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Wiſſen in Erſtaunen ſetzen. Es jab ſol auf dem Uhrenzifferblatte nicht lejen konnten; andere. wußten niht, aus
wie vielen Fahren ein Jahrhundert beſtehe; in Europa gab es für ſie -
nur ein Land, Spanien. GlüEliherweiſe wurde dieſer Mangel an Wiſſen
aufgewogen dur< viel natürlichen Verſtand, beſonders bei den Kreolinnen.
Jſt es übrigens ein Wunder, daß man höchſt ſelten eine Frau mit einem
Buche in der Hand ſieht, wenn man weiß, daß die mittlere Temperatur
in jenen Gegenden 32 8 Wärme beträgt? Uebrigens hat die kleine Zahl
von Büchern, welche von Europa na Eintritte in dieſe Stadt eine Zenſur zu paſſiren, welche in den Händen
der Mönche und der Regierung liegt.
Am Ende des 16. Jahrhunderts wurde von einem ſpaniſchen Mönche
aus frommen Vergabungen ein Aſyl und eine Unterrichtsanſtalt für junge
Mädchen IJeſtiftet, deren Väter im Dienſte Spaniens geſtorben waren;
ebenſo die St. Jſabella-Sc nier aufgenommen und unterric dieſer Häuſer Gelegenheit finden, ſic) zu verheiraten, erhalten ſie aus der
Stiftung 2500 Fr. als Ausſteuer; bleiben ſie unverheiratet, ſo verbleiben
ſie bis zu ihrem Tode in der Anſtalt, welche ſie nährt, logirt, kleidet und
ihr ein monatli Mädchenſchulen meiſtens unter der Leitung der barmherzigen Schweſtern,
welche 1860 im Gefolge der Jeſuiten eingewandert ſind- Seit 1870 be-
ſteht aum ein Lehrerinnenſeminar, geſtiftet vom obengenannten Exdomini-
kaner und Biſchof Gainza, welcher zu etwas liberaleren Jdeen gekommen
zu ſein ſcheint.
Prof. Max MWüller's ausSprühbße über lauttreue
Sreibung. Prof. Müller, einer der grösten etimologen unſerer
zeit, ſagt u. a. in ſeiner 3rift On Spelling, London, F. Pitman,
1876: 'Je älter ih verde, desto mer überzeuge if mih, das di
moenSzen nihts heftiger erzürnt unt in irem unglauben unt in dem
hartnäkkigen viderStand gegen neuerungen bestärkt als unleug-
bare tatſahhen unt unangreifbare gründe. Reformen verden durk
di zeit gevirkt, unt vas Slislik meist den ſig herbeifürt, ſint ge-
meiniglih nißt etva fernunftgründe, ſondern irgent velße zufälle
unt niht ſelten fernunftvidrige bevegründe. -- --- Deghalb ſolten
praktize reformatoren nimals rasten noß ruen. -- -- Si ſolten
dasselbe immer unt immer viderbholen, unbeirt durß gleißgiltig-
keit, Spot, ferahtung unt alle di andern vaffen, velhe di velt ſo
ausgezeihnet gegen jeden, der ire rue ötört, zu Svingen veis.“ -- --
In jeder geSribenen 8praße mus ſifß früer oder Später der
rüf naß ferbesSerung der feralteten Sreibung erheben, unt es 53t
unſere pfliht, nah dev mitteln zu forzen, velhe diſem in dem
eigentlihsten leben der 3praße ligenden übel apzuhelfen fermag.
Ven meine freunde mir ſagen, 30n di idö einer ortografireform ſei
donkizotteri, es ſei zeitferäSvendung, ein ganzes folk zum aufgeben
ſeiner historizen Sreibung unt zur anname einer fonetizen orto-
grafi bevegen zu vollen, ſo beuge ih miß för irer klügheit, inſo-
fern ſi männer der velt ſint. Aber da iß kein man der velt bin,
ſondern ein beobaßkter der velt, ſo bleibt mein interesSe an dem
gegenztande unt meine überzeugung fon däm, vas reht unt un-
reßt ist, durfaus unberürt fon ſolfen rükſihten. Di männer der
visSgenäaft dürfen niht darum aufhören, värbeiten festzuhalten unt
auszu3prehhen, veil di veltklugen diſelben törikt unt abenteuerlih
nennen; den der fortzrit des ganzen menzengezöleßts iSt meist fon
ſolken "toren* herbeigefürt, vi vir es ſint; fon 'toren“, di "kün
eindringen, vo ſelbst engel hinzutreten ſih fürhten, bis der pfad
geebnet ist, unt di engel ſih niht länger fürkten“ IR babe
abenteuerlikere anſihten über S3praßvisSenzaft gehögt unt ausge-
SprobRen, als di überzeugung, das di Engländer dasgselbe fol-
bringen können, vas di Spanier unt Holländer folbraßt haben
unt di Deutzen eben jezt erötreben.“ -- -- (Slus folgt.)
