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VSagesgeſchichtliches und Feuilleton.
=-- Die Antwort Miniſter Dr. Falk's, welche derſelbe auf eine
von 240 Lehrern der Stadt Frankfurt a/M. an ihn gerichtete Adreſſe
dem Gymnaſtialdirektor Dr. Mommſen ertheilte, lautet:
„Die Adreſſe, welche in ſo freundlichem Gewande von Dirigenten und
Lehrern der Schulen zu Frankfurt am Main unter dem Datum des 18.
Juni an mich geſandt worden iſt, trägt an erſter Stelle Eurer Ho geboren Namen. Wollen Sie mir darum die Bitte erfüllen, der Ver-
mittler meiner Antwort an ſämtliche Herren Unterzeichner zu ſein. Die
bewegenden Worte der Zuſchrift verpflihten mic Wie könnte auH ein Unterrichtsminiſter anders empfinden ? Sprechen doch
nahezu dritthalb hundert deutſche Lehrer, welche den verſchiedenſten Re-
ligionSbefkenntniſſen angehören, den verſchiedenſten Gauen des Vaterlandes
entſtammen, an den verſchiedenſten Geſtaltungen unſerer Shule wirken,
ihm aus, daß er den Geiſt freier, unverbrüchliher Treue für König und
Vaterland, echter, auf ungeſ und freudigen Feſthaltens an den Bildungs- und Humanitätsideen unſerer
großen Vorzeit in den Lehrern der deutſ dieſem Geiſte heraus bezeichnen jene Männer es als ihre zuverſichtli Hoffnung, daß der deutſche Lehrerſtand und ſomit unſere Schule ſich be-
währen werde in den ſc unſerer Tage, gegen gott» und vaterlandsloſe Selbſtſucht. Jn Gottes
Hand liegt die Erfüllung dieſer Hoffnung. Aber ſollte er das Vollbringen
verſagen, wo er das Wollen gegeben hat? Zum ernſten Wollen aber
bekennen ſich ſo viele Lehrer des mächtigen Gemeinweſens Frankfurts in
ihren an mich gerichteten warmen Worten. Und ſie ſtehen nicht allein.
Bertreter weiter Kreiſe der deutſchen Lehrerſchaft haben in gleichem Sinne
ihr Gelöbniß an den Stufen des Thrones niedergelegt; zahlreiche Zu-
ſchriften, welhe mir von Lehrern aus allen Theilen des Vaterlandes zu-
gingen, bezeugen dasſelbe. Dürfen wir darum nicht trotß ſchwerer Sorge
mit Muth und Hoffnung auh ferner in die Zukunft blien ? J< meine,
wir dürfen es, wenn wir treu ausharren in Erfüllung der erkannten
Pflicht.“
Das Schulweſen im Landgebiete Bremens. An den 26 Volks-
ſchulen im Landgebiete der freien Hanſeſtadt Bremen ſind 82 Lehrkräfte
thätig. Neun von den Sculen ſind einklaſſig, die übrigen meiſt drei-
klaſſig. Die Schule zu Haſtedt jedoch hat 12, die zu Oberneuland 9, die
zu Walle 8 Klaſſen. An jeder mehrklaſſigen Schule hat der von der Ge-
meinde gewählte Oberlehrer (Sc Küſter und Organiſt iſt, die Leitung und ſpezielle Aufſiht. Die übrigen
Lehrer (ordentliche Lehrer und Hilfsiehrer) werden vom Staate angeſtellt.
Während früher die Landſchulen der Senatskommiſſion für kir gelegenheiten unterſtellt waren, haben ſie jezt mit den ſtädtiſchen Schulen
eine gemeinſame Oberbehörde, das Scholar minardirektor Dr. Credner mit der Inſpektion der Landſchulen beauftragt.
