fon ſolfen rükſihten. Di männer der 
visSgenäaft dürfen niht darum aufhören, värbeiten festzuhalten unt 
auszu3prehhen, veil di veltklugen diſelben törikt unt abenteuerlih 
nennen; den der fortzrit des ganzen menzengezöleßts iSt meist fon 
ſolken "toren* herbeigefürt, vi vir es ſint; fon 'toren“, di "kün 
eindringen, vo ſelbst engel hinzutreten ſih fürhten, bis der pfad 
geebnet ist, unt di engel ſih niht länger fürkten“ IR babe 
abenteuerlikere anſihten über S3praßvisSenzaft gehögt unt ausge- 
SprobRen, als di überzeugung, das di Engländer dasgselbe fol- 
bringen können, vas di Spanier unt Holländer folbraßt haben 
unt di Deutzen eben jezt erötreben.“ -- -- (Slus folgt.) 
Kurze Mittheilungen. Miniſter Dr. Bal hat ſ<on am 10. Mai 
ſeine Entlaſſung nachgeſucht. Ehe dieſe Zeilen dem Leſer zu Geſicht 
kommen, iſt die Angelegenheit vielleiht ſ<on geordnet. Ob in der für 
die preußiſche, ja deutſche Lehrerſchaft wünſchen8werthen Weiſe -- nämlich 
jo, daß Dr. Falk an die Spitze eines eigenen Unterrichtsminiſte- 
rrums tritt --, läßt ſic) heute noF&Z nicht vorherſehen. Nur ſo wäre 
aber einige Garantie vorhanden, daß nicht jede Wendung des Windes 
ib „arHtichen Angelegenheiten auch das Unterrichtsweſen aufs tiefſte er- 
itterte. 
-- Der preußiſche Kultus8miniſter hat die Provinzialſ<ul- 
kollegien auf eine Schrift des Augenarztes Katz: „Die Urſachen 
der Erblindung“ mit der Veranlaſſung hingewieſen, dem Abſchnitte 
derſelben, betreffend die Verſchuldung der Schule au der Kurzſichtigkeit 
eines großen Theiles ihrer Schüler, ihre beſondere Aufmerkſamkeit zu 
widmen. 
 
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* == Na<h der Statiſtik der preußiſchen Zuc<hthäuſer, welche die 
Jahre 1872--74 umfaßt, beſaßen von den 23 599 Gefangenen des Jahres - 
1874 höhere Bildung: 247; vollſtändige Elementarſhulbildung: 5227; 
mangelhafte Bildung: 12 740; 1793 konnten nur leſen, und ohne alle 
Sculbildung waren 3592. Drei Viertheile aller Gefangenen waren alſo 
ohne, oder beſaßen doc nur eine mangelhafte Schulbildung. -- Hat alſo 
die erhöhte Schulbildung ein Sinken der Sittlichkeit und eine Vermehrung 
der Verbrechen im Gefolge? Zahlen ſprechen und zwar mit einer ze- 
wiſſen überzeugenden Beweiskraft. Je breiter und tiefer der Aufklärungs- 
ſtrom dahinfließt, deſto nüßlicher wirkt er, gleich dem nutzbringenden 
Waſſer des Nil. Beide Ströme lagern ab und befruchten das über- 
ſ<hwemmte Gebiet, wennſ<on nicht verhindert werden kann, daß auf dem 
vefea veiteten Boden neben dem nützlihen Weizen auch I M 
gedeiht. . A. M. 
-- Au< im Regierung3bezirke Köslin ſind die Lehrer zum größten 
Theil mit einer einmaligen Gehalts8zulage in Höhe von 90, 75, 
70 und 60 M, bedacht worden, jedoch „unter der Vorausſezung“, wie 
die betreffende Regierungsverfügung wörtlich lautet, „daß die Frau reſp. 
Tochter des Empfängers den Handarbeitsunterricht in ſeiner Schule bis zum 
1. April 1879 unentgeltlich ertheilt.“ Diejenigen Lehrer, in deren Shu- 
len genannter Unterri<ht nicht dur< Angehörige, ſondern durc< fremde 
Perſonen ertheilt wird, werden angehalten, eine Quittung in Pie der 
für den Handarbeitsunterricht feſtgejeßten Summe unter der Bezeichnung 
„einmalige Gehaltszulage“ oder auh „außerordentliche Unterſtützung“ auf 
ſeinen Namen auszuſtellen, das Geld auf der Kreisſteuerkaſſe zu heben 
und es jener fremden Perſon auszuhändigen. -- Ob andere Regierungen 
ebenſo verfahren ? (Pr. L.) 