Kurze Mittheilungen. Miniſter Dr. Bal hat ſ ſeine Entlaſſung nachgeſucht. Ehe dieſe Zeilen dem Leſer zu Geſicht
kommen, iſt die Angelegenheit vielleiht ſ die preußiſche, ja deutſche Lehrerſchaft wünſchen8werthen Weiſe -- nämlich
jo, daß Dr. Falk an die Spitze eines eigenen Unterrichtsminiſte-
rrums tritt --, läßt ſic) heute noF&Z nicht vorherſehen. Nur ſo wäre
aber einige Garantie vorhanden, daß nicht jede Wendung des Windes
ib „arHtichen Angelegenheiten auch das Unterrichtsweſen aufs tiefſte er-
itterte.
-- Der preußiſche Kultus8miniſter hat die Provinzialſ kollegien auf eine Schrift des Augenarztes Katz: „Die Urſachen
der Erblindung“ mit der Veranlaſſung hingewieſen, dem Abſchnitte
derſelben, betreffend die Verſchuldung der Schule au der Kurzſichtigkeit
eines großen Theiles ihrer Schüler, ihre beſondere Aufmerkſamkeit zu
widmen.

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* == Na Jahre 1872--74 umfaßt, beſaßen von den 23 599 Gefangenen des Jahres -
1874 höhere Bildung: 247; vollſtändige Elementarſhulbildung: 5227;
mangelhafte Bildung: 12 740; 1793 konnten nur leſen, und ohne alle
Sculbildung waren 3592. Drei Viertheile aller Gefangenen waren alſo
ohne, oder beſaßen doc nur eine mangelhafte Schulbildung. -- Hat alſo
die erhöhte Schulbildung ein Sinken der Sittlichkeit und eine Vermehrung
der Verbrechen im Gefolge? Zahlen ſprechen und zwar mit einer ze-
wiſſen überzeugenden Beweiskraft. Je breiter und tiefer der Aufklärungs-
ſtrom dahinfließt, deſto nüßlicher wirkt er, gleich dem nutzbringenden
Waſſer des Nil. Beide Ströme lagern ab und befruchten das über-
ſ vefea veiteten Boden neben dem nützlihen Weizen auch I M
gedeiht. . A. M.
-- Au< im Regierung3bezirke Köslin ſind die Lehrer zum größten
Theil mit einer einmaligen Gehalts8zulage in Höhe von 90, 75,
70 und 60 M, bedacht worden, jedoch „unter der Vorausſezung“, wie
die betreffende Regierungsverfügung wörtlich lautet, „daß die Frau reſp.
Tochter des Empfängers den Handarbeitsunterricht in ſeiner Schule bis zum
1. April 1879 unentgeltlich ertheilt.“ Diejenigen Lehrer, in deren Shu-
len genannter Unterri Perſonen ertheilt wird, werden angehalten, eine Quittung in Pie der
für den Handarbeitsunterricht feſtgejeßten Summe unter der Bezeichnung
„einmalige Gehaltszulage“ oder auh „außerordentliche Unterſtützung“ auf
ſeinen Namen auszuſtellen, das Geld auf der Kreisſteuerkaſſe zu heben
und es jener fremden Perſon auszuhändigen. -- Ob andere Regierungen
ebenſo verfahren ? (Pr. L.)