Nur in zwei Gemeinden Jiebt es einen beſondern Schulvorſtand; in den
übrigen Gemeinden iſt der Schulvorſtand, bezw. deſſen Vorſitzender, der
Prediger, die dem Lehrer vorgeſelzte Gemeindebehörde, Die Oberlehrer
(als jolche gelten auch die Lehrer an einklaſſigen Schulen) haben im
Kir räume und Subſellien zu liefern, während der Staat in freigehigſter
Weiſe die Lehrmittel anſchafft. Die Lehrergehalte werden aus dem von
der Gemeinde zu erhebenden Sulgelde und dem vom Staate gewährten
Zuſchuſſe beſtritten. Welchen kleinen Bruchtheil der zu zahlenden Gehalte
das Schulgeld au8macht, beweiſt der Umſtand, daß mehrklaſſige Schulen
einen Staat8zuſ beträgt für Hilfslehrer 1000 M., nah 2?/gjähriger Dienſtzeit 1300 M.
Ordentliche Lehrer und Hilfslehrer erhalten 1500 M., ſteigend von 5 zu
5 Jahren um 250 M. bis 2500 M. Hilfslehrer, welche die zweite Prü-
fung beſtanden haben, werden nach fünfjähriger Dienſtzeit zu ordentlichen






Lehrern ernannt. Die AnuSszahlung des Gehalts geſchieht monatlich prä-
numerando. Küſter- und-Organiſtendienſte werden beſonders honorirt. --
Eine Niederlezung des Amtes ſeiten des Lehrers kann nur am 1. April
oder 1. Okt. nam einer vorhergegangenen, mindeſtens dreimonatlichen
Kündigung erfolgen. Die Entlaſſung eines Hilfslehrers8 kann durc< Kün-
digung des Scholar und ordentliche Lehrer können vom Scholar nac< von dieſer Behörde vorzunehmender Disziplinarunterſuchung es ſich
bherausſtellt, daß der Betreffende die ihm in ſeinem Amte obliegenden
Verpflichtungen gröblich vernachläſſigt, oder ſich eines groben Bergehens,
eines unordentlichen Leben8wandels, oder einer Verletzung der guten Sitte,
oder der Ahtung gegen die Behörde, gegen den Oberlehrer oder ſeine
Kollegen in ſolhem Maße ſchuldig gemacht hat, daß ſeine Entlaſſung im
Intereſſe de8 Schulweſens geboten erſcheint. =- Die Aufnahme neuer
Schüler geſchieht jährli< einmal, am 1. April. -- Der Lehrplan iſt vom
Oberlehrer unter Mitwirkung des Lehrerkollegiums auszuarbeiten und
dem Scolar reſp. Abtheilungen ſind folgende Lehrfächer vorgeſ ſelben meiſtens die beigefügte Stundenzahl gewidmet: Religion 4, Deutſch
4, Leſen 2--3, Rechnen 4 --5, Raumlehre 2 (nur für Knaben), Zeichnen 2,
Screiben 1--2, Singen 2, Geſchichte 2, Geographie 2, Naturgeſchichte 2,
Naturlehre 2, Handarbeit für Mädchen 2-4.
Die wöchentliche Stundenzahl beträgt für die unteren Klaſſen 22--24,
für die mittleren 24--28 und für die oberen 30. Die Zahl der von einem
Lehrer regelmäßig -- abgeſehen von der in Ausnahmefällen zu leiſtenden
Aushilfe -- zu ertheilenden Unterrichtsſtunden kann wöcentlic< bis auf
32 beſtimmt werden, beträgt jedoch in Wirklichkeit nie über 30.
OÖ. H. (Hann. Sdulztg.)