=- Wie Charlottenburg ſeine Leute bezahlt, erfahren wir aus 
einer Bekanntmachung des Gemeindekir<henrathes der Louiſenkirche daſelbſt 
vom 8. April 1878. Derſelbe ſucht einen „Militäranwärter“ als Glöd>- 
ner, welhem „außer dem GloFenläuten und Balgentreten die-Reinigung 
und Heizung der Kirche und die gartenmäßige Pflege der Anlagen um 
dieſelbe obliegt“ und zahlt demſelben, allerdings „ohne Penſion8berech- 
tigung“, auc< muß er ſi< die „Werkzeuge und Geräthſc<aften“ ſelbſt 
ſchaffen, jährlich 1300 Mark. = Seine Janze Beſchäftigung beſteht alſo 
darin: täglich um 738/; und 123/4 Uhr zur Schule zu läuten, Sonnabends 
die Kirc<e zu ſäubern, Sonutags8 zu heizen, den Gottesdienſt vor- und 
nachmittags einzuläuten, die Balgen zu treten und die Gartenanlagen 
im Sommer zu pflegen. Wahrlich eine anſtändige Bezahlung für geringe 
Dienſte ; denn nehmen wir den Sonntag aus, ſo hat ja ein GlöFner da- 
ſelbſt die ganze Woche über ſo Fut wie nicht8 zu thun und kann, wenn 
er irgend etwas gelernt hat, noch jedes beliebige Handwerk betreiben und 
Geld verdienen. Wir gönnen ihm das von Herzen und wollen nur eine 
Parallele ziehen zwiſH<en „Glöc>ner und Schullehrer“ daſelbſt. Leß- 
terer erhält, wenn er in Charlottenburg als ſtädtiſcher Beamter angeſtellt 
wird, zuerſt nur 1200 Mark (wahrſcheinlich weil er keine Beſen und 
Sippen zu kaufen braucht, 100 Mark weniger!) und muß 6 Jahre lanz 
warten, ehe ihm eine Zulage von 150 Mark gewährt wird. Dafür muß 
er aber als „junger Lehrer“ wöchentlich mindeſtens 28 Stunden abjol- 
viren. Vergleihen wir beide Stellungen und beide Einnahmen, wahr- 
lic<, da möchte man -- lieber „Militäranwärter“ ſtudiren, ehe man 5--6 
Jahre lang vor'm Katheder ſitzt, ſ<hwilzt und -- Sqhulmeiſer 13 ) 
erl. Ztg. 
-- Die 86 ſtädtiſMen Volksſ<hallehrer Kaſſels beziehen einen 
Minimalgehalt von 1200, einen Maximalgehalt von 2700, einen Durch- 
j<nitt8gehalt von 1980 M. Der Maximalgehalt wird günſtigſtenfalls 
nach 38jähriger Dienſtzeit errei<ht. Die 32 ſtädt. Subalternbeamten be- 
ziehen ein Minimum von 1200, ein Maximum von 5400, -- einen Dur<- 
jhnitt8gehalt von 2250 M. --- Die „Heſſ. Schulz.“ bringt weitere Ver- 
gleihe: Ein Wegewärter bekommt ſo viel Gehalt wie ein Lehrer nach 
6 Dienſtjahren; 6 Lehrer haben ebenſo viel, 20 Lehrer weniger als die 
Nohrleger der Waſſerleitung und die Kaſſendiener. Die Mehrausgaben 
gegen das Vorjahr für die ſtädtiſchen Beamten betragen in dieſem Jahre 
23 765 M.; die für die Lehrer 1800 M., d. Hh. 2/;g jener Summe. Das 
iſt die bekannte AnsSnahmeſtellung, der ſi der Volksſ<ullehrer zu er- 
freuen hat. - - 
-- „Freude herrſ<t in Trojas Hallen!“ heißt es jezt von Darm- 
ſtadt. Sowohl der Hr. Oberbürgermeiſter Ohly, der der Viſitation der 
d5 Schulklaſſen bis auf 2 oder 3 beigewohnt hat, wie auch die „Darmſt. 
Zeitung“ haben ſic außerordentlich günſtig über die Lehrer und Lehrerin- 
nen ausgeſprochen. Ja, genannter Herr lud die Behörden und jämtliches 
Lehrperſonal zu einem gJemeinſchaftlichen Ausfluge nacQ Traiſa ein, der 
Lehrerſchaft zu Ehren. Bei dieſer Gelegenheit ſagte er, daß er ſich's zur 
Aufgabe gemacht habe, das Darmſtädter Schulweſen zu einem muſter- 
ziltigen für Heſſen und womöglic< für ganz Deutſ<land zu machen. Er 
an pm die Ueberzeugung gewonnen, daß „ſein Jdeal der Verwirklichung 
nahe jei“, 
=- Eine Schulſparkaſſe eigner Art iſt die ganz gewöhnliche Spar- 
kaſſe zu Jungbunzlau in Böhmen. Sie ſpart nicht in der Schule, 
au< nicht an der Schule, ſondern für die Schule. Die Verwaltung 
dieſer Kaſſe hat nämli< aus dem Reinertrage des Geſchäftsjahres 1877 
für wohlthätige Sc<hulzwe>e 19 420 fl. überwieſen. Gegen dergleichen 
wird der überzeugungstreueſte Wegner der Schulſparkaſſen nichts einzu- 
wenden haben. (P. Z- 
-=- Dr. Dittes in Wien iſt um Bewilligung eines einjährigen 
Urlaubs eingefommen, welchen er theils zur Stärkung ſeiner angegriſfe-
	        

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