=- Wie Charlottenburg ſeine Leute bezahlt, erfahren wir aus
einer Bekanntmachung des Gemeindekir vom 8. April 1878. Derſelbe ſucht einen „Militäranwärter“ als Glöd>-
ner, welhem „außer dem GloFenläuten und Balgentreten die-Reinigung
und Heizung der Kirche und die gartenmäßige Pflege der Anlagen um
dieſelbe obliegt“ und zahlt demſelben, allerdings „ohne Penſion8berech-
tigung“, auc< muß er ſi< die „Werkzeuge und Geräthſc ſchaffen, jährlich 1300 Mark. = Seine Janze Beſchäftigung beſteht alſo
darin: täglich um 738/; und 123/4 Uhr zur Schule zu läuten, Sonnabends
die Kirc nachmittags einzuläuten, die Balgen zu treten und die Gartenanlagen
im Sommer zu pflegen. Wahrlich eine anſtändige Bezahlung für geringe
Dienſte ; denn nehmen wir den Sonntag aus, ſo hat ja ein GlöFner da-
ſelbſt die ganze Woche über ſo Fut wie nicht8 zu thun und kann, wenn
er irgend etwas gelernt hat, noch jedes beliebige Handwerk betreiben und
Geld verdienen. Wir gönnen ihm das von Herzen und wollen nur eine
Parallele ziehen zwiſHner und Schullehrer“ daſelbſt. Leß-
terer erhält, wenn er in Charlottenburg als ſtädtiſcher Beamter angeſtellt
wird, zuerſt nur 1200 Mark (wahrſcheinlich weil er keine Beſen und
Sippen zu kaufen braucht, 100 Mark weniger!) und muß 6 Jahre lanz
warten, ehe ihm eine Zulage von 150 Mark gewährt wird. Dafür muß
er aber als „junger Lehrer“ wöchentlich mindeſtens 28 Stunden abjol-
viren. Vergleihen wir beide Stellungen und beide Einnahmen, wahr-
lic<, da möchte man -- lieber „Militäranwärter“ ſtudiren, ehe man 5--6
Jahre lang vor'm Katheder ſitzt, ſ erl. Ztg.
-- Die 86 ſtädtiſMen Volksſ Minimalgehalt von 1200, einen Maximalgehalt von 2700, einen Durch-
j nach 38jähriger Dienſtzeit errei ziehen ein Minimum von 1200, ein Maximum von 5400, -- einen Dur<-
jhnitt8gehalt von 2250 M. --- Die „Heſſ. Schulz.“ bringt weitere Ver-
gleihe: Ein Wegewärter bekommt ſo viel Gehalt wie ein Lehrer nach
6 Dienſtjahren; 6 Lehrer haben ebenſo viel, 20 Lehrer weniger als die
Nohrleger der Waſſerleitung und die Kaſſendiener. Die Mehrausgaben
gegen das Vorjahr für die ſtädtiſchen Beamten betragen in dieſem Jahre
23 765 M.; die für die Lehrer 1800 M., d. Hh. 2/;g jener Summe. Das
iſt die bekannte AnsSnahmeſtellung, der ſi der Volksſ freuen hat. - -
-- „Freude herrſ ſtadt. Sowohl der Hr. Oberbürgermeiſter Ohly, der der Viſitation der
d5 Schulklaſſen bis auf 2 oder 3 beigewohnt hat, wie auch die „Darmſt.
Zeitung“ haben ſic außerordentlich günſtig über die Lehrer und Lehrerin-
nen ausgeſprochen. Ja, genannter Herr lud die Behörden und jämtliches
Lehrperſonal zu einem gJemeinſchaftlichen Ausfluge nacQ Traiſa ein, der
Lehrerſchaft zu Ehren. Bei dieſer Gelegenheit ſagte er, daß er ſich's zur
Aufgabe gemacht habe, das Darmſtädter Schulweſen zu einem muſter-
ziltigen für Heſſen und womöglic< für ganz Deutſ an pm die Ueberzeugung gewonnen, daß „ſein Jdeal der Verwirklichung
nahe jei“,
=- Eine Schulſparkaſſe eigner Art iſt die ganz gewöhnliche Spar-
kaſſe zu Jungbunzlau in Böhmen. Sie ſpart nicht in der Schule,
au< nicht an der Schule, ſondern für die Schule. Die Verwaltung
dieſer Kaſſe hat nämli< aus dem Reinertrage des Geſchäftsjahres 1877
für wohlthätige Sce 19 420 fl. überwieſen. Gegen dergleichen
wird der überzeugungstreueſte Wegner der Schulſparkaſſen nichts einzu-
wenden haben. (P. Z-
-=- Dr. Dittes in Wien iſt um Bewilligung eines einjährigen
Urlaubs eingefommen, welchen er theils zur Stärkung ſeiner angegriſfe-

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