Die Jahresverſammlung der Seminarlehrer von Rheinlaud
und Weſtfalen wurde im Juni zu Düſſeldorf abgehalten; ſie war
von etwa 40 Theilnehmern beſucht und verhandelte über den franzöſiſchen
Unterricht im Seminar nac Anſicht des Referenten hat ſich der fremdſprachlihe Unterricht auf eine
fremde Sprache zu beſchränken, um in dieſe tiefer eindringen zu können,
was bei dem geringen Maß an Zeit, das dieſem jüngſten Unterrichts-
gegenſtande der Seminare zugemeſſen, ſonſt ganz unmöglich iſt, und es
dann beſſer ſein wird, den fremdſprachlichen Unterricht ganz fallen zu
laſſen, als oberflä In den Seminaren wird nun entweder die lateiniſche oder die franzöſiſche
oder die engliſche Sprache gelehrt. Aus hiſtoriſ pädagogiſch-didaktiſ Ziel iſt zu bezeichnen: Sicherheit in der Ausjprac die Fähigkeit, leichtere Stüfe aus dem Franzöſiſ aus dem Deutſchen ins FranzöſiſMe mit Hilfe eines Wörterbuches über-
ſetzen zu können. Der Referent hatte die Hauptgedanken ſeines Vortrages
in folgenden Theſen niedergelegt: 1) Es iſt wünſchenswerth, daß im
Seminar fremdſprachlicher Unterricht ertheilt wird wegen ſeines formalen
und materialen Gewinns. 2) Es empfiehlt ſim, für den Seminarunter-
richt eine neue Spra<ße zu nehmen. 3) Als fremde Sprache iſt am
zwedmäßigſten die franzöſiſ tativ, jedoch iſt eine zahlreiche Betheiligung wünſchen8werth. 5) Die Ab-
theilungen im franzöfiſ der Zöglinge, ſondern nac; Jahrgängen gebildet. Als 6. Theſe war das
ſhon oben angegebene Ziel, ſowie der Stoff und ſeine Vertheilung auf-
geſtellt. Dieſe Punkte wurden darauf zur Beſprechung geſtellt. Zu Theſe
2 wurden 2 Zuſätße gemacht und dieſelbe dann in folgender Faſſung an-
genommen: „Der fremdſprachliche Unterri jedoM iſt eine zahlreihe Betheiligung wünſchen3werth ; der Zögling,
welcher dem fremdſpra Theilnabhme an demſelben verpflichtet, bis ihn die Konferenz dispenſirt
hat.“ Theſe 5 fand nicht die Zuſtimmung der Konferenz; dieſelbe ent-
ſchied ſich für Gruppenabtheilungen, gebildet nach der Fähigkeit der Zög-
linge. Der vorgerückten Zeit wegen konnte über das Ziel, den Stoff
und ſeine Behandlung nicht mehr berathen werden. Das Referat über
den 2. Gegenſtand der Tagesordnung: „Die Verbindung der Uebungs-
ſhule mit dem Seminar“, hatte Seminardirektor Bode-Neuwied über-
nommen. Der Referent entwidelte folgende Theſen: 1) Die Verbindung
des Seminars mit einer Seminarſc den Zwe hat, die ihm anvertrauten Zöglinge ſo vorzubilden, daß die-
ſelben befähigt ſind, unmittelbar nach ihrem Austritte aus dem Seminar
in die praktiſche Wirkſamkeit als Lehrer an den Volksſch 2) Damit die Seminarſ Sculpraxis einzuführen, löſt, muß ſie Muſter- und Uebungsſhule ſein.
3) Soll dieſes Ziel erreicht werden, ſo iſt nothwendig, daß der geſamte
Unterricht, welchen die Seminariſten erhalten, das praktiſche Ziel, dieſel-
ben zu tüchtigen Volksſchullehrern zu bilden, unverändert im Auge be-
halte und ſo die Thätigkeit derſelben in der Seminarſchule vorbereite.
4) Die Seminarſchule iſt wo möglich zugleih Stadtſchule, d. h. es wer-
den ihr na< Vereinbarung mit der Ortsgemeinde ſämtliche Kinder oder
der ihren Bedürfniſſen entſprechende Theil überwieſen. Wo dies nicht zu
erreichen iſt, muß eine außerhalb des Organigemu8 der Gemeindeichulen
ſtehende ſelbſtändige Seminarſchule gegründet werden. 5) An jedem
Seminar iſt die Errichtung einer mehrklaſſigen Seminarſchule dur nothwendig. Eine mehrklaſſige Schule iſt vorzugsweiſe da Bedürfniß,
wo die Mehrzahl der Seminariſten vorausſichtlich ſpäter in mehrklaſſigen
Sculen wirken wird. JIſt die Einrichtung einer mehrklaſſigen Seminar-